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Veröffentlicht am 30.12.2018

Wenn Verurteilte eine Geschichte zu erzählen haben …

Gangsterblues
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Joe Bausch, Gefängnisarzt und bekannt als Schauspieler im „Tatort“, erzählt hier die Geschichten der Gefängnisinsassen, die sie ihm im Laufe seiner Berufstätigkeit erzählten. Die Geschichten könnten unterschiedlicher ...

Joe Bausch, Gefängnisarzt und bekannt als Schauspieler im „Tatort“, erzählt hier die Geschichten der Gefängnisinsassen, die sie ihm im Laufe seiner Berufstätigkeit erzählten. Die Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch sind sie alle mehr oder weniger gleich – sie erzählen von zerstörten Leben. Dabei geht es nicht allein um die Krankengeschichten der Insassen, sondern viel mehr um das, was sie Bausch erzählen wollten: über ihr Leben, über ihre Straftaten.

Einige der Lebensbeichten haben mich bewegt, berührt, ich konnte sie fast verstehen. Andere dagegen waren einfach nur widerlich und abstoßend. Aber so ist das mit dem Verbrechen nun mal! Schön ist es nie. Joe Bausch wertet dabei nicht, er erzählt einfach nur von Anfang bis Ende. Das lässt dem Leser und dem Hörer die Freiheit, selbst zu entscheiden, was er davon halten soll.

Ganz sicher hat der eine oder andere Gefangene seine Geschichte ein wenig frisiert. Doch Bausch bringt auch Fakten aus seinem Wissen ein, die helfen, den Kern deutlicher herauszufiltern. Doch kalt lässt einem keine der Geschichten. Ob man nun auch Mitleid mit den Tätern hat oder nur mit den Opfern, immer gibt es etwas, das berührt und nachdenklich macht.

Es mag morbide sein, aber ich mag Sendungen wie „Medical Detectives“ sehr gern. Mich fasziniert, wie weit die Möglichkeiten heute sind, Tätern auf die Spur zu kommen. Joe Bausch erzählt im Grunde eine ähnliche Geschichte – immerhin sind die Täter ja hinter Gittern. Wie unschuldig kann ein Verurteilter sein? Gibt es das tatsächlich? Wie „wirksam“ ist eine Inhaftierung? Dient sie nur der Verhinderung neuer Straftaten oder werden Täter geläutert? Oder ist das Gegenteil der Fall und die Täter lernen im Knast noch dazu? All diese Fragen stellen sich immer wieder und werden zum Teil auch beantwortet. Und neue Fragen tauchen auf …!

Mir hat das Hörbuch sehr gefallen, wenn mir auch nicht alle 12 Geschichten gleich stark unter die Haut gingen. So ist eben das Leben! Ich gehe davon aus, dass ein Teil auch Fiktion (ob nun von Bausch oder den Verbrechern) ist, aber das kann ich akzeptieren. Bausch erzählt respektvoll und stellt niemanden bloß. Dafür meinen Respekt. Und fünf Sterne.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Lässt mich nicht mehr los

Ohne Spur
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Audra Kinney floh vor zwei Jahren mit ihren Kindern vor ihrem Mann. Jetzt ist sie wieder auf der Flucht – vor dem Jugendamt, mit dessen Hilfe er ihr die Kinder wegnehmen möchte. Mitten in der Wüste hält ...

Audra Kinney floh vor zwei Jahren mit ihren Kindern vor ihrem Mann. Jetzt ist sie wieder auf der Flucht – vor dem Jugendamt, mit dessen Hilfe er ihr die Kinder wegnehmen möchte. Mitten in der Wüste hält sie ein Polizist an. Bei der Durchsuchung ihres Wagens findet er Drogen. Sie wird verhaftet und von ihren Kindern getrennt. Als sie im Gefängnis nach ihren Kindern fragt, bekommt sie zur Antwort: „Welche Kinder?“. Audras Alptraum beginnt …

Ich mag es nicht, wenn ein Buch so viele Vorschusslorbeeren bekommt, von Autoren oder der Presse. Zu oft war ich danach mehr als enttäuscht. Deshalb bin ich da immer sehr vorsichtig. Und diesmal, ja diesmal stimmt tatsächlich jedes Wort, mit dem „Ohne Spur“ gelobt wird!

Beck schafft es, mich immer wieder wütend und fassungslos zu machen ob des Machtmissbrauchs diverser Charaktere aus seinem Buch. Da das nicht reine Fantasie ist, sondern – wenn auch nicht weit verbreitet – durchaus möglich ist, geht das tief unter die Haut. Die Kapitel sind relativ kurz und dennoch reißen sie immer wieder den Boden unter den Füßen des Lesers weg, sodass man das Buch kaum aus den Händen legen kann. Gerade deshalb aber musste ich immer mal wieder eine Pause einlegen, um zu verarbeiten, was ich da las. Das kann Audra, die Protagonistin, natürlich nicht und der Gedanke, in ihren Schuhen zu stehen, ist fast schon zu viel.

Einige Stellen sind mir zu brutal und zu deutlich geschildert. Für einen Thriller nicht unüblich, ja, dennoch hätte mir eine Andeutung genügt und mich ebenfalls tief bewegt. Trotz dieser Szenen wird Beck aber nie billig oder primitiv. Er schildert eine extreme Geschichte, die so tatsächlich möglich ist, ohne allzu tief suchen zu müssen. Korruption, Machtmissbrauch, Missbrauch, Geldgier, Perversionen, Menschenhandel, Ungerechtigkeit – all das und noch viel mehr finden hier zusammen in einer Story, die den Leser aufrüttelt und tief hineinzieht. Die Perspektivwechsel sind gelungen, Rückblenden nur wenige vorhanden und dann auch nur solche, die wichtig für das Geschehen sind.

Das Thema birgt viel Spannung, so ist es kein Wunder, dass das Buch an keiner Stelle langweilig wird. Dass die Spannung aber stetig steigt, es immer wieder neue Wendungen gibt, der Showdown noch dem Ganzen die Krone aufsetzt, das ist genial gelöst. Auch das Ende ist rund und in sich stimmig. Hier wurde absolut sauber gearbeitet und gekonnt und ohne bösen, unsinnigen Cliffhanger ein packender Thriller der Extraklasse geschaffen. Mich hat das Verhalten so einiger Figuren unheimlich wütend gemacht – gerade, weil ich weiß, dass es solche Menschen tatsächlich gibt.

Haylen Beck ist das Pseudonym des nordirischen Autors Stuart Neville. Er wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet und stand auf Bestsellerlisten. Dennoch hatte ich noch kein Buch von ihm gelesen. „Ohne Spur“ hat mich zutiefst beeindruckt und wird noch länger nachhallen. Eines meiner Highlights 2018, wenn nicht sogar die Nummer eins. Von mir: fünf Sterne!

Veröffentlicht am 23.12.2018

Back to the roots – Selbermachen ist in!

Wursten leicht gemacht: Technik, Rezepte, Genuss
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Immer mehr Menschen machen immer mehr selbst – der Trend geht weg vom fertigen Produkt und hin zum Selbstgemachten. Warum also nicht auch mal selbst gemachte Wurst? Da weiß man ganz genau, was drin ist ...

Immer mehr Menschen machen immer mehr selbst – der Trend geht weg vom fertigen Produkt und hin zum Selbstgemachten. Warum also nicht auch mal selbst gemachte Wurst? Da weiß man ganz genau, was drin ist und kann so würzen, wie man das mag. Und ein tolles Geschenk ist das auch immer!

In diesem Buch wird alles super gut und ausführlich erklärt. Von den benötigten Utensilien über die Gewürze bis zum Fleisch und anderen Zutaten, für alles gibt es die benötigten Informationen. So kann man schon vorher abschätzen, wie aufwändig es wird, denn teils ist man wirklich auf Materialien angewiesen, die man sich erst noch besorgen muss. Gut, wenn man sich da einiges von einem schon begeisterten „Wursterer“ leihen kann oder gar bei ihm mal mitmischen darf.

Auf Seite 60 starten dann die eigentlichen Rezepte. Sie sind aufgeteilt in „Frische Waren“, „Bratwürste“, „Mettwurst und Salami“ und „Kochwürste“. Zu allem gibt es auch hier ganz viel Wissenswertes und Hilfreiches. Die einzelnen Schritte sind klar und deutlich erklärt. Gerade bei den Bratwürsten finden sich beim Grundrezept bebilderte Hilfestellungen und Ratschläge. Diese passen dann natürlich auch zu den folgenden speziellen Bratwurst-Rezepten. Ganz ähnlich ist es bei den anderen Wurstarten auch.

Genauer kann man die Wurstherstellung kaum beschreiben. Für jeden findet sich eine Wurst und am Ende bekommt man Lust und Mut, seine eigene Wurst zu kreieren. Und selbstgemacht schmeckt es doch immer einfach am besten!

Mir gefällt die Serie „Land & Werken“ sehr gut. Dieses Buch ist ein erster Schritt, bewusster Wurst zu essen und nicht wahllos zu konsumieren. Wer seine Wurst selbst herstellt, wird schnell besseres, hochwertigeres Fleisch verwenden und dabei bleiben. Gleichzeitig werden dadurch die Geschmacksnerven wieder geschult und man isst, so seltsam das klingt, weniger Fleisch. Das ist für Mensch und Natur ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Aufmachung und Inhalt des Buches sind top, die „Folgen“ noch besser. Macht bei mir dann fünf ganz besonders glänzende Sterne!

Veröffentlicht am 22.12.2018

Psycho lässt grüßen

Winterkalt: Thriller
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Zunächst weiß Julia Schwarz nicht, wieso sie mitten in der Nacht zu einer Eisskulptur gerufen wird. Doch dann erkennt sie den Frauenkörper in der Skulptur. Niemand hat eine Ahnung, wie dieser Eisblock ...

Zunächst weiß Julia Schwarz nicht, wieso sie mitten in der Nacht zu einer Eisskulptur gerufen wird. Doch dann erkennt sie den Frauenkörper in der Skulptur. Niemand hat eine Ahnung, wie dieser Eisblock unbemerkt an diese Stelle gelangen konnte oder wie die Frau in deren Mitte kam. Noch während sie versucht, das Eis aufzutauen, geschieht ein zweiter identischer Mord. Julia und ihr Team müssen verhindern, dass der Serientäter erneut zuschlägt …

Nachdem mir „Der Flüstermann“ der Autorin nicht so sehr zugesagt hatte und mir da einiges fehlte, bin ich von „Winterkalt“ doch sehr viel mehr angetan. Hier kann ich einen roten Faden erkennen und die Figuren auch verstehen und teils sogar mögen. Die Zusammenhänge sind klar und der Hörer hat den einen oder anderen Verdacht und ist immer wieder auf der falschen Fährte. Klug inszeniert und mit einer schönen, unerwarteten Wendung gekrönt, macht dieser Thriller schon echt Spaß. Teils ist er mir jedoch zu brutal – ich muss nicht alles so genau hören! Auf Rückblenden wird verzichtet, aber es gibt immer wieder Wechsel in der Perspektive. Das wurde gekonnt umgesetzt und verwirrt beim Hören nicht. Man weiß immer, um wen es gerade geht.

Die Wünsche und Sehnsüchte der Figuren rühren an. Umso mehr leidet man dann mit ihnen. Auch die technischen und wissenschaftlichen Details wurden gut dargestellt und blieben so sehr interessant. Das ist so erstaunlich anders, als beim „Flüstermann“, dass ich fast dachte, es handle sich um eine andere Autorin! So gefällt mir ein Thriller. Ich hoffe, in diesem Stil noch mehr von Catherine Shepherd (wieso bitte dieser alberne Künstlername?) lesen oder hören zu können.

Svenja Pages weiß ich als Sprecherin sehr zu schätzen, doch bei diesem Hörbuch gefällt mir überhaupt nicht, wie sie den männlichen Figuren tiefe Stimmen zu geben versucht. Auch schafft sie es für mich nicht auf die richtige Art und Weise den Akzent nicht-deutscher Figuren darzustellen. Das wirkte auf mich öfter einfach nur albern und teils grotesk. Schade!

Ich wurde 472 Minuten prima unterhalten, muss aber leider tatsächlich für die mich ablenkende und störende Art, wie Svenja Pages die Männer sprach (und die Kollegin von Julia Schwarz), einen Stern abziehen. Bleiben aber noch immer vier sehr gute Sterne für ein tolles Hörbuch!

Veröffentlicht am 22.12.2018

So füttert man Hörer an …!

Die Blutlinie - Teil 1/4
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Seit dem Mord an ihrem Mann und ihrer Tochter hat Smoky Barrett Alpträume und immer wieder Selbstmordgedanken. Sie versucht, in ihren alten Job zurückzukehren. Da erfährt sie, dass eine sehr gute Freundin, ...

Seit dem Mord an ihrem Mann und ihrer Tochter hat Smoky Barrett Alpträume und immer wieder Selbstmordgedanken. Sie versucht, in ihren alten Job zurückzukehren. Da erfährt sie, dass eine sehr gute Freundin, bei deren Tochter sie Patentante ist, brutal ermordet wurde. Der Täter hat eine Nachricht für Smoky hinterlassen. Sie beschließt, den Mörder zu fassen …

Ja, es ist deutlich als Teil eins von vier deklariert. Und dennoch bin ich ein wenig angesäuert. So wirklich Sinn macht es nicht, ein Buch in vier einzelnen CDs zu verkaufen. Es bleibt dem Hörer ja gar nichts anderes übrig, als alle zu kaufen, wenn er die Story verfolgen und das Ende wissen möchte.

Allerdings davon abgesehen – die „hochkarätige Besetzung“ der Sprecher ist wirklich gelungen. Insgesamt in allen vier Teilen sind 38 Sprecher beteiligt und bisher gefällt mir die Auswahl richtig gut. Als Fan von Hörbüchern hatte ich ein wenig Bedenken, wie mir wohl ein Hörspiel zusagen wird. Nun, in diesem Fall zumindest ist es außerordentlich gut gelungen und hat mir mehr als nur gefallen.

In ersten Teil lernt man Smokys Hintergrund ein wenig kennen und trifft auf den Tatort und ihre Kollegen. Am spannendsten Punkt endet „Ohne mein Team“ und hier stehe ich nun und werde gleich Teil zwei bis vier bestellen!

Ja, das ist ein Einstieg, der gelungen ist. Bisher habe ich noch kein Buch des Autors gelesen. Obwohl einige Szenen in diesen 73 Minuten ein wenig heftig waren (ich mag auch Thriller lieber weniger bluttriefend), war ich gefesselt und schnell in der Story drin. Das klappt nicht immer so gut.

Inwieweit das Hörspiel gekürzt wurde, kann ich nicht feststellen. Auf alle Fälle ist alles stimmig und mir sind keine Lücken aufgefallen. Falls also etwas fehlt, dann nichts, das wichtig für das Verständnis und die Story war. Kurz: Super! Fünf Sterne.