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Veröffentlicht am 15.09.2016

Harte Zeiten

Der Junge, der Träume schenkte
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Tiefster Süden Italiens. Natale ist das Produkt einer Vergewaltigung, dennoch liebt seine Mutter ihn abgöttisch und nimmt sehr viel auf sich, um ihm ein gutes Leben in Amerika ermöglichen zu können. Doch ...

Tiefster Süden Italiens. Natale ist das Produkt einer Vergewaltigung, dennoch liebt seine Mutter ihn abgöttisch und nimmt sehr viel auf sich, um ihm ein gutes Leben in Amerika ermöglichen zu können. Doch das ist mit weiterem Leid verbunden und auch in der Lower East Side in New York, wo sie mit Natale, der fortan Christmas genannt wird, landet, herrscht Elend und Kriminalität. Christmas lernt schnell, wie er mit seinem Charisma und einigen Tricks die Leute manipulieren kann. Als er dann die geschändete und verstümmelte Ruth findet, verliebt er sich sofort in sie. Er rettet sie und kämpft darum, sie immer wieder zu sehen. Ihre Familie ist wohlhabend und noch dazu jüdisch – dazu noch die herrische Mutter von Ruth. Schnell wird klar, dass sie fast wie Romeo und Julia sind. Christmas kämpft für seine Träume und vergisst dabei nie seine Ruth, die währenddessen ebenfalls viel an ihn denkt und mit den Dämonen ihrer Vergangenheit kämpft …

Dieses Buch steckt voller Schmerz und Traurigkeit, Brutalität (besonders Frauen gegenüber) und Armut, aber dennoch macht es Hoffnung und strahlt eine Menge Liebe aus. Die drei Erzählstränge (Christmas, Ruth, Bill) wechseln sich ab und steuern unaufhaltsam aufeinander zu. Alle drei Leben sind auf ihre Weise hart, alle drei Schicksale nicht einfach. Bill ist dabei die Figur, die man so richtig schön hassen und verachten kann, um alle Sympathie auf Ruth und Christmas zu fokussieren.

Christmas weiß zu überzeugen, auch den Leser, der seine Tricks ja erkennt. Trotzdem zieht er magisch an und man möchte ihm bei der Erfüllung seiner Träume so gerne helfen. Ruth berührt das Herz, weil sie auf so starke Weise mit ihrem Leid umgeht, bei dem ihr niemand hilft.

Am Ende ahnt man Schlimmes und der Show-Down ist grandios.

Das Hörbuch ist eine „bearbeitete Fassung“. Da das Buch 784 Seiten hat und das Hörbuch 397 Minuten, bedeutet dies wohl „gekürzt“. Stellenweise waren die Sprünge auch ein wenig groß, dennoch hatte ich nie das Gefühl, mir fehlt zum Verständnis des Geschehens etwas.

Timmo Niesner ist ein bekannter Synchronsprecher, der sich in diesem Hörbuch jedoch völlig anders als gewohnt anhört. Dennoch weiß er perfekt, die Personen mit seiner Stimmfarbe zu zeichnen. Man hört ihm einfach gerne zu.

Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen, dennoch ziehe ich einen Stern ab und vergebe somit vier Sterne. Das liegt daran, dass mir die Grundstimmung zu düstere war und ich teilweise echte große Pausen brauchte, um das Gehörte zu verkraften. Beim Lesen wären die Pausen vermutlich noch sehr viel länger geworden.

  • Einzelne Kategorien
  • Charactere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Recherche
  • Stimme
Veröffentlicht am 15.09.2016

Burger mal anders

New BBQ Burger!
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Ein weiteres Grillbuch – braucht man das? Ich finde: schon!

Man erhält immer wieder neue Ideen und neue Anregungen. Hier gibt Manuel Weyer seine Tipps und Tricks zu den diversen Grillarten weiter. Außerdem ...

Ein weiteres Grillbuch – braucht man das? Ich finde: schon!

Man erhält immer wieder neue Ideen und neue Anregungen. Hier gibt Manuel Weyer seine Tipps und Tricks zu den diversen Grillarten weiter. Außerdem hat er den altbekannten Burger komplett neu erfunden. Bei vielen seiner Ideen sucht man schon sehr vergeblich nach den Merkmalen eines Burgers, wie man ihn kennt und liebt. Und dennoch macht jedes Rezept unfassbar Appetit!

Es gibt zahlreiche Rezepte für Fleischburger, Fischburger, Veggieburger und sogar Dessertburger. Und all das vom Grill! Auch an Dips und Buns (Hamburgerbrötchen) ist gedacht. Die Rezepte sind jeweils sauber und übersichtlich dargestellt. Links immer die Spalte mit den erforderlichen Zutaten, rechts daneben dann die Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Zubereitung. Hin und wieder finden sich auch ausgefallenere Zutaten, sodass es sich empfiehlt, rechtzeitig zu planen, um notfalls noch schnell die fehlenden zu besorgen. Zu jedem Burger gibt es dann noch ein sehr gelungenes Foto, das unweigerlich das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Ansgar Pudenz hat das wirklich großartig gemacht!

Erwähnenswert auch die Namen der diversen Burger. Da versammeln sich Spieß-Burger, Society-Burger, Pitts-Burger, Königs-Burger, Burger of China Town, Burger-Recht und Carnevals-Burger friedlich zusammen. Nein, nicht alle davon möchte ich wirklich essen, doch Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden – und das ist gut so.

Fest steht, dass mit diesem Buch jeder seine Burger selbst machen kann, inklusive dem Brötchen und den Dips. Das ist ein wenig Arbeit, die wird aber mit oberleckeren Burgern belohnt. Mein Fazit deshalb: trotz einiger echt schräger und ausgefallener Ideen vergebe ich die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Waren das wirklich die letzten Tage des Condor?

Die letzten Tage des Condor
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Vom Whistleblower zum Top-Agenten und dann in einem Irrenhaus der CIA – das ist der Weg des Condors, alias Vin, alias Ronald Malcolm. Das allein ist schon übel, doch dann liegt einer der Agenten, die ihn ...

Vom Whistleblower zum Top-Agenten und dann in einem Irrenhaus der CIA – das ist der Weg des Condors, alias Vin, alias Ronald Malcolm. Das allein ist schon übel, doch dann liegt einer der Agenten, die ihn regelmäßig überprüfen, tot in seinem Wohnzimmer. Condor weiß, er muss fliehen, um nicht in der Falle zu landen.

Ein Agenten-Thriller. Noch dazu eine Fortsetzung eines Agenten-Thrillers, der 1975 als „Die drei Tage des Condor“ verfilmt worden ist. Kann das klappen?

Möglich. Doch hier ist es schiefgelaufen. Ganz gewaltig sogar. Der Schreibstil ist wahrlich kräftezehrend. Es gibt einfach zu viele Schachtelsätze, die dermaßen verworren sind, dass man sie mehrfach lesen muss, um halbwegs zu verstehen, was denn gemeint war. Dann sind da jede Menge unvollständige Sätze, sinnlose Sätze, langweilige Sätze.

Noch schlimmer sind die Protagonisten. Irgendwie sind sich alle so ähnlich, als hätte ein Selbstverleger sein erstes Buch gebastelt. Man ist und bleibt auf Distanz, wird mit keinem einzigen Protagonisten warm und sich mit einem davon identifizieren, das geht schon gar nicht.

Das Labyrinth der Geheimdienste ist für den Leser irgendwann so verworren, dass er gar nicht mehr mitdenken mag und einfach nur noch liest, um ans Ende zu kommen. Und das lässt einen dann auch noch komplett im Stich: es ist nicht wirklich rund und vor allem sehr abrupt. Klar, es ist noch dazu reichlich offen …

Ach ja, es hätte so schön sein können, war es aber nicht. Tut mir leid, das ging daneben. Von mir deshalb zwei magere Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Herumtreiber

Drifter
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Peter Ash ist ein Veteran mit Kriegstraumata. Sein ärgster Feind ist er selbst – geschlossene Räume kann er nicht ertragen, es setzt das „weiße Rauschen“ ein und über kurz oder lang setzt es ihn außer ...

Peter Ash ist ein Veteran mit Kriegstraumata. Sein ärgster Feind ist er selbst – geschlossene Räume kann er nicht ertragen, es setzt das „weiße Rauschen“ ein und über kurz oder lang setzt es ihn außer Gefecht. Deshalb ist er zum Drifter (Herumtreiber) geworden. Er schläft im Freien und meidet geschlossene Räume. Doch dann erfährt er vom Selbstmord seines Kameraden und fühlt sich dafür verantwortlich. Unter einem Vorwand repariert er das Haus dessen Witwe und findet einen äußerst auffälligen, riesigen Hund unter der maroden Veranda. Doch nicht nur das – auch einen Koffer voller Geld und Plastiksprengstoff. Was hat James vor seinem Tod gemacht? Peter gerät immer tiefer in ein Netz, das ihn zu ersticken droht …

Der Schreibstil von Nicholas Petrie fesselt sofort an das Buch. Auch wenn die nur sehr langsam ansteigt, mag man das Buch kaum aus den Händen legen. Dabei wirkt die Sprache der Protagonisten kein bisschen gekünstelt, sondern sehr authentisch. Und Petrie kommt sogar ohne das inflationäre Nutzen von Begriffen wie „f..k“ aus, das gefällt mir sehr. Die Protagonisten sind alle auf ihre Weise sympathisch, sogar die Bösewichte haben Eigenschaften, die es schwer machen, sie nicht auch ein klein wenig zu mögen. Doch besonders Charlie muss man einfach ins Herz schließen. Man möchte seiner Mutter zu diesem Prachtjungen gerne gratulieren. Dennoch ist er nicht langweilig oder überzogen gezeichnet, sondern einfach ein ganz besonderer Halbwaise, der sehr verantwortungsvoll ist. Und sogar Menschen, die sonst nicht viel mit Hunden am Hut haben, werden von Mingus begeistert sein.

Aufgebaut ist das Buch in vier Teile. Der letzte Teil ist völlig anders gestaltet und auch vom Stil her etwas anders. Hier wird aus einem bisher guten Buch ein Thriller. Und hier wird auch mehr Konzentration vom Leser gefordert, da es zum Show-Down kommt, bei dem jede Menge Protagonisten aufeinandertreffen und sehr viel Information zu Bomben, Finanzen und Manipulationen zu verarbeiten sind. Nicht so ganz meine Themen, deshalb bin ich da auch ein wenig abgedriftet.

Trotzdem – mir gefällt „Drifter“ sehr gut. Ich habe es recht schnell gelesen und mich mit den Protagonisten angefreundet. So leicht kommt man nicht immer in die Story rein, auch wenn lange nicht ansatzweise klar war, in was Jimmy hineingeraten war. Das herauszufinden war spannend und dass ich mit ein paar Themen nicht so ganz warm werden kann, ist nicht Petries Schuld.

Insgesamt bekommt „Drifter“ von mir vier Sterne und ich bin gespannt, was Nicholas Petrie noch nachliefern wird. Ein Autor, den ich im Auge behalten werde!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das etwas andere Kochbuch

sweet & salty
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Gleich zu Anfang musste ich lachen, denn Käsebrot mit Marmelade war bis vor einiger Zeit für mich auch unvorstellbar. Aber beim Frühstücken im Café mit einer Freundin sah ich das bei ihr und staunte nicht ...

Gleich zu Anfang musste ich lachen, denn Käsebrot mit Marmelade war bis vor einiger Zeit für mich auch unvorstellbar. Aber beim Frühstücken im Café mit einer Freundin sah ich das bei ihr und staunte nicht schlecht. Das musste ich probieren! Und tatsächlich, das ist sowas von lecker! Und weil dieses Experiment so gut gelungen war, musste ich einfach dieses Kochbuch haben!

Dass dieses Buch ein Herzensprojekt war, sieht und liest man auf jeder Seite. Sogar an vegane und laktosefreie Rezepte wurde gedacht. Und vor allem: so ziemlich jedes Rezept geht sehr schnell. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die etwas mehr Zeit bzw. einen höheren Aufwand erfordern.

Mein Lieblingsrezept sind die Waffeln mit Chickensalad und Mandarinen – einfach genial lecker! Auch die Aufstriche finde ich klasse. Nein, ich mag nicht alle Rezepte – das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich gewisse Dinge sowieso nicht gerne esse. Alles mit Linsen beispielsweise kann mir gestohlen bleiben …!

Die Rezepte sind gut erklärt, die Zutatenlisten sind übersichtlich, es gibt tolle Fotos dazu, die einfach extremen Appetit auf die Gerichte machen und es gibt immer eine Übersicht, für wie viele Personen es ist und wie lange man für die Zubereitung benötigt. Manche Zutaten sind schon ein wenig exotisch und ausgefallen, so dass ich bezweifle, dass die sich in vielen Haushalten ohne vorherige Planung anfinden. Dennoch gefällt mir das Buch sehr gut, denn es kommt meinem Drang zu experimentieren (auch und gerade in der Küche) sehr entgegen und bringt mich auf neue Ideen.

Ein wenig schade ist, dass das Buch keinen glatten Einband hat. Bei mir ist in der Küche gern Chaos und da ist es immer vorteilhaft, wenn man das Cover eines Buches notfalls auch mal kurz abwischen kann.

Alles in allem ist dies ein ausgefallenes, tolles Kochbuch für die eigene Kochbuchsammlung, aber auch als Geschenk für alle, die gern kochen und essen. Von mir bekommt es vier Sterne.