Profilbild von Naraya

Naraya

Lesejury Star
offline

Naraya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Naraya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2025

Mörderische Rätsel zu Weihnachten

Das tödliche Christmas Game
0

Eigentlich wollte Lily die Einladung ihrer Tante Liliana nicht annehmen. Diese veranstaltet zu Weihnachten ein Rätselspiel und der Gewinner soll ihr Anwesen erben. An dem hat Lily jedoch kein Interesse, ...

Eigentlich wollte Lily die Einladung ihrer Tante Liliana nicht annehmen. Diese veranstaltet zu Weihnachten ein Rätselspiel und der Gewinner soll ihr Anwesen erben. An dem hat Lily jedoch kein Interesse, da sich dort vor vielen Jahren ihre Mutter das Leben nahm. Als jedoch Liliana plötzlich stirbt, erhält Lily einen Brief von der alten Dame, die ihren Tod vorausgeahnt hat. Im „Christmas Game“ kann ihre Nichte nicht nur das Haus erben, sondern sie wird auch erfahren, was wirklich mit ihrer Mutter geschehen ist. Lily muss unbedingt die Wahrheit herausfinden und nimmt daher an dem Spiel teil, das sich bald als tödlich herausstellt.

„Das tödliche Christmas Game“ ist bereits der dritte, auf Deutsch veröffentlichte Weihnachtskrimi der britischen Schriftstellerin Alexandra Benedict; die Übersetzung stammt von Elisabeth Schmalen. Die Handlung erstreckt sich auf die „Twelve Days of Christmas“, also vom 25.12. bis zum 5.11., wobei am 24.12. schon alle Gäste in Endgame House eintreffen. Erzählt wird aus der Perspektive von Lily, so dass wir als Leser selbst immer nur so viel wissen, wie sie selbst. Außerdem gibt es auch für uns etwas zum Miträtseln, denn im Text sind verschiedene Worte / Titel versteckt.

Die Teilnehmer am „Christmas Game“ repräsentieren die Dysfunktionalität der gesamten Familie. Neben Lily sind da noch ihre Cousins und Cousinen: die Geschwister Sara und Gray (die Kinder von Tante Liliana) sowie auf der Seite von Lilianas Bruder Edward Thomas, Ronnie und Rachel. Vor allem zu Sara hat Lily ein schwieriges Verhältnis, da sie nach dem Tod ihrer Mutter von Liliana adoptiert und als Liebling angesehen wurde. Aber auch die anderen Familienmitglieder haben ein kompliziertes Verhältnis zu ihren Eltern, ihren Partnern oder auch sich selbst. All diese Konflikte und die Konkurrenz entwickeln während des Rätselspiels eine explosive Dynamik.

„Das tödliche Christmas Game“ hat alles, was ich in einem Krimi gerne lese: Rätsel, ein verwinkeltes Herrenhaus, eine komplexe Familienstruktur und schließlich werden alle vom Schneefall eingeschlossen. Meine Vorahnung bezüglich des Täters hat sich zwar erfüllt, das nahm für mich aber keinesfalls den Lesespaß.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2025

Found Family und ein wenig Action

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
0

Sera Swan gehörte zu den mächtigsten Hexen Englands, doch als sie vor 15 Jahren ihre Kräfte nutzte, um ihre Großtante Jasmine (und aus Versehen Hahn Roo-Roo) von den Toten auferstehen zu lassen, verlor ...

Sera Swan gehörte zu den mächtigsten Hexen Englands, doch als sie vor 15 Jahren ihre Kräfte nutzte, um ihre Großtante Jasmine (und aus Versehen Hahn Roo-Roo) von den Toten auferstehen zu lassen, verlor sie dabei fast all ihre Magie. Ihre Zeit in der Hexengilde ist damit vorüber und so führt Sera nun eine kleine Pension, die zur Zuflucht für eine Hand voll Menschen geworden ist. Als eine Tages der Historiker Luke mit seiner autistischen Schwester Posy im „Batty Hole Inn“ auftaucht, sieht Sera eine Chance, ihre Kräfte zurückzubekommen – doch welchen Preis wird sie dafür bezahlen?

„Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste“ ist der zweite Roman der Autorin Sangu Mandanna und wurde, wie auch ihr erstes Buch, von Wolfgang Thon ins Deutsche übersetzt. Der Titel ist – meiner Meinung nach – nicht gut gelungen, denn tatsächlich hat Sera in ihrer Pension mehr nicht-magische, als magische Gäste; zumindest bis zum Auftauchen von Luke. Und auch in anderen Aspekten wirkt die Übersetzung unpräzise. Redewendungen werden wörtlich wiedergegeben, obwohl die deutsche Entsprechung anders lauten würde und was „ganzheitliche Videospiele“ sein sollen, das wüsste ich als Gamerin gerne. (Vermutlich steht im Original „wholesome“, aber das bedeutet hier eben nicht „ganzheitlich“.)

Der zentrale Punkt der Handlung ist die Gemeinschaft aus Außenseitern, die sich in der Pension zusammengefunden hat. Hier kann jeder sein, wie er ist und wird dafür nicht verurteilt. Matilda beispielsweise ist laut, eigensinnig und heimlich in Jasmine verliebt. Nicholas spielt einen Ritter auf Mittelalterfesten und legt seine Rolle auch nach Feierabend nicht ab. Seras kleiner Neffe Theo wohnt bei ihr, weil seine Eltern mit seinen magischen Fähigkeiten nicht umgehen können. Alles in allem also ein perfekter Ort für Posy, das muss auch Luke zähneknirschend zugeben.

Die Ereignisse um Seras Magie hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber sie funktionieren natürlich als Motor, damit die Figuren erkennen, was ihnen im Leben am wichtigsten ist. Eine schöne, über weite Strecken sehr gemütliche Found Family-Geschichte mit ein wenig magischer Action.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2025

Morde in den malerischen Cotswolds

Das Geheimnis der weißen Weihnacht
0

Es ist kurz vor Weihnachten und die berühmte Psychiaterin und Hobby-Detektivin Mrs Beatrice Adela Lestrange Bradley beschließt, die Feiertage bei ihrem Neffen Jonathan und seiner frisch angetrauten Ehefrau ...

Es ist kurz vor Weihnachten und die berühmte Psychiaterin und Hobby-Detektivin Mrs Beatrice Adela Lestrange Bradley beschließt, die Feiertage bei ihrem Neffen Jonathan und seiner frisch angetrauten Ehefrau Deborah in den Cotswolds zu verbringen. Da er der örtliche Friedensrichter ist und außerdem ein Anwesen besitzt, sieht er sich verpflichtet, auch einige Personen aus dem Dorf einzuladen. Als die Feiertage überstanden sind und das Haus sich endlich wieder leert, könnte alles ganz friedlich sein – bis Jonathan draußen im Schnee eine Leiche entdeckt.

„Das Geheimnis der weißen Weihnacht“ ist bereits der 23. Band der Reihe um die eigenwillige Mrs Bradley und ihre Fälle. Leider wurden über die Jahrzehnte hinweg nur wenige Bände übersetzt; diesen, und auch den bereits erschienenen 7. Band „Geheimnis am Weihnachtsabend“, übertrug Dorothee Merkel für die Cozy Crime-Reihe von Klett-Cotta ins Deutsche. So fehlt uns natürlich der Hintergrund, wie die Protagonistin eigentlich zu ihrer Karriere als Amateurschnüfflerin kam – das tut dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch.

Wenn man ehrlich ist, spielen die Weihnachtsfeiertage nur eine Rolle als Hintergrundkulisse, denn die erste Leiche wird erst später entdeckt. Dafür erleben wir ein klassisches Dorf mit viel Gerede, Feindschaften und sogar anonymen Schmähbriefen. Mittendrin befindet sich Mrs Bradley; sie wird entweder als harmlos wahrgenommen, weshalb man ihr alle möglichen Geheimnisse erzählt, oder als eine Bedrohung, weil sie ihre Nase in alles hineinsteckt. Da muss Chauffeur George sie schon mal mit dem Gewehr beschützen.

An der eigentlichen Kriminalhandlung hat mir vor allem gefallen, dass sie realistisch abläuft. Hier wird der Fall nicht in Rekordzeit geknackt, sondern es benötigt mehrere Monate und selbst, als schon lange klar ist, wer die Morde begangen hat, muss das erst einmal bewiesen werden. Dazu noch eine sympathische, wenn auch verschrobene Ermittlerin, zahlreiche Verwicklungen und eine tolle Atmosphäre in den malerischen Cotswolds – was will man mehr? Wenn nur endlich jemand der Reihe eine komplette deutsche Übersetzung schenken würde; sie hätte es verdient!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2025

Weibliche Solidarität

Plant Lady
0

Yu-hee hat ihren frustrierenden Bürojob hinter sich gelassen. Da sie nichts mehr liebt, als Pflanzen, ist es nur konsequent, dass sie daraufhin einen eigenen Laden eröffnet, den sie schlicht „Pflanzen-Shop“ ...

Yu-hee hat ihren frustrierenden Bürojob hinter sich gelassen. Da sie nichts mehr liebt, als Pflanzen, ist es nur konsequent, dass sie daraufhin einen eigenen Laden eröffnet, den sie schlicht „Pflanzen-Shop“ nennt. Als Yu-hee und ein Kunde sich näher kommen, nimmt das Schicksal seinen Lauf: als er übergriffig wird, tötet sie ihn und von nun an scheint sich alles zu verselbstständigen. Immer mehr Frauen, die von Männern gequält werden, finden sich in Yu-hees Laden ein. Und sie hilft ihnen, auf sehr gründliche Weise.

„Plant Lady“ ist der erste, in deutscher Sprache erschienene Roman der Autorin und Chefredakteurin eines Filmmagazins Minyoung Kang. Die deutsche Übersetzung stammt von Kyong-Hae Flügel, die auch schon Werke von Han Kang, Un-su Kim oder Mi-ye übertrug. Der Roman wird hauptsächlich aus der Perspektive von Yu-hee erzählt, springt aber auch zu verschiedenen Nebenfiguren, wenn etwas wiedergegeben werden soll, das sich an einem anderen Ort ereignet hat. Der Stil ist recht nüchtern und steht damit im Gegensatz zu den Themen der Geschichte.

Rein zufällig etabliert sich Yu-hee in ihrem Viertel als Problembeseitigerin. Sei es ein Vater, der seine Tochter schlägt, ein Krimineller, der seine Nachbarin verfolgt oder eine ganze Gruppe von Männern, die in einer Chatgruppe heimlich anzügliche Bilder von Kolleginnen austauschen. Yu-hee ist solidarisch mit den Frauen, die zu ihr kommen, tröstet und kümmert sich um das Problem. Oft schenkt sie ihnen auch eine Pflanze, denn die scheinen ihre Sprache zu sein.

„Plant Lady“ ist ein feministisches Gedankenspiel über die Frage, was passieren würde, wenn Frauen plötzlich zurückschlagen. Und obwohl wir nach und nach etwas über Yu-hees Vergangenheit erfahren, blieb sie mir doch sehr fremd. Nicht, weil ich ihre Motivation nicht verstehen könnte, sondern weil ich abseits davon gar nicht weiß, was für ein Mensch sie ist. Was macht sie, wenn sie nicht im Laden ist? Was mag sie noch außer Pflanzen? Hat sie Freunde? Wer empfindlich auf manche Themen reagiert, sollte hier vielleicht aufpassen; es werden beispielsweise auch Tiere gequält.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2025

Spannender Ausflug in die Welt der Kryptowährung

Bis zum Mond
0

Eun-song, Ji-song und Da-hae sind Freundinnen, seit sie am gleichen Tag ihre Arbeit bei einem der führenden Snack-Hersteller Koreas aufgenommen haben. Da sie aber nicht von einer Eliteuniversität oder ...

Eun-song, Ji-song und Da-hae sind Freundinnen, seit sie am gleichen Tag ihre Arbeit bei einem der führenden Snack-Hersteller Koreas aufgenommen haben. Da sie aber nicht von einer Eliteuniversität oder aus einem der Programme des Unternehmens rekrutiert wurden, steckt ihre Karriere fest – ohne die Chance, jemals weiter aufzusteigen. Da erzählt Eun-song eines Tages, dass sie digitale Währungen für sich entdeckt und begonnen hat, in Ethereum zu investieren. Ji-song und Da-hae reagieren ablehnend, doch Eun-songs Gewinn wächst vor ihren Augen. Kann das wirklich der Ausweg aus ihrem begrenzten Leben sein?

„Bis zum Mond“ ist der erste, auf Deutsch erschienene Roman der südkoreanischen Autorin Jang Ryujin. Sie war 7 Jahre in der IT-Branche tätig, bevor sie sich Vollzeit dem Schreiben widmete. Die deutsche Übersetzung verfasste Jan Henrik Dirks. Die Geschichte spielt im Jahr 2017 und umfasst knapp 1,5 Jahre. Erzählt wird aus der Perspektive von Da-hae, die im Kreis der Freundinnen eine eher vermittelnde Position hat. Während Eun-song die Mutige ist, die sich in die neue Investition stürzt, lehnt Ji-song dieses „virtuelle Geld“ rigoros ab. Da-hae ist neugierig, will aber auch ihr hart erarbeitetes Vermögen nicht aufs Spiel setzen.

Im Zentrum des Romans steht das Thema der Klasse. Für die drei Freundinnen gibt es kaum eine Möglichkeit, ihr begrenztes Leben zu verlassen, eine größere Wohnung zu mieten oder gar ein Auto zu kaufen. Sie sind nicht wirklich arm, aber bei Weitem auch nicht reich. Eine Ausflucht wäre eigentlich nur eine Heirat, was für keine der drei so richtig in Frage kommt. Kryptowährung bietet Ihnen die Chance, endlich zu Geld zu kommen, doch sehen sich die drei auch Streitereien, fallenden Kursen und moralischen Dilemmas gegenüber. Ist es eigentlich anständig, mit „so etwas“ sein Geld zu verdienen?

„Bis zum Mond“ war mein erster Roman, der sich mit virtuellen Währungen beschäftigt und mir gefällt besonders gut, dass alle drei Protagonistinnen Frauen sind, für die das Geld auch Emanzipation bedeutet. Dennoch gelingt es der Autorin gut, auch die Schattenseiten solcher Investitionen zu beleuchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere