Profilbild von Naraya

Naraya

Lesejury Star
offline

Naraya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Naraya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2025

Vielversprechender Debütroman

Morgens im Laksa Café
0

Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren ...

Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren dabei auf dem Familienschatz, einer über Generationen weitergereichten Brühe. Mit ihr zaubert Ah Hock das beste Laksa (=eine würzige, cremige Nudelsuppe) der Stadt Kuching zu. Doch in letzter Zeit will ihm der Geschmack nicht recht gelingen. Liegt es an seinem Alter oder daran, dass ihm der Streit mit seinem Sohn Wei Ming auf der Seele lastet? Der ging schon vor vielen Jahren nach Japan, um seinen eigenen Träumen als Koch zu folgen. Doch dann bringt eine Bedrohung für den Laden Vater und Sohn wieder zusammen.

„Morgens im Laksa Café“ ist der, wie ich finde, vielversprechende Debütroman der aus Malaysia stammenden Schriftstellerin Janet Tay; die Übersetzung aus dem englischen Original verfasste Susann Rehlein. Die Geschichte wird sowohl aus der Perspektive des Vaters, als auch der des Sohnes erzählt, so dass wir als Leser beide Seiten des Konflikts nachvollziehen können und spielt in den 90er Jahren. Hin und wieder gibt es auch kleine Ausflüge in die Vergangenheit, zum Beispiel in Ah Hocks Kindheit, in der er mit dem Vater aus China fliehen musste.

Was zunächst wie „eine dieser vielen Laden-Geschichten“ klingt, entwickelt im Lauf der Handlung eine für das Genre ungewöhnliche Tiefe. Denn neben den altgedienten kleinen Geschäften, die gegen modernere Konkurrenz kämpfen müssen, steht vor allem die komplizierte Beziehung zwischen Vater und Sohn im Mittelpunkt. Ah Hock liebt seinen Sohn, kann aber die eigene Erziehung und die Fluchterfahrung nicht hinter sich lassen und stößt Wei Ming mit seinen altmodischen Erwartungen immer wieder von sich. Der hingegen wünscht sich einfach nur die Freiheit, seinen eigenen Weg gehen und Dinge ausprobieren zu dürfen. Beide haben ihren eigenen Kopf und doch verbindet sie die Liebe zum Kochen und zu guten Zutaten. Gut gefallen hat mir auch Wei Mings Beziehung zu seinem Sushimeister Inamura, dessen Unterstützung ihn stark geprägt hat.

Absolute Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.12.2025

Nette Weihnachtsromance mit Schwächen

Good Spirits
0

Nolan Callahan sucht als Geist der vergangenen Weihnacht schreckliche Menschen heim, um diese dazu zu bringen, ihr Leben zu verändern. Als er in das Antiquariat von Harriet York geschickt wird, sind beide ...

Nolan Callahan sucht als Geist der vergangenen Weihnacht schreckliche Menschen heim, um diese dazu zu bringen, ihr Leben zu verändern. Als er in das Antiquariat von Harriet York geschickt wird, sind beide ratlos. Ja, Harriet mag seltsame Angewohnheiten haben, aber sie ist ein herzlicher Mensch und versucht, es allen recht zu machen. Gemeinsam reisen Nolan und sie in Harriets Vergangenheit, um dort herauszufinden, was sie beide verbindet. Doch dann kommt auf einmal alles anders und Nolans Leben steht stattdessen im Fokus.

„Good Spirits“ ist der erste Band einer neuen Reihe der Autorin B.K. Borison, in der sie dieses Mal den Boden der Tatsachen verlässt; die deutsche Übersetzung verfasste Michaela Link. Erzählt wird die Handlung abwechselnd aus der Perspektive von Harriet und Nolan, so dass wir einerseits erfahren, wie Harriet sich mit dem Weihnachtsspuk fühlt und auf der anderen Seite mit Nolan einen Blick hinter die Kulissen der Abteilung “Weihnachtsgeister“ werfen können.

Zunächst ist der Roman sicherlich eine Liebesgeschichte, die sich – wenig überraschend – zwischen einem Geist und einem Menschen entwickelt. Doch im Zentrum steht auch Harriets schwierige Beziehung zu ihrer Familie und der Wunsch, von ihnen geliebt und akzeptiert zu werden, egal für welchen Lebensweg man sich entscheidet. Mit Nolans Hilfe lernt Harriet, sich abzugrenzen und stolz auf sich selbst zu sein – was mir gut gefallen hat. Nolan selbst kämpft mit der Einsamkeit, die sein Dasein mit sich bringt und kann sich zudem kaum an sein vorheriges Leben erinnern.

Die eigentliche Liebesgeschichte konnte mich nicht völlig überzeugen. Die plötzliche Anziehung zwischen den beiden wird auf recht bequeme Weise erklärt und manches ist nicht konsequent durchdacht. Nolan ist vor mehr als 100 Jahren gestorben und kennt viele moderne Errungenschaften nicht, die „Muppets Weihnachtsgeschichte“ dann aber doch? Zudem störte mich sein ständiges „Aye“ – aber natürlich muss ein irischer Fischer so sprechen, oder? Fazit: Eine nette Weihnachtsromance, aber B.K. Borisons Lovelight-Reihe gefällt mir deutlich besser.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2025

Spannender Jugendkrimi

Very Dangerous Things - Mord nach Plan
0

Dulce Castillo besucht die J. Everett High, eine Schule, an der zukünftige Kriminologen ausgebildet werden. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Emi bildet sie im jährlichen „Mörderspiel“ ein Team. Anhand ...

Dulce Castillo besucht die J. Everett High, eine Schule, an der zukünftige Kriminologen ausgebildet werden. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Emi bildet sie im jährlichen „Mörderspiel“ ein Team. Anhand von Zeugenaussagen, Autopsieberichten und Hinweisen sollen die Schüler ein fiktives Verbrechen lösen; als Gewinn wartet eine Große Geldsumme. Doch in diesem Jahr gerät das Spiel aus dem Ruder, als das vorgesehene Opfer tatsächlich tot aufgefunden wird. Verdächtigt wird ausgerechnet Sierra, Dulces ehemalige beste Freundin, die ihr Schlimmes angetan hat. Soll sie ihr helfen, ihre Unschuld zu beweisen? Und was hat es eigentlich mit dem mysteriösen neuen Schüler Zane auf sich?

„Very Dangerous Things“ ist bereits der zweite Jugendroman von Lauren Muñoz und wurde von Svantje Volkens ins Deutsche übersetzt. Während wir uns im ersten Buch auf einer abgeschiedenen Insel befanden, wählt die Autorin in diesem das klassische Motiv eines Mörderspiels, welches schiefgeht. Überhaupt gibt es einige Anspielungen an Krimiklassiker, denn Dulces großes Vorbild ist Dorothy L. Sayers adeliger Detektiv Lord Peter Wimsey. Das liegt auch daran, dass Dulces verstorbene Mutter diesen sehr liebte und ihr Tod vor zwei Jahren immer noch Rätsel aufgibt.

Lauren Muñoz gelingt es in dieser Geschichte sehr gut, die Trauer eines jungen Mädchens mit einer spannenden Mörderjagd zu verbinden. Dabei spielen auch Eifersucht unter Freundinnen und Verliebtheit eine Rolle – man darf aber nicht vergessen, dass unsere Hauptfiguren Teenager sind, die sich nicht immer unbedingt rational verhalten. Besonders im Mittelpunkt steht Dulces Freundschaft zu Emi, die im Laufe der Handlung durch einige Hindernisse und Geheimnisse auf die Probe gestellt wird. Aber auch die Auseinandersetzung mit Sierra ist immer wieder Thema.

„Very Dangerous Things“ ist ein spannender Jugendkrimi, der auch vor schwierigen Themen nicht zurückschreckt. Der eigentliche Kriminalfall enthält eine Vielzahl unterschiedlicher Spuren, die teilweise nicht unbedingt realistisch waren. Dennoch habe ich auch Lauren Muñoz’ zweites Buch sehr gerne gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2025

Einer der besten Bände bisher

Die Spatzenmorde von Onikobe
0

Sommer, 1955. Eigentlich will Privatdetektiv Kosuke Kindaichi nur einige ruhige Tage auf dem Land verbringen, wozu er sich bewusst ein kleines Dorf mit einem Onsen, dem Schildkrötenbad, ausgesucht hat. ...

Sommer, 1955. Eigentlich will Privatdetektiv Kosuke Kindaichi nur einige ruhige Tage auf dem Land verbringen, wozu er sich bewusst ein kleines Dorf mit einem Onsen, dem Schildkrötenbad, ausgesucht hat. Doch schon bald geschehen dort furchtbare Dinge: der Dorfvorsteher verschwindet spurlos, eine Totgeglaubte wird mehrfach im Dorf gesehen und schließlich passiert der erste Mord. Kommissar Isokawa, ein alter Freund Kindaichis, vermutet sofort einen Zusammenhang zu einem über 20 Jahre alten, ungelösten Mordfall.

„Die Spatzenmorde von Onikobe“ ist bereits der fünfte, im Deutschen erschienene Band aus der Feder von Seishi Yokomizo. Die Übersetzung des ursprünglich 1957 im Original veröffentlichten Romans stammt von Ursula Gräfe. Die Handlung wird erneut von einem uns unbekannten, fiktiven auktorialen Erzähler geschildert und gibt sich so den Anschein, als würde ein guter Bekannter uns von den Vorfällen erzählen. Die Morde nehmen starken Bezug auf ein japanisches Volkslied über drei Spatzen (= drei Frauen), die getötet werden und dementsprechend ist auch der Roman gegliedert.

Im Zentrum der Vorfälle stehen drei Familien: Die Familie Yura, von Beruf Böttcher, die Nires, eine Waagenbauerfamilie und die Familie Bessho, von Beruf Schlosser. Sie stehen zueinander in Konkurrenz und wetteifern stets um den höchsten Status in Onikobe. Seit Chieko Bessho unter dem Namen Yukari Ozora eine bekannte Sängerin geworden ist und ihre Familie nun mit teuren Dingen beschenken kann, hat sich dies nur verstärkt. Etwas im Abseits bleibt dabei die Familie Aoike, die das Schildkrötenbad betreibt und deren Tochter sich vor den Blicken der Außenwelt verbirgt.

Für mich war dieser Fall Kosuke Kindaichis einer seiner besten. Der Detektiv ermittelt gewohnt zurückhaltend mit einer Kombination aus Recherchen und Gesprächen und präsentiert am Ende überraschend den Mörder. „Die Spatzenmorde von Onikobe“ sind dabei besonders spannend und bieten eine gelungene Mischung aus Folklore, Ermittlungsarbeit und komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen. Zudem gewährt die Reihe einen tollen Einblick ins Japan der 50er Jahre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.11.2025

Endlich eine Fortsetzung

Die Katze, die unsere Bücher rettete
1

Die 13-jährige Nanami verbringt ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek. Ihr alleinerziehender Vater vergräbt sich nur in der Arbeit und ist selten zuhause. Zudem ist Nanami Asthmatikerin und wird daher ...

Die 13-jährige Nanami verbringt ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek. Ihr alleinerziehender Vater vergräbt sich nur in der Arbeit und ist selten zuhause. Zudem ist Nanami Asthmatikerin und wird daher von beinahe allen um sie herum in Watte gepackt. Nur ihre beste Freundin Itsuka nimmt sie für voll und traut ihr Dinge zu. Als Nanami dann eines Tages feststellt, dass aus der Bibliothek Bücher verschwinden, muss sie einfach etwas unternehmen, auch wenn ihr niemand glauben will. Gemeinsam mit einem seltsamen Kater macht sie sich auf den Weg, die Bücher zu retten.

Mit „Die Katze, die unsere Bücher rettete“ setzt Sosuke Natsukawa seine Reihe um den magischen Kater endlich fort. Die deutsche Übersetzung verfassten Sabine Mangold und Yukiko Luginbühl. Die Handlung spielt dabei ziemlich genau 10 Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes und wir treffen somit auch Rintaro, den damaligen Protagonisten, wieder und erfahren, was aus ihm und Klassenkameradin Sayo geworden ist.

Auch in diesem Band braucht der mysteriöse Kater wieder die Hilfe eines jungen Menschen, um die Bücher vor dem Verschwinden zu retten. Mehrmals muss Nanako dabei durch die Bibliothek in eine andere Welt reisen, um einen bösen Herrscher davon zu überzeugen, die Literatur nicht auszulöschen. Diese empfindet er nämlich als gefährlich, weil sie die Menschen dazu anregt, eigene Gedanken und Vorstellungen zu entwickeln. Nanako hält stets an ihrer Liebe zu Büchern fest und beweist, dass sie stärker ist, als alle um sie herum annehmen.

„Die Katze, die unsere Bücher rettete“ hat etwas Märchenhaftes an sich: eine Heldin, die über sich hinauswächst, eine geheime Welt und einen tierischen Begleiter. Allerdings werden Konflikte hier eher durch Worte und eine bestimmte Haltung gelöst, als durch Tat oder gar Kampf, was mir gut gefallen hat. Im Prinzip kann dieser Band unabhängig vom ersten gelesen werden, wer aber den Vorgänger kennt, freut sich über ein Wiedersehen mit dem erwachsenen Rintaro, der nun zum Mentor für jemand anderen werden kann. Mit seiner Unterstützung beginnt auch für Nanako ein anderes Leben, in dem sie sich mehr zutraut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere