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Veröffentlicht am 19.05.2019

Atemberaubend!

Liebes Kind
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Nach langen vierzehn Jahren schafft sie die Flucht. Sie lässt das Martyrium in der Hütte zurück. Die Kinder sind auch frei. Im Krankenhaus rettet man ihr das Leben, denn sie ist in ein Auto gelaufen. Doch ...

Nach langen vierzehn Jahren schafft sie die Flucht. Sie lässt das Martyrium in der Hütte zurück. Die Kinder sind auch frei. Im Krankenhaus rettet man ihr das Leben, denn sie ist in ein Auto gelaufen. Doch der Weg zurück in die Normalität ist mit mehr Problemen gepflastert, als ein Mensch ertragen kann …

Hannah ist ein wenig überheblich. Einerseits passt das zu Kindern, andererseits ist es gerade bei ihr zunächst nicht nachvollziehbar. Es ist auch schwer, auseinanderzuhalten, was wahr ist und was eine Art Wahn, denn lügen darf man nicht, das weiß Hannah. Doch mit der Zeit macht dies alles einen Sinn. Von ihr und ihrer Mama wird nach und nach erzählt, was geschehen ist. Beide Stränge sind herzergreifend und atemberaubend. Kaum hat man sich an eine Begebenheit halbwegs gewöhnt, kommt halbwegs mit der Situation klar, kommt eine Wendung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Man kommt nicht umhin, die eine oder andere Vermutung zu haben, die sich nahezu aufdrängt und erst recht fassungslos macht. Fast wünscht man, man würde sich irren. Die kleinen Ungereimtheiten, die man sorglos unkommentiert lässt, werden immer mehr zu wichtigen Hinweisen.

Nur Matthias, Lenas Vater, ist extrem unsympathisch. Seine cholerischen Reaktionen richten sich meiner Meinung nach gegen die falschen Personen. Da fällt es schwer, Mitgefühl für ihn zu haben. Er bzw. seine Sicht und Erzählung bilden den dritten Erzählstrang. So bildet sich nach und nach aus den vielen Puzzleteilen ein überwältigendes Gesamtbild. Jonathan, der Bruder von Hannah, taucht immer nur am Rande auf. Selbst für Matthias, der Hannah abgöttisch liebt, ist er nur eine Randfigur. Die Emotionen, Gedanken und Handlungen von Karin, Lenas Mutter, kann ich am besten verstehen und nachvollziehen.

Insgesamt gibt das alles ein perfektes Ganzes. Die Idee, die Umsetzung, der Stil (fast schon drei Stile – nicht nur die Stränge unterscheiden sich, eigentlich auch jeweils tatsächlich der ganze Stil), die Wendungen – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und ineinander verwoben, wie feinste Seide.

Das Leben der beiden Kinder ist geprägt von der lebenslangen Gefangenschaft. Sie haben also weit weniger Probleme damit, wie die Mutter. Das Ganze erinnert an die Fälle, die in der Presse zu finden waren und sicher stammt daraus auch die Inspiration. Die Verarbeitung des Themas von einer völlig unerwarteten Seite gefällt mir besser, als ich erwartet hatte. Und die Wendungen sind erschreckend, kaum bis gar nicht vorhersehbar und gehen tief, tief, tief unter die Haut.

Ich gebe zu, dass mir um die Autorin zu viel Wind gemacht worden war und ich genau deshalb bisher noch kein Buch von ihr gelesen hatte. „Liebes Kind“ hat mich aber so schnell so tief so restlos in seinen Bann gezogen, dass ich mich für mein Vorurteil herzlich entschuldige und Romy Hausmann gerne bestätige, dass ihr ein extrem guter Thriller gelungen ist. Respekt! Die Spannung ist fast durchgehend auf höchstem Anschlag. Zum Verschnaufen kommt man so gut wie nie.

