Vergangenheit und Gegenwart – eine untrennbare Einheit
Marlenes GeheimnisIn ihrem neuen Roman „Marlenes Geheimnis“ erzählt Brigitte Riebe die sehr emotionale Geschichte der Familie Menzel/Auberlin auf zwei Zeitebenen.
Nane und ihre Mutter Vicky sind nach Rickenbach an den ...
In ihrem neuen Roman „Marlenes Geheimnis“ erzählt Brigitte Riebe die sehr emotionale Geschichte der Familie Menzel/Auberlin auf zwei Zeitebenen.
Nane und ihre Mutter Vicky sind nach Rickenbach an den Bodensee gekommen, um von der verstorbenen Eva Abschied zu nehmen. Hier führt Evas Tochter Marlene die gutgehende Schnapsbrennerei weiter. Das Verhältnis von Marlene und ihrer Halbschwester Vicky ist nicht das Beste. Marlene wurde geprägt durch die Flucht mit ihrer Mutter und Vicky hat es als Nachzüglerin nicht ganz einfach gehabt. Ihre Großmutter Eva hat Nane ein Notizbuch hinterlassen, in dem sie ihre Geschichte aufgeschrieben hat.
Die Erzählung von Eva beginnt im Jahr 1938 in dem Ort Reichenberg, dem heutigen Liberec in Tschechien. Das Gebiet wird von Deutschen besetzt und es erfolgt ein Attentat auf Reinhard Heydrich. Aus Rache wurde ein ganzes Dorf zerstört. Nach Kriegsende töteten die Tschechen im Gegenzug viele Sudetendeutsche. Als die Russen einmarschierten kamen die Deutschen in ein Lager, so auch Eva. Über Umwege erreicht Eva dann den kleinen Ort Rickenbach am Bodensee.
Ich mochte einfach alles an diesem Buch. Geschickt hat Brigitte Riebe zwei Erzählstränge wunderbar verwoben und auch historische Ereignisse mit einfließen lassen. Man merkt hierbei auch die gute Recherche. Bei Büchern, die auf verschiedenen Zeitebenen erzählt werden, habe ich meistens eine Ebene bevorzugt, aber hier gefallen mir beide gleich gut. Ich habe mit gefiebert, war aufgewühlt und war immer gespannt darauf wie sich die Geschichten weiterentwickeln. Geheimnisse wurden gelüftet und von bemerkenswerten Wendungen wurde ich überrascht. Es gab für mich keine Längen, die Landschaftsbeschreibungen waren wunderbar, alles wirkte sehr lebendig und die Sprache war perfekt. Einige eingestreute Dialektszenen verliehen dem Ganzen Authentizität. Man merkt, dass die Autorin viel Herzblut in dieses Buch gesteckt hat.
Der Roman hat mir wunderbar unterhaltsame, spannende und nachdenkliche Lesestunden beschert. Es beweist, dass Vergangenheit und Gegenwart eine untrennbare Einheit bilden. Für mich ein wirklich empfehlenswertes Lesehighlight 2017.