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Veröffentlicht am 31.07.2019

Eine neue Dimension des Organhandels

Der Preis des Lebens
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Der bei Benevento_Publishing erschienene Kriminalroman "Der Preis des Lebens" von Bernhard Kreutner befasst sich mit dem schaurigen Thema Organraub. Eine bestens ausgerüstete Organisation von Spezialisten ...

Der bei Benevento_Publishing erschienene Kriminalroman "Der Preis des Lebens" von Bernhard Kreutner befasst sich mit dem schaurigen Thema Organraub. Eine bestens ausgerüstete Organisation von Spezialisten betreibt in der Geschichte einen florierenden Handel mit Wunschorganen für eine zahlungskräftige Kundschaft. Die oft jungen, gesunden Opfer werden gezielt ausgewählt und verschwinden nach Entnahme der benötigten Organe von der Bildfläche. Das ist eine gruselige Vorstellung und ein Geschäftsmodell, dass von deren Erfindern äußerst erfolgreich und völlig empathielos betrieben wird.

Die Polizei wird auf das Existieren dieser Organmaffia erst aufmerksam, als auf dem Wiener Zentralfriedhof zwei Leichen in einem Sarg entdeckt werden, eine "Auferstehung", wie dieser Vorfall zynischerweise bei den skrupellosen Organhändlern genannt wird. Bei dem strafversetzten Ermittler Michael Lenhart und seiner ebenfalls sehr unangepassten Kollegin Sabine Preiss ist der Fall in besten Händen. Bei einem Fall dieser Größenordnung wird natürlich auch die Politik mit ins Boot geholt.

Durch die stetigen Perpektivwechsel kann der Leser auch gut nachverfolgen, wie die Verbrecherbande auf die wachsende Polizeibedrohung reagiert. Ich fand das Thema sehr interessant und war besonders gespannt, wie die Logistik bei diesem menschenverachtenden Gewerbe wohl funktionieren würde. Unfassbar, aber der Umgang mit den eigenen Daten trägt wohl deutlich dazu bei, dass das vom Autor gezeichnete Schreckensszenario durchaus machbar erscheint.

Leider bin ich mit dem philosophierenden Ermittler Michael Lenhart nicht so richtig warm geworden. Die teils etwas schwülstigen Dialoge haben mir nicht so gut gefallen. Außerdem hätte der Plot gerne etwas spannender sein können.Trotzdem ist dieser Krimi von Bernhard Kreutner meiner Meinung nach solide Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt. Sehr ins Herz geschlossen habe ich den "Bürodrachen" Frau Wolf, die in schönster Mundart parliert und schnell dem Wiener Charme von Ermittler Lenhart erliegt.

Von mir gibt es 3,5 (bzw. aufgerundet 4) Sterne.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Mit der Sprache der Blumen

Vanitas - Schwarz wie Erde
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Mit " Vanitas - Schwarz wie Erde" startet die Autorin Ursula Poznanski eine neue Serie. Caro Bauer ist eine Getriebene. Bis zum Schluss weiß man nicht genau was ihr eigentlich genau widerfahren ist. Es ...

Mit " Vanitas - Schwarz wie Erde" startet die Autorin Ursula Poznanski eine neue Serie. Caro Bauer ist eine Getriebene. Bis zum Schluss weiß man nicht genau was ihr eigentlich genau widerfahren ist. Es gibt immer wieder Andeutungen von einem Clan, der hinter ihr her ist und sie ständig in Todesangst versetzt, und dass ,obwohl die Polizei ihr Begräbnis inszeniert hat und ihr eine neue Identität und einen neuen Job beschafft hat.

Robert, ihr Kontaktmann bei der Polizei hat dafür gesorgt, dass sie jetzt in einem Blumenladen unlängst des Wiener Zentralfriedhofs arbeitet, sehr makaber! Trotz aller Vorsichtsmaßnamen fühlt sich Caro nicht sicher. Sie rechnet jederzeit mit ihrer Entdeckung und einer grausamen Hinrichtung aus Rache für ihren Verrat. So mit sich beschäftigt, ist sie auch alles andere als begeistert, als Robert ihr einen neuen Auftrag gibt und sie nach München umziehen soll, um Informationen für ihn zu sammeln.Die Polizei will einer auffallenden Zunahme an Todesfällen in der Baubranche nachgehen und schleust Caro unter dem Decknamen Carolin Springer in das Wohnhaus der Tochter eines der betroffenen Baufirmen ein. Sie soll in die freie Wohnung gegenüber einziehen und Kontakt aufnehmen und Augen und Ohren offenhalten. Nur so könnte Robert ihr im Gegenzug weiteren Schutz garantieren.

Caro's berechtigte Ängste oder Paranoia werden sehr glaubhaft geschildert. Dennoch springt sie in München über ihren Schatten und ermittelt mehr als ihr aufgetragen wurde. Dabei geht sie Risiken ein, die sie in Bedrängnis führen. Die Geschichte ist flüssig und spannend erzählt. Man kann Caro's Handlungen nicht immer ganz nachvollziehen. So überängstlich sie oft wirkt, stellt sie ihre Ängste oft zugunsten ihrer Neugierde zurück. Ist das realistisch?

Ich bin wirklich ein Fan von Poznanski Büchern, aber so ganz überzeugt mich dieser Thriller nicht. Am Ende gibt es einen Cliffhanger und so wird Caro auch im nächsten Teil der Serie weiter davonlaufen. Sehr gefallen hat mir die Kommunikation zwischen Robert und Caro. Sie hält Nichts von Telefonieren, man könnte abgehört werden. Auch die schriftliche Kommunikation über eine supersichere App ist Caro viel zu unsicher. So kommuniziert man via Blumenbestellungen mit der Sprache der Blumen. Die Sträuße sind zwar meistens häßlich aber die Botschaften eindeutig.

Ich finde diesen Thriller zwar deutlich schwächer als seine Vorgänger und auch als die Jugendbücher die Ursula Poznanski geschrieben hat, aber ich werde ihr treu bleiben und bin gespannt auf den Nachfolger zu Vanitas-Schwarz wie Erde.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Bezaubernde e-mail Korrespondenz

An Nachteule von Sternhai
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Bett Devlin ist eine pfiffige 12Jährige aus Kalifornien, die sich Sorgen macht, dass ihr alleinerziehender, schwuler Vater eine Familienzusammenführung plant, nachdem er sich offensichtlich bei einer Baumesse ...

Bett Devlin ist eine pfiffige 12Jährige aus Kalifornien, die sich Sorgen macht, dass ihr alleinerziehender, schwuler Vater eine Familienzusammenführung plant, nachdem er sich offensichtlich bei einer Baumesse in den ebenfalls alleinerziehenden Vater der 12jährigen Avery Bloom aus New York verliebt hat. Was liegt näher als sich mit Avery zu verbünden, um das Schlimmste zu verhindern. Natürlich ist keinesfalls geplant, dass sie Freundinnen werden. Selbst als die sich ständig per e-mail austauschenden Fast-Teenager nicht mehr verhindern können, dass ihre turtelnden Väter sie im selben Sommercamp anmelden, beschließen sie dort nicht miteinander zu sprechen. Nur schriftliche Kommunikation halten sie für eine gute Idee.

Die beiden 12Jährigen sind grundverschieden, und gerade dadurch ergänzen sie sich eigentlich optimal. Während Bett (Sternhai) sportlich, wagemutig und eine große Tierfreundin ist, ist Avery (Nachteule) sehr ängstlich, und eher zurückhaltend aber auch schlau und belesen. Alle Charaktere sind von den beiden Autorinnen sehr liebevoll ausgearbeitet. Ich habe beim Lesen oft geschmunzelt und mich wunderbar unterhalten gefühlt.

Die Geschichte entwickelt sich trotz der vielen Interaktionen der jungen Damen überhaupt nicht nach Plan, nimmt aber für den Leser auch überraschende Wendungen. Auf jeden Fall kommt man nicht umhin eigentlich alle Figuren ins Herz zu schließen. Das Buch ist zwar für Leser ab 10 Jahren gedacht, aber auch als Erwachsener macht es ungeheuren Spaß in die Köpfe dieser tollen Mädchen zu schauen.

Auch optisch ist das Buch mit viel Liebe gestaltet. Die Motive Nachteule und Sternhai vom Titel wiederholen sich im Buch. Sie sind vor jede e-mail gesetzt, so dass man sofort den Verfasser der jeweiligen e-mail erkennen kann.

Ich gebe eine 100%tige Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.07.2019

Muss der Kapitalismus, wie wir ihn zur Zeit haben, überdacht werden?

GIER - Wie weit würdest du gehen?
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Als großer Marc Elsberg Fan war das neueste Buch "Gier" aus der Feder des österreichischen Autors für mich natürlich Pflichtlektüre. Ich habe mich dieses Mal für das Hörbuch entschieden, dass von dem ebenfalls ...

Als großer Marc Elsberg Fan war das neueste Buch "Gier" aus der Feder des österreichischen Autors für mich natürlich Pflichtlektüre. Ich habe mich dieses Mal für das Hörbuch entschieden, dass von dem ebenfalls bekannten und von mir sehr geschätzten Sprecher Dietmar Wunder vertont wurde.

Wie immer hat sich Elsberg mit einem hochaktuellen Thema befasst und daraus einen Thriller gemacht. Das Gefühl , dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer wird Jeder schon gehabt haben. In dem Roman "Gier" haben die Menschen genug von diesen Ungerechtigkeiten und verlangen auf der Straße in Massendemonstrationen ihren Anteil und dass, vor dem Hintergrund eines Gipfeltreffens in Berlin. Der Nobelpreisträger Herbert Thompson, der auf dem Gipfel eine Rede halten sollte, wird kurz vorher ermordet. Bei dem Mord, der wie ein Unfall aussehen sollte, gibt es einen Zeugen, den jungen Krankenpfleger Jan Wutte. Dieser wird dann auch durch ganz Berlin gejagt, wobei sich die Hetzjagd schließlich auch noch auf den Mathematiker Fitzroy Peel ausdehnt, mit dem Jan kurz nach seiner Flucht vom Unfallort Kontakt aufgenommen hat. Diese Figur Peel's ist genial, denn mit ihr kann der Autor komplizierte Wirtschaftstheorien auf einfache mathematische Beispiele für Jeden verständlich herunterbrechen. Natürlich werden viele Theorien der Volkswirtschaftslehre nur angerissen, aber das Fazit, das Kooperation und Teilen letztendlich dazu führt, dass Alle am Wohlstand partizipieren können, ist schon ein interessanter Gedanke.

Die Aufklärung des Mordfalls gerät bei den ganzen mathematischen Beispielen fast zur Nebensache. Das wäre dann auch schon mein einziger Kritikpunkt an dem Roman, der für mich aber nicht sehr schwer wiegt, da ich Elsberg's Art zu schreiben einfach mag. Außerdem hat er mir auch nach Beendigung des Hörbuchs genug Stoff zum Nachdenken gegeben. Als Hörbuch wirklich zu empfehlen, Dietmar Wunder hat wieder eine großartige Arbeit abgeliefert.

Veröffentlicht am 13.07.2019

Ein liebenswerter Roman ,voll mit Weisheiten über das Leben

Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel
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Mr. Doubler ist mit Herz und Seele Kartoffelbauer und das schon sein Leben lang. Er hat sich der Kartoffel verschrieben, mit ihr experimentiert, akribische Studien durchgeführt, bestehende Sorten weiterentwickelt ...

Mr. Doubler ist mit Herz und Seele Kartoffelbauer und das schon sein Leben lang. Er hat sich der Kartoffel verschrieben, mit ihr experimentiert, akribische Studien durchgeführt, bestehende Sorten weiterentwickelt und auch für die Wissenschaft bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen. Seine Leidenschaft hat dazu geführt, dass er jetzt im Alter ziemlich abgeschottet und alleine auf seinem Hof sitzt und quasi nur noch über seine Haushälterin Mrs Millwood etwas von der Außenwelt mitbekommt und vielleicht durch die sonntäglichen Pflichtbesuche seiner erwachsenen Kinder, die jedoch ein gewisses Unwohlsein auf beiden Seiten verursachen.

Erst als Mrs Millwood ernsthaft erkrankt und nicht mehr täglich zum Reinigen und dem gewohnten Mittagsplausch kommen kann, wird Mr. Doubler klar, dass Mrs Millwood viel mehr als eine Haushaltshilfe für ihn war. Zum Glück ist Mrs Millwood nicht nur liebenswert sondern auch kug und weise und sorgt vom Krankenhausbett aus dafür , dass sich Mr. Doubler wieder mehr den Menschen zuwendet. Stück für Stück beginnt dieser über seinen Schatten zu springen und Verantwortung auch für Andere zu übernehmen und gewinnt dadurch nicht nur Freunde sondern auch eine innere Zufriedenheit.

Seni Glaister ist mit dem Buch "Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel" ein rührender, philosophischer und humorvoller Roman gelungen, dessen Sprache ich einfach wunderbar fand. Er ist gespickt voller Lebensweisheiten und ich war besonders begeistert von den liebevoll gezeichneten Charkteren, der willenstarken Mrs Millwood, dem schrulligen Mr Doubler und auch die Mitglieder des Tierschutzvereins, bei dem Mr. Doubler auf Drängen seiner kranken Haushälterin deren Vertretung übernimmt, fand ich sehr gelungen. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Es hat mich wirklich begeistert.

Für Mr. Doubler sind die Erkenntnisse, die er mit seiner Kartoffelneuzüchtung gewonnen hat sein Vermächtnis, dass er liebenswerterweise mit seiner treuen Haushälterin teilen möchte. "Oh es ist sicher unsere Kartoffel. Ohne ihre Hilfe hätte ich sie schlicht nicht züchten können.Kartoffeln brauchen reichhaltige, dunkle Erde, das stimmt. Das ist mein Anteil. Aber sie brauchen auch Licht, Mrs Millwood. Sie haben für das Licht gesorgt. Ohne Sie wäre ich in diesem tiefen Tal verendet, und unsere Kartoffel wäre ebenfalls gestorben." Bei diesen Zeilen musste ich schon mal ein Tränchen wegdrücken!