Die drei Sprecher Heikko Deutschmann, Leonie Landa und Ulrike C. Tscharre machen einen großartigen Job. Die Idee, dieses Buch nicht von einer einzigen Person einlesen zu lassen, war super. Dadurch wird der Zuhörer viel leichter und schneller ganz tief in die Geschichte gezogen. Jeder Erzählstrang eine eigene Stimme – mir kommt das sehr entgegen.

Dass ich diesem Buch fünf Sterne gebe, wird an diesem Punkt keine Überraschung mehr sein.

Veröffentlicht am 17.05.2019

Traumhaft schöne „Zufälle“!

Zufälle im Museum
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Fast möchte man glauben, dass die Fotos – zumindest zum Teil – gestellt sind. Aber das Leben besteht aus so unfassbaren Zufällen, dass ich bereit bin, an das glückliche Zusammentreffen von Kunst, passendem ...

Fast möchte man glauben, dass die Fotos – zumindest zum Teil – gestellt sind. Aber das Leben besteht aus so unfassbaren Zufällen, dass ich bereit bin, an das glückliche Zusammentreffen von Kunst, passendem Betrachter und die Anwesenheit eines Fotografen zu glauben. Viele der Gemälde werden durch diese Fotos noch viel faszinierender. Auf diese Weise betrachtet, wirken sie besonders stark und mich bringen sie dazu, Kunst ab sofort mit anderen Augen zu sehen und besonders stark auf das zu achten, was rings darum ebenfalls zu finden ist. Ich werde nie wieder einfach nur ein Gemälde ansehen, sondern immer zuerst von weitem darauf achten, wie die Betrachter „dazu passen“. Und vermutlich werde ich auch immer überlegen, wie ich selbst gerade zum entsprechenden Gemälde – oder Kunstobjekt allgemein – passe.

Durch die Fotos wird einem bewusst, dass zwischen den oft historischen Motiven und den hochmodernen Zeiten heute mehr Gemeinsamkeiten bestehen, als man gedankenlos angenommen hatte. Auch wenn es nur der Stoff oder das Muster eines Kleidungsstückes des Betrachters ist, die Körperhaltung, eine Geste – all das verbindet die Gegenwart mit der Vergangenheit auf eine Weise, die mich sehr berührt und bewegt, auch wenn sich das pathetisch oder albern anhören mag.

Gleichzeitig fällt mir auf, wie viele der Personen selbst im Museum den Blick oder das Ohr nicht vom Smartphone wegbekommen. Auch das verstärkt erstaunlicherweise den Effekt oftmals. Teils wirken die Museumsbesucher, als seien sie aus den Bildern herausgefallen oder würden gleich in ein Gemälde „einsteigen“ können. Vielleicht unbewusst, vielleicht lese ich zu viel heraus – aber bei vielen der Fotos habe ich das Gefühl, dass die Menschen mit den Kunstobjekten tatsächlich insgesamt sehr harmonieren. Je besser sie zusammenpassen, desto mehr scheinen die Menschen auch von den Bildern fasziniert zu sein.

Es finden sich aber auch urkomische Fotos von Zufällen, die anderer Art sind. Männer, die aussehen, als fielen sie ins Dekolleté der Dame auf dem Bild, das sie betrachten. Menschen, die so vor einem Objekt stehen, dass sie aussehen, als würden sie daraus herauswachsen. Bilder, die moderner aussehen, als die Menschen davor (quasi moderne Bilder und Leute, die scheinen, als kämen sie aus dem 17. Jahrhundert, statt umgekehrt). Und manchmal ergänzen sich Kunst und Mensch erst zu einem wirklich bemerkenswerten Gesamtbild, werten sich quasi gegenseitig auf, um es überspannt auszudrücken.

Es wird nicht langweilig, im Buch zu blättern. Immer wieder entdeckt man neue Zufälle und Besonderheiten. Das ist faszinierend und einfach wunderbar. Ich gebe sehr gern die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Davonlaufen oder Probleme in Angriff nehmen?

Dschungel
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Nachdem Felix im kambodschanischen Dschungel verschollen zu sein scheint, beauftrag dessen Mutter seinen besten Freund, ihn zu suchen. Also macht sich dieser auf eine Reise, die ihn noch mal in die gemeinsame ...

Nachdem Felix im kambodschanischen Dschungel verschollen zu sein scheint, beauftrag dessen Mutter seinen besten Freund, ihn zu suchen. Also macht sich dieser auf eine Reise, die ihn noch mal in die gemeinsame Vergangenheit, die Jugend führt. Doch was wird am Ende seiner Reise auf ihn warten?

Ganz oft verbraucht Friedemann Karig enorm viele Worte. Seine Beschreibungen sind an diesen Stellen dann extrem detailreich und überladen. Auch hat er einen Kniff angewandt, der zwar genial ist, aber für meinen Geschmack hat er den „Bogen überspannt“. Er hat weit, weit ausgeholt, um vom Start zum Ziel zu kommen, Umwege genommen, ist abgewichen – der direkte Weg wäre sehr viel kürzer gewesen, aber, ich gebe es zu, nicht so dramatisch.

So hat mich Karig zwischendurch immer wieder verloren. Meine Gedanken sind unweigerlich abgedriftet und ich musste wieder den Faden finden. Das ist anstrengend. Passt zur Aussage des Buches, aber ist dennoch ungeschickt.

Richtig erwärmen konnte ich mich zudem für keine der Figuren. Der namenlose Erzähler ist mir trotz seiner Bemühungen, seinen Freund zu finden, nicht wirklich sympathisch. Was er von Felix erzählt, macht auch diesen nicht zu einer Figur, die ich im Freundeskreis haben möchte. Das ist natürlich dann auch nicht gerade dazu geeignet, sich für das Buch zu erwärmen. Und das ist wirklich schade!

Die Erinnerungen an die Erlebnisse in der Kindheit sind teils sehr amüsant, manche auch fast schon informativ, aber sehr viele auch eine regelrechte Abarbeitung von Klischees. Die Reise selbst, die Erlebnisse des Erzählers, seine Art – irgendwann kippt bei mir das Interesse extrem und ich warte nur noch auf das Ende. Das ist dann zwar wirklich gelungen, aber es versöhnt mich leider nicht insgesamt mit dem Buch. Es ist überraschend, es ist atemberaubend – und nach ein wenig Sackenlassen dann doch irgendwie ein Beweis dafür, dass Felix und der Erzähler nicht die sind, für die der Leser und sie sich selbst hielten.

Fabian Busch macht als Sprecher einen echt guten Job, dennoch reißt er das Ruder nicht mehr herum. Am Ende bleiben bei mir leider nur zwei Sterne übrig. Für drei reicht es nicht mehr.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Der Mond von a wie abnehmend bis z wie zunehmend

Was den Mond am Himmel hält
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Die Idee, ein Buch über den Mond so humorvoll und unterhaltsam zusammenzustellen, finde ich riesig. Die Texte sind knackig, machen Spaß, lehren dennoch (oder auch gerade deshalb) und die tollen Sketchnotes ...

Die Idee, ein Buch über den Mond so humorvoll und unterhaltsam zusammenzustellen, finde ich riesig. Die Texte sind knackig, machen Spaß, lehren dennoch (oder auch gerade deshalb) und die tollen Sketchnotes zwischendurch und am Ende jedes Kapitels (quasi als optische Zusammenfassung und Reflektion des vorangegangenen Textes) runden das Ganze noch zusätzlich ab. So einiges bleibt auch gerade aufgrund dieser Zeichnungen im Gedächtnis haften.

Aufgeteilt ist das Buch in die fünf Themenbereiche:

- Der Mond am Himmel
- Der Mond im All
- Der Mond als Ding
- Der Mond als Ziel
- Der Mond der Zukunft

Sie alle sind fesselnd und unterhaltsam. Nein, ein komplett wissenschaftliches Buch ist dies hier nicht – aber dennoch lernt man unheimlich viel über den Mond. Dinge, die man vielleicht nie im Leben tatsächlich braucht, die aber interessant sind und zumindest bei mir den Blick zum Himmel verändert hat. Der Humor des Buches ist unverkennbar, aber dennoch ist das Buch nicht albern oder lächerlich.

Beim Lesen wird man auf gewisse Weise wieder zum Kind. Die Lebenserfahrung bleibt, wodurch der eine oder andere Vergleich auch erst verständlich ist. Aber die Euphorie und das Staunen, die Kinder so erfrischend an den Tag legen, sind plötzlich wie von Zauberhand wieder da.

Wer hier nicht staunen und schmunzeln kann, der ist im Herzen schon versteinert. Alle anderen genießen jede Seite des Buches, freuen sich an Bekanntem, staunen über Neues und vor allem: lassen sich von Michael Bükers Freude und Liebe zu diesem erstaunlichen Himmelskörper anstecken.

Science-Slam – für mich eine tolle Entdeckung, eine neue Art, Wissen aufzufassen und als Buch noch mal so toll (denn da kann ich immer wieder nachschlagen). Tolles Thema, tolle Aufmachung, tolle Sketch-Notes, tolle Idee! Ich gebe sehr gern die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Ein gesunder Bewegungsapparat macht Pferd und Reiter glücklich

Osteopathie für Pferde
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Diesen Ratgeber von KOSMOS sollte jeder Pferdehalter haben – und lesen! Er ist verständlich geschrieben und steckt randvoll mit wichtigen, wertvollen und hilfreichen Tipps. Bestehende Probleme können damit ...

Diesen Ratgeber von KOSMOS sollte jeder Pferdehalter haben – und lesen! Er ist verständlich geschrieben und steckt randvoll mit wichtigen, wertvollen und hilfreichen Tipps. Bestehende Probleme können damit erkannt, gelindert und gelöst werden, aber ebenso lernt man, die Entstehung so einiger Probleme im Vorfeld schon zu verhindern.

Dabei wird nicht vergessen, dass Osteopathie nicht einfach durch ein Buch erlernt werden kann. Der Fachmann bleibt auch nach Lektüre des Buches notwendig, ganz klar. Dennoch kann man vieles lernen, das dem Pferd gut tut, ihm hilft und am Ende Pferd und Mensch auch noch enger zusammenbringt. Einige einfache Handgriffe kann man selbst erlernen und anwenden.

Die Autoren machen ganz klar auch ein bisschen Werbung für DIPO und das Osteopathiezentrum. Das empfinde ich aber nicht als negativ, zumal sie sehr sympathisch sind und alles so erklären, dass auch Laien etwas damit anfangen können.

Die Gliederung des Buches ist sinnvoll, der Aufbau logisch und durch die vielen anschaulichen Fotografien sind die gut verständlichen Texte noch einprägsamer. Von der Osteopathie allgemein, über den Ablauf einer Behandlung, die Anatomie des Pferdes, bis zu Kopf und Huf des Pferdes ist alles erklärt. Nicht zuletzt ist auch an den Sattel gedacht – der gern mal die Ursache allen Übels ist.

Besonders an den Fallbeispielen wird verständlich, wo und wie die Techniken helfen und wirken. Diese habe ich mit großem Interesse und Freude (auch wenn ich die Tiere nicht kenne – es ist so schön, wie enorm die Wirkung der Behandlung ist) gelesen.

Für alle, die sich dann intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, finden sich am Ende noch Buchtipps und nützliche Adressen. Rundum Sorglospaket! Ich kann es jedem Pferdehalter nur ans Herz legen und gebe fünf Sterne.