Cozy Katzenroman
Werecat Café„Werecat Café“ von Lea Melcher beginnt in dem charmanten Hexendorf Snickerford, wo Dorothy Murphy als magische Tierärztin und stets im Schatten ihrer Drillingsschwestern und mit dem Wunsch, endlich ihren ...
„Werecat Café“ von Lea Melcher beginnt in dem charmanten Hexendorf Snickerford, wo Dorothy Murphy als magische Tierärztin und stets im Schatten ihrer Drillingsschwestern und mit dem Wunsch, endlich ihren eigenen Weg zu gehen, lebt. Als sie in Canterbury in einem unscheinbaren Katzencafé landet und dort auf den grummeligen Cafébesitzer Elliot trifft, scheint sich ihr Leben schlagartig zu verändern. Eine verfluchte Katze, ein uralter Werkatzenzauber und zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das sind die Zutaten, aus denen Melcher eine herbstlich-magische Romantasy spinnt, die irgendwo zwischen cozy, humorvoll und melancholisch pendelt.
Was mich von Anfang an am Buch angesprochen hat, war der Schreibstil. Lea Melcher schreibt flüssig, bildhaft und mit einem sicheren Gespür für Stimmungen. Sie schafft es, den Geruch von Kaffee, den Klang von Katzenpfoten und den Zauber kleiner Momente einzufangen.
Die Atmosphäre, die dadurch entsteht, ist ohne Zweifel für mich eine der größten Stärken des Romans. Das Café mit seinen schnurrenden Bewohnern, die engen Gassen Canterburys, der Hauch von Magie, der über allem liegt. All das wirkt so liebevoll ausgestaltet, dass ich mich beim Lesen tatsächlich fühlte, als säße ich selbst zwischen Kaffeetassen und Katzenkörbchen. Es ist diese „Cozy“-Stimmung, die das Buch trägt: eine Welt, die klein, überschaubar, aber tröstlich ist. Auch das Magiesystem hat mir gefallen, gerade weil es unaufdringlich bleibt. Es geht weniger um spektakuläre Zauberei als um den Zauber alltäglicher Dinge, um Beziehungen, Fürsorge und Vertrauen.
Auch die Figuren funktionieren auf den ersten Blick gut. Dorothy als Protagonistin ist keine makellose Heldin, sondern eine liebenswerte, manchmal unsichere Frau mit einer sympathischen Prise Selbstironie. Allerdings war sie mir stellenweise etwas zu naiv und zu unsicher.
Auch Elliot, der mürrische Cafébesitzer mit seinem weichen Kern, ist ein eher vertrauter Typus, aber Melcher schafft es, ihm Authentizität zu verleihen.
Die Chemie zwischen beiden ist insgesamt süß, aber etwas vorhersehbar.
Und auch einige Nebenfiguren bleiben etwas blass. Es gibt viele liebevolle Einfälle wie Dorothys Schwestern, die Café-Stammgäste, die magischen Tiere und doch wirken manche für mich eher wie angedeutete Farbkleckse, die nicht vollständig ausgemalt wurden. Allerdings habe ich erst später gesehen, dass es zu diesem Buch-Universum noch einen weiteren Band gibt. Vielleicht sollen auch noch weitere folgen und die Figuren sind daher eher offener gehalten worden.
Der größte Kritikpunkt an diesem Buch war für mich jedoch das Ende. Nach einem gemächlich erzählten Mittelteil, der sich viel Zeit für Atmosphäre und Interaktion nimmt, wirkt die Auflösung plötzlich überhastet. Die Konflikte, die zuvor behutsam angedeutet wurden, werden im letzten Viertel in kürzester Zeit abgewickelt, als müsse die Geschichte nun unbedingt zum Schluss kommen. Der eigentliche Höhepunkt – die Lösung des Fluchs und die emotionale Klärung zwischen Dorothy und Elliot – kommt zu plötzlich, zu glatt, fast wie eine Pflichterfüllung. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch an dem Punkt, an dem es hätte richtig emotional werden können, einfach in Richtung Sicherheit, statt Risiko, abbiegt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Figuren in den entscheidenden Momenten stärker gefordert werden, dass Konflikte nicht nur gelöst, sondern auch emotional durchlebt werden. So blieb bei mir am Ende ein leicht unbefriedigtes Gefühl zurück. Nicht, weil das Ende schlecht war, sondern weil es zu abrupt kam und der emotionalen Dichte der Geschichte nicht ganz standhielt.
Fazit
Alles in allem ist „Werecat Café“ für mich eine liebevoll geschriebene, charmante und atmosphärisch dichte Geschichte – perfekt für alle, die gemütliche Fantasy mit Herz suchen. Es ist ein Buch, das man mit einer Tasse Tee und einer Katze auf dem Schoß lesen möchte, und das einem das Gefühl gibt, ein kleines Stück Geborgenheit gefunden zu haben. Nur das Ende, das etwas zu hastig kam, hat mich nicht ganz so erfüllt, wie ich es mir gewünscht hätte und ließ mich so mit einem zwiegespaltenen Gefühl zum Buch zurück.