Vielversprechender Debütroman
Morgens im Laksa CaféJeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren ...
Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren dabei auf dem Familienschatz, einer über Generationen weitergereichten Brühe. Mit ihr zaubert Ah Hock das beste Laksa (=eine würzige, cremige Nudelsuppe) der Stadt Kuching zu. Doch in letzter Zeit will ihm der Geschmack nicht recht gelingen. Liegt es an seinem Alter oder daran, dass ihm der Streit mit seinem Sohn Wei Ming auf der Seele lastet? Der ging schon vor vielen Jahren nach Japan, um seinen eigenen Träumen als Koch zu folgen. Doch dann bringt eine Bedrohung für den Laden Vater und Sohn wieder zusammen.
„Morgens im Laksa Café“ ist der, wie ich finde, vielversprechende Debütroman der aus Malaysia stammenden Schriftstellerin Janet Tay; die Übersetzung aus dem englischen Original verfasste Susann Rehlein. Die Geschichte wird sowohl aus der Perspektive des Vaters, als auch der des Sohnes erzählt, so dass wir als Leser beide Seiten des Konflikts nachvollziehen können und spielt in den 90er Jahren. Hin und wieder gibt es auch kleine Ausflüge in die Vergangenheit, zum Beispiel in Ah Hocks Kindheit, in der er mit dem Vater aus China fliehen musste.
Was zunächst wie „eine dieser vielen Laden-Geschichten“ klingt, entwickelt im Lauf der Handlung eine für das Genre ungewöhnliche Tiefe. Denn neben den altgedienten kleinen Geschäften, die gegen modernere Konkurrenz kämpfen müssen, steht vor allem die komplizierte Beziehung zwischen Vater und Sohn im Mittelpunkt. Ah Hock liebt seinen Sohn, kann aber die eigene Erziehung und die Fluchterfahrung nicht hinter sich lassen und stößt Wei Ming mit seinen altmodischen Erwartungen immer wieder von sich. Der hingegen wünscht sich einfach nur die Freiheit, seinen eigenen Weg gehen und Dinge ausprobieren zu dürfen. Beide haben ihren eigenen Kopf und doch verbindet sie die Liebe zum Kochen und zu guten Zutaten. Gut gefallen hat mir auch Wei Mings Beziehung zu seinem Sushimeister Inamura, dessen Unterstützung ihn stark geprägt hat.
Absolute Empfehlung!