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Veröffentlicht am 12.03.2026

Gelungene Fortsetzung

Die Rätsel meines Großvaters
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Nach den schockierenden Erlebnissen ihres letzten großen Falles haben Kaede und ihr geliebter Großvater mit dem Spitznamen Himonya-san trotz allem nicht die Freude an spannenden Rätseln verloren. Dieses ...

Nach den schockierenden Erlebnissen ihres letzten großen Falles haben Kaede und ihr geliebter Großvater mit dem Spitznamen Himonya-san trotz allem nicht die Freude an spannenden Rätseln verloren. Dieses Mal untersuchen sie zum Beispiel eine mysteriöse Reihe von Suiziden oder den Fall des verschwundenen Weihnachtsmanns. Doch Kaede muss sich auch fragen, ob die Demenzkrankheit ihres Großvaters nicht bald zu weit fortgeschritten sein wird, um dieses gemeinsame Hobby noch weiterzuführen.

„Die Rätsel meines Großvaters“ ist der zweite Band der Reihe um Kaede und ihren Großvater aus der Feder von Masateru Konishi, der als Autor für Fernsehen und Radio arbeitet. Die Reihe ist als Trilogie angelegt und verarbeitet Erfahrungen, die Konishi bei der Pflege seines demenzkranken Vaters gesammelt hat. Die deutsche Übersetzung des Romans stammt von Karina Hermes. Die Struktur der einzelnen Handlungssegmente ist immer ähnlich: Kaede präsentiert ihrem Großvater einen neuen Fall und dieser löst ihn allein durch logisches Kombinieren und aus den Hinweisen, die er von der Schilderung der Ereignisse erhält.

Diese Art, ein Rätsel zu lösen, ist vielleicht nicht unbedingt immer stimmig, aber ich persönlich empfinde das auch nicht als den zentralen Kern der Romane. Für mich geht es umso mehr um die Lewy-Körper-Demenz des Großvaters, die ihn zeitweise unter Halluzinationen und Verwirrung leiden lässt; er beweist aber gleichzeitig, dass sein Verstand immer noch messerscharf ist und er die Empathie besitzt, sich in andere Menschen einzufühlen.

So lösen Kaede und er einige sehr persönliche Fälle in diesem gelungenen zweiten Band. Kaedes Freund Iwata beschäftigt das Schicksal seinen verschwundenen Vaters, Shiki – ihr anderer Freund – verhält sich seit einiger Zeit seltsam und eine Suizidwelle, die scheinbar etwas mit Alfred Hitchcocks Filmen zu tun hat, gibt der Polizei Rätsel auf. Besonders berührt hat mich der Fall um Suzu, die sich verflucht fühlt und den Großvater um Hilfe bittet – wow, was für eine Wendung! Ich bin schon sehr gespannt auf den dritten und letzten Band, auch wenn ich Kaede und ihren Großvater noch nicht verlassen möchte.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Nicht das, was ich mir vorgestellt hatte

Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung
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Als der Student Fumiya Gerüchte über eine Buchhandlung hört, in der man genau das Buch findet, das man gerade sucht, muss er einfach sein Glück versuchen. Denn sein Vater ist schwer krank und Fumiya will ...

Als der Student Fumiya Gerüchte über eine Buchhandlung hört, in der man genau das Buch findet, das man gerade sucht, muss er einfach sein Glück versuchen. Denn sein Vater ist schwer krank und Fumiya will ihm unbedingt noch ein ganz bestimmtes Buch zurückgeben, das er einmal von ihm geliehen und dann verloren hatte. In der kleinen Buchhandlung mit Teesalon nördlich von Tokio findet er nicht nur das passende Buch, sondern auch einen Nebenjob und neue Kollegen.

„Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung“ ist der erste Band einer aus insgesamt vier Teilen bestehenden Reihe der Schriftstellerin Sawako Natori über die namensgebende Buchhandlung, ihr Personal und ihre Kundschaft. Die Übersetzung erfolgte jedoch aus dem Französischen, nicht aus dem japanischen Original, und wurde von Nadine Lipp ins Deutsche übertragen. Der Roman spielt sich hauptsächlich in und in der näheren Umgebung des Buchladens ab, nur manchmal machen wir einen Ausflug in das Privatleben des Protagonisten Fumiya.

Ich will ganz ehrlich sein: Die Prämisse einer Buchhandlung, die genau das Buch parat hat, das man gerade braucht, klang einfach wunderbar. In der Realität geht es zwar tatsächlich in jedem Kapitel um ein bestimmtes Buch und dessen Bedeutung für die Figuren, doch daran ist nichts weiter Magisches. Eine Person betritt das Geschäft und findet das gesuchte Buch, weil die Buchhandlung über ein sehr großes Lager verfügt. Das war’s, irgendwie schade, oder? Noch dazu stellt sich mir die Frage nach dem Titel. Warum heißt die Buchhandlung „Freitagsbuchhandlung“? Und überhaupt: Im gesamten Buch ist keine einzige Kirschblüte zu finden, warum ist die im Titel so prominent?

Auch die Handlung rund um das Personal der Buchhandlung ist etwas spröde. Student Kumiya verliebt sich beinahe sofort in Chefin Makino, die selbst jemandem nachzutrauern scheint. Chefkoch Sugawa geizt mit Worten und Ladenbesitzer Yasu ist ein sprödes Großmaul, das Verbindungen zur Yakuza haben soll. Alles irgendwie etwas wirr und leider so gar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte!

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Guter Einblick

Japan
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Warum ist es in japanischen Zügen eigentlich so still? Woran erkennt man den Unterschied zwischen einem Schrein und einem Tempel? Und warum gibt es in Japan drei unterschiedliche Arten von Schriftzeichen ...

Warum ist es in japanischen Zügen eigentlich so still? Woran erkennt man den Unterschied zwischen einem Schrein und einem Tempel? Und warum gibt es in Japan drei unterschiedliche Arten von Schriftzeichen und wofür werden sie genutzt? Das sind nur einige Beispiele für die Themen, die Françoise Hauser in ihrem Sachbuch „Japan. Einblicke in ein faszinierendes Land“ behandelt. Sie selbst ist als Autorin, freie Journalistin und Podcasterin selbst regelmäßig auf den japanischen Inseln unterwegs.

In insgesamt 11 Kapiteln bewegt sich die Autorin durch viele spannende Themen. Einerseits geht es natürlich um das, was uns allen an Japan besonders ins Auge sticht: der schnelle und effiziente Zugverkehr, die Faszination für die Kirschblüte oder das schmackhafte Essen. Aber es werden auch kleine Kuriositäten erzählt, wie beispielsweise Jesus’ Grab im Dorf Shingo oder dass es in Japan Menschen gibt, die dafür bezahlt werden, auf Ubahn-Rolltreppen herumzustehen.

Jedes Kapitel ist dabei ähnlich aufgebaut. Zunächst folgt der Ort, an dem man das Genannte erleben kann, wenn möglich mit einer konkreten Adresse. Dann wird das Thema näher erläutert und am Ende folgt, in einem separaten Kasten, immer ein Tipp, ein Fun Fact oder weitere Hintergrundinformationen.

Für wen ist dieses Buch geeignet? Japanliebhaber werden vieles im Buch schon wissen, aber es lässt sich dennoch auch Neues entdecken, zum Beispiel in den Kapiteln über unbekannte Japaner oder die verschiedenen Strömungen des Buddhismus. Für alle, die zum ersten Mal nach Japan reisen oder sich generell einen Überblick über das Land verschaffen wollen, liefert Françoise Hausers Buch einen sehr guten Einstieg, von dem aus sich das ein oder andere Thema dann vertiefen lässt. Für mich eine schöne Ergänzung zu eher nüchternen und sachlichen Reiseführern.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Emotionaler Roman über drei sehr unterschiedliche Frauen

Die Teestunden
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Sakura, Karen und María leben auf drei Kontinenten und haben sehr unterschiedliche Lebensläufe. Doch eines verbindet sie: eine wunderschöne, jadegrüne Teekanne, die Sakuras Ehemann für sie getöpfert hat ...

Sakura, Karen und María leben auf drei Kontinenten und haben sehr unterschiedliche Lebensläufe. Doch eines verbindet sie: eine wunderschöne, jadegrüne Teekanne, die Sakuras Ehemann für sie getöpfert hat und die danach erst zu Karen und dann zu María gelangte. Mit Hilfe dieses besonderen Verbindungsstücks wird das Schicksal der drei Frauen miteinander verknüpft und es entsteht eine Brücke, die tausende Kilometer und sogar die Zeit überwindet.

„Die Teestunden“ ist der neuste Roman der spanischen Autorin Ángeles Doñate und wurde von Petra Zickmann ins Deutsche übersetzt. Die Handlung wird immer abwechselnd aus der Perspektive der drei Frauen erzählt, beginnend bei Sakura im Jahr 1960 und endend mit María im Jahr 1999. Dabei erfahren wir nicht nur, wie die Frauen jeweils an die im Zentrum stehende Teekanne gekommen sind und was sie für sie persönlich bedeutet, sondern auch, wie ihr Leben davor verlaufen ist und was ihre Wünsche und Träume sind.

Sakura führt ein eher einfaches Leben als Frau eines Töpfers. Er ist es auch, der die Teekanne anfertigte, um sie seiner Geliebten bei seinem Heiratsantrag zum Geschenk zu machen. Karen hingegen hat ein sehr aufregendes Leben hinter sich, das sie von ihrem Job als Grundschullehrerin, über eine Stelle in einer Anwaltskanzlei bis zu ihrem Traum der Landschaftsarchitektur und damit auch zu ihrem Traummann geführt hat – doch das auch nicht ohne harte Zeiten. Über die weiß María besonders gut Bescheid, denn sie muss sich damit auseinandersetzen, dass nach über 20 Jahren der Krebs in ihr Leben zurückgekehrt ist und dass sie es dieses Mal vielleicht nicht schaffen wird.

„Die Teestunden“ ist ein wirklich emotionaler Roman über die Dinge, die im Leben wichtig sind und über unsere Träume, die manchmal wohl, aber manchmal eben auch nicht in Erfüllung gehen. Durch die Teekanne und generell das Ritual des Teetrinkens verbindet Ángeles Doñate geschickt drei unterschiedliche Leben miteinander. Leider bleibt bei mehreren Perspektiven oft eine etwas auf der Strecke und so ist mein einziger Kritikpunkt, dass ich gerne mehr über María abseits ihrer Erkrankung gewusst hätte.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Schöner Roman über eine Wahlfamilie

Die Mitternachtsbäckerei
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Die „Boulangerie Kurebayashi“ hat jede Nacht nur von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens geöffnet, eine Nachtbäckerei also. Hier kommt eines Tages Nozomi an, eine Teenagerin, die von ihrer unzuverlässigen Mutter ...

Die „Boulangerie Kurebayashi“ hat jede Nacht nur von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens geöffnet, eine Nachtbäckerei also. Hier kommt eines Tages Nozomi an, eine Teenagerin, die von ihrer unzuverlässigen Mutter verlassen wurde. Die Inhaberin der Bäckerei, Miwako Kurebayashi, hatte ihr Hilfe zugesagt, doch dann verstarb sie ganz plötzlich. Zurück bleiben der trauernde Ehemann Yōsuke und sein Geschäftspartner und Lehrmeister in der Bäckerei, Hiroki Yanagi. Und obwohl beide Nozomi nicht kennen, bieten sie ihr einen Unterschlupf an. Da ist jedoch nur der Anfang, denn nach und nach entwickelt der Laden sich zu einer Anlaufstelle für verlorene, einsame Seelen.

„Die Mitternachtsbäckerei“ ist der Debütroman der japanischen Schriftstellerin und Drehbuchautorin Noriko Ōnuma und wurde von Karolina Heidinger ins Deutsche übertragen. Im Fokus der Handlung stehen die Oberschülerin Nozomi und ihr neues Leben in der Bäckerei. Der Erzähler lässt im weiteren Verlauf jedoch auch andere Personen zu Wort kommen, so dass wir die Schicksale des Personals und der Kund*innen der „Boulangerie Kurebayashi“ erfahren.

Der Roman spricht die unterschiedlichsten Themen an. So geht es vordergründig natürlich um Trauer, denn Yōsuke hat vor kurzem seine Frau verloren. Nozomi und der kleine Kodama, der in der Bäckerei beim Stehlen erwischt wird, leben in komplizierten Familienverhältnissen, Kundin Sophia ist trans und lebt gerade auf der Straße, während Madarame mit seinem Teleskop von seiner Wohnung aus anderen Menschen nachspioniert. Sie alle finden im Laden einen neuen Fixpunkt und unterstützen sich gegenseitig – wobei auch das ein oder andere Geheimnis gelüftet wird.

„Die Mitternachtsbäckerei“ ist eine bittersüße, episodenhafte Geschichte darüber, dass Familie manchmal schwierig sein kann, dass es aber auch nicht immer Blutsbande benötigt, um eine Familie zu sein. In der „Boulangerie Kurebayashi“ bzw. innerhalb der Handlung hat jede Figur ihre Funktion und ist bedeutsam für die anderen. Gemeinsam bringen sie nicht nur das Geschäft voran, sondern helfen sich auch gegenseitig im Privatleben. Ein wirklich schöner Roman!

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