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Veröffentlicht am 14.02.2024

Das kleine, aber feine Büchlein rund um leckere Brotzeit

Brotzeit geht immer!
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Man kann es drehen und wenden, wie man will, wir Deutschen sind die Könige der Brotsorten und da ist es kein Wunder, dass Brotzeit einfach immer geht. Belegen oder bestreichen kann man jedes Brot mit so ...

Man kann es drehen und wenden, wie man will, wir Deutschen sind die Könige der Brotsorten und da ist es kein Wunder, dass Brotzeit einfach immer geht. Belegen oder bestreichen kann man jedes Brot mit so vielen unterschiedlichen leckeren Lebensmitteln, aber selbstgemacht schmeckt es eben nochmal so gut. Die ersten beiden Seiten drehen sich um die Autorin und drei an sie gestellte Fragen. Nach den Rezepten gibt es noch einen kleinen Theorie-Teil. Nichts ist zu viel, das gefällt mir.

Vegane Rezepte sind in diesem Buch mit einem Blatt-Symbol gekennzeichnet und so schnell auf den ersten Blick zu finden. Die Brotrezepte sind für kurze Teigführung ausgelegt, also mit viel Hefe. Das Wollknäulbrot ist eine tolle Snack-Beilage, beim Grillen ebenso, wie beim Spieleabend oder einfach auf der Couch. Die Paprika-Feta-Creme ist einfach verboten gut. Ich lasse nur den Dill weg, weil ich den so wenig mag, wie Koriander. Tanja Dusy hat die Brotzeit jetzt nicht neu erfunden, gibt ihr aber mit kreativen Ideen einen modernen Touch.

Bei den Rezepten werden nicht mehr Wörter als nötig verwendet. Titel, kurze Info zu Nährwerten und Zeiten, Zutatenliste, Zubereitungsschritte. Bei einigen Rezepten findet sich noch ein Tausch-Tipp und/oder der GU Clou. Mehr ist da nicht! Dafür gibt es zu jedem Rezept ein ansprechendes Foto. Für mich ist das ausschlaggebend, denn ich neige dazu, Rezepte ohne Foto komplett zu ignorieren. Ich möchte einfach sehen, was da am Ende auf meinen Teller kommt. Besonders erfreulich ist, dass keine schwer aufzutreibenden exotischen Zutaten benötigt werden. Das eine oder andere Konservenprodukt könnte man auch frisch bzw. selbstgemacht verwenden, doch dass hier der einfache Weg gewählt wurde, stört mich nur marginal.

Alles in allem ist dies also eins jener Kochbücher, die einem ein wenig auf die Sprünge helfen, aus einer langweiligen, einfachen Sache ein tolles Erlebnis zu machen. So ist die Brotzeit auch gästetauglich. Ich mag die kleinen GU-Bände sehr und dieser macht keine Ausnahme. Vier Sterne!

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Veröffentlicht am 13.02.2024

Planetary Health und viel Geschmack

Probier doch mal
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Hier gibt es viel zu lesen über die Zutaten und Gerichte. Das mag ich sehr, denn so bekommt man noch besseres Verständnis für Lebensmittel. Optisch ansprechend ist auch, dass die Zutatenlisten aussehen, ...

Hier gibt es viel zu lesen über die Zutaten und Gerichte. Das mag ich sehr, denn so bekommt man noch besseres Verständnis für Lebensmittel. Optisch ansprechend ist auch, dass die Zutatenlisten aussehen, als seien sie mit Schreibmaschine getippt. Der Rest der Schrift ist so, wie man sie gewohnt ist. Dadurch hebt sich die Liste hübsch ab. Die Zubereitungsschritte sind verständlich beschrieben und anhand eines Drei-Punkte-Systems erkennt man den Schwierigkeitsgrad auf den ersten Blick.

Es wird mit der einen oder anderen exotischen Zutat gearbeitet. Beispielsweise hatte ich zuvor nie von Muscovadozucker gehört. Dennoch können insgesamt auch Anfänger mit diesem Buch sehr gut ausgefallene Gerichte auf den Tisch zaubern. Dabei können die YouTube-Videos, die über die QR-Codes abrufbar sind, vielleicht ein bisschen helfen. Für mich sind sie eher nix, denn es gibt keine Erklärungen, man sieht einfach wie bei einem Trickfilm, wie das Gericht entsteht. Auch Fotos gibt es reichlich. Jedes Gericht ist in einem Bild festgehalten, manchmal erst auf der nächsten Seite, mit dem Foto des folgenden Rezepts. Oft finden sich Fotostrecken zu den Arbeitsschritten. Das gefällt mir sehr. Die Kapitel Basics, Vorspeisen, Pasta, Fleisch, Gemüse und Süßes decken alle Bereiche ab. Zwar ist es kein Kochbuch für alle Tage (es wirbt mit „Alltagsküche“, das unterschreibe ich jedoch nicht), aber es gehört zu jenen, zu denen man immer wieder greift.

Sogar an Flüssiges wurde gedacht. Ferdinands Limoncello-Tonic finde ich total gelungen, gerade weil er so schlicht und einfach ist. Ich finde, der braucht keinen neuen, schicken Namen, der darf weiter so heißen, oder abgekürzt Ferdinand. Besonders herbes Tonicwater ist allerdings nicht so leicht aufzutreiben. Gemüse-Fritto-Misto mit Zitronen-Remoulade spricht mich sehr an, obwohl ich dafür extra Nussmus kaufen musste. Die slow Kotelettrippchen gefallen meinem Mann sehr. Er isst hin und wieder Schweinefleisch, ich nicht. Doch insgesamt findet sich in diesem Buch für alle Geschmäcker reichlich Auswahl, auch vegan und vegetarisch und oftmals kann man Zutaten auch prima austauschen.

Besonders fällt auf, dass alle Beteiligten Spaß am Kochen und Essen mitbringen und nicht verkopft an die Sache gegangen sind. Dieser Spaß überträgt sich auf den Leser und schon steht man fröhlich in der Küche und probiert einfach mal. Schade allerdings finde ich, dass der erste QR-Code zur Playlist eine Anmeldung bei Spotify erfordert. Darum bekommt dieses hochwertig verarbeitete Buch mit dem praktischen Lesebändchen und herrlichen Ideen eingerechnet meiner Kritikpunkte von mir vier Sterne.

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Veröffentlicht am 06.02.2024

Ein sehr unaufgeregter Serienauftakt

Das Mörderarchiv
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Alle empfinden Frances‘ Überzeugung, dass sie eines Tages ermordet wird, als schräge, aber charmante Macke. Seit der Weissagung, als sie 17 war, glaubt sie daran. Und darum hat sie ein Archiv angelegt, ...

Alle empfinden Frances‘ Überzeugung, dass sie eines Tages ermordet wird, als schräge, aber charmante Macke. Seit der Weissagung, als sie 17 war, glaubt sie daran. Und darum hat sie ein Archiv angelegt, damit jemand nach ihrem Tod den Mörder damit entlarven kann. Als sie dann tatsächlich stirbt, sieht es erst wie ein natürlicher Tod aus, doch dann erweist es sich erstaunlicher Weise als Mord. Und Frances hat noch mehr vorgesorgt, denn für sie können nur entweder ihre Großnichte Annie, die angehende Krimiautorin, oder Stiefsohn Saxon, ein unsympathischer Rechtsmediziner, den Mord aufklären. Deshalb soll nur erben, wer den Mörder dingfest macht. Und das innerhalb von sieben Tagen!

Ach ja, ein Cosy Crime. Schön. Aber einer der ganz müden, irgendwie. Da sind die aktuell so gut vertretenen Rentnergangs doch mächtig viel ausgefuchster und spritziger, als Annie. Ich kann sie auch leider nicht ins Herz schließen, hat sie für mich doch das Gemüt einer Schlaftablette. Kein Wunder, dass ihre gar nicht anwesende Freundin per Telefon mehr zur Lösung beiträgt, als Annie vor Ort! Dass sie die Großtante nie kennenlernte und eigentlich in der Überzeugung, sie sei nur versehentlich anstelle ihrer Mutter auf das Landgut in Dorset bestellt worden, bremst sie noch mehr und für meinen Geschmack wird es zu lang immer wieder erwähnt. Bis sie mal in Schwung kommt, dauert es. Na ja, eigentlich ist auch dieser Schwung nur müde. Die Story bietet so viel schönes Potenzial, aber leider wird es nicht genutzt. Es dümpelt alles vor sich hin, kommt durch den einen oder anderen hilfreichen Zufall in die richtigen Bahnen und löst sich dann ein bisschen arg vorhersehbar auf. Dass man gleich ahnt, dass Annie das Material als Krimi nutzen könnte und sie ja Autorin ist, ahnt man auch, dass weitere Geheimnisse unter Castle Knolls Dächern hervorgeholt werden sollen und das in einer ungenannten Anzahl weiterer Bände. Da will ich doch hoffen, dass die dann mehr vom Hocker hauen.

Ich hatte wirklich mit massig tollen Ideen gerechnet, denn der Plot und das Setting sind nicht schlecht. Es werden jedoch einfach zu viele Figuren eingewebt. Schon allein dadurch dauert es ewig, bis es überhaupt so richtig mit den Ermittlungen losgeht. Der Britische Humor fehlt trotz des witzigen Covers und Untertitels. Dabei wäre der so prädestiniert für diesen Plot! Oder sollte das Szenchen mit der Schwäche beim Wort Spritze Lachsalven auslösen? Dann hab ich das verpasst, sorry. Am meisten mochte ich Frances selbst und die Parts der Tagebucheinträge.

Okay, es ist eine nette Unterhaltung, einfach und unanstrengend, für nebenher. Das kann man mögen und ist auch in Ordnung. Aber ich habe mehr erwartet und mir eine neue, junge, gerissene, pfiffige Heldin gewünscht. Der Wunsch wurde nicht erfüllt und das Leben ist kein Wunschkonzert. Trotzdem reicht es bei mir nur für drei Sterne.

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Veröffentlicht am 03.02.2024

Sicherheitslücken

Zero Days
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Als Pentester checken Jack und Gabe die Sicherheitssysteme von Unternehmen. Einer dieser Einsätze geht etwas schief und Jack landet bei der Polizei. Noch schlimmer ist, dass ihr Mann mit durchgeschnittener ...

Als Pentester checken Jack und Gabe die Sicherheitssysteme von Unternehmen. Einer dieser Einsätze geht etwas schief und Jack landet bei der Polizei. Noch schlimmer ist, dass ihr Mann mit durchgeschnittener Kehle in ihrem gemeinsamen Zuhause liegt und man Jack dafür verantwortlich macht. Als dann auch noch Indizien dafür auftauchen, dass Jack vom Tod von Gabe profitiert, bleibt ihr nur die Flucht. Doch wie will sie jetzt ihre Unschuld beweisen und vor allem Gabes Mörder entlarven?

Ich mag die Bücher von Ruth Ware sehr. Dieses hier unterscheidet sich deutlich von ihren anderen Thrillern. Es ist nicht greifbar für mich, wo der Unterschied genau liegt. Mir hat der Anfang super gut gefallen, dann gab es aber zwischendurch immer mal wieder Längen für mich. Möglich, dass es mir da zu sehr in die Technik ging und ich das Interesse verloren hatte. Ich fand aber immer wieder in den Lesefluss und hatte enorm Angst um Jack.

Ein klein wenig hat mich gestört, wie man als Leser von Jack selbst immer wieder gesagt bekam, wie schlimm die Verletzung, die sie sich zugezogen hatte, doch inzwischen ist. Klar, da ging es auch darum, wer das Rennen gewinnt: Jack, ihre Verfolger oder die Verletzung. Dennoch war das zu oft.

Die Twists, die ich an Ruth Wares Büchern so liebe, sind hier weniger ausgeprägt. Klar, es gibt Überraschungen, aber nicht im Stil, wie sie sie sonst einbaut. Es sind eher falsche Schlussfolgerungen, die doch so logisch waren, falsche Fährten und Sackgassen. Ganz nebenbei werden Themen angeschnitten, die unter die Haut gehen, aber leider nur oberflächlich behandelt werden.

Der Titel erklärt sich im Buch durch die Kapitel und die technischen Details, doch das Wortspiel selbst macht sich in der Originalsprache dann doch besser bemerkbar. Mir ist zudem Jack ein bisschen zu superheldenhaft und hatte zudem arg viel Glück. Die Nebenfiguren haben mir recht gut gefallen, besonders Jacks Schwester Hel. Insgesamt ergibt sich ein gut lesbarer Thriller, der kurzweilig ist trotz der einen oder anderen kleinen Länge. Von mir daher vier Sterne.

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Veröffentlicht am 29.01.2024

Rezepte für das Glück auf Tellern

Ronny Lolls Seelenfutter
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In der Reihe der Lese-Kochbücher sticht dieses hier besonders heraus. Es ist pickepacke voll mit lesenswerten, interessanten Geschichten der unterschiedlichsten Köche, herrlichen Fotos zu den Locations, ...

In der Reihe der Lese-Kochbücher sticht dieses hier besonders heraus. Es ist pickepacke voll mit lesenswerten, interessanten Geschichten der unterschiedlichsten Köche, herrlichen Fotos zu den Locations, Menschen und Gerichten und ganz besonderen Rezepten. Diese Kombination ist extrem gut gelungen und auch, wenn man wie ich ein mäkeliger Esser ist, findet man Anregungen für neue Rezepte oder neue Interpretationen, die sich auszuprobieren lohnen. Für jeden ist Seelenfutter eben etwas anderes und allein schon zu erfahren, weshalb die Speisen für den jeweiligen Erzähler Soulfood sind, ist unbeschreiblich intim.

Ronny Loll, Sarah Wiener, Hannes Arendholz, Antje de Vries, Edwin Belt, Harald Wohlfahrt, Tafelvine, Matthias Gfrörer, Rainer Sass, Stefan Wiertz, Gerd Astor, Malte Kuhn, Mora Fütterer, Lucki Maurer, Véronique Witzigmann, Andreas Opel, Meta Hiltebrand, Sascha Basler, Francesco d’Agostino, Anghie Balanta Santacruz, Marcel Stut, Sebastian Copien und Ulf Tietge lassen uns tief in ihre Seele blicken und auch in ihre Töpfe.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Vorstellung der Person, die uns anschließend ihre Seelenfutterrezepte verrät. Der Schreibstil ist so angenehm, dass man sofort das Gefühl hat, alle zu kennen. Natürlich tragen dazu auch die herrlichen, sehr persönlichen Fotos bei. Die Rezepte sind dann klassisch aufgebaut mit der Bezeichnung, einer kleinen Geschichte dazu, der Zutatenaufzählung und den Zubereitungsschritten. Mal gibt es nur ein Seelenfutterrezept, mal gleich mehrere. Auf Angaben zu Nährwerten und ähnliches wurde verzichtet. Wer will das bei Seelenfutter auch wirklich so genau wissen? Da will man einfach nur genießen! Angaben zu Vorbereitungs- und Kochzeit und Anzahl der Personen, die satt werden, findet man oberhalb des Rezepttitels.

Die eine oder andere Zutat mag vielleicht ein bisschen ungewöhnlicher sein, doch wirklich kompliziert zu beschaffen ist hier nichts. Die Palette ist breit gefächert und sogar international angehaucht. Hier sollte wirklich jeder etwas für sich entdecken, ob süß oder deftig. Mein Herz schlug bei den Fränkischen Karthäusern sehr hoch, denn die habe ich durch eine ganz wunderbare, liebe Bekannte einst kennen und schätzen gelernt und bei ihr schmeckten sie sogar kalt noch köstlich. Anders als bei Andreas Opel sind bei uns Arme Ritter eine andere Speise. Das macht ja aber nichts!


Meine Kritikpunkte: Manche Gerichte sind schwer zu finden. Kaninchen muss man beispielsweise unter Schmorkaninchen suchen. Da ist das Register am Ende des Buches nicht ganz optimal. Beim Schweinerollbraten aus dem Tontopf fehlt meiner Meinung nach für all jene, die zum ersten Mal mit dem Römertopf kochen, der Hinweis, dass dieser zuvor gewässert werden muss. Manche Bezeichnungen hätten für das allgemein bessere Verständnis und Auffinden vielleicht nicht nur den regionalen Namen, sondern eine Art Übersetzung vertragen. Interessant finde ich den Schneewittchenkuchen, denn den kenne ich tatsächlich völlig anders, obwohl das hier vorgestellte Rezept auch nur teilweise an eine Donauwelle erinnert.

Mir gefällt dieses Buch trotz der genannten Punkte sehr gut. Es lädt zu nostalgischen Gedankengängen ein, die dann dazu führen, sich an den Herd zu stellen und eines dieser oder ein eigenes Seelenfutter zu kochen. Daher gebe ich von Herzen vier Sterne.

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