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Veröffentlicht am 10.04.2020

Der verzweifelte Versuch der großen Liebe hinterherzujagen

Zweimal im Leben
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Catherine hat das große Glück in ihrer Jugend ihrer großen Liebe begegnet zu sein. Es passt Alles. Lucian und sie sind Seelenverwandte, die sich perfekt ergänzen.

Trotzdem muss wohl irgendetwas schiefgegangen ...

Catherine hat das große Glück in ihrer Jugend ihrer großen Liebe begegnet zu sein. Es passt Alles. Lucian und sie sind Seelenverwandte, die sich perfekt ergänzen.

Trotzdem muss wohl irgendetwas schiefgegangen sein ,wenn wir sie 15 Jahre später als Pflegefall mit einer psychischen Störung namens Mutismus (psychisch bedingte Stummheit) erleben. Sie hat nicht ihre große Liebe Lucian geheiratet, sondern Sam und mit ihm auch 2 Kinder bekommen. Ein Seitensprung von Sam ist der Auslöser, dass sie über iher Freundin Liv, den Mann, den sie nie vergessen konnte und den sie damals von jetzt auf gleich ohne Erklärung verlassen hat, wiedersieht. Sofort sind die Gefühle für ihn wieder da, und es scheint so, als bekomme Catherine eine 2. Chance dieses Mal mit Lucian glücklich zu werden. Natürlich ist ihr Leben inzwischen ein anderes. Sie hat Kinder, die sie liebt und Sam's One Night Stand war wohl eine Verzweiflungstat, da er spürte, dass Catherine ihn nie so lieben würde, wie sie Lucian geliebt hatte. Auch die Lebensumstände sind grundsätzlich verschieden. Mit Sam hat sie ein solides, gutes Leben, Lucian bewegt sich in ganz anderen Kreisen. Geld spielt keine Rolle. Parties mit schnöseligen Freunden haben von je her sein Leben bestimmt. Doch es soll wohl nicht sein. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu und die Geschichte nimmt ihren dramatischen Lauf.

Die Autorin springt in 3 Zeitebenen hin und her. Der Roman spielt neben der Jetztzeit, in der ein Psychtherapeut versucht Catherine in ihr Leben zurückzuholen auch in Catherine's Jugend vor 15 Jahren. Die 3. Zeitebene vor 4 Monaten ist der Zeitpunkt, an dem sich Catherine und Lucian dann wiedertreffen. Mal ist die Geschichte außerdem aus Catherine's mal aus Lucian's Perspektive geschrieben. Am Anfang war dieser ständige Wechsel der Zeit- und Perspektivwechsel etwas verwirrend und störte den Lesefluss ein wenig. Aber nach einer Zeit hatte man sich an den ansonsten flüssigen Schreibstil von Clare Empson gewöhnt. Leider konnte ich keine emotionale Nähe zu den Figuren aufbauen. Diese Distanziertheit baute sich erst im letzten Drittel des Buches etwas ab.

Mein Fazit : Eine schöne Grundidee, ein Schreibstil, der Spannung aufbaut, sehr viel Drama und leider, leider Figuren, die mich kaum berühren.

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Veröffentlicht am 03.04.2020

Superwoman lässt grüßen

Endgültig
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Ein Thriller mit einer blinden Ermittlerin, jetzt Verhörspezialistin beim BKA, hörte sich interessant und spannend an. Jenny Aaron war nicht immer blind. Ein missglückter Einsatz in Barcelona, den sie ...

Ein Thriller mit einer blinden Ermittlerin, jetzt Verhörspezialistin beim BKA, hörte sich interessant und spannend an. Jenny Aaron war nicht immer blind. Ein missglückter Einsatz in Barcelona, den sie noch im Rahmen ihrer Tätigkeit als Elitepolizistin bei der Polizei durchführte, war schuld an ihrem Handikap. Als Tochter eines GSG 9 Kämpfers, hat sie offensichtlich die Zähigkeit ihres Vaters geerbt und nimmt ihr Schicksal nicht einfach nur hin, sondern arbeitet hart daran wieder die Beste zu werden. Sie trainiert die ihr verbliebenen Sinne bis zur Perfektion, beherrscht die Klicksonartechnik, eine Echolotlokalisierungsmethode wie bei der Fledermaus. Überhaupt steht sie den Superhelden aus der Comicwelt in keinster Weise nach. Leider kann ich mit Superhelden so überhaupt nichts anfangen.

