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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2018

Den Zeugen eine Stimme geben

Deutsches Haus
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Frankfurt 1963 Eva Bruhns lebt gemeinsam mit ihrer Familie in Frankfurt, wo ihre Eltern die Gaststätte „Deutsches Haus“ bewirtschaften. Eva ist gelernte Dolmetscherin. Überraschend erhält sie am Adventssonntag ...

Frankfurt 1963 Eva Bruhns lebt gemeinsam mit ihrer Familie in Frankfurt, wo ihre Eltern die Gaststätte „Deutsches Haus“ bewirtschaften. Eva ist gelernte Dolmetscherin. Überraschend erhält sie am Adventssonntag einen neuen Auftrag, da der vorgesehene Dolmetscher keine Ausreise erhalten hat. Sie soll bei einem Prozess gegen ehemalige Kriegsverbrecher, die alle im Lager Auschwitz gedient hatten, die Zeugenaussagen übersetzen. Als sie ihren Eltern und ihrem Verlobten Jürgen davon erzählt, stößt sie auf Widerstand. Doch je mehr sich ihre Familie und Jürgen dagegen ausspricht, desto stärker ist ihr Wille bei dem Prozess zu dolmetschen. Ihr Wunsch ist es, den Zeugen eine Stimme zu geben.

Die Autorin Annette Hess hat ein bewegendes Buch geschrieben, gekonnt hat sie Fiktion und Fakten verwoben, teilweise durch Originalzitate und Aussagen untermauert. Neben den traumatischen Erlebnissen der Zeugen, die schilderten wie Auschwitz gewesen ist, entstand auch ein gut gezeichnetes Bild der Deutschen während der 60er Jahre. Über die Hälfte der Deutschen war damals gegen die Kriegsverbrecherprozesse. Sie wollten verdrängen und nicht mehr erinnert werden an ihre Erlebnisse während der Kriegszeit, egal ob sie Opfer, Täter oder Mitläufer waren.

Ein lesenswertes Buch, welches zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 08.10.2018

Perfekte Mischung

Tod am Taj Mahal
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Die deutsche Hydro-Ingenieurin Cora Remy hat beruflich in Nepal zu tun, als sie einen Anruf ihres Freundes und ehemaligen indischen Kommilitonen Ganesh erreicht. Er bittet sie, sich kurzfristig mit ihm ...

Die deutsche Hydro-Ingenieurin Cora Remy hat beruflich in Nepal zu tun, als sie einen Anruf ihres Freundes und ehemaligen indischen Kommilitonen Ganesh erreicht. Er bittet sie, sich kurzfristig mit ihm in Delhi zu treffen. Ganesh erzählt, dass es vordergründig darum geht, dass der Taj Mahal einstürzt und dieses verhindert werden muss und er einer Sache auf der Spur sei, über die er aber am Telefon nicht sprechen kann. Als Cora am Flughafen ankommt, wird sie nicht wie geplant von ihm erwartet, sondern Anshu ein Freund von Ganesh nimmt sie in Empfang. Anshu ist sehr in Sorge um seinen Freund, denn der ist spurlos verschwunden. Ganesh wurde bedroht und hat sich in die kriminellen Machenschaften der Sandmafia eingemischt. Die Jagd nach Ganesh und der Sandmafia führt Cora vom Taj Mahal quer durch das exotische Indien.

Der Autor hat mich mitgenommen auf eine spannende Reise durch Indien und mich auf das Thema Sand aufmerksam gemacht, welches mir bisher nicht so bewusst war, denn Sand ist nicht gleich Sand. Geschickt hat er Informationen über Land und Leute bis hin zur faszinierenden Götterwelt der Inder mit den Abenteuern von Cora verwoben.

Das lesenswerte Buch zeichnet sich durch eine perfekte Mischung zwischen einer spannenden Geschichte und wissenswerten Fakten aus.

Veröffentlicht am 05.10.2018

Die Suche nach der Wahrheit

Die vergessene Burg
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In ihrem neuen historischen Roman nimmt Susanne Goga den Leser mit auf eine Zeitreise an den Rhein. Es ist das Jahr 1868.

Paula Cooper wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter in London auf. Seit vielen ...

In ihrem neuen historischen Roman nimmt Susanne Goga den Leser mit auf eine Zeitreise an den Rhein. Es ist das Jahr 1868.

Paula Cooper wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter in London auf. Seit vielen Jahren lebt Paula nun schon auf dem Lande bei ihrer kränklichen Cousine, die sie pflegt und als Gesellschafterin zur Seite steht. Ein unerwarteter Brief aus Deutschland bringt Bewegung in ihr bisheriges Leben. Ihr Onkel Rudy, der Bruder ihres Vaters, lädt sie ein, nach Bonn am Rhein zu kommen. Ihre Mutter und ihre Cousine wollen sie davon abbringen, diese Reise zu unternehmen. Da Paula von ihrer Mutter wenig über ihren Vater erzählt bekam und sie ihren Onkel nicht kennt, hofft sie von ihm mehr über seinen Bruder und ihren Vater zu erfahren. Als sie durch Zufall herausfindet, dass ihr Vater für tot erklärt wurde und die Grabstätte auf dem Friedhof leer ist, hält sie nichts mehr in England und sie bricht gegen den Widerstand ihrer Mutter auf, um mehr über das Schicksal ihres Vaters zu erfahren.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen, dank des angenehmen Schreibstils lässt es sich flüssig lesen, so dass die Seiten nur dahin flogen. Man begleitet Paula gespannt auf ihrer Suche. Die Beschreibungen vom Rhein mit seinen unterschiedlichen Orten und Sehenswürdigkeiten sind historisch detailliert und lebendig, so dass man sich in die damalige Zeit hinein versetzen konnte und mein Kopfkino in Gang gesetzt wurde.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und in Szene gesetzt. Sie wirken lebendig und authentisch für die damalige Zeit. Besonders sympathisch empfand ich die Protagonistin Paula, man erlebt ihre Veränderung. Zu Beginn sehr zurückhaltend und ängstlich, im Laufe des Romans entwickelt sie, sich zu einer selbstbewussten, eigenständigen Person.

Ich habe Paula gern auf ihrer Suche nach der Wahrheit begleitet und kann deshalb diesen historischen Roman nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 01.10.2018

Spannende Suche nach dem Täter

Quittengrab
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Im Züricher Schauspielhaus findet die Lesung des jüdischen Autors Dan Weisz statt. Es ist sein erster Thriller, um dessen Werk ein großer Medienrummel stattfindet, denn die ersten Bücher dürfen erst nach ...

Im Züricher Schauspielhaus findet die Lesung des jüdischen Autors Dan Weisz statt. Es ist sein erster Thriller, um dessen Werk ein großer Medienrummel stattfindet, denn die ersten Bücher dürfen erst nach der Lesung verkauft werden. Zeitgleich wird in einer Liveübertragung die Vorstellung auch in London verfolgt, wo Dan Weisz eigentlich lebt. Der Autor zieht seine Zuhörer in den Bann. Plötzlich knallt ein Pistolenschuss und Dan Weisz bricht auf seinem Stuhl zusammen, eine Blutlache breitet sich aus und das Scheinwerferlicht erlischt. Doch als der Scheinwerfer wieder aufflammt, steht der Autor da. Die Zuschauer sind einer Sinnestäuschung auf dem Leim gegangen. Doch in der Pause wird Dan Weisz niedergestochen in der Toilette aufgefunden. Commissario Werner Meier, der sich im Schauspielhaus aufgehalten hat, übernimmt die ersten Ermittlungen. Handelt es sich hier um einen Terroranschlag oder war es eine persönliche Attacke? Fieberhaft versucht die Polizei den Täter zu fassen bis ein grausiger Fund in die Vergangenheit führt.

Dieser Krimi lebt von vielen Schauplätzen und Protagonisten, wobei ein Personenregister im Buch sinnvoll wäre. Die Geschichte ist sehr dicht geschrieben und anfangs erhält man eine Menge an Informationen. Die ständigen Szenenwechsel erhöhen die Spannung, machen es aber zu Beginn nicht einfach Zusammenhänge zu erkennen, so dass ich sehr konzentriert lesen musste. Als ich dann den Überblick hatte, war es ein angenehmes Lesevergnügen.

Die Autorin beschreibt die Personen und Örtlichkeiten sehr detailliert, ohne allzu viel auszuschmücken, so dass ein Kopfkino vor meinem inneren Auge entstand. Unterschiedliche Puzzleteilchen entstehen, die am Schluss zusammengefügt werden, mich aber doch noch mit einer nichtvorhersehbaren Wendung überraschen konnte.
Eine Leseempfehlung für alle, die nicht einen der üblichen 08/15 Krimis lesen möchten.

Veröffentlicht am 24.09.2018

Einblicke in eine unbekannte Welt

Stern des Nordens
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Die in Amerika lebende Jenna Williams, Tochter eines Afroamerikaners und einer koreanischen Mutter, hat vor zwölf Jahren ihre Zwillingsschwester Soo-min verloren. Sie verschwand spurlos an einem Strand ...

Die in Amerika lebende Jenna Williams, Tochter eines Afroamerikaners und einer koreanischen Mutter, hat vor zwölf Jahren ihre Zwillingsschwester Soo-min verloren. Sie verschwand spurlos an einem Strand in Südkorea. Jenna leidet an Albträumen, da sie den Verlust ihrer Schwester noch nicht überwunden hat.
Einem Tag nach dem eine Rakete zu Testzwecken von Nordkorea gestartet ist, versucht der CIA-Agent Charles Fisk sie als Agentin zu rekrutieren. Da Jenna zweisprachig aufgewachsen ist, bietet sie beste Voraussetzungen mit ihm gemeinsam an einer Geheimoperation zu arbeiten, gleichzeitig verschafft er ihr die Chance, mehr über das Verschwinden ihrer Zwillingsschwester zu erfahren.

Die Bäuerin Moon lebt in der nordkoreanischen Provinz. Bei der Pilzsuche sieht sie einen seltsamen Ballon vom Himmel herunter gleiten. Festgemacht ist ein Paket mit Wollsocken, Feuerzeugen, Taschenlampe und einem Paket Keksen, die in Südkorea hergestellt wurden. Um zu überleben, verkauft sie die Gegenstände auf dem Markt und baut sich einen kleinen Handel auf.

In Pjöngjang lebt der Parteifunktionär Cho. Als er auf eine höhere Ebene befördert wird, beginnt eine gründliche Untersuchung seiner Klassenherkunft, denn die muss makellos sein. Da er als Kind adoptiert wurde, weiß er nichts über seine wirkliche Abstammung. Doch was dann ans Licht kommt, lässt den treuen Anhänger von Kim Jon-ils alles in Frage stellen, woran er geglaubt hat. Als er Jenna Williams kennenlernt, werden ungeahnte Ereignisse in Gang gesetzt.

Der Thriller hat mir Einblicke in eine erschütternde, unbekannte Welt gegeben, über die ich wenig wusste. Die Geschichte wird durch drei unterschiedliche Handlungsstränge erzählt, die sich auf einander zu bewegen. Geschickt schafft es der Autor das Schicksal der drei Protagonisten, die durch ihre Herkunft mit Nordkorea verbunden sind, zu verflechten. Das Buch lässt sich flüssig lesen, wobei die koreanischen Namen zu Beginn etwas ungewohnt waren und ich beim Lesen etwas ins Holpern gekommen bin, doch dieses hat sich nach einigen Seiten gegeben. Der Autor hat gut recherchiert und viele grausame sowie brutale Begebenheiten, die tatsächlich in Nordkorea passieren, mit einfließen lassen. Sehr empfehlenswert hierzu auch das Nachwort.

Mich hat dieser spannende Thriller hervorragend unterhalten und gleichzeitig habe ich etwas über das total abgeschottete Land Nordkorea dazu gelernt. Oft erschütternd, aber absolut lesenswert.