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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2019

Sirup für den Geist

Die Frauen vom Savignyplatz
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Die 17jährige Vicky, Metzgertochter und Verlobte von Herrn Tucherbe Ebert lässt sich zum Entsetzen ihrer Eltern auf den Fürsorgestipendiaten Willi Genzer ein und heiratet ihn schließlich als sie schon ...

Die 17jährige Vicky, Metzgertochter und Verlobte von Herrn Tucherbe Ebert lässt sich zum Entsetzen ihrer Eltern auf den Fürsorgestipendiaten Willi Genzer ein und heiratet ihn schließlich als sie schon in anderen Umständen ist. Mehr schlecht als recht bringt Willi die wachsende Familie durch, die im Elternhaus widerwillig geduldet wird. Schließlich verlässt Willi die Familie und Vicky's Vater hat doch noch Hoffnung die Tochter nach einer Scheidung gut zu verheiraten. Aber Vicky denkt selbst mit Kind Nummer 5 im Bauch gar nicht daran sich einen neuen Ernährer zu suchen. Sie wagt den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnet einen Buchladen für Bücher die ihr am Herzen liegen, Bücher zum Träumen, die sich wie Sirup um ihren Geist legen oder wie ihre Kritiker sagen Schundromane.

Die Handlung spielt in den 20er Jahren in Berlin und die zu Beginn der Geschichte noch sehr junge und sehr einfältige Vicky wächst im Laufe der Jahre über sich hinaus. Sie wird zur liebevollen Mutter, reflektiert nach dem Scheitern ihrer Ehe auch ihre eigenen Fehler und ist plötzlich Vorreiterin der Emanzipation und gründet ohne Fachkenntnisse einen Buchladen. Für mich war die Geschichte nicht sehr glaubhaft erzählt und ich konnte mich mit der Protagonistin auch nicht so recht identifizieren.

Ich hätte mir auch mehr Bezug zum geschichtlichen Hintergrund gewünscht. Leider wurde Zeitgeschichtliches nur als Randnotiz in den Roman eingeflochten. Trotz flüssigem Erzählstil konnte mich das Buch leider nicht fesseln.

Veröffentlicht am 11.03.2019

Schöner romantischer Liebesroman

Weil es Liebe ist
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Nach der Leseprobe wusste ich gleich, dass mir dieser Roman sicher Spass machen würde und ich wurde nicht enttäuscht.

Holland Bakker , Mitte 20 und noch etwas unentschlossen was ihren weiteren Lebensweg ...

Nach der Leseprobe wusste ich gleich, dass mir dieser Roman sicher Spass machen würde und ich wurde nicht enttäuscht.

Holland Bakker , Mitte 20 und noch etwas unentschlossen was ihren weiteren Lebensweg angeht, hat nachdem sie ihren Master im Kreativen Schreiben erfolgreich abgeschlossen hat eine Schreibblockade. Deshalb jobbt sie zunächst als T-Shirtverkäuferin und Bühnenfotografin bei ihrem Onkel im Theater. Das Highlight ihres Tages ist ein Straßenmusiker in der U-Bahn, den sie seit Monaten anschmachtet und wegen dem sie sogar einen Umweg auf dem Weg zur Arbeit in Kauf nimmt.

Der Zufall will es, dass im Theater dringend ein Musiker nachbesetzt werden muss und der talentierte junge Mann diese Stelle wunderbar ausfüllen könnte, wäre er nicht illegal in New York.

Die Geschichte, die aus Sicht von Holland geschrieben ist, nimmt den Leser mit auf eine Gefühlsachterbahn. Plötzlich hat die junge Frau den Mann ihrer Träume in ihrer Wohnung ohne ihn wirklich zu kennen. Kann sich aus dieser irrwitzigen Situation wirklich Liebe entwickeln?

Lange Passagen beschreiben Calvin in seiner Leidenschaft für die Musik aber auch Hollands Talent sein Gitarrenspiel bewerten zu können, ihr gutes Gehör auch falsche Töne zu erkennen. Dadurch hat man bei den Beiden schnell das Gefühl, dass sie ein Paar auf Augenhöhe sind und nicht er der Star und sie das Mädchen, dass ihn nur bewundert.

