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Veröffentlicht am 16.03.2019

Für einen Krimi viel zu ruhig

Lago Mortale
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Es ist August, es ist brütend heiß, die Hornissen brummen und Simon Strasser, ehemaliger Polizeireporter, möchte sich nur abkühlen im Lago d’Orta. Dabei entdeckt er eine herrenlose Yacht, darauf eine Leiche. ...

Es ist August, es ist brütend heiß, die Hornissen brummen und Simon Strasser, ehemaliger Polizeireporter, möchte sich nur abkühlen im Lago d’Orta. Dabei entdeckt er eine herrenlose Yacht, darauf eine Leiche. Seine Neugier treibt ihn dazu, auf eigene Faust zu ermitteln …

Leider kommt mir persönlich zu sehr der Stil einer Journalistin und Reisebuchautorin durch. Man erkennt das tatsächlich deutlich an den überaus detailreichen und ausführlichen Beschreibungen. So wird die reizvolle Landschaft – aber auch viele Speisen und andere Details – sehr genau beschrieben, aber dadurch schaltet mein Kopfkino einfach ab und ich verliere die Konzentration. Das lullt mich ein und macht mich müde. Das ist schade, denn so läuft ein für mich zu großer Teil ins Leere und es kommt keine rechte Spannung auf.

Einige der Szenen sind für mich auch etwas sehr unlogisch. So ist es schon mal sehr bemerkenswert, dass Simon immer wieder die Grenze der Legalität überschreitet, dabei aber nie in die Bredouille gerät. Seine Schlüsse sind immer total cool. Da er selbst sehr ruhig und gelassen, fast wie ein Langweiler erscheint, beißt sich das für mich doch öfter mal.

Die Figuren sind wunderbar unterschiedlich, doch konnte ich zu keiner eine enge Bindung aufbauen. Alle sind sie bis zuletzt einfach Passanten für mich geblieben, die ich zufällig beobachte, während ich gemütlich im Café sitze, die Sonne Italiens genieße und den lieben Gott einen guten Mann sein lasse. Will sagen: Mir ist das alles zu unaufgeregt und relaxed gewesen für einen Krimi.

Das zentrale Thema (ich möchte nicht spoilern, deshalb benenne ich es nicht) ist zwar recht aktuell, aber mir kam es hier so gewollt und gestelzt, so extrem pauschalisiert und klischeehaft vor. Nun ist dieses Buch der Auftakt einer neuen Reihe und ich bin nicht wirklich davon überzeugt, dass ich die Abenteuer des Deutsch-Italieners Simon Strasser und seiner quasi-Tochter weiter verfolgen möchte. Geschah auf weite Strecken sehr wenig, wurde alles am Ende für meinen Geschmack zu fix aufgelöst und Nicolas Gesinnungswandel erstaunt mich ebenfalls.

Insgesamt war dieser Krimi für mich eine unaufgeregte Lektüre, von der nicht viel nachhallt. So kann ich leider nur drei Sterne geben.

Frank Stöckle hat es absolut gut eingelesen, konnte das Ruder dennoch nicht herumreißen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und empfand auch seine Art, die einzelnen Charaktere darzustellen, als sehr angenehm und absolut gelungen. An ihm liegt es also nicht!

Veröffentlicht am 11.03.2019

Viel staubige Aktenarbeit, aber nicht unspannend

Dark Call - Du wirst mich nicht finden
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Die forensische Psychiaterin Holly Wakefield hält normalerweise Vorlesungen. Doch dann wird sie als Profilerin eingesetzt und soll helfen, einen Serienmörder zu fassen. Als Neuling hat sie es mit den Kollegen ...

Die forensische Psychiaterin Holly Wakefield hält normalerweise Vorlesungen. Doch dann wird sie als Profilerin eingesetzt und soll helfen, einen Serienmörder zu fassen. Als Neuling hat sie es mit den Kollegen manchmal nicht leicht und wird gern belächelt. Doch Holly ist der Wahrheit auf der Spur und ahnt nicht, dass der Fall mehr mit ihr zu tun hat, als ihr lieb ist.

Leider verrät meiner Meinung nach der Klappentext schon ein bisschen zu viel vom Inhalt. Schwerer wiegt jedoch, dass unendlich viele Serientäter erwähnt und beschrieben werden, sodass man quasi als Leser bergeweise staubtrockene Akten wälzt. Hin und wieder reißt dann eine Wendung die Kuscheldecke auf, unter der man inzwischen sitzt, nur um dann sofort wieder gemächlich weiter zu dösen. Die Höhepunkte sind geschickt eingestreut, aber dann wird nicht darauf aufgebaut. Mich persönlich stört und nervt das ein bisschen.

Da sich Griffin mehr auf das psychologische Spielchen begibt, trieft das Buch nicht vor Blut. Es gibt auch grausige Momente, doch sind sie nicht inflationär gestreut. Das mag ich. Alles andere wirkt immer sehr billig.

Ein besonderer Punkt eröffnet sich dem Leser erst am Ende des Buches. Doch hier ist dann der Effekt riesig, dass man das hätte wissen müssen. Solche Momente liebe ich!

Der Stil ist sehr gemächlich, nicht reißerisch, schon fast ein Cosy Crime. Erst am Ende fährt Mark Griffin so richtig auf und der Show-Down ist wirklich großartig. Für mich allerdings reicht das leider nur für drei Sterne. Aber abwarten, was die weiteren Bände bringen werden. Es ist ja der Reihen-Auftakt.

Veröffentlicht am 08.03.2019

Frau Merkel und die Winkekatze

Glückskatz
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Kommissar Steinböck hat es diesmal mit einem Mord zu tun, der einer wahren Hinrichtung gleicht. Als wäre das nicht genug, erreicht ihn ein Paket aus Japan, in dem eine Winkekatze ist, die eine seltsame ...

Kommissar Steinböck hat es diesmal mit einem Mord zu tun, der einer wahren Hinrichtung gleicht. Als wäre das nicht genug, erreicht ihn ein Paket aus Japan, in dem eine Winkekatze ist, die eine seltsame Nachricht überbringt. Frau Merkel versucht unablässig, diese Figur loszuwerden und scheut auch nicht davor zurück, mit gekonnter Manipulation andere dazu einzuspannen. Als Steinböck dann auch noch die Liebe begegnet, wird es vollends kompliziert, aber mithilfe der wilden Reporterin Husup, den Domeniks, Emil Mayer Junior und Ilona Hasleitner kommt er nach und nach der Lösung auf die Spur …

Auch in diesem Band sind die Dialoge zwischen der Katze Frau Merkel und ihrem Mitbewohner Steinböck einfach köstlich. Voller Sticheleien, aber immer auf den Punkt, sagt sie ihm ihre Meinung über die Geschehnisse, vor allem aber über die Personen. Da bekommt jeder sein Fett weg!

Gekonnt sind aktuelle und brisante Themen in die eigentliche Geschichte eingewebt. Von Donald Trump über skrupellose Profitgier (sei es bei Medikamenten oder Müll/Rohstoffrecyling) bis zu Verstümmelung an Frauen – Kaspar Panizza hat hier genug explosives Material zur Sprache gebracht, dass auch einem Cosy-Crime so nebenher auch noch ein Buch voller Denkanstöße wurde. So mag ich das – Unterhaltung, Humor, aber auch nicht den Blick auf das Wesentliche verlieren und trotz allem Spaß auch auf den Ernst in der Welt hinweisen. Die Wendungen sind gelungen und sorgen für Spannung.

Die Figuren sind sich selbst treu, haben sich aber auf angemessene Weise weiterentwickelt. So hat man das Gefühl, alte Bekannte wiederzutreffen, ohne dass diese langweilig würden. Veränderungen und Entwicklungen gehören zum Leben dazu und sollten meiner Meinung nach auch in Krimiserien ihren Platz finden. Hier sind sie stimmig und nicht zu krass – so soll es sein!

Die bayerische Lockerheit kommt an manchen Stellen auf besondere Weise daher. So weiß Steinböck beispielsweise, wie er haarscharf am Rande der Legalität zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Dabei kommt auch das Thema Flüchtlinge zu seinem Recht – auf eine wunderbare Weise, an der sich die Politiker mal eine Scheibe abschneiden könnten.

Nein, nicht alles ist im wahren Leben so einfach, wie es der Autor unseren Kommissar Steinböck machen lässt, aber dennoch liest sich das wunderbar und gibt zu denken. Nichts wirkt zu albern, obwohl viel Humor im Buch steckt. Der Ausgleich durch die ernsten Hintergründe tut das seinige dazu. So ist das Buch rundum gelungen und für meinen Geschmack „perfekt gewürzt“.

Ich hatte viel Spaß beim Lesen und mochte kaum aufhören. Für so viel Kurzweil gebe ich sehr gerne die vollen fünf Sterne und bin gespannt, wann Steinböck und Frau Merkel uns wieder mit einem spannenden Fall unterhalten werden. Ich bin dann auf alle Fälle mit dabei!

Veröffentlicht am 02.03.2019

Von lauen Brisen bis zum stärksten Orkan

Die Ärztin: Stürme des Lebens (MP3-CD)
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Inzwischen lebt Ricarda mit dem Brauerei-Erben Georg in München. Als gute Frau versucht sie, ihre Sehnsucht nach Berlin und dem gewohnten Leben zu unterdrücken. Mit Georgs Einverständnis und Unterstützung ...

Inzwischen lebt Ricarda mit dem Brauerei-Erben Georg in München. Als gute Frau versucht sie, ihre Sehnsucht nach Berlin und dem gewohnten Leben zu unterdrücken. Mit Georgs Einverständnis und Unterstützung eröffnet sie eine Praxis. Die wird jedoch nicht so angenommen, wie das in Berlin war. Dann tauchen Schatten am Horizont auf und ein schreckliches Geheimnis aus ihrer Vergangenheit drängt ans Licht. Ricarda droht alles zu verlieren …

Schon der erste Teil „Das Licht der Welt“ hat mich unbeschreiblich in seinen Bann gezogen. „Stürme des Lebens“ setzt diese Faszination fort und fesselte mich komplett. Das ist besonders erstaunlich, da ich kein großer Historische-Romane-Fan bin. Doch die Geschichte der Ricarda Petersen (dann Kögler und schließlich Thomasius) ist so wunderbar gelungen, dass man sie einfach lieben muss. Es ist die Geschichte der Frauen in jener Zeit, die Geschichte von Veränderungen, Ungerechtigkeiten, dem Kampf der Frauen um Anerkennung in diversen Berufen, die Geschichte der Macht und deren Missbrauch der Männer gegenüber Frauen und Kindern – kurz, es ist die Geschichte jener Zeit, die uns heute so unendlich fern scheint, aber gar nicht so lange her ist. Wie froh können wir sein, dass wir im Hier und Jetzt leben, so viel erreicht haben! Mit Blick auf jene Zeit ist es erstaunlich, über was wir heute jammern.

Helene Sommerfeld ist es wunderbar gelungen, Ricarda immer wieder neue Dinge erleben zu lassen, ohne ihr Leben komplett zu einer Soap verkommen zu lassen. Die Ereignisse erwachsen geradezu aus der Geschichte heraus, ergeben in sich Sinn und passen zueinander, auch wenn rückwirkend betrachtet entsetzlich viel geschieht, das schon einzeln eine große Bürde für eine Frau – zumal in jener Zeit – ist. Nein, es ist kein durchschnittliches Leben, das Ricarda da führt, aber all diese Ereignisse sind stimmig und das Autorenehepaar lässt uns daran eben bei einer einzigen Frau bzw. Familie teilhaben. Das ergibt einen Geschichtsunterricht der ganz besonderen Art und ich gestehe, so bleibt bei mir auch wirklich viel hängen. Dies ist also ein Roman, bei dem man tatsächlich noch dazulernt.

Der Roman sprüht geradezu vor Lebendigkeit und gleich, an welchem Ort der Erde er gerade spielt, man ist so dicht dabei, dass man fast schon Dinge greifen kann, die Landschaft sieht, die Luft riecht und die Geräusche hört. Medizinische Begriffe und ärztliche Eingriffe werden so geschildert, dass auch ein Laie etwas damit anfangen kann. Man kann nicht umhin, sich zu wundern, wie weit die Medizin in so wenigen Jahren gekommen ist und ist automatisch dankbar, nicht damals gelebt zu haben, auch wenn man gleichzeitig sehr gern Teil dieser tollen Entwicklungen gewesen wäre.

Zugleich tröstet das Buch auch – hier erlebt man eine Frau, die einen Schicksalsschlag nach dem anderen zu verkraften hat. Die eigenen Sorgen und Nöte werden dadurch nicht kleiner, aber man zieht Kraft aus Ricardas Stärke und nimmt sie mit in den eigenen Alltag. Ricarda steht ihre Frau, auch wenn sie gerne auch mal schwach sein möchte. Doch damals wäre das fatal gewesen und so kämpft sie und wirkt auf manche dadurch etwas hart und gefühlskalt. Das ist sie jedoch absolut nicht. Ihr Weg ist alles andere als leicht und eben.

Für mich ist dies ein großartiges Werk, das es wert ist, lange Zeit auf den Bestsellerlisten zu verharren. Beate Rysopp ist wie geschaffen als Sprecherin dafür. Sie haucht nicht nur Ricarda mit einer perfekten Interpretation Leben ein, sondern auch allen anderen Figuren. Man hört ihr einfach super gerne zu.

Kurz und knapp: Großartig! Ich gebe die vollen fünf Sterne!

Dieser Band endet mit einem herzergreifenden Cliffhanger und ich kann kaum erwarten, „Die Wege der Liebe“ zu genießen.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Im Namen Gottes?

Das Haus der Verlassenen
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Samantha Harper ist Journalistin und immer auf der Suche nach der Story schlechthin. Da ihre Ehe gescheitert scheint und ihr Nochehemann nicht immer zuverlässig ist, kümmert sich Sams Nana um die kleine ...

Samantha Harper ist Journalistin und immer auf der Suche nach der Story schlechthin. Da ihre Ehe gescheitert scheint und ihr Nochehemann nicht immer zuverlässig ist, kümmert sich Sams Nana um die kleine Emma, wenn Sam unterwegs ist. Ihr Verhältnis ist innig. Eines Tages entdeckt Sam bei Nana einen alten Brief, der sie neugierig macht. Sie beginnt nachzuforschen, obwohl ihr Chef ihr das verbieten will, denn es geht um St. Margaret’s, einer ehemaligen kirchlichen Einrichtung, die sich um uneheliche Kinder und deren Mütter kümmerte. Das Gebäude steht kurz vor dem Abriss. Schnell merkt Sam, dass die Zeit drängt, denn die Lösung all dessen, was mit diesen Briefen zusammenhängt, liegt eindeutig in diesen düsteren Mauern …

Das Thema ist bewegend und spannend, ganz klar, doch wie sehr es ans Herz geht, wie schockierend die Geschichte, die zwar fiktional ist, aber auf tatsächlichen Begebenheiten beruht, wird, das ahnt man anfangs nicht. Sam ist eine junge Frau, die auf privater und beruflicher Ebene hart kämpft. Zunächst mag sich der Gedanke einstellen, dass sie da nicht alleine ist, es vielen Frauen so geht. Doch nach und nach erkennt man, dass viel mehr dahinter steckt und Sam – wie sie selbst noch nicht weiß – viel mehr mit all dem zu tun hat, als es scheint. Parallel dazu erfährt man von den Machenschaften in dieser Einrichtung. Schlimm genug, wie hart, ungerecht und schlimm die Frauen und Kinder dort behandelt wurden. Erschreckend aber, dass dies nicht hunderte von Jahren her ist, sondern gerade mal ein halbes Jahrhundert – also quasi erst „gestern“ war.

Das Schicksal von Ivy, von dem der Leser nach und nach mehr erfährt, ist einfach erschütternd. Daraus erwächst immer mehr und man kommt nicht umhin, Parallelen zu den aktuellen Missbrauchsuntersuchungen zu ziehen. Denn auch das, was Ivy, den Kindern und ihren Zeitgenossen widerfahren ist, ist Missbrauch. Und bei beiden Arten haben die Opfer noch heute darunter zu leiden. Was daraus erwachsen kann, zeigt Emily Gunnis sehr gefühlvoll, aber ohne Effekthascherei. Dabei baut sich die Spannung immer mehr auf und es kommt auch zu einem furiosen Show-Down.

St. Margaret’s ist Fiktion, die Methoden aber gab es wirklich. Das weiß man beim Lesen intuitiv auch und genau das macht das Buch zu einem Pageturner. Die Zusammenhänge sind sehr stimmig aufgebaut, der Stil immer zur Person und Situation passend. Man lebt das Gelesene quasi mit. An keiner Stelle wird es langweilig und die Wendungen passen, ohne konstruiert zu wirken. Die Wechsel von 1956 zu 2017 sind gut dosiert. Man erfährt immer genau so viel, wie gerade für das Verstehen wichtig ist. Die Kapitel enden immer spannend, aber nie mit nervenden, effekthaschenden Cliffhangern. So liest sich das Buch von Anfang bis Ende flüssig. Mir wird es auch lange im Gedächtnis haften bleiben und ich bin froh, dass „diese Zeiten“ vorbei sind. Die Erkenntnisse, die die Autorin dem Leser in die Hände legt, sind schockierend. Genau das braucht man aber. Ich hoffe auf weitere Glanzstücke dieser Art. Sehr gut gemacht: Fünf Sterne!