Jenny Aaron wird von ihren ehemaligen Kollegen bei einem Mordfall um Hilfe gebeten und wird dadurch in ihr früheres Leben zurückkatapultiert. Der Mord sollte sie nach Berlin ködern, denn nach Barcelona scheint noch eine Rechnung mit ihr offen zu sein und sie muss mit einem ebenbürtigen Gegner um ihr Leben kämpfen, wie nie zuvor. Dieser Thriller hat auf jeden Fall was Spannung angeht seinen Namen verdient. Die Frau, die sich bei Nichts so beruhigt, wie beim Reinigen ihrer Waffe und auch als Blinde noch über eine Distanz von 80 Metern ins Schwarze trifft, wirkt auf mich eher wie eine Maschine, weniger wie ein Mensch. So lässt mich ihr Handeln auch irgendwie unberührt. Dass sie und ihre Kollegen sich nur mit Nachnamen ansprechen verstärkt diesen Effekt für mich ebenso, wie der vielfach stakkatoartige Schreibstil des Autors.

Dieser Thriller ist ausgesprochen brutal, sehr komplex in seiner Handlung mit Figuren, die einem Marvel Comic entsprungen sein könnten. Es gibt sicher Fans für diese Art der Spannungsunterhaltung. Ich konnte mit den Protagonisten leider gar nicht warm werden und habe so manche Verfolgungszene auch nur noch überflogen.

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Veröffentlicht am 02.04.2020

Ein Rückblick zu den Anfängen der Psychiatrie

Die Tanzenden
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In ihrem Debütroman " Die Tanzenden", der im Original "Le bal des folles" (Der Ball der Verrückten) heißt und mir ehrlich gesagt viel besser gefällt als der deutsche Titel, erzählt die Autorin Viktoria ...

In ihrem Debütroman " Die Tanzenden", der im Original "Le bal des folles" (Der Ball der Verrückten) heißt und mir ehrlich gesagt viel besser gefällt als der deutsche Titel, erzählt die Autorin Viktoria Mas vom Schicksal der Frauen, die in Paris 1885 in die Salpêtrière eingeliefert wurden , der im 19. Jahrhundert wohl bekanntesten Nervenheilanstalt Europas. Stellvertretend für die vielen Frauen, die aus heutiger Sicht aus den widersinnigsten Gründen zu Verrückten abgestempelt wurden, stehen die Protagonistinnen Eugénie, Louise und Therese Pate. Aber auch die Sicht einer Pflegerin wird durch Geneviève gespiegelt, die schon 20 Jahre in dieser Einrichtung arbeitet und den führenden Professor Charcot bewundert und keine seiner Methoden in Frage stellt.

Die Autorin beschreibt diesen Ort so: "Eine Mülldeponie für all jene, die die öffentliche Ordnung gefährden. Eine Anstalt für Frauen, deren Empfindungen nicht den Erwartungen entsprachen. Ein Gefängnis für diejenigen, die sich einer eigenen Meinung schuldig gemacht haben."

In dieser durch und durch patriarchischen Gesellschaft schließt Viktoria Mas daraus : " Dass die Männer ihnen solche Grenzen aufgezwungen hatten, legte den Gedanken nahe, dass sie die Frauen nicht verachteten, sondern vielmehr fürchteten."

Die meist einfachen Frauen sind überrascht, als eines Tages die junge Eugénie aus gutem Hause von ihrem Vater in Begleitung ihres Bruders eingewiesen wird, weil sie die Geister von Toten sieht und mit ihnen sprechen kann. Die junge Frau hat wenig Hoffnung die Anstalt jemals wieder verlassen zu können. Doch als es ihr gelingt zu der obrigkeitshörigen Oberaufseherin eine Verbindung aufzubauen, schöpft sie neue Hoffnung. Sie ist zu einem Zeitpunkt in die Salpêtrière gekommen, an dem der triste Alltag der "Verrückten" voller Vorfreude auf das Ereignis des Jahres, den Ball zu Mittsommer unterbrochen wird. Es ist ein Ball, der der Pariser Gesellschaft die Gelegenheit gibt, hinter die Kulissen der berümten Nervenheilanstalt zu schauen. Die Mädchen kostümieren sich und freuen sich auf einen außergewöhnlichen Abend, die feine Ballgesellschaft hofft, den einen oder anderen hysterischen Anfall schaulustig beiwohnen zu können. Der Professor des Hauses ist auch bekannt dafür, in Hypnosevorführungnen Anfälle seiner Patientinnen zu provozieren.

All das schreibt Viktoria Mas mit leichter Feder dahin, so dass man ihren Ausführungen gerne folgt, Sympathie und Mitleid für ihre Protagonistinnen empfindet und die jungen Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen, natürlich auch für ihren Mut bewundert. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, die schöne Sprache genossen aber fand es schade, dass die Hauptfigur Eugénie ausgerechnet mit Geistern spricht. Mir hätte es besser gefallen, man hätte sie für ein vorgeschobenes Vergehen weggesperrt, um sie einfach mundtot zu machen.

Trotzdem ein tolles Debüt, dass ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 22.03.2020

Schöner Generationenroman über Familie, Heimat und Identität

Belmonte
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In dem wunderbaren Familienroman "Belmonte" von Antonia Riepp geht es um die Familiengeschichte von Simona, die als Landschaftsgärtnerin in Kempten im Allgaü lebt und von ihrer Großmutter Franca, zu der ...

In dem wunderbaren Familienroman "Belmonte" von Antonia Riepp geht es um die Familiengeschichte von Simona, die als Landschaftsgärtnerin in Kempten im Allgaü lebt und von ihrer Großmutter Franca, zu der sie ein inniges Verhältnis hat, deren Familienwohnsitz in Italien erbt.

Ohne allzu große Erwartungen fährt sie nach Italien, um sich das geerbte Haus anzuschauen und trifft dort nicht nur auf eine italienische Großfamilie, die sie sofort herzlich aufnimmt, sondern wird auch mit der Lebensbeichte ihrer Großmutter konfrontiert, die ihr die Augen auch über ihre eigenen Wurzeln öffnet. Die Reise kommt zu einer Zeit, in der sich Simona's Leben sowieso gerade an einem Scheidepunkt befindet. Ihren Job in der Landschaftgärtnerei hat sie gerade verloren, mit ihrem Freund Sebastian läuft es auch nicht ganz optimal. Außerdem hat ihre geliebte "Nonna Franca" sich gewünscht, dass ihre Asche in ihrem Heimatdorf Belmonte seine letzte Ruhestätte finden solle.

Der Roman wird aus der Perspektive von Simona, Franca und deren Mutter Teresa geschrieben und führt den Leser mit Teresa zurück bis ins Jahr 1944. Das Schicksal dieser starken Frauen aus mehreren Generationen weist erstaunliche Parallelen auf. Der flüssige, bildhafte Schreibstil der Autorin lässt ein Bild von dieser wunderschönen Landschaft in den italienischen Marken entstehen und das italienische Lebensgefühl springt förmlich auf den Leser über.

Die Protagonistinnen waren mir allesamt sympathisch und, besonders das Schicksal von Teresa, die sogar eine Zwangsheirat etragen musste, hat mich sehr angerührt. Den Stammbaum, der sich hinter dem Deckblatt des Buches verbirgt, empfehle ich allerdings zu Beginn des Romans nicht allzu ausführlich zu studieren, weil er doch Dinge vorwegnimmt, die erst im Laufe der Geschichte enthüllt werden. Man kann auch ohne diese Hilfe dem Handlungsverlauf problemlos folgen.

Ansonsten habe ich keine Kritik und empfehle diese Saga, die mir viele schöne Lesestunden beschert hat sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 15.03.2020

Wie die Kindheit unser weiteres Leben prägt

Neujahr
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Einem spontanen Entschluss folgend, macht sich Henning am Neujahrsmorgen ,während des Familienurlaubs auf Lanzarote, mit dem Fahrrad auf, den Atalaya Vulkan zu erklimmen. Untrainiert mit schlechter Ausrüstung ...

Einem spontanen Entschluss folgend, macht sich Henning am Neujahrsmorgen ,während des Familienurlaubs auf Lanzarote, mit dem Fahrrad auf, den Atalaya Vulkan zu erklimmen. Untrainiert mit schlechter Ausrüstung und wie er unterwegs bemerkt sogar ohne Wasser, kraxelt er dennoch die Bergstraße immer weiter hoch und reflektiert dabei sein Leben, dass in einer Krise steckt. Er steht mit beiden Beinen im Leben, hat 2 gesunde Kinder und lebt ein modernes Familienmodell mit seiner Frau, bei dem sich beide Partner gleichermaßen auch um die Kinder und den Haushalt kümmern. Doch irgendwie überfordert ihn dieses Leben, und seit der Geburt der Tochter leidet er an Panikattacken und weiß nicht warum.

Im ersten Teil des Buches, der sich fast bis zur Mitte zieht, ist Henning mit seiner Radtour beschäftigt. Der Leser partizipiert an seinen Gedanken und Emotionen. Schließlich kommt er dehydriert und entkräftet an einem einsamen Hof aus, wo die Bewohnerin seinen desolaten Zustand erkennt und ihn erst einmal bewirtet, damit er wieder zu Kräften kommt. Henning hat in dem Haus sofort das Gefühl ein Dejà Vu zu erleben. Es stellt sich heraus, dass es ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit gab, dass sein Unterbewusstsein komplett verdrängt hat und das jetzt wieder zum Vorschein kommt.

Das Buch wird spannender und entwickelt einen Sog, wie in einem Krimi. Ich fand das Buch ein bisschen vorhersehbar. Wenn man aufmerksam liest, ahnt man was kommen wird. Trotzdem ist es fesselnd geschrieben und birgt Stoff zu Nachdenken. Das Ende ist mir etwas zu schnell abgehandelt. Ich vergebe gute 4 Sterne, da ich den Schreibstil von Juli Zeh sehr gerne mag. "Leere Herzen" hat mir allerdings noch etwas besser gefallen.

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