Vereinbarkeit
"Ava liebt noch" von Vera Zischke war definitiv eines meiner Lesehighlights im vergangenen Jahr. Ich habe es gleich zweimal im selben Jahr gelesen, das passiert nicht allzu oft. Das erste Mal habe ich ...
"Ava liebt noch" von Vera Zischke war definitiv eines meiner Lesehighlights im vergangenen Jahr. Ich habe es gleich zweimal im selben Jahr gelesen, das passiert nicht allzu oft. Das erste Mal habe ich es zur Vorbereitung der Podcast-Folge mit @verazischke gelesen und war ein wenig skeptisch, denn Liebesromane und ich matchen nicht besonders häufig.
Dieses Mal war es Liebe beim ersten Lesen, denn Vera Zischke hat keinen klassischen Herz-Schmerz-Liebesroman geschrieben, sondern die Geschichte einer Frau, die von Care-Arbeit und in einer gesellschaftlich aufgedrängten Rolle dabei ist, sich selbst zu verlieren. Dann verliebt sie sich auch noch in Kieran, den Schwimmlehrer ihrer Tochter, der diese Liebe erwidert. Doch sie verlässt weder Mann noch Kinder, auch wenn sie es sich so sehr wünscht.
Das Buch erzählt Avas und Kierans Geschichte aus den Perspektiven der beiden. Avas Müdigkeit und der Rolle, in die sie sich nach der Geburt der drei Kinder hat drängen lassen und Kierans Leben und seine Träume. Es wird nichts beschönigt oder jemand auf ein Podest gehoben. Vera Zischke findet einen Weg, diesen Roman so zu erzählen, dass es nachvollziehbar ist und wir dürfen als Lesende teilhaben an der Entwicklung und inneren Kämpfe dieser zwei Menschen. Sie schafft es, Gesellschaftskritik und eine gute Geschichte miteinander zu kombinieren, ohne mit hoch erhobenem Zeigefinger daher zu schreiben. Es passt einfach.