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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2026

Mütter und Töchter

Niemands Töchter
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Mutter- Tochterbeziehungen, die Prägung der Töchter und die Frage nach der eigenen Herkunft und Identität, darum geht es in Niemands Töchter. Über mehrere Jahrzehnte lesen wir von Gabriele und Marie, ...

Mutter- Tochterbeziehungen, die Prägung der Töchter und die Frage nach der eigenen Herkunft und Identität, darum geht es in Niemands Töchter. Über mehrere Jahrzehnte lesen wir von Gabriele und Marie, von Isabella und Alma.
Wie die Leben dieser vier Frauen, die sowohl Mütter als auch Töchter sind zusammenhängen wird erst im Laufe der Geschichte offenbart.
Letztendlich wird klar, wie tief dieses Band zur eigenen Mutter in den meisten Fällen ist. Auch wenn es Verletzungen gibt, die zunächst unverzeihlich erscheinen, so ist Vieles doch aus Liebe passiert, um sich selbst und sein Kind zu schützen.
Es gibt ziemlich viele Zeit- und Personensprünge, die gerade beim Hörbuch ein sehr konzentriertes Hören erforderlich machen, um den Faden nicht zu verlieren.
Es lohnt sich aber am Ball zu bleiben, denn es macht Spaß, wie nach und nach ein Puzzleteil nach dem anderen zu einem Gesamtbild wächst.
Ich würde allerdings im Nachhinein eher zum Buch greifen, weil es wahrscheinlich einfacher ist der Geschichte zu folgen und weil das Hörbuch von der Autorin selbst gelesen wird, und mich das Ergebnis nicht vollends überzeugt hat, aber das ist meine ganz subjektive Meinung.
Insgesamt ist diese komplexe Familiengeschichte auf jeden Fall empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Selbstbestimmung

Im Leben nebenan
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„Was wäre wenn“ Geschichten ziehen mich immer wieder magisch an.

In dem Debütroman von Anne Sauer geht es um die Frage, die sich irgendwann jede Frau stellt, Kinder ja oder nein.

Toni, eine Frau in den ...

„Was wäre wenn“ Geschichten ziehen mich immer wieder magisch an.

In dem Debütroman von Anne Sauer geht es um die Frage, die sich irgendwann jede Frau stellt, Kinder ja oder nein.

Toni, eine Frau in den 30ern lebt in einer glücklichen Beziehung mit ihrem Freund in der Großstadt. Doch der Kinderwunsch bleibt unerfüllt.

Eines Tages wacht sie als Antonia in einem Parallelleben auf, lebt immer noch in dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, hat ein Baby an der Brust und lebt ganz offensichtlich mit ihrer Jugendliebe Adam zusammen.

Sie hat keine Ahnung, wie sie zu diesem Kind gekommen ist, hat weder eine Erinnerung an die Geburt, noch an Adam, den sie nur als kleinen Jungen erinnert.

An dieser Stelle, wäre ich schon ausgerastet und hätte mich persönlich in die Psychiatrie eingewiesen.

Antonia nimmt es natürlich auch nicht gelassen, sie ist maßlos überfordert, aber irgendwie nimmt sie die Gegebenheiten auch hin, wenn auch im Panikmodus und teilweise mit Fluchtgedanken.

Die Geschichte wechselt immer wieder zwischen Antonia und Toni und erzählt diese beiden Leben parallel.

Ich fand es etwas frustrierend, dass sie sowohl in dem einen als auch in dem anderen Leben über weite Strecken unglücklich war.

Ja, die Autorin erzählt ungeschönt und ehrlich wie es ist im Leben mit Baby oder im Leben mit einem dringenden Kinderwunsch , der dann medizinisch begleitet wird, was für eine Paarbeziehung sicherlich sehr herausfordernd ist.

Nein, die Autorin bewertet diese Leben nicht danach, welches Leben wohl das Bessere wäre und das fand ich auch gut so. Es geht doch im Wesentlichen darum, dass Jeder selbstbestimmt ein Leben für sich wählen sollte.



Den klaren und flüssigen Schreibstil, (ab und zu blitze auch mal etwas Humor auf), mochte ich sehr.

Dennoch war es irgendwie nicht mein Buch. Vielleicht hätte mich die Geschichte in meinen 30ern mehr angesprochen. Mir war es insgesamt wohl auch zu sehr fokussiert auf das Thema Mutterschaft. Andere Aspekte traten mir bei beiden Leben zu sehr in den Hintergrund.

Und immer wieder fand ich die Lektüre nur deprimierend.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Locked Room Thriller auf einsamer schwedischer Schäreninsel

Bachelorette Party
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Schauplatz dieses Thrillers ist eine in malerischer Kulisse liegende schwedische Schäreninsel. Der Junggesellinnenabschied von Anneliese und ihren Freundinnen soll in dem neugebauten Luxus-Yogahotel der ...

Schauplatz dieses Thrillers ist eine in malerischer Kulisse liegende schwedische Schäreninsel. Der Junggesellinnenabschied von Anneliese und ihren Freundinnen soll in dem neugebauten Luxus-Yogahotel der Insel stattfinden, und da sie die ersten Gäste noch vor der offiziellen Eröffnung sind, haben sie den Prachtbau und die gesamte Insel ganz für sich alleine. Nur die Chefin des Hauses, Irene, und ein Koch sorgen sich um ihr Wohlergehen. Handys sind nicht erlaubt, denn hier lebt man Digital Detox.

Ich fand das Setting ist für einen Locked Room Thriller schon mal perfekt vorbereitet.

Was der Leser direkt im Prolog erfährt, aber sicherlich nicht jeder der Partygäste weiß, 10 Jahre zuvor sind auf dieser privaten Insel 4 Frauen verschwunden und nie wieder aufgetaucht.

Rückblicke in diese Zeit werden immer wieder eingestreut, so dass wir auch hier ganz allmählich erfahren, was damals geschehen ist.

Podcasterin Tessa, aus deren Sicht der Gegenwartsstrang erzählt wird, ist zwar eine gute Freundin der Braut Anneliese, hat aber noch ein anderes persönliches Motiv für den Wochenendtrip auf die Insel. Insgesamt haben sich die Freundinnen im Laufe der Jahre etwas aus den Augen verloren, was sie aber nicht daran hindert in bester Stimmung bei Trauzeugin Mikaela‘s vorbereiteten Aktionen und Spielchen mitzumachen.

Die Stimmung kippt, als eine der Frauen verschwindet und irgendetwas nicht zu stimmen scheint.

Es dauert aber über die Hälfte des Buches bis ein bißchen Gänsehautstimmung entsteht und sich die Ereignisse dann auch nicht gerade unblutig zu überschlagen beginnen.

Ich fand es auf jeden Fall unterhaltsam und kurzweilig. Auch die Atmosphäre des Buches hat mir gut gefallen. Es gab für mich allerdings auch ein paar Ungereimtheiten und Logiklücken, und die Auflösung war schon ein bißchen konstruiert. Den Charakteren hätte etwas mehr Tiefe gutgetan.

Insgesamt trotzdem ein empfehlenswerter Lesespaß, wenn auch mit leichten Schwächen.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Die Welt ist ungerecht, aber muss man das hinnehmen ?

Fair. Ohne Kompromisse
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Avid zieht nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter Elena in eine neue Stadt. Eine neue Wohnung, eine neue Schule, ein neuer Arbeitsplatz und die Chance für einen Neuanfang, die Idee klingt gut. Pech ...

Avid zieht nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter Elena in eine neue Stadt. Eine neue Wohnung, eine neue Schule, ein neuer Arbeitsplatz und die Chance für einen Neuanfang, die Idee klingt gut. Pech nur, dass am Einzugstag aus dem Leihwagen vor der Haustür Avid‘s Laptop gestohlen wird. Avid ist außer sich, befinden sich doch unersetzbare letzte Erinnerungen an seinen Vater auf dem Gerät. Die Chance, dass die Polizei die Täter schnappt, ist äußerst gering und so begibt sich Avid selbst auf Spurensuche und entdeckt das Versteck der jugendlichen Diebesbande. Ist er anfänglich nur daran interessiert seinen Laptop wiederzubekommen und die Bande auffliegen zu lassen, ändert sich seine Einstellung zu den Jugendlichen, die auf ihre Weise versuchen zu einer gerechteren Welt beizutragen. Wie schon Robin Hood behaupten sie nur Reiche zu bestehlen, um es den Armen ein wenig leichter zu machen, Umverteilung eben.



Mir ist die Geschichte von Nina Weger wirklich unter die Haut gegangen. Sie ist klug konstruiert, bestens recherchiert und spannend erzählt. Themen wie Altersarmut, Fast Fashion, Privatisierung der Trinkwasserversorgung, Lebensmittelverschwendung kommen zur Sprache. Der Wunsch die Ungerechtigkeiten in der Welt nicht einfach hinzunehmen ist nachvollziehbar.

Aber darf man mit guten Motiven einfach Straftaten begehen? Avid verändert sich mit dem näheren Kennenlernen der Bandenmitglieder, die bis zum Schluß alle ihre richtigen Namen hinter einem Pseudonym verstecken. Er hinterfragt mehr und wird politischer.

Das Buch bietet sich wunderbar an für Gespräche zwischen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern.

Ich denke es ist für Jugendliche im Alter von 12 Jahren gut geeignet und ich empfehle es sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Zypern

Das Flüstern der Feigenbäume
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Zypern, idyllisch im Mittelmeer gelegen, ist eine wunderschöne Ferieninsel doch deren Hauptstadt Nikosia ist auch die letzte geteilte Hauptstadt innerhalb Europas.

In „Das Flüstern der Feigenbäume“ thematisiert ...

Zypern, idyllisch im Mittelmeer gelegen, ist eine wunderschöne Ferieninsel doch deren Hauptstadt Nikosia ist auch die letzte geteilte Hauptstadt innerhalb Europas.

In „Das Flüstern der Feigenbäume“ thematisiert Elif Shafak den Bürgerkrieg in Zypern und in der Folge die Teilung der Insel in eine griechische und eine türkische Seite. Was dieser Konflikt mit den Menschen gemacht hat, Kriegstraumata, Fluchtgeschichten und Auswirkungen auf nachfolgende Generationen, all das erfahren wir beispielhaft anhand des griechischen Zyprers Kostas, seiner Frau Daphne, einer türkischen Zyprerin und deren gemeinsamer Tochter Ada, die in England geboren wurde und die Insel gar nicht kennt. Ada weiß so gut wie nichts über die Vergangenheit ihrer Eltern und das macht ihr als Teenagerin zu schaffen. Der Vater schweigt beharrlich, doch als die Tante nach dem Tod der Mutter anreist, stellt sie schnell fest, dass Gespräche mit ihr möglich sind und sie die Chance haben wird, mehr über ihre Wurzeln herausfinden zu können.

Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich den Feigenbaum, der im Roman eine eigene Erzählstimme bekommt. Mit diesem Kniff bekommen wir als Leser nochmal eine übergeordnete Perspektive auf den Konflikt und die Menschen und werden mit einer Menge „Baumwissen“ versorgt. Der Feigenbaum steht in der Taverne eines schwulen Paares und dient als Treffpunkt für die beiden Liebenden, Daphne und Kostas. Ein Steckling dieses Baumes immigriert auch später in einem Koffer mit nach London, so dass er auch von dort aus weiter berichten kann.

Ich fand das Buch berührend und interessant und ich liebe den poetischen Schreibstil der Autorin. Bei dieser verbotenen Liebe kamen mir natürlich sofort Romeo und Julia in den Sinn. Leider ist der Zypernkonflikt ja bis heute nicht wirklich gelöst und der Frieden muss immer noch durch UN Friedenstruppen gesichert werden.



Ich verstehe warum die Autorin dem Feigenbaum eine Stimme gegeben hat, bin aber kein großer Fan von magischen Realismus, auch in diesem Fall nicht.Deshalb gibt es hier bei mir einen halben Punkt Abzug.

Es war aber wirklich spannend diese Familiengeschichte eingebettet in die zyprische Geschichte zu lesen. Auf diese Weise wird Geschichte lebendig.

Dieses Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung und der sprechende Feigenbaum halt Geschmacksache.

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