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Veröffentlicht am 17.04.2024

Eine Geschichte zum Wohlfühlen

Das Mondscheincafé
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In einer Vollmondnacht kann es zufällig irgendwo in Kyoto auftauchen: das Mondscheincafé. Betrieben wird es von sprechenden Katzen und die menschlichen Gäste erhalten dort, neben einem extra für sie ausgesuchten ...

In einer Vollmondnacht kann es zufällig irgendwo in Kyoto auftauchen: das Mondscheincafé. Betrieben wird es von sprechenden Katzen und die menschlichen Gäste erhalten dort, neben einem extra für sie ausgesuchten Getränk und Dessert, auch gleich eine astrologische Lebensberatung. Da ist beispielsweise Mizuki, die früher eine erfolgreiche Drehbuchautorin war und jetzt Texte für Nebencharaktere aus Videospielen schreibt. Oder Takashi, der mit seinem Freund eine IT-Firma gegründet hat und bei dem in letzter Zeit alles zu misslingen scheint.

Die Autorin Mai Mochizuki, bisher bekannt für ihre Mangareihen „Alice in Kyoto Forest“ und „Holmes of Kyoto“ wurde durch eine Illustration der Künstlerin Chihiro Sakurada zu ihrem Roman „Das Mondscheincafé“ inspiriert. Das Motiv ist auch auf dem Cover abgebildet, was ich als eine wirklich gelungene Zusammenarbeit empfinde. Die Handlung wird in Kurzgeschichten erzählt, in denen jeweils eine oder mehrere Personen gemeinsam das mysteriöse Café besuchen. Nach und nach stellen wir fest, dass die Figuren alle miteinander verknüpft sind und ihre Leben sich gegenseitig beeinflussen.

Jede der Figuren, die mit dem Café in Berührung kommt, steht in ihrem Leben gerade an einem Scheidepunkt. Manche von ihnen knüpfen neue Beziehungen, manche stehen vor beruflichen Schwierigkeiten oder einem Neuanfang. Behutsam analysieren die Katzen mit Hilfe der Sterne, wo jede*r von ihnen steht und wie die Zukunft aussehen könnte. Das wirkt zwar etwas esoterisch, wenn man sich nicht mit Astrologie beschäftigt, aber es wird dabei auch viel über Charaktereigenschaften und Fähigkeiten der Figuren gesprochen. Diese sind manchmal etwas klischeehaft (die Schauspielerin mit Affäre, der unbeholfene IT-ler, die immer freundliche Friseurin, der schrille Stylist usw.), das mindert den Lesespaß aber kaum.

Mit dem Prolog und Epilog gibt es noch eine kleine Rahmenhandlung, die dem „Mondscheincafé“ einen Sinn und Zweck gibt, der mir wirklich sehr gut gefallen hat. Insgesamt ist es ein ruhiger Roman zum Wohlfühlen, von dem hoffentlich auch die weiteren Bände übersetzt werden.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Ein gewaltiger Roman über Wut und Solidarität

Und alle so still
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Elin ist Anfang zwanzig und arbeitet seit der Pandemie als Influencerin. Sie hat zwar eine große Anzahl an Followern, aber auch mit Anfeindungen zu kämpfen, die in einer gewaltvollen Erfahrung mit einem ...

Elin ist Anfang zwanzig und arbeitet seit der Pandemie als Influencerin. Sie hat zwar eine große Anzahl an Followern, aber auch mit Anfeindungen zu kämpfen, die in einer gewaltvollen Erfahrung mit einem Mann gipfeln. Nuri ist neunzehn und hält sich mit zahlreichen Nebenjobs über Wasser: als Barkeeper, als Kurier oder als „Bettenschubser“ in einem Krankenhaus. In eben diesem arbeitet Ruth, Mitte fünfzig, als Pflegerin und sieht sich jeden Tag einer scheinbar unlösbaren Aufgabe gegenüber. Die Lebenswege dieser drei kreuzen sich, als eines Tages Frauen aus Protest auf der Straße liegen.

„Und alle so still“ ist der vierte Roman aus der Feder der österreichischen Autorin Mareike Fallwickl. Erzählt wird wechselnd aus der Perspektive von Elin, Nurin und Ruth in der dritten Person und der Gegenwartsform, die dem Geschehen eine enorme Unmittelbarkeit verschafft. Wir befinden uns mitten im Geschehen und entdecken nach und nach mit den Figuren selbst, was sich da draußen in der Welt gerade abspielt. Zwischen die Kapitel der Charaktere sind immer wieder andere Erzählstimmen eingeschoben, die einer Pistole z.B. oder die einer Gebärmutter, die auf eine drohende Eskalation hinzuweisen scheinen.

Der Kern der Handlung mutet zwar dystopisch an, ist aber von erschreckender Realität. Die Mehrheit der Frauen hat im Roman genug von einem Leben im Patriarchat und protestiert, in dem sie von Zuhause fortgeht, Beruf, Mann und manchmal auch Kinder zurücklässt und still auf der Straße liegt. Vor einer Bestrafung fürchten die Frauen sich nicht, denn was soll man ihnen noch antun, was ihnen nicht schon längst angetan wurde? In diesem Chaos finden Elin, Nuri und Ruth zueinander, werden in Beziehung gesetzt und spielen, jede*r auf ganz eigene Art, eine große Rolle im Protest. Auch alte Bekannte aus „Die Wut, die bleibt“ treffen wir wieder.

„Und alle so still“ ist ein gewaltiger Roman über die Wut auf das Patriarchat und Solidarität untereinander, besonders aber unter Frauen. Er stellt sich die Frage, was alles möglich wäre, wenn wir irgendwann einfach nicht mehr mitmachen – was gleichzeitig Hoffnung und Schrecken bedeutet.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Eine nette kleine Geschichte

Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen
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Frau Yeom besitzt in Seoul einen kleinen 24 Stunden-Laden, den sie zum Leidwesen ihres Sohnes noch immer betreibt, obwohl er nur wenig Gewinn abwirft. Der würde stattdessen lieber verkaufen und das Geld ...

Frau Yeom besitzt in Seoul einen kleinen 24 Stunden-Laden, den sie zum Leidwesen ihres Sohnes noch immer betreibt, obwohl er nur wenig Gewinn abwirft. Der würde stattdessen lieber verkaufen und das Geld in seine eigenen Ideen investieren. Doch dann lernt Frau Yeom durch Zufall den Obdachlosen Dok-go kennen und bietet ihm die Nachtschicht in ihrem Laden an. Schon bald hat er sich eingelebt und beeinflusst das Leben seiner Kundschaft auf die ein oder andere Weise.

„Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen“ ist der erste Roman des Redakteurs und Drehbuchautors Kim Ho-yeon. Er ist der erste Band einer Reihe und wird in Korea derzeit als Theaterstück und fürs Fernsehen adaptiert. Erzählt werden im Prinzip lauter kurze Begegnungen in der Vergangenheitsform, die sich in bzw. im Zusammenhang mit Frau Yeoms Laden abspielen. Die Personen wechseln dabei ständig, im Fokus stehen aber sicherlich die Ladenbesitzerin selbst und Dok-go, die beide mit ihrem Wesen und Verhalten ihre Umgebung beeinflussen.

Frau Yeoms Entscheidung, einen Obdachlosen in ihrem Laden arbeiten zu lassen, trifft nicht nur auf Verständnis. Während die junge Angestellte Si-hyeon ihre Vorbehalte schon bald aufgeben kann, bleibt die ältere Frau Oh lange Zeit misstrauisch und verhält sich Dok-go gegenüber abweisend, wenn sie ihn beim Schichtwechsel im Laden trifft. Überhaupt hat mir nicht gefallen, wie über den Obdachlosen gesprochen wird. Er wird von beinahe allen als ein zotteliges Tier beschrieben, das auch die entsprechenden Laute von sich gibt. Diese Vorurteile werden leider erst spät von den handelnden Figuren selbst herausgefordert oder überdacht.

Thematisch gesehen erzählt der Roman viele kleine Geschichten. Da geht es um berufliche Träume, um das schwierige Verhältnis zur eigenen Familie, um Alkoholsucht und um das verlorene Gedächtnis von Dok-go, dessen Name übrigens „einsam und allein“ bedeutet. Erst gegen Ende der Handlung kann dieser die Bruchstücke seines Lebens wieder zusammensetzen – dieser Teil wirkt seltsam „angehängt“ und relativiert Aussagen, welche die Handlung eigentlich transportieren will. Schade!

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Veröffentlicht am 27.03.2024

Verhängnisvolle Affäre

Mein letztes Jahr der Unschuld
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Isabel Rosen hat ihr letztes Semester am Wilder College vor sich – ein Semester, in dem sich alles ändern soll. Eine Nacht mit einem Kommilitonen wird zur Gewalterfahrung, ein guter Freund begegnet ihr ...

Isabel Rosen hat ihr letztes Semester am Wilder College vor sich – ein Semester, in dem sich alles ändern soll. Eine Nacht mit einem Kommilitonen wird zur Gewalterfahrung, ein guter Freund begegnet ihr auf einmal mit Eifersucht und Ablehnung und dann übernimmt auch noch Professor Connelly als Vertretung den Kurs für Kreatives Schreiben. Er bevorzugt sie, lobt ihr schriftstellerisches Können und nach und nach kommen sie sich näher. Eine gefährliche Affäre beginnt, in deren Netz sich Isabel immer tiefer verstrickt.

„Mein letztes Jahr der Unschuld“ ist der erste Roman der Autorin Daisy Alpert Florin und wurde von pociao und Roberto de Hollanda ins Deutsche übersetzt. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Isabel in der Ich- und Vergangenheitsform; sie blickt von einem späteren Punkt in ihrem Leben auf dieses eine Semester zurück, in dem sich für sie alles verändert hat. Dabei nimmt die Beziehung zu Connelly den meisten Raum ein, es werden aber auch viele andere Themen angesprochen.

Isabel ist Jüdin, ihr Vater betreibt einen Appetizing Store in New York, die Mutter ist nach schwerer Krankheit verstorben. Durch die Trauer, aber auch Isabels Studium am Wilder College haben sich die beiden voneinander entfernt. Ihre Freundinnen Debra und Kelsey stehen ihr zwar zur Seite, aber auch ihnen verschweigt sie die Beziehung zu Professor Connelly. Bei ihm fühlt Isabel sich erwachsen und ernst genommen und schließlich ist ihre Affäre doch einvernehmlich und die Machtverhältnisse ausgeglichen, oder etwa nicht?

Als sich am College ein bekanntes Professorenehepaar trennt, erlebt Isabel aus erster Hand mit, wie eine vordergründig glückliche Beziehung mit Kind in einen wahren Krieg ausartet. Connelly solidarisiert sich mit dem Vater, einem alten Freund und Isabel muss sich fragen, welchen Preis sie für diese Affäre zu zahlen bereit ist. „Mein letztes Jahr der Unschuld“ ist ein erschreckender Roman über eine junge Frau in einer abhängigen Beziehung, deren Leben sich innerhalb weniger Monate für immer verändert und sie den unschuldigen, vertrauensvollen Blick auf die Zukunft verlieren lässt.

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Moderner, feministischer Vampirroman

Die Hungrige
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Lydia ist zum ersten Mal in ihrem Leben allein, seit sie ihre Mutter in ein Pflegeheim bringen musste. Die Ärzte vermuten eine Alzheimer-Erkrankung, doch Lydia weiß, dass das nicht stimmt, denn ihre Mutter ...

Lydia ist zum ersten Mal in ihrem Leben allein, seit sie ihre Mutter in ein Pflegeheim bringen musste. Die Ärzte vermuten eine Alzheimer-Erkrankung, doch Lydia weiß, dass das nicht stimmt, denn ihre Mutter ist – wie sie selbst – eine Vampirin. Nun soll ihr neues Leben mit einem Praktikum in einer Galerie beginnen. Beim Einzug in ihr Atelier lernt Lydia Ben kennen, der ihr sofort gefällt. Der Fakt, dass er bereits eine Freundin hat, soll bald ihr geringstes Problem sein, denn es gibt jede Menge Schwierigkeiten zu bewältigen.

„Die Hungrige“ ist der erste Roman der Musikerin und Autorin Claire Kohda. Protagonistin Lydia erzählt aus der Ich-Perspektive und in der Gegenwartsform und das finde ich besonders gelungen, ist sie doch so völlig anders, als wir Vampire bisher in der Literatur erlebt haben. Im Prinzip ist Lydia wie jede andere junge Frau auch, nur dass sie nicht leben kann, wie Menschen es tun. Besonders fasziniert ist sie vom Thema Essen und recherchiert immer wieder in den sozialen Medien, was andere zu sich nehmen. Sie selbst kann nur von Blut überleben.

Lydias Charakter ist stark von der Erziehung ihrer Mutter geprägt, die ihr stets eintrichterte, Vampire müssten für die eigene Existenz Buße tun. Als Kind eines japanischen Vaters, den sie nie kennengelernt hat, und einer malaysisch-britischen Mutter wird sie außerdem in der Schule gehänselt. Ihre beste und einzige Freundin muss sie irgendwann zurücklassen, damit diese nicht bemerkt, dass Lydia nicht im selben Tempo altert. So wächst sie auf, ohne je mit anderen essen zu können, ohne andauernde Freundschaften, ohne eine Beziehung und trotz ihrer körperlichen Stärke möchte sie es allen immer nur recht machen.

Als Lydia sich Ben annähert, ergibt sich zum ersten Mal die Chance auf ein wenig Normalität. Doch es gibt immer noch Kämpfe auszufechten: die Suche nach Nahrung, die unangenehmen Annäherungsversuche des Galeriechefs, die Schwierigkeiten ihrer Mutter, sich im Pflegeheim einzuleben und dann ist da noch Bens wirklich nette Freundin Anju. Wie soll Lydia in all dem Chaos existieren? Ein moderner, feministischer Vampirroman.

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