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Veröffentlicht am 21.05.2023

Kleine Ursache, große Wirkung

Elternabend
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So, jetzt bin auch ich endgültig Fitzek-Fan, aber ausschließlich für seine Humor-Bücher mit Tiefgang. „Der erste letzte Tag“ war und ist einfach wunderbar, und jetzt holt er mich mit „Elternabend“ mindestens ...

So, jetzt bin auch ich endgültig Fitzek-Fan, aber ausschließlich für seine Humor-Bücher mit Tiefgang. „Der erste letzte Tag“ war und ist einfach wunderbar, und jetzt holt er mich mit „Elternabend“ mindestens genauso erfolgreich ab.

Sascha Nebel will gerade einen SUV klauen, als eine wildgewordene Furie das Auto mit einem Baseballschläger bearbeitet, während eine Klimaaktivisten-Demonstration die Fahrt verhindert. Als die Polizei kommt, flüchten er und „Wilma“ gemeinsam und landen in einem sehr seltsamen Elternabend. Da die Eltern des elfjährigen Hector bisher nie auf einem Elternabend erschienen sind und ein besonders eifriger Vater annimmt, hier kommen Lutz und Christin Schmolke, Hectors Eltern, nehmen sie diese Deckung an. Und schon wird das Chaos immer schlimmer!

Hier muss man immer wieder laut lachen, schmunzeln, grinsen, zustimmend nicken. Dennoch packt Fitzek hier wie beiläufig auch noch ganz viele gar nicht so lustige Themen an. Diese Kombination mag seltsam klingen, doch finde ich es wichtig, Depressionen, Selbstmord, Tod allgemein so zu präsentieren, dass man nicht wegsieht. Das ist schon deshalb wichtig, weil jeder, der schon jemanden verloren hat, sich wundert, wie die Welt sich dennoch unbekümmert weiterdrehen kann. So ist „Elternabend“ – auch wenn jede Sekunde so schlimme Dinge passieren, wird weiter gelebt und gelacht, gestritten und gelogen, geliebt und gehasst, gearbeitet und gespielt. Das Leben geht weiter – unfassbar, aber wahr. Oft schwer, aber unaufhaltsam – die Erde dreht sich weiter.

Fitzek fängt mit harmlosen kleinen Seitenhieben an, von Helikoptereltern über die typischen Ereignisse auf Elternabenden, pünktlichen Essenszeiten in der Schule und so vielem mehr, bis er dem Hörer oder Leser völlig unerwartet erst mal die Gesichtszüge entgleisen lässt. Aber auch hier muss man ihm bei jedem Wort zustimmen. Und das regt zum Nachdenken an.

Die Wortspiele und Formulierungen sind einfach umwerfend gut. Dass dabei auch noch überraschende, aber durchaus stimmige Wendungen entstehen, ist einfach genial. So irrwitzig die Story ist, so realitätsnah ist sie tatsächlich auch. Klingt irre? Nun, einfach selbst herausfinden, wie ich das meinen könnte! Fitzek legt den Finger in jede Wunde, die er findet, und bohrt genüsslich darin. Ich liebe es! Ja, mit der Zeit nutzen sich manche Witze auch ab und vielleicht übertreibt Fitzek es hier und da auch ein bisschen. Nun, perfekt ist niemand, insofern alles gut. Die Folgen eines Teelöffels Zimt und TikTok-Challenges in einem anderen Licht betrachtet, das geht schon unter die Haut.

Simon Jäger liest das Buch einfach herrlich perfekt und authentisch ein. Ich könnte mir keinen besseren Sprecher dafür vorstellen!

Ich hatte wirklich gute Unterhaltung, ziehe aber einen Stern ab, weil Fitzek hin und wieder ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen ist. Ich freue mich auf sein nächstes Buch, das in diese Richtung geht. Vier Sterne.

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Veröffentlicht am 19.05.2023

Nicht perfekt, aber super nahe dran

Mittags gut kochen für eine Person
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Ob man nun Single ist oder nur ab und an alleine isst, für eine Person kochen ist manchmal richtig schwierig und schon greift man zu Fertigprodukten oder Takeaway. Das muss nicht sein und Cina Risberg ...

Ob man nun Single ist oder nur ab und an alleine isst, für eine Person kochen ist manchmal richtig schwierig und schon greift man zu Fertigprodukten oder Takeaway. Das muss nicht sein und Cina Risberg bringt uns auf einen guten Weg, zumal sie mit ihren Gerichten auch dafür sorgt, dass Reste verbraucht werden und nicht im Müll landen.

Besonders schön und nützlich sind dabei die Tipps für das Verwenden von nicht mehr ganz frischem Brot, schlappem Gemüse und Käseresten. Zugegeben, das macht ein wenig Arbeit, aber es lohnt sich auf alle Fälle!

Für mich persönlich schade ist, dass sehr oft Avocados verwendet werden. Nicht nur, dass ich die nicht mag (kann man austauschen), ich finde sie extrem schlecht für die Ökobilanz.

Bei jedem Gericht findet man einen Text der Autorin. Dazu die obligatorische Zutatenliste und die Arbeitsschritte. Hier wurde hin und wieder eine Kleinigkeit vergessen. Nichts Wichtiges, so Dinge wie den Paprika in Streifen schneiden (was sich aber aus dem Gericht, den Zutaten und dem Foto dann eh ergibt). Dazu gibt es immer mal einen Tipp für die „Freitagsleckerei“, Varianten, Zeitsparen.

Einige der Rezepte finde ich leider völlig fehl am Platz. Fertigprodukte verwenden ist für mich nicht „gut kochen“. Und aus Brühwürfeln (die man in meiner Küche vergeblich sucht) eine Suppe machen, das nenne ich nicht kochen. Schon gar nicht, wenn darin dann Fertigravioli schwimmen. Da könnte jeder ein Suppen-Kochbuch herausbringen mit fertigen Einlagen und Brühwürfeln oder gekörnter Brühe.

Davon aber abgesehen und persönliche Vorlieben bzw. Abneigungen (bei mir Käsechips und Avocado) außer Acht gelassen findet man wirklich schöne, leckere Anregungen und Ideen. Da stechen für mich die Zucchini-Bohnen-Puffer mit Tomatensauce und der Blumenkohlreis mit Halloumi und Paprika hervor. So einfach und so lecker! Und natürlich kann man alles auch in größerer Menge zubereiten, um zu zweit oder dritt oder noch mehr zu genießen oder auch um zwei Tage daran essen zu können oder für ganz anstrengende Tage einfrieren zu können.

Mir gefallen als visuell orientierter Mensch die Fotos zu den Rezepten super gut. So lasse ich mich am besten zum Nachkochen inspirieren. Rezepte ohne Foto fallen bei mir erfahrungsgemäß sofort durchs Raster.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass dieses Buch nicht perfekt ist, aber sehr nahe dran. Es zeigt vor allem weniger geübten Kochfans, wie man kreativ werden kann. Quasi der moderne und nachhaltige Rumforttopf: Alles, was rumliegt und fort muss wird zu einem leckeren Essen. Deshalb gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 19.05.2023

Diese Bucket List ist der Hit!

Die Bucket List für Wohnmobilbesitzer
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Die Bucket Lists boomen ja gewaltig und die eine oder andere ist schon ein bisschen nervig, zugegeben. Aber diese hier für Wohnmobilbesitzer finde ich total gelungen, auch und gerade als Geschenk für Wohnmobilfans! ...

Die Bucket Lists boomen ja gewaltig und die eine oder andere ist schon ein bisschen nervig, zugegeben. Aber diese hier für Wohnmobilbesitzer finde ich total gelungen, auch und gerade als Geschenk für Wohnmobilfans!

Schafft man alle Punkte? Das kommt drauf an, wie entschlossen man ist. Einige der Punkte halte ich für nicht erreichbar (aber mein Geldbeutel ist auch winzig und viele der Punkte übersteigen das Einkommen des Durchschnittscampers deutlich). Ich denke jedoch, dass es darauf gar nicht so ankommt. Es macht einfach Spaß, sich anzusehen, was man bereits gemacht hat, das abzuhaken und sich von anderen Ideen inspirieren zu lassen sowie Träume zu haben. Vor allem sieht man erstaunliche Wohnmobile, die man noch gar nicht auf dem Schirm hatte.

Süß finde ich z.B. auch Nr. 20 auf der Liste: Aus einem Bild seines Wohnmobils ein 10.000-Teile-Puzzle anfertigen lassen und selbst zusammensetzen. Es ist einfach ein Herzensbuch für alle, die das Wohnmobil jedem Hotel vorziehen. Mit ganz vielen tollen, überraschenden und inspirierenden Fotos und noch mehr guter Laune. Ich finde es schlicht großartig! Da macht jede einzelne Seite Freude und man staunt immer wieder, was es so alles gibt.

Ja, man merkt es wohl – für mich ist das von allen Bucket Lists, die ich bisher kenne, die absolute Krönung, das Highlight schlechthin! Ganz klare fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 18.05.2023

Anders als erwartet

Mutterliebe
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Eine Mutter bringt ihre beiden Kinder in den Wald und erstickt sie. Der Junge stirbt, das Mädchen überlebt wie durch ein Wunder. Die Verhandlung ist spektakulär und die Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon ...

Eine Mutter bringt ihre beiden Kinder in den Wald und erstickt sie. Der Junge stirbt, das Mädchen überlebt wie durch ein Wunder. Die Verhandlung ist spektakulär und die Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon gefällt. Die Gerichtsreporterin Kiki Holland will unbedingt die Hintergründe für die Tat herausfinden, weil sie einfach nicht glauben kann, dass diese Frau schuldig ist, und beginnt zu recherchieren. Nach und nach kommt sie der Wahrheit auf die Spur. Und die hat keiner erwartet!

Kiki war mir quasi von Anfang an sympathisch. Sie hat eine interessante Art, kleine und witzige Macken und vor allem einen Riecher für Menschen, wodurch sie mehr erfährt als andere. Die kleine romantische Nebengeschichte ist ein bisschen ein Sahnehäubchen, das nicht zu stark betont wird. Ein wenig drüber sind aber die vielen weiteren Klischees, die dieser Krimi bedient. Das fängt bei Spitznamen an, geht über den schwulen besten Freund, vorbei an Freunde mit guten Verbindungen zu allem, was gerade benötigt wird, bis zu unfassbaren Zufällen bei Rettungen und Lösungen. Das ist streckenweise amüsant, nutzt sich dann irgendwann aber auch stark ab. Ihre Alleingänge und oft wirklich dummen Aktionen kosten mit der Zeit auch ein paar Sympathiepunkte. Da wird sie dann auch mal anstrengend.

Die Zeitsprünge strengen ebenfalls ein wenig an, da sie nicht chronologisch laufen, sondern wild durcheinander. So mag ich das dann doch nicht. Kurz vor Ende ist ein Fehler, der fast schon lustig ist, so unübersehbar müsste er für das Korrektorat gewesen sein. Aber das macht den Kohl auch nicht mehr fett. Mir fehlen hier ein paar gute Ermittlungen, mir sind zu viele Zufälle da und die Lösung selbst ist irgendwie auch nicht so wirklich befriedigend.

Lena Drieschner hat eine sehr angenehme Stimme, aber ihre Art der Betonung gefällt mir nicht immer. Zu sehr erinnert das dann gern mal an eine vorlesende Mutter (auch wenn der Text da nicht so passend ist).

Einen Justiz-Krimi kann man ihn eigentlich gar nicht nennen, denn die eigentliche Justiz hat super wenig Raum bekommen. Meine Kritikpunkte und der Fehler stammen vermutlich aus der Tatsache, dass Kim Selvig ein Autorenduo ist. Manchmal verderben viele Köche eben den Brei. Sorry, drei Sterne, mehr geht nicht.

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Veröffentlicht am 17.05.2023

Einfach und unkompliziert ist hier leider gar nichts

Kastenbrote
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Da ich sehr gerne Brot backe, suche ich immer nach neuen Anregungen, Rezepten, Techniken, Ideen und Möglichkeiten. Dieses Buch lockte mit den Schlagworten „unkompliziert Backen einfach im Kasten“. Vermutlich ...

Da ich sehr gerne Brot backe, suche ich immer nach neuen Anregungen, Rezepten, Techniken, Ideen und Möglichkeiten. Dieses Buch lockte mit den Schlagworten „unkompliziert Backen einfach im Kasten“. Vermutlich werden sehr viele Brot-Backanfänger darauf hereinfallen – einfach und unkompliziert ist hier eigentlich gar nichts.

Das Buch ist sehr schön aufgemacht und bebildert. Anfangs ist ein relativ großer Theorieteil, der sogar mich (ich backe seit Jahren Brot) nervös gemacht hat und leicht überforderte. Also dachte ich mir, macht ja nix, Du kennst Dich doch gut genug aus, leg einfach mal los und guck dann bei den unbekannten Begriffen nach, ist ja alles erklärt.

Tja. Stimmt. Und stimmt auch nicht. Trotz aller Ausführlichkeit fehlt leider immer genau das, was man gerade wissen möchte oder müsste. Das fängt schon mal bei den Kastenformen an. Bisher habe ich tatsächlich meine vorhandenen Kastenformen für Brote nutzen können. In diesem Buch haben die Kastenformen aber Maße, die sich bei mir, obwohl ich sage und schreibe neun verschiedene Kastenformen habe, nicht anfinden. Ich habe sogar eine Toastbackform mit Deckel. Auch diese passt von den Maßen nicht. Es werden Kastenformen mit elf Zentimetern Höhe verwendet. Das hat die Toastform, aber sie ist zu kurz. Gut, es gibt eine Umrechnungstabelle, aber das ist dann schon wieder der nächste Punkt, wo es mit „unkompliziert“ schwierig wird.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Gare: rein bei Raumtemperatur, bei höherer Raumtemperatur, bei Raumtemperatur und im Kühlschrank. Fein! Also losgelegt. Nicht nur, dass mein erster Verdacht, dass die Teige viel zu nass zum Bearbeiten mit den Händen werden, wenn man die angegebene Menge Wasser (ohne die kleine Extra-Menge) einarbeitet, bestätigt wurde. Bei Raumtemperatur ging der Teig ein wenig (bei wenig Hefe normal), in der anschließenden Gare im Kühlschrank ging er dann gar nicht mehr (mein Pizzateig geht im Kühlschrank enorm auf und hat auch nur wenig Hefe) auf. Und dann? Große Frage! Soll der Teig, wie mein Pizzateig, erst noch ein wenig Raumtemperatur bekommen oder so kalt aus dem Kühlschrank gleich in den heißen Backofen? Keinerlei Angabe!

Es werden viel zu ausgefallene Mehlsorten verwendet, die man nur schwer bei bekommt (oder teuer bestellen muss, zuzüglich Portokosten!). Es gibt Vorschläge, wie man diese Mehlsorten austauschen kann – aber dann kann ich auch gleich meine bisher genutzten Rezepte nehmen und da die Mehlsorten austauchen. Dann brauche ich kein neues Buch! Auch geht Frau Schell davon aus, dass jeder einen Backofen mit Schwadomat besitzt. Die „richtige“ Knetmaschine selbstredend ebenfalls. Dass die Teige eine lange Gärzeit haben, stört mich nur am Rande. Das ist bei wenig Hefe normal. Dass ich eine Niete bei Sauerteig und Lievito Madre bin, das ist mein persönliches Problem (aber auch Frau Schell schafft es nicht, dass bei mir beide Ansätze etwas werden). Natürlich bekommt man für alles von der Autorin auch noch Adressen – nicht nur für die Mehle, sondern gleich für Brotbacköfen, Backstahl und Getreidemühle mit.

Die Aufmachung des Buches ist wunderschön, die Darstellung der Rezepte übersichtlich, die Anweisungen gut verständlich, die Fotos appetitanregend. Nur leider stellt man dann beim Nachbacken der Rezepte fest, dass trotz vorherigem Lesen und Verstehen doch noch Fragen auftauchen und es eben doch nicht so klappt, wie versprochen. Vieles, das ich bisher gelernt hatte, wird hier ignoriert bzw. völlig missachtet, von der Flüssigkeitsmenge über die Temperatur der Zutaten bis zu den Knetzeiten (man kann Teig kaputtkneten und das findet hier oft statt, finde ich). Es verwirrt mehr, denn es hilft.

Einfach und unkompliziert ist hier leider wirklich gar nichts und das beziehe ich definitiv nicht auf die lange Teigführung. Für Vollprofis sicher ein interessantes Buch, ich persönlich bleibe bei meinen bewährten Brotbackbüchern anderer Bäcker und Bäckerinnen. Sorry, von mir nur zwei Sterne.

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