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Veröffentlicht am 07.11.2025

Cozy Katzenroman

Werecat Café
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„Werecat Café“ von Lea Melcher beginnt in dem charmanten Hexendorf Snickerford, wo Dorothy Murphy als magische Tierärztin und stets im Schatten ihrer Drillingsschwestern und mit dem Wunsch, endlich ihren ...

„Werecat Café“ von Lea Melcher beginnt in dem charmanten Hexendorf Snickerford, wo Dorothy Murphy als magische Tierärztin und stets im Schatten ihrer Drillingsschwestern und mit dem Wunsch, endlich ihren eigenen Weg zu gehen, lebt. Als sie in Canterbury in einem unscheinbaren Katzencafé landet und dort auf den grummeligen Cafébesitzer Elliot trifft, scheint sich ihr Leben schlagartig zu verändern. Eine verfluchte Katze, ein uralter Werkatzenzauber und zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das sind die Zutaten, aus denen Melcher eine herbstlich-magische Romantasy spinnt, die irgendwo zwischen cozy, humorvoll und melancholisch pendelt.

Was mich von Anfang an am Buch angesprochen hat, war der Schreibstil. Lea Melcher schreibt flüssig, bildhaft und mit einem sicheren Gespür für Stimmungen. Sie schafft es, den Geruch von Kaffee, den Klang von Katzenpfoten und den Zauber kleiner Momente einzufangen.

Die Atmosphäre, die dadurch entsteht, ist ohne Zweifel für mich eine der größten Stärken des Romans. Das Café mit seinen schnurrenden Bewohnern, die engen Gassen Canterburys, der Hauch von Magie, der über allem liegt. All das wirkt so liebevoll ausgestaltet, dass ich mich beim Lesen tatsächlich fühlte, als säße ich selbst zwischen Kaffeetassen und Katzenkörbchen. Es ist diese „Cozy“-Stimmung, die das Buch trägt: eine Welt, die klein, überschaubar, aber tröstlich ist. Auch das Magiesystem hat mir gefallen, gerade weil es unaufdringlich bleibt. Es geht weniger um spektakuläre Zauberei als um den Zauber alltäglicher Dinge, um Beziehungen, Fürsorge und Vertrauen.

Auch die Figuren funktionieren auf den ersten Blick gut. Dorothy als Protagonistin ist keine makellose Heldin, sondern eine liebenswerte, manchmal unsichere Frau mit einer sympathischen Prise Selbstironie. Allerdings war sie mir stellenweise etwas zu naiv und zu unsicher.
Auch Elliot, der mürrische Cafébesitzer mit seinem weichen Kern, ist ein eher vertrauter Typus, aber Melcher schafft es, ihm Authentizität zu verleihen.
Die Chemie zwischen beiden ist insgesamt süß, aber etwas vorhersehbar.
Und auch einige Nebenfiguren bleiben etwas blass. Es gibt viele liebevolle Einfälle wie Dorothys Schwestern, die Café-Stammgäste, die magischen Tiere und doch wirken manche für mich eher wie angedeutete Farbkleckse, die nicht vollständig ausgemalt wurden. Allerdings habe ich erst später gesehen, dass es zu diesem Buch-Universum noch einen weiteren Band gibt. Vielleicht sollen auch noch weitere folgen und die Figuren sind daher eher offener gehalten worden.

Der größte Kritikpunkt an diesem Buch war für mich jedoch das Ende. Nach einem gemächlich erzählten Mittelteil, der sich viel Zeit für Atmosphäre und Interaktion nimmt, wirkt die Auflösung plötzlich überhastet. Die Konflikte, die zuvor behutsam angedeutet wurden, werden im letzten Viertel in kürzester Zeit abgewickelt, als müsse die Geschichte nun unbedingt zum Schluss kommen. Der eigentliche Höhepunkt – die Lösung des Fluchs und die emotionale Klärung zwischen Dorothy und Elliot – kommt zu plötzlich, zu glatt, fast wie eine Pflichterfüllung. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch an dem Punkt, an dem es hätte richtig emotional werden können, einfach in Richtung Sicherheit, statt Risiko, abbiegt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Figuren in den entscheidenden Momenten stärker gefordert werden, dass Konflikte nicht nur gelöst, sondern auch emotional durchlebt werden. So blieb bei mir am Ende ein leicht unbefriedigtes Gefühl zurück. Nicht, weil das Ende schlecht war, sondern weil es zu abrupt kam und der emotionalen Dichte der Geschichte nicht ganz standhielt.