Sowohl Holland als auch Calvin sind sehr sympathische, bodenständige Protagonisten. Sehr viel Herzenswärme geht auch von Onkel Jeff und dessen Ehemann und Dirigent im Theater, Robert aus. Sehr schön auch das Setting.Ich finde diese Geschichte passt perfekt zu meiner Liebligsstadt New York. Unsympathen gibt es natürlich auch. So ist der Theaterdirektor Brian höchst unsympathisch ,und wenn sich eine Person wie Lulu für eine Freundin hält, braucht man wohl keine Feinde mehr.

Das Buch ist nicht nur hochemotional sondern auch sehr humorvoll. Auch Romantik und Erotik kommen nicht zu kurz. Natürlich ist die Story ein wenig vorhersehbar aber das macht nichts. Ab und zu braucht es einen schönen Liebesroman fürs Herz, ein locker leichtes Wohlfühlbuch, und dann ist man mit diesem Roman genau richtig.

Veröffentlicht am 04.03.2019

Auf der Suche nach Verbindung

Auf dem Wasser treiben
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Theresa Prammer beschreibt in ihrem im Ullstein Verlag erschienenen Roman "Auf dem Wasser treiben" eine Familie, die aus dem Lot geraten ist. Alle Familienmitglieder leiden auch Jahre später noch darunter, ...

Theresa Prammer beschreibt in ihrem im Ullstein Verlag erschienenen Roman "Auf dem Wasser treiben" eine Familie, die aus dem Lot geraten ist. Alle Familienmitglieder leiden auch Jahre später noch darunter, dass der Vater eines Tages die Familie verlässt und für immer verschwindet.

Dabei schien das Familienglück perfekt zu sein. Das Ehepaar liebte sich aufrichtig. John war seine Kindern immer ein guter Vater. Doch dann an einem schönen Sommertag rutscht der jüngste Sohn bei einem Ausflug an den Fluss unglücklich aus und wäre fast ertrunken. In der Nacht darauf verschwindet der Vater.

Die Geschichte springt ins Erwachsenenleben der Familie. Es gibt einen neuen Mann im Leben der Mutter Hannah. Die Kinder haben alle einen Beruf ergriffen. Alles scheint sich eingespielt zu haben. John ist verstorben,und die Familienmitgliedet haben sich mit seiner Abwesenheit abgefunden. Bei der Geburtstagsfeier zu Hannah's 55zigsten Geburtstag brechen plötzlich alte Wunden wieder auf. Jedes Familienmitglied fühlt sich noch immer verletzt und hat den Weggang von John vielleicht verdrängt aber nicht verarbeitet. Das zeigt sich in Schuldgefühlen, dem Unvermögen eine glückliche Beziehung zu führen, der Flucht in andere Welten, Ängsten und der Sprachlosigkeit gegenüber anderen Menschen.

Als Leser fühlt man mit den Protagonisten mit, begreift aber nicht, warum sie nicht miteinander sprechen. Die Geheimnisse werden erst nach und nach aufgelöst und diese Last, die von der Seele genommen wird, bewirkt auch wieder ein besseres Verständnis untereinander. Das hat Frau Prammer wirklich großartig beschrieben.

Veröffentlicht am 01.03.2019

Abgründe einer Frauenseele

Frau im Dunkeln
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Ich muss gestehen meine Erwartungshaltung an diesen schon 2006 im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman, der aber jetzt erst in die deutsche Sprache übersetzt wurde, war groß. Die Neapolitana Saga von der ...

Ich muss gestehen meine Erwartungshaltung an diesen schon 2006 im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman, der aber jetzt erst in die deutsche Sprache übersetzt wurde, war groß. Die Neapolitana Saga von der Autorin ist ja in aller Munde , und ich habe sie noch nicht gelesen.

Nachdem ich mit dem Buch also freudig begonnen hatte, war ich dann nach kürzester Zeit schon fast versucht diesen Roman abzubrechen, so unsympathisch war mir ihre Protagonistin Leda und so wenig nachvollziehbar ihre Denkweise und ihr Handeln.

Die Handlung ist schnell erzählt! Leda, die vordergründig einen Strandurlaub an der süditalienischen Küste verbringt und dabei einen neapolitanischen Familienclan beobachtet, insbesondere einer jungen Mutter und ihrer Tochter beim Spielen zuschaut, reflektiert ihr eigenes Familienleben, ihre Mutterschaft und ihren beruflichen Werdegang. Leda lässt sich zu einer Tat hinreißen, die das Familienleben der Strandnachbarn durcheinanderwirbelt.

Elena Ferrante ist sicher eine tolle Autorin, aber in diesem Buch bündelt sie soviele negative Gedanken, dass es mir fast zuviel wurde. Ihre Potagonistin entpuppt sich nach und nach zu einer egozentrischen Person, einer Frau die mit dem Muttersein völlig überfordert ist, die diesem Leben dann entflieht und ihre Kinder zurücklässt, bevor sie bereut und zu ihnen zurückkehrt.

" Ich bin weggegangen . ich habe sie sitzenlassen, als die große 6 war und die Kleine 4. Nach 3 Jahren habe ich sie wieder zu mir genommen. Manchmal muss man fliehen, wenn man nicht sterben will."

Schlimm fand ich die Wortwahl die sie verwendet als sie über die Geburt ihrer jüngsten Tochter berichtet: " Sie war von Anfang an nicht Marta, sondern ein lebendiger Eisenklumpen in meinem Bauch. Mein Leib war nichts als blutiger Schleim, mit einem breiten Bodensatz, in dem sich ein aggressiver Polyp ausbreitete, der so fern war von jeder menschlichen Natur, dass er mich , obwohl er sich von mir nährte und aus mir wuchs, auf eine faulige Substanz ohne Leben reduzierte." Bitte ? Geht es noch? Ich hatte den Film "Alien" vor Augen bei dieser völlig überzogenen Beschreibung!

Derer Beispiele gibt es viele. Ich habe das Buch letztendlich zu Ende gelesen, aber ich bin davon überzeugt, dass Sie schon Besseres geschrieben hat.

Veröffentlicht am 26.02.2019

Brillianter Frauenroman

Die Liebe im Ernstfall
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Mit ihrem Buch "Die Liebe im Ernstfall", erschienen im Diogenes Verlag, verbindet die Autorin Daniela Krien die Lebensgeschichten von 5 Frauen miteinander, deren Lebenswege sich auf unterschiedlichste ...

Mit ihrem Buch "Die Liebe im Ernstfall", erschienen im Diogenes Verlag, verbindet die Autorin Daniela Krien die Lebensgeschichten von 5 Frauen miteinander, deren Lebenswege sich auf unterschiedlichste Arten gekreuzt haben. Wie eigenständige Kurzgeschichten kommen die Kapitel daher, die jeweils mit den Namen einer jeden Frau überschrieben sind, und mit jeder einzelnen Geschichte vervollständigt sich das Bild auch von den anderen Frauen.

Der Roman hat mich von Anfang an begeistert. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist das Buch kein locker leichter Roman zum Thema Liebe. Im Ernstfall, das wird schnell klar, bleibt man am Ende alleine. Im Klappentext heißt es: "Als Kinder und Jugendliche erlebten sie den Fall der Mauer, und wo vorher Grenzen und Beschränkungen waren, ist nun die Freiheit. Doch Freiheit müssen sie erkennen, ist nur eine andere Form von Zwang, der Zwang zu wählen." Das mag so sein, ich fand aber, dass die beschriebenen Biografien auch durchaus zu Frauen aus dem Westen passen könnten, die ohne Prägung der DDR aufgewachsen sind.

Der Schreibstil der Autorin ist brilliant, analytisch auf den Punkt gebracht, oft mit trockenem Humor versehen. Die Charktere sehr authentisch.

Paula , der Buchhändlerin ist schnell klar, dass ihr Mann Ludger, der stets bemüht ist seinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten und seine Mitmenschen diesbezüglich auch ständig missionieren muss, vielleicht doch nicht ganz ihrem Bild vom perfekten Mann entspricht.Trotzdem redet sie sich ihn schön. " Kein Mensch war, wie man ihn haben wollte. Paula hoffte, dass die Zeit die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit schließen würde."

Judith, die Ärtztin versucht immer wieder über Datingportale den Richtigen zu finden. Sie kommunziert mit diesen fremden Männern, muss ihr Leben immer wieder von vorn erzählen und wartet auf ihre Antwort. "Das Warten ist schlimm. Selbst einen Mann, den sie nicht will, will sie spätestens dann, wenn er sie warten lässt."

Auch das Cover finde ich sehr gut gewählt. Eine Frau auf einem Sprungbrett, kurz davor ins kühle Nass zu springen. Sie scheint zu zögern, Die Liebe ist ein Sprung ins kalte Wasser? Kann man es wagen? Ist sie es wert?

Ich habe die Lektüre sehr genossen und kann das Buch nur unbedingt empfehlen.