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Veröffentlicht am 13.02.2025

Leute von früher

Leute von früher
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Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen ...

Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen so manch ein vergessenes Handwerk präsentiert und deren „Bewohner“ in historisch wirkenden Kostümen wie um 1900 herumlaufen. Alles ist eine große Kulisse, selbst die Kekse, die man in hübschen Gläsern im Lädchen erwerben kann, sind umgefüllte Industrieware anstelle von selbstgebackener Köstlichkeit. Marlene, die nach ihrem Studium merkt, wie aussichtslos es ist einen Job zu finden, hat auf der Insel einen Saisonarbeitsplatz als Verkäuferin bekommen.


Ich fand es ganz nett über diesen ganz Touristennepp zu lesen, Marlene‘s Alltag erzählt zu bekommen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, nach einem vollendeten Arbeitstag die „Kostümgrenze“ zu überschreiten und sich in eine Mitarbeiterbaracke zurückzuziehen und einige wenige Kontakte zu anderen Saisonkräften aufzubauen.


Allerdings plätscherte die Geschichte doch sehr vor sich hin, und ich bin weder der Protagonistin noch den Nebenfiguren sehr nah gekommen. Selbst Janne, die auf der Insel aufgewachsen ist und in die sich Marlene verliebt, blieb mir irgendwie fremd, auch wenn ich sie insgesamt noch am interessantesten fand. Janne hat dann auch ein mystisches Geheimnis. Bei magischem Realismus bin ich tatsächlich selten begeistert. Zugegeben es passte zur Atmosphäre und hat ein paar Gruselvibes gebracht, aber ich hätte es nicht gebraucht. Den überraschenden Schluß fand ich dann wieder sehr gelungen.


Fazit: Es war wohl nicht ganz mein Buch. Trotzdem würde ich jetzt nicht davon abraten. Ich kann mir vorstellen, dass es auch begeisterte Leser gibt.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Der Nahostkonflikt- super erklärt

Über den Dächern von Jerusalem
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Der Konflikt zwischen Israelis und den Palästinensern wird in diesem Buch

auf zwei Zeitebenen und mit vier jungen Charakteren sehr anschaulich und differenziert für Jugendliche aber auch für Erwachsene ...

Der Konflikt zwischen Israelis und den Palästinensern wird in diesem Buch

auf zwei Zeitebenen und mit vier jungen Charakteren sehr anschaulich und differenziert für Jugendliche aber auch für Erwachsene aufbereitet.

Die 15Jährige Tessa ist Jüdin und im Konzentrationslager Bergen-Belsen so gerade mit dem Leben davongekommen. Als Halbwaise schafft sie es auf ein Schiff nach Jerusalem, wo ihr Vater im Untergrund arbeitet und die Juden an der Errichtung eines eigenen Staates arbeiten.

Mo , ein arabischer Junge, verliert zu dieser Zeit 1947 seinen Vater durch einen Bombenanschlag, durchgeführt von Juden, die immer zahlreicher ins Land kommen und die arabische Bevölkerung aus ihren Häusern vertreiben.

Die beiden Jugendlichen begegnen sich zufällig und plötzlich hat der Feind ein Gesicht. Sie streiten sich heftig, denn jeder hat seine eigene Perspektive auf den Konflikt. Und doch mögen sie sich auch irgendwie und stellen fest das es auch Verbindendes gibt.

In der Gegenwart 2023 treffen ebenfalls zwei junge Menschen aufeinander, die israelische Soldatin Anat und der palästinensische Junge Karim. Sie begegnen sich mit Angst und Mißtrauen und nutzen dann aber die Chance dem anderen zuzuhören.

Der jahrzehntelange Konflikt zwischen den beiden Völkern ist ja bis heute ungelöst und seit Erscheinen des Buchs sogar noch weiter eskaliert. Im Buch gibt es einen Hoffnungsschimmer, aber die Realität sieht leider anders aus.

Anja Reumschüssel , die sich als Journalistin und Sachbuchautorin einen Namen gemacht hat, bringt nicht nur ganz viele historische Fakten in die Geschichte mit ein, sie erzählt auch eine mitreißende Geschichte über jugendliche Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann. Das Buch, dass im Übrigen auch Schullektüre ist, erklärt die Komplexität des Nahostkonflikts und zeichnet ein differenziertes Bild von beiden Seiten.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, das hier des Öfteren der Zufall für die eine oder andere Begegnung bemüht wird. Das störte mich aber nicht wirklich in meinem Lesefluss.

Mir hat das Buch richtig gut gefallen und ich kann es gerade in der jetzigen Zeit jedem nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

WG – Geborgenheit

Wohnverwandtschaften
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Eine Studenten WG kennt man ja, aber dass sich auch ältere Menschen eine gemeinsame Wohnung teilen, ist eher selten.

Jörg, der verwitwete Wohnungseigentümer ist 68 Jahre alt und wohnt mit Murat und Anke ...

Eine Studenten WG kennt man ja, aber dass sich auch ältere Menschen eine gemeinsame Wohnung teilen, ist eher selten.

Jörg, der verwitwete Wohnungseigentümer ist 68 Jahre alt und wohnt mit Murat und Anke und Constanze zusammen, alles Personen, die zwar etwas jünger sind als er, aber voll im Leben stehen. Jeder hat so seine Gründe für diese Wohnform und die Wohnungsnot (hier in Hamburg) ist nur einer davon.

Charakterlich sehr unterschiedlich, passt es doch ganz wunderbar in dieser Wahlfamilie. Hobbykoch Murat sorgt stets für gute Stimmung und bekocht die Gruppe leidenschaftlich gern. Schauspielerin Anke hat Probleme als Frau mittleren Alters noch Rollen zu bekommen und bekommt viel Unterstützung von ihren Mitbewohnerinnen. Constanze ist Zahnärztin und möchte nach ihrer Trennung aber nicht alleine wohnen und Jörg genießt den Trubel, vermisst seine verstorbene Frau und plant eine Reise mit dem Bulli, die er sich schon lange vorgenommen hat.

Als Jörg auffällig vergesslich wird, übernimmt die Gruppe Verantwortung und versucht auch ihn bestmöglich zu unterstützen und einen Weg zu finden mit seiner Demenz umzugehen. Trotz der Schwere des Themas schafft es die Autorin, eine unterhaltsame , mitfühlende Geschichte zu erzählen, die ihre Leichtigkeit auch durch diese zerstörende Krankheit nicht verliert.

Es gibt ganz viele Dialoge, und man schaut abwechselnd in die Köpfe der einzelnen Bewohner
innen. Der Text würde sich auch ganz wunderbar für ein Theaterstück eignen.


Das Hörbuch ist wirklich sehr zu empfehlen. Es gibt ein prominentes Sprecherteam nämlich: Heikko Deutschmann, Katharina Wackernagel, Serkan Kaya und Lavinia Wilson, die diese Geschichte zu einem Hörerlebnis machen.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Eine Coming of age Geschichte mit dem Fokus auf eine besondere Freundschaft

Es war einmal in Brooklyn
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Dieser Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auch wenn sie literarisch kunstvoll geschrieben wurde, konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.

Brooklyn im Hitzesommer 1977, das gefällt ...

Dieser Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auch wenn sie literarisch kunstvoll geschrieben wurde, konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.

Brooklyn im Hitzesommer 1977, das gefällt mir als Setting schon mal sehr.

Juliette Darling und David Haddad sind Nachbarn und von klein auf befreundet. Dass sie in der Schule eher die Außenseiter sind, schweißt sie nur noch enger zusammen. Bis zur Pubertät sind sie überzeugt, dass es immer so sein wird.

Doch dann verspürt Juliette die Aufbruchstimmung der Jugend. Sie möchte raus und die Welt entdecken, während David zeitgleich so schwer erkrankt, das seine Zukunft immer mehr zusammenschrumpft.

Historische Daten werden in die Geschichte integriert, nämlich der große Blackout 1977 und der Serienmörder Son of Sam, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

Den 1. Teil der Geschichte mochte ich inhaltlich sehr. Den Schreibstil fand ich auch toll, fesselnd und humorvoll.

Im 2.Teil will Juliette endlich zu der Erwachsenenwelt dazugehören und trifft Entscheidungen, die sie von David entfremden. Mit diesem Teil der Geschichte hatte ich meine Schwierigkeiten, weil ich fand, dass Ereignisse nicht auserzählt wurden. Auch der im Klappentext groß angekündigte Blackout wird nur so nebenher erzählt.

Gut fand ich, dass man als Leser*in auch nähere Einblicke in die Familien der Darlings und auch der Haddads bekommt. Das rundet die Geschichte ab. Aber auch hier bleibt es mir zu sehr an der Oberfläche. Ich hätte gerne mehr erfahren.

In Teil 3 gibt es wieder einige Zeitsprünge, ein Ende wie es hätte sein können und ein Ende wie es dann wirklich war.


Fazit: Man bekommt hier eine tragische Coming of age Geschichte mit authentischen Charakteren, eingebettet in das NewYork der 70erJahre zur Zeit des großen Blackouts, der allerdings nur untergeordnet eine Rolle spielt. Ereignisse wurden leider nicht immer auserzählt und es fehlte (mir zumindest) an Nähe zu den Protagonisten.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Unterhaltsam

Das Wochenende
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Annie , Max und ihr zwölfjähriger Adoptivsohn Kip, ( der von seiner Vergangenheit durchaus traumatisiert ist), haben das Stadtleben hinter sich gelassen, um sich auf dem Land, an der Koste Cornwall‘s einen ...

Annie , Max und ihr zwölfjähriger Adoptivsohn Kip, ( der von seiner Vergangenheit durchaus traumatisiert ist), haben das Stadtleben hinter sich gelassen, um sich auf dem Land, an der Koste Cornwall‘s einen Traum zu erfüllen und Kip ein Aufwachsen in einer ruhigen Umgebung zu ermöglichen. In naher Zukunft werden sie auf dem erworbenen Stück Land einen luxuriösen Glamping - Platz betreiben. Sie warten noch auf die Genehmigung und wollen quasi zur Generalprobe ihren alten Freundeskreis aus Studienzeiten, drei Familien mit ihren Kindern, am Wochenende den Platz testen lassen. Doch es läuft nicht wie es sollte. Das Wochenende gerät nach einem Streit am ersten Abend völlig aus dem Ruder. Nach und nach kommen Geheimnisse, alte Kränkungen und Eifelsüchteleien zum Vorschein. Man merkt, dass die Leben der ehemals befreundeten Paare inzwischen doch zu weit auseinandergedriftet sind.

Die Nerven liegen blank, als bei einem aufziehenden Sturm ein Kind verschwindet. Und dann gibt es auch noch eine Leiche am Fuße der Klippen.

Das Setting war schon mal ganz meins. Auch mit dem Schreibstil der Autorin kam ich gut zurecht. Die aus verschiedenen Perspektiven erzählte Geschichte entwickelt schnell einen Sog und besonders die Gruppendynamik fand ich spannend. Meines Empfindens nach handelt es sich bei dem Text allerdings eher um einen Spannungsroman und nicht um einen Thriller. Beim Hörbuch haben mich zunächst die vielen Namen verwirrt . Beim Buch gab es soweit ich weiß dazu ein Glossar, was natürlich sehr hilfreich ist. Beim Hörbuch muss man sich schon sehr konzentrieren, um nicht durcheinanderzukommen. Ich fühlte mich aber dennoch gut unterhalten und habe den Hörbuchsprechern Anne Due und Günther Harder gerne gelauscht.

Auch die Auflösung war nicht vorhersehbar für mich und stimmig. Kein Highlight für mich, aber ein gutes, unterhaltsames Buch!

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