Fazit

Alles in allem ist „Werecat Café“ für mich eine liebevoll geschriebene, charmante und atmosphärisch dichte Geschichte – perfekt für alle, die gemütliche Fantasy mit Herz suchen. Es ist ein Buch, das man mit einer Tasse Tee und einer Katze auf dem Schoß lesen möchte, und das einem das Gefühl gibt, ein kleines Stück Geborgenheit gefunden zu haben. Nur das Ende, das etwas zu hastig kam, hat mich nicht ganz so erfüllt, wie ich es mir gewünscht hätte und ließ mich so mit einem zwiegespaltenen Gefühl zum Buch zurück.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

solide, mit einigen Schwächen

Bite the Bride (Darkthorn Archives 1)
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„Bite the Bride“ von Penny Juniper beginnt mit einer interessanten Ausgangssituation: Katherine Campbell, eine junge Frau, die eigentlich ein ruhiges Leben führen möchte, findet sich plötzlich in einem ...

„Bite the Bride“ von Penny Juniper beginnt mit einer interessanten Ausgangssituation: Katherine Campbell, eine junge Frau, die eigentlich ein ruhiges Leben führen möchte, findet sich plötzlich in einem übernatürlichen Chaos wieder: ein uralter Fluch, ein widerwilliger Vampir und eine arrangierte, scheinbare Ehe, die beide in eine emotionale Achterbahnfahrt zwingt. Zwischen düsteren Geheimnissen, romantischen Momenten und skurrilen Nebenfiguren entspinnt sich eine Geschichte, die irgendwo zwischen Romantikkomödie und Fantasy-Abenteuer angesiedelt ist.

Ich habe das Buch mit einer gewissen Vorfreude begonnen, weil mir das Konzept einer vampirischen Fake-Ehe und die Mischung aus RomCom und Paranormal Romance grundsätzlich zusagt. Und tatsächlich: Penny Juniper versteht es, Stimmungen zu erzeugen. Besonders zu Beginn mochte ich die leicht geheimnisvolle, aber gleichzeitig humorvolle Atmosphäre, die mich sofort in die Welt der Geschichte gezogen hat. Es gibt Passagen, in denen sich die Kulisse fast filmisch entfaltet – verwinkelte Anwesen, funkelnde Abende, ein Hauch von Gefahr in der Luft. Das Setting trägt viel zur Lesbarkeit bei, und Juniper gelingt es, dieses Gleichgewicht zwischen romantischem Flair und fantastischer Spannung meist gut zu halten.

Der Schreibstil von Penny Juniper ist passend dazu insgesamt flüssig und leicht zugänglich. Sie schreibt mit Humor, einem Sinn für Tempo und einer gewissen Leichtigkeit, die das Lesen angenehm macht. Gleichzeitig habe ich mir an manchen Stellen mehr sprachliche Raffinesse gewünscht. Die Dialoge sind zwar lebendig, wirken aber oft übertrieben dramatisch oder wiederholen sich in ihrer Struktur. Manchmal hatte ich das Gefühl, Juniper versuche, Spannung künstlich durch Schlagabtausch zu erzeugen, anstatt sie organisch aus den Situationen wachsen zu lassen. Trotzdem gibt es immer wieder Sätze und Beschreibungen, die mir gefallen haben – besonders, wenn sie atmosphärisch und bildhaft werden, etwa wenn die Autorin Licht, Geräusche oder kleine Gesten in Szene setzt. In diesen Momenten blitzt ihr Talent auf, Stimmung zu malen.

Allerdings verlor die Geschichte für mich mit der Zeit an Reiz. Die Handlung folgt zu oft den bekannten Mustern, und viele Entwicklungen waren vorhersehbar. Es gibt einige Momente, die als überraschende Wendungen angelegt sind, aber ich hatte das Gefühl, sie schon Kapitel im Voraus zu erahnen. Auch das Ende kam für mich ohne echten Knalleffekt. Es war eher eine Bestätigung dessen, was sich ohnehin abzeichnete. Dadurch fehlte mir das Gefühl, wirklich mit den Figuren mitzufiebern oder überrascht zu werden.
Zusätzlich mochte ich den Ausgang rundum Lilly irgendwie nicht. Mir hat da leider etwas gefehlt und ich hoffe, dass in Band 2 diesbezüglich noch etwas geschieht (oder vielleicht sogar zu ihr noch ein eigenständiger Band?).

Ein großer Kritikpunkt für mich war zudem die Kommunikation zwischen den Charakteren. Zu oft basierten Konflikte auf Missverständnissen, halben Wahrheiten oder schlicht darauf, dass niemand offen miteinander redet. Es gab etliche Szenen, in denen ich mir dachte: Ein einfaches Gespräch hätte dieses ganze Drama verhindert. Stattdessen entscheiden sich die Figuren immer wieder dafür, Dinge zu verschweigen, sich gegenseitig anzulügen oder absichtlich das Gegenteil dessen zu tun, was sie vorher versprochen haben. Das führte dazu, dass die Handlung stellenweise unnötig in die Länge gezogen wirkte. Hätten die Charaktere ehrlicher oder zumindest konsequenter miteinander gesprochen, wäre die Geschichte vermutlich nur halb so lang gewesen – und deutlich glaubwürdiger.

Auch die Dynamik zwischen Katherine und Ethan hat mich nicht ganz überzeugt. Zwar gibt es einige charmante und witzige Szenen, und die Anziehung zwischen den beiden ist spürbar, aber insgesamt fehlte mir Tiefe. Vieles wirkte wie eine Abfolge aus typischen RomCom-Momenten, ohne dass sich eine echte emotionale Entwicklung vollzieht.

Die Charaktere selbst waren für mich zum Großteil solide, aber auch hier gab es Schwächen.
Katherine als Protagonistin war mich einerseits sympathisch, weil sie mit einer gewissen Bodenständigkeit und Ironie in diese bizarre Situation hineingezogen wird. Sie ist klug, mutig und versucht, sich zu behaupten. Andererseits blieb sie mir emotional zu oft unzugänglich. Ihre Reaktionen wirken manchmal sprunghaft oder widersprüchlich.
Ethan wiederum ist der klassische romantische Vampirtypus: geheimnisvoll, gutaussehend, von einer dunklen Vergangenheit gezeichnet und ständig hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl und Verlangen.
Die Nebenfiguren (vor allem die menschlichen) waren für mich sehr erfrischend und haben der Story gutgetan.

Fazit

Insgesamt hat „Bite the Bride“ für mich Licht und Schatten. Ich mochte den Einstieg, das Setting und einige charmante Szenen, aber die Handlung war mir zu erwartbar, die Konflikte zu konstruiert, und die Figuren zu oft in ihrem eigenen Kommunikationschaos gefangen. Der Schreibstil ist angenehm und atmosphärisch stark.
Am Ende blieb bei mir jedoch das Gefühl, dass das Buch zwar unterhält, aber wenig wirklich Neues bietet. Eine nette Lektüre für zwischendurch, wenn man Lust auf eine humorvolle Vampir-Romanze hat, aber kein Titel, der mich nachhaltig beeindruckt oder überrascht hat.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

ein gelungener Reihenauftakt

Sisi ermittelt – Die Diamanten der Kaiserin
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"Sisi ermittelt - Die Diamanten der Kaiserin" von Fritzi Wahl ist der Auftakt einer neuen Cosy-Crime-Reihe rundum die junge Kaiserin Elisabeth von Österreich‑Ungarn („Sisi“), die sich nach sechs Jahren ...

"Sisi ermittelt - Die Diamanten der Kaiserin" von Fritzi Wahl ist der Auftakt einer neuen Cosy-Crime-Reihe rundum die junge Kaiserin Elisabeth von Österreich‑Ungarn („Sisi“), die sich nach sechs Jahren Herrschaft am steifen Wiener Hof nach Abwechslung sehnt und schon befindet sie sich inmitten eines heiklen Falls sie selbst betreffend.
Was zunächst als einfacher Juwelendiebstahl erscheint, entpuppt sich schon bald als viel komplexerer Fall: Geheimnisse beim Hofjuwelier, Überwachung, Verrat und mehrere Morde.
Doch wird Sisi es schaffen, die Intrigen und Geheimnisse zu durchschauen und den Fall zu lösen?

Die Handlung des Romans ist insgesamt solide aufgebaut. Der Einstieg mit dem verschwundenen Diamanten ist charmant und genügt als Auftaktproblematik – es hat bei mir auf jeden Fall sofort Neugier geweckt. Ich fand auch gut, dass sich das Buch nicht darauf beschränkt, einfach den Edelstein wiederzufinden, sondern die Ermittlungen zunehmend komplexer werden: Es tauchen geheime Verstrickungen auf und mehrere Todesfälle, was die Geschichte mit ernsteren Tönen versieht.
Der Ermittlungsprozess bleibt stilistisch jedoch im „Cozy Crime“-Modus, das heißt, es geht nicht um brutale Verbrechen mit ausufernder Gewalt, sondern um noble Intrigen, höfische Geheimnisse, elegante Hinweise, in Kombi mit Witz und Charme. Für mich war das genau die richtige Wahl, denn ich mag keine Thriller-Härte, sondern eher diese Art von leichten, aber spannenden historischen Krimi.
Gleichzeitig hätte ich mir manchmal etwas mehr Tempo oder stärkere Überraschungen gewünscht. Insbesondere nachdem die ersten Verdachtsmomente gelegt sind, fühlte sich die mittlere Passage ein wenig gemächlicher an.

Der Stil von Fritzi Wahl hat meiner Meinung nach super zum Gesamtbild gepasst. Er ist angenehm leicht und flüssig, sodass sich das Buch locker liest, ohne dabei jedoch belanglos zu wirken. Die Sprache ist elegant genug, um den Hofkontext glaubwürdig zu transportieren, aber zugleich nicht so schwer, dass man sich ständig mit historischen Details herumschlagen müsste. Es ist eine gute Balance zwischen Unterhaltung und Atmosphäre.

Die Atmosphäre, die dadurch entsteht, hat mich sofort zwischen den Schleiern des Wiener Hofes und den Ausritten in der Natur gefangen genommen. Der Kontrast zwischen dem streng geregelten Hofleben – mit Banketten, Zeremonien, Etikette – und Sisis Wunsch nach Freiheit ist spürbar. Diese Mischung macht das Buch für mich atmosphärisch stark. Es gibt den Glanz der kaiserlichen Welt, aber auch eine leise Rebellion dagegen, die Sisi ausstrahlt. Dadurch entsteht Spannung nicht nur durch den Kriminalfall, sondern auch durch das psychologische Moment – wie viel Freiheit darf eine Frau im Kaiserhaus haben? Wie weit darf sie gehen?

Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich Sisi als Protagonistin, welche äußerst vielschichtig gezeichnet ist. Man spürt beim Lesen ihre Neugier, ihren Wunsch nach Eigenständigkeit, aber auch ihre Standesrolle und die damit verbundenen Zwänge.
Auch die meisten Nebenfiguren sind ausreichend ausgearbeitet, sodass sie Bedeutung für die Handlung erhalten. Allerdings bleiben manche Figuren meiner Meinung nach eher skizzenhaft, was dem Tempo geschuldet sein dürfte. In einer kommenden Fortsetzung wäre es schön, wenn einzelne Nebenfiguren noch mehr Tiefe erhalten.

Fazit

Insgesamt hat mich „Sisi ermittelt – Die Diamanten der Kaiserin“ überzeugt: Es ist eine charmante, unterhaltsame Lektüre mit historischem Flair, sympathischer Hauptfigur und gut dosierter Spannung. Wer historische Krimis mit höfischem Ambiente, einem starken weiblichen Mittelpunkt und nicht zu viel Spannung mag, der ist bei diesem Buch genau richtig.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

warm und herzlich

Books & Coffee - Das Beste liegt immer vor uns
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Als ich „Books & Coffee – Das Beste liegt immer vor uns“ von Ella Lindberg gelesen habe, war ich schon nach wenigen Seiten vollkommen in Lucys Welt versunken. Die Geschichte beginnt in einer schwierigen, ...

Als ich „Books & Coffee – Das Beste liegt immer vor uns“ von Ella Lindberg gelesen habe, war ich schon nach wenigen Seiten vollkommen in Lucys Welt versunken. Die Geschichte beginnt in einer schwierigen, aber auch entscheidenden Lebensphase der Hauptfigur: Nach dem Tod der Cafébesitzerin Marianne soll das beliebte „Café Zuckerzeit“ verkauft werden. Ihr Mann möchte es in gute Hände geben – an jemanden, der es in Mariannes Sinne weiterführt, mit Herz, Liebe und dem gleichen Gespür für Menschen und Atmosphäre. Doch Lucys Arbeitgeber, die Firma ihres Freundes Sascha, hat ganz andere Pläne: Sie will aus dem traditionsreichen Café ein austauschbares Franchise-Konzept machen – eine weitere dieser glatten, seelenlosen Kaffeeketten ohne Persönlichkeit.
Lucy, die in eben dieser Firma arbeitet, spürt sehr deutlich, dass sie das nicht mittragen kann. Kurz entschlossen zieht sie die Reißleine: Sie kündigt ihren Job, trennt sich von Sascha und beschließt, das Café selbst zu übernehmen – obwohl sie weder etwas von Geschäftsführung noch vom Backen versteht. Es ist ein radikaler Schritt, ein Sprung ins Ungewisse, aber einer, der sich für Lucy richtig anfühlt. Und genau dieser Mut, sich gegen Vernunft, Erwartung und Bequemlichkeit zu stellen, macht sie zu einer unglaublich sympathischen Figur.

Ich habe beim Lesen richtig mitgefiebert, wie Lucy sich in dieser neuen Rolle zurechtfindet. Von Büroangestelltenleben zu Cafébesitzerin – das klingt romantisch, aber Ella Lindberg zeigt auch die Mühen dahinter: schlaflose Nächte, bröckelnde Ersparnisse, kleine Rückschläge, die sie immer wieder infrage stellen, und Momente des Zweifels, in denen alles zu viel wird. Gerade diese Ehrlichkeit fand ich wunderbar. Lindberg verklärt Lucys Neuanfang nicht, sondern erzählt ihn mit einem realistischen, liebevollen Blick: Ja, Träume sind möglich – aber sie kosten Mut, Kraft und Ausdauer.

Was mich an dem Buch besonders begeistert hat, ist die Atmosphäre. Das Café Zuckerzeit wird zum Herzstück der Geschichte, fast wie eine eigene Figur. Ich konnte die Wärme, den Duft nach frisch gebrühtem Kaffee und Gebäck förmlich spüren, die Gespräche der Gäste hören, das Klirren von Porzellan und das Summen eines Ortes, an dem man einfach bleiben möchte. Ella Lindberg hat dieses Gefühl von Geborgenheit und Neubeginn mit viel Feingefühl eingefangen.

Zudem mochte ich Ella Lindbergs Schreibstil sehr gerne: leicht, klar, und trotzdem voller Emotion. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Autorin zu sehr bemüht versucht, poetisch zu wirken; die Sprache fließt einfach natürlich, warmherzig und einnehmend. Besonders gelungen fand ich die Dialoge – sie klingen authentisch, lebendig, oft mit einem feinen Humor, der den Figuren Tiefe verleiht. Auch die Beschreibungen der Cafészenerie, der Backversuche, der Begegnungen mit den Gästen – all das hat eine ansteckende Lebendigkeit, die mich richtig mitgerissen hat.

Lucys Entwicklung ist das Herz des Romans. Sie wächst an ihren Aufgaben, stolpert, zweifelt, findet sich wieder. Man merkt, dass sie nicht perfekt ist – und genau das macht sie menschlich und nahbar.
Aber auch Nebenfiguren wie Clara, die Lucy tatkräftig im Café unterstützt, bringen Leben und Energie in die Geschichte.
Und dann ist da natürlich Ben – der Mann, der Lucys Herz erobert. Er ist ein ruhiger, nachdenklicher Charakter, der selbst auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist. Besonders mochte ich, dass Lindberg ihm ebenfalls Träume und Ziele gegeben hat: Wir erfahren, was er mit seinem Schreiben erreichen möchte und was ihn früher unzufrieden gemacht hat. Das verleiht ihm Tiefe und macht ihn glaubwürdig.
Allerdings hat mich eines dabei gestört: Über Bens Vergangenheit erfährt man so gut wie nichts. Weder über seine Familie noch über seine Interessen oder darüber, woher er wirklich kommt. Er bleibt auf eine gewisse Weise undurchsichtig – sympathisch, ja, aber auch distanziert. Ich hätte mir gewünscht, dass Lindberg ihn noch etwas mehr öffnet, ihm mehr Hintergrund gibt. So blieb er für mich etwas blass, als hätte man nur die Oberfläche gesehen, während das eigentliche Bild im Schatten blieb. Auch die Liebesgeschichte zwischen Lucy und Ben entwickelt sich für meinen Geschmack etwas zu schnell. Es gibt viele schöne, leise Momente zwischen ihnen, aber am Ende ging es mir doch zu rasch – ich hätte mir mehr Raum gewünscht, damit ihre Beziehung sich natürlicher entfalten kann.

Was mir ebenfalls aufgefallen ist: An einigen Stellen war die Handlung etwas vorhersehbar. Bestimmte Wendungen – etwa wie Lucy mit Rückschlägen umgeht oder wie sich Konflikte auflösen – habe ich kommen sehen. Das hat mein Lesevergnügen zwar nicht wesentlich getrübt, aber ein paar überraschendere Entwicklungen hätten dem Roman gutgetan - wer Gefallen an Wohlfühlromanen hat, wird das jedoch wahrscheinlich kaum stören.

Trotzdem hat mich das Buch insgesamt sehr berührt. Ich mochte die Themen, die Lindberg behandelt: Mut, Selbstfindung, Abschied vom Alten, das Vertrauen in den eigenen Weg. Es geht darum, dass man manchmal erst dann herausfindet, wer man wirklich ist, wenn man alles Vertraute hinter sich lässt.

Als ich die letzte Seite gelesen habe, hatte ich dieses zufriedene, ruhige Gefühl, das gute Bücher hinterlassen: als hätte man selbst ein kleines Stück Mut getankt. Ich würde sagen, Ella Lindberg hat hier einen echten Wohlfühlroman geschrieben – einen, der nicht laut oder spektakulär ist, sondern ehrlich, tröstlich und hoffnungsvoll.

Fazit

„Books & Coffee – Das Beste liegt immer vor uns“ von Ella Lindberg ist ein wunderschöner Roman über Neuanfänge, über das Loslassen und die Kraft, an sich selbst zu glauben – auch wenn einige Wendungen vorhersehbar waren und mir teilweise die Tiefe fehlte. Trotzdem: Für mich war es wie eine heiße Tasse Kakao an einem kalten Nachmittag – wohlig warm und süß und genau das Richtige, um kurz das Leben zu genießen.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

witzig und charmant

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
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„Mrs Potts’ Mordclub und der Tote in der Themse“ ist der vierte Band der charmanten Krimireihe rund um die scharfsinnige Amateurdetektivin Judith Potts. Obwohl es mein erstes Buch der Reihe war und ich ...

„Mrs Potts’ Mordclub und der Tote in der Themse“ ist der vierte Band der charmanten Krimireihe rund um die scharfsinnige Amateurdetektivin Judith Potts. Obwohl es mein erstes Buch der Reihe war und ich die vorherigen Teile nicht kenne, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, in die Geschichte einzusteigen. Thorogood gelingt es mühelos, neue Leser:innen in seine Welt hineinzuziehen, ohne dass man das Gefühl hat, entscheidende Hintergrundinformationen zu vermissen – und erfreulicherweise werden die früheren Bände auch nicht gespoilert, sodass man sie problemlos nachträglich lesen kann.

Die Handlung beginnt mit einem Leichenfund in der Themse, der zunächst wie ein Unfall aussieht. Doch Judith Potts, die eigenwillige ältere Dame mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und einer Vorliebe für Whiskey und Kreuzworträtsel, ist überzeugt, dass mehr dahintersteckt. Gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen Suzie und Becks – dem eingespielten Trio des „Mordclubs“ – beginnt sie zu ermitteln. Bald stoßen die drei auf allerlei Geheimnisse und menschliche Abgründe hinter der idyllischen Fassade des kleinen englischen Städtchens Marlow.

Robert Thorogoods Schreibstil ist elegant, humorvoll und durchzogen von typisch britischem Witz. Seine Sprache liest sich flüssig, leicht und dennoch mit Stil – perfekt für einen Cosy Crime. Die Dialoge sind pointiert, das Tempo angenehm, und der Aufbau der Geschichte folgt einem klaren Rhythmus. Besonders die Gespräche zwischen Judith, Suzie und Becks sind ein Highlight – sie sprühen vor Lebensfreude, Ironie und Charme.

Die Atmosphäre des Romans ist warm und nostalgisch, aber nie kitschig. Marlow wirkt wie ein Ort, in dem die Zeit ein wenig stehen geblieben ist – mit gepflegten Gärten, Teestuben und einer Gesellschaft, die auf den ersten Blick beschaulich wirkt, auf den zweiten jedoch voller Geheimnisse steckt. Thorogood fängt diese Stimmung wunderbar ein und schafft eine angenehme Balance zwischen gemütlicher Kleinstadtidylle und unterschwelliger Spannung.

Die Charaktere sind ohne Zweifel das Herzstück des Buches. Judith Potts ist eine wunderbar unkonventionelle Protagonistin – klug, eigensinnig und mit einem trockenen Humor ausgestattet. Ihre beiden Freundinnen Suzie, die bodenständige Hundesitterin, und Becks, die etwas reservierte Pfarrersfrau, bilden zusammen mit ihr ein herrlich ungleiches, aber harmonisches Trio. Ihre unterschiedlichen Lebenswelten sorgen nicht nur für Witz und Dynamik, sondern auch für Wärme und Tiefe.

Die Handlung selbst ist solide konstruiert, mit einem angenehmen Spannungsbogen und einigen gelungenen Wendungen. Der Fokus liegt jedoch weniger auf atemloser Spannung als auf dem gemeinsamen Rätseln, Beobachten und Kombinieren. Man liest das Buch nicht, um am Ende völlig überrascht zu werden, sondern um den Weg dorthin zu genießen – mit all seinen charmanten Details, humorvollen Momenten und warmherzigen Begegnungen.

Das Ende ist passend und zufriedenstellend gelöst, auch wenn es für erfahrene Krimileser:innen nicht völlig unvorhersehbar sein dürfte. Doch das stört kaum, denn der Weg zur Auflösung ist so unterhaltsam, dass man dem Buch die Vorhersehbarkeit gern verzeiht. Die Auflösung wirkt rund und fügt sich organisch in die Erzählung ein – ohne übertriebene Dramatik oder Konstruiertheit.

Insgesamt ist „Mrs Potts’ Mordclub und der Tote in der Themse“ ein Buch, das sich wunderbar mal zwischendurch lesen lässt – leicht, charmant und humorvoll. Es geht nicht sehr tief und bietet keine psychologische Komplexität, doch genau das ist seine Stärke: Es unterhält, entspannt und lädt zum Miträtseln ein. Wer Lust auf einen klugen, aber unbeschwerten Krimi mit britischem Flair hat, wird hier bestens bedient.

Fazit: Ein herrlich britischer Wohlfühlkrimi mit Witz, Herzenswärme und liebenswerten Figuren. Zwar nicht besonders tiefgründig oder überraschend, aber ausgesprochen unterhaltsam, charmant und perfekt für alle, die einen gemütlichen Krimi zum Abschalten suchen – und das Beste: Auch Neueinsteiger*innen können unbesorgt zugreifen, ohne dass die vorherigen Bände verraten werden.

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