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Nelchen77

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2017

Das Werk einer sehr bedachten Erzählerin

Betrunkene Bäume
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Erich, ein Wissenschaftler mit einer besonderen Beziehung zu Bäumen, ist über achtzig. Langsam aber sicher verliert er mit dem Seh- und Bewegungsvermögen seine Unabhängigkeit. Durch Zufall trifft er auf ...

Erich, ein Wissenschaftler mit einer besonderen Beziehung zu Bäumen, ist über achtzig. Langsam aber sicher verliert er mit dem Seh- und Bewegungsvermögen seine Unabhängigkeit. Durch Zufall trifft er auf Katharina, ein junges Mädchen, das im Gegensatz dazu gerade erst ins Leben drängt und versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Nachdem sie von zu Hause ausgerissen ist, gerät sie an Hugo, einen sehr unangenehmen Zeitgenossen. Trotz ihrer Verschiedenartigkeit haben Erich und Katharina vieles gemeinsam. Beide sind aufgrund eigener Entscheidungen relativ alleine. Von den Menschen, die ihnen nahe stehen, fühlen sie sich unverstanden und wenden sich bewusst ab. Erich von seiner Tochter, Katharina von ihrer Mutter. Zugleich verbindet sie die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen in Sibirien. Beides sind starke Persönlichkeiten, wodurch sie eine besondere gemeinsame Ebene finden.

Normalerweise achte ich nicht sehr auf das Cover eines Buches. Hier möchte ich betonen, dass dieses sehr gelungen ist. Was man auf einem Bild nicht sieht, ist das besondere Papier des Schutzumschlages und das lackartige Relief der Schrift. Auf den ersten Seiten war ich völlig überwältigt von der besonderen, gewählten Sprache. Kein Wort wirkt zufällig. Die Autorin hält sich auch nicht mit Äußerlichkeiten auf, sondern dringt direkt zum Wesentlichen, den Gefühlen ihrer Figuren vor, die sie sehr eindrücklich beschreibt. Phasenweise plätschert die Handlung ein wenig dahin. Die Stimmung könnte bedrückend sein, doch durch die Stärke der Protagonisten bleibt der Blick nach vorne gerichtet und es gibt einige Stellen, an denen man schmunzeln kann. Für mich ist dies insgesamt ein sehr schönes Buch und ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin.

Veröffentlicht am 03.02.2017

Sterbebegleitung - unaufgeregt und echt

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
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Susann Pásztor lässt in diesem Buch drei Personen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Fred, ein alleinerziehender Vater, der nicht unbedingt auf Menschen zugeht, wird ehrenamtlicher ...

Susann Pásztor lässt in diesem Buch drei Personen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Fred, ein alleinerziehender Vater, der nicht unbedingt auf Menschen zugeht, wird ehrenamtlicher Sterbebegleiter und trifft bei der ersten Begleitung auf die kühle, eher abweisende Karla. Er ist unsicher, manchmal naiv, aber auch sehr hartnäckig. Sein Sohn Phil, der auf seine eigene Art sehr speziell ist, wird in das Geschehen verwickelt, weil er Karlas Fotos archivieren soll.

Wenn man die Handlung betrachtet, passiert in diesem Buch relativ wenig und gleichzeitig so unendlich viel. Die Personen entwickeln sich, beeinflussen sich gegenseitig, wachsen an der schwierigen und für alle neuen Situation. Laut Klappentext arbeitet die Autorin selbst als Sterbebegleiterin und ich habe den Eindruck, dass das in jeder Zeile spürbar ist. Die Geschehnisse sind für mich trotz der eigenwilligen Charaktere sehr glaubwürdig. Ich kann mir vorstellen, dass in dieser Situation alles auf das Wesentliche reduziert wird. Obwohl mir keine der Figuren wirklich nahe kommt, gibt es Momente, die mir nahe gehen und mich berühren. Die respektvolle Distanz und gleichzeitige Nähe, die bei solch einer Begleitung vermutlich herrscht, spüre auch ich vor allem Karla gegenüber. Die Konflikte zwischen Phil und seiner Mutter sowie Karla und ihrer Schwester werden angesprochen, spielen aber keine große Rolle. Einiges bleibt am Ende auch einfach offen und ungeklärt.

Mir hat das Buch gut gefallen. Am Schluss wird auch der Titel plötzlich ganz klar und hätte nicht besser gewählt werden können.

Veröffentlicht am 22.01.2017

Nichts zu lachen

Esst euer Eis auf, sonst gibt's keine Pommes
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Katja Zimmermann wird bereits vor der Geburt vom Vater ihrer Zwillinge verlassen. Fortan muss sie ihr Leben alleine meistern, was sie mit einer großen Portion Pragmatismus auch schafft. Nach zwölf Jahren ...

Katja Zimmermann wird bereits vor der Geburt vom Vater ihrer Zwillinge verlassen. Fortan muss sie ihr Leben alleine meistern, was sie mit einer großen Portion Pragmatismus auch schafft. Nach zwölf Jahren wirft sie einen Blick zurück und schildert, wie das Leben als Alleinerziehende aussehen kann. Immer wieder lässt sie auch andere Alleinerziehende verschiedener Altersgruppen zu Wort kommen.

Aufgrund des Titels, des Covers und des ersten Satzes („Ich liebe mein Leben“) hatte ich den Bericht einer Frau erwartet, die mit sich und der Welt im Reinen ist, die tatsächlich mit der sