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Veröffentlicht am 17.09.2020

Guter Feierabendkrimi

Abgetaucht
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Der ehemalige Wirtschaftsjurist und Strafverteidiger David Baldacci schreibt Bestseller, die in 37 Sprachen übersetzt und in 80 Länder verkauft werden.

Ein Krimi oder Thriller von ihm ist Garant für spannende ...

Der ehemalige Wirtschaftsjurist und Strafverteidiger David Baldacci schreibt Bestseller, die in 37 Sprachen übersetzt und in 80 Länder verkauft werden.

Ein Krimi oder Thriller von ihm ist Garant für spannende und solide Unterhaltung." Abgetaucht "ist der 2. Band seiner Atlee Pine Reihe. Der 1. Band, "Ausgezählt" erschien 2018.

Ich habe "Abgetaucht" gelesen, ohne den Vorgängerband zu kennen und hatte keinerlei Verständnisprobleme.

Zum Inhalt:

Die FBI Ermittlerin Atlee Pine entgeht nur knapp einem Disziplinarverfahren, nachdem sie bei einem Einsatz Grenzen überschreitet, weil ihre eigene Vergangenheit sie offenbar eingeholt hat. Sie wird beurlaubt und reist zusammen mit ihrer Assistentin Carol Blum in ihren Heimatort Andersonville in Georgia, um sich ihrem Kindheitstrauma zu stellen. Vor 30 Jahren war ein Fremder in ihr Elternhaus eingedrungen und hatte , ohne das die Eltern etwas mitbekommen haben, ihre Zwillingsschwester Mercy entführt und sie selbst lebensbedrohlich verletzt. Die Familie ist an dem Drama zerbrochen.

Atlee und Carol beginnen mit ihren Nachforschungen, in der Hoffnung das Schicksal der verschwundenen Zwillingsschwester aufklären zu können, als ein Mord die Kleinstadt erschüttert, der nicht der einzige Todesfall bleiben soll. Hängen die Morde mit Mercy's Entführung zusammen? Kann Atlee ihren Erinnerungen trauen?

Mein Fazit:

Der Schreibstil von David Baldacci ist gewohnt mitreißend und spannend. Es gibt viele spritzige Dialoge, die die Geschichte lebendig machen. Für einen Thriller fehlte ein bisschen das Gänsehautfeeling. Deshalb würde ich "Abgetaucht" eher als Krimi bezeichnen. Mir haben auch die Protagonisten gefallen. Die taffe Atllee Pine, die wohl durch den erlittenen Schicksalsschlag erst auf die Idee gekommen ist, Ermittlerin zu werden. Sie wird von ihrer sympathischen Assistentin Carol Blum unterstützt, die auch die Rolle einer mütterlichen Freundin übernommen hat. Endlich mal keine durchgeknallten Kommissare mit Drogenproblemen oder ähnlichen Highlights, sondern Frauenpower vom Feinsten! Die mysteriöse Vergangenheit von Atlee ist sehr interessant und geschickt verwoben mit den Morden in der Jetztzeit, die auf einen Serientäter schließen lassen. Es gibt auch so einige Finten und Überraschungen und das Erzähtempo und die Spannung nehmen im letzten Drittel deutlich zu, ganz so wie man es als treuer Leser von Baldacci erwartet. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der Lust auf die Forsetzung und damit auf den letzten Teil der Reihe macht.

Ich wurde wirklich gut unterhalten. David Baldacci hat mit "Abgetaucht" einen soliden Krimi geschrieben, keinen Thriller allerdings wie es der Titel verspricht. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen und bin gespannt auf das Finale im letzten Teil.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Reden ist Silber, schweigen ist Gold?

Still!
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Wenn Leute reden, ohne etwas zu sagen, bin ich auch der Meinung, dass sie besser schweigen sollten. Aber so konsequent wie Mariella macht das wohl kaum einer.

Seit der Scheidung ihrer Eltern schweigt ...

Wenn Leute reden, ohne etwas zu sagen, bin ich auch der Meinung, dass sie besser schweigen sollten. Aber so konsequent wie Mariella macht das wohl kaum einer.

Seit der Scheidung ihrer Eltern schweigt Mariella. Sie schweigt zu Hause, in der Schule überall. Die Konsequenzen ihres "Nichtredens" sind für sie nicht angenehm, denn ihre Umwelt bringt ihr keinerlei Verständnis entgegen. Ihre Mutter reagiert hilflos, schreit sie an und schenkt ihr Goldfische, die genauso stumm sind wie sie. Der Vater möchte sich eigentlich gar nicht mit dem Problem befassen. Er hat jetzt ein neues Leben.

Treffend resümiert Mariella: " Sorgerecht heißt nicht immer, dass man sich darüber streitet, wer sich um das Kind kümmern darf, sondern, wer sich zu kümmern hat."

In der Schule wird sie gemobbt. Selbst die meisten Lehrer schauen lieber weg, als ihr zur Seite zu stehen. Einzig der gehörlose Stan, den sie zufällig kennenlernt, akzeptiert Mariella wie sie ist.

"Still" von Dirk Pope ist auf jeden Fall ein besonderes Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt. Wird unsere Welt immer lauter? Muss man überall seinen Senf dazugeben? Es gibt so viele hohle Phrasen. Versprechen, die gebrochen werden. Ist es da nicht manchmal besser zu schweigen?

Trotzdem hat mir etwas gefehlt. Die Charaktere waren mir nicht vielschichtig genug. Ich hätte gerne mehr HIntergrundwissen über die Nebenfiguren, auch über Stan gehabt. Den Sprachstil mochte ich auf jeden Fall. Mariella ist ein kluger Kopf, sie hat viele sehr treffende Gedanken, die ich mit ihr teile. Und sie analysiert ihre Situation auf den Punkt wie ich finde.

" Es gibt unterschiedliche Arten zu schweigen. Man kann beispielsweise ernst dabei sein - oder verbittert. Dann hat das Schweigen etwas Agressives, Trotziges, was es zu einem lauten Schweigen macht. Wahrscheinlich war es das, was ich bislang getan hatte und was die anderen derart provozierte."

Vielleicht hätten dem Buch ein paar Seiten mehr ganz gut getan.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Kokolores

Am Tatort bleibt man ungern liegen
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Ich wollte immer schon mal etwas von Jörg Maurer lesen und habe mir ein kurzweiliges, unterhaltsames und lustiges Lesevergnügen erhofft. Ich hätte wohl besser ein anderes Buch des bekannten bayrischen ...

Ich wollte immer schon mal etwas von Jörg Maurer lesen und habe mir ein kurzweiliges, unterhaltsames und lustiges Lesevergnügen erhofft. Ich hätte wohl besser ein anderes Buch des bekannten bayrischen Autors wählen sollen, denn dieser 12. Fall von Kommissar Jennerwein und seinem Team hat mich so gar nicht überzeugt.

Die Geschichte ist höchst abstrus. In einem Kurort kommen kurz hintereinander zwei Menschen zu Tode. Zunächst stirbt der Oberkellner Leon Schwalb offensichtlich an einem Hitzschlag im Straßencafé der Fronitzer Karin, und dass ,obwohl er so einen chicen Strohhut trägt. Eine Leich im Bistro, das ist geschäftsschädigend, also kümmert sich Karin um den Toten, mit Folgen. Die Putzfrau Alina Rusche, die zuverlässig in der Kurbank putzt und ihr Geld zusätzlich bei etlichen Schwarzjjobs verdient, wird in ihrem Garten tot aufgefunden. Sie wurde von einem alten Deko-Wagenrad tödlich am Kopf getroffen. Sie ist im Schließfachraum als zuverlässige Fachkraft per Zufall dem Tchniktüftler Swiffy Muggenthaler auf die Spur gekommen, der sich an den Schließfächer zu schaffen gemacht hatte.

Die Polizeitruppe ist offensichtlich noch ziemlich lediert vom letzten Fall, und so ermittelt hauptsächlich Hölleisen und Kommissar Jennerwein,eine Identifikationsfigur der Reihe, taucht nur am Rande auf.

Es geht um Schließfächer, Panamahüte und viele Geheimnisse, die es zu lüften gilt. Zudem tauchen zwei Touristen in dem Kurort auf, die wohl Sancho Pansa und Don Quichote darstellen sollen und man fragt sich, was das jetzt soll. Die Geschichte eskaliert auf einer merkwürdigen Seebestattung vor der norwegischen Küste samt Mann über Bord und Wal.

Einzig der humorige Schreibstil hat mich bei der Stange gehalten, sonst hätte ich dieses doch recht unsinnige Buch wohl abgebrochen. "Am Tatort bleibt man ungern liegen", der Titel ist fast das Beste an diesem Krimi. Im Buchladen lässt man diesen Alpenkrimi wohl besser liegen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2020

Welche Farbe hat der Himmel?

Let's go Himalaya!
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Die Autorin Katja Linke beantwortet diese "leichte" Frage eines tibetischen Mönches mit: "Ganz klar, blau" während ihre 11jährige Tochter protestiert. Ihr fallen noch ganz andere Farben ein, in denen sich ...

Die Autorin Katja Linke beantwortet diese "leichte" Frage eines tibetischen Mönches mit: "Ganz klar, blau" während ihre 11jährige Tochter protestiert. Ihr fallen noch ganz andere Farben ein, in denen sich der Himmel ab und an präsentiert. Der Mönch freut sich und rät dazu den kindlichen Blick zu behalten, der manchmal klarer sieht als der des Erwachsenen.

Die Ärztin Katja Linke nimmt sich eine Auszeit und reist mit ihrer Tochter Julia nach Tibet, um dort Land und Leute kennenzulernen und das höchste Gebirge der Erde, den Himalaya zu sehen. Das Ziel der Reise ist das Basislager des Mount Everest, wo Julia einen Stein aus Oma's Garten hinterlegen will, damit diese ein bisschen dabei sein kann. Tibet ist von jeher Katja's Sehnsuchtsziel, und so hat ihr Buch sehr passend den Titel "Let's go Himalaya! Wo bitte geht's nach Shangri -La?" Dieser Reiseroman, den die Autorin selbst eher als erzählendes Sachbuch beschreibt, ist tatsächlich ihr Debüt, man mag es kaum glauben. Chapeau dafür und meinen vollsten Respekt auch für die Durchführung dieser Reise, die ich mir selbst eher nicht zugetraut hätte.

Sehr verantwortungsvoll hat sich das Mutter - Tochter Reiseteam bestens auf diese besondere Reise vorbereitet. So starten sie körperlich fit mit neugierigem Geist in ein wahres Abenteuer. Hilfreich ist zuweilen die blonde Haarfarbe von Julia's Haarschopf und ihre offene Art, die manchmal Konflikte entschärft und den Menschen, die sich staunend mit dem Mädchen fotografieren lassen, die Herzen öffnet. Das Tolle an dem Buch sind nicht zuletzt die vielen Begegnungen mit Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis. Da werden teils richtig philosophische Gespräche geführt, die mich als stillen Reisebegleiter auch sehr berührt haben. Und dann gibt es immer wieder Eindrücke von Julia, ihren klaren unverstellten Blick auf die Welt, der einen staunen lässt. Sie hat die ganzen Strapazen, die so eine Reise natürlich auch mit sich bringt übrigens ganz toll gemeistert, was zeigt, dass man Kindern durchaus etwas zutrauen darf.

Es gab natürlich auch Phasen von Heimweh und Frust. Auch das verschweigt die Autorin nicht. Diese gemeinsam zu überwinden, war eine tolle Leistung, und ich glaube die beiden sind an diesen Erfahrungen gewachsen und werden noch lange davon zehren. Neben der Beschreibung dieser Reise, vermittelt der Reiseroman von Katja Linke auch noch jede Menge Wissen. Man erfährt neben den Fakten über das Land (Geschichtliches und Politisches) auch viel über den Dalai Lama und den Buddhismus. Ich fand das Buch sehr informativ und werde das Gelesene sicher nochmal für mich vertiefen. Es könnte dem ein oder anderen Leser aber durchaus auch zuviel werden. Den Schreibstil habe ich als sachlich und relativ nüchtern empfunden, was aber sehr gut passte. Leider gibt es in dem Buch keine Karte und nur wenige Bilder. Die Bilder werden aber auf der Webseite der Autorin auf Facebook und Instagram zur Verfügung gestellt. Ich habe sie mir zwischendurch beim Lesen gerne angeschaut.

Mir hat dieser besondere Reisebericht sehr gut gefallen. Übrigens ist auch das Cover wunderschön und zeigt einen rosa- weißen Himmel. So schließt sich der Kreis.

Für alle Menschen, die auch gerne mal im Kopf verreisen möchten und für die, selbst gerne einmal Tibet besuchen wollen, ist dieses Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2020

Wunderschön

Zeiten des Sturms
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Ein Wiedersehen mit Sheridan Grant war für mich wie ein Wiedersehen mit Freunden nach langer Zeit. Es ist schon eine Weile her, dass ich Band 1 und 2 dieser Saga gelesen habe, und so hatte ich ein bisschen ...

Ein Wiedersehen mit Sheridan Grant war für mich wie ein Wiedersehen mit Freunden nach langer Zeit. Es ist schon eine Weile her, dass ich Band 1 und 2 dieser Saga gelesen habe, und so hatte ich ein bisschen Sorge , dass ich nicht mehr in die Geschichte hineinfinden würde. Diese Angst war jedoch unbegründet. Nele Neuhaus streut immer wieder ein paar Schnipsel aus der Vergangenheit ihrer Heldin in die Geschichte, und dann war zumindest bei mir die Erinnerung sofort wieder da.

Darum geht es: Sheridan, die inzwischen 21 Jahre alt ist, kaum zu glauben was sie in ihren jungen Jahren schon alles erlebt hat, steht kurz vor der Hochzeit mit dem liebenswürdigen Paul Sutton , weit weg von ihrer Heimat Nebraska und der Willow Creek Farm. Gerade noch rechtzeitig merkt sie, dass ihre Leben nicht zusammenpassen und hat Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft. Sie kehrt nach Nebraska zurück und kommt ihrem Lebenstraum einer Musikkarriere ein Stück näher.

Der Charakter der Sheridan Grant ist Nele Neuhaus wirklich gut gelungen. Sie ist eine emphatische, starke junge Frau mit Ehrgeiz und Herzenswärme. Trotz schnellem Erfolg bleibt sie bodenständig und ganz sie selbst. Natürlich kommt es zu Verwicklungen und die Vergangenheit holt sie auch irgendwann ein. Vielleicht hat das Schicksal bei Sheridan auch ein paar mal zu heftig zugeschlagen. Wenn man das nicht so ernst nimmt, ist das Buch einfach ein toller Schmöker, in den man so richtig versinken kann. Ich mag den Schreibstil der Autorin schon bei ihren Krimis. Bei der Sheridan Grant Triologie hat die Autorin bewiesen, dass sie auch etwas anderes schreiben kann.
Sehr schade, dass es der letzte Band der Reihe ist und man sich somit von der wunderbaren Hauptprotagonistin verabschieden muss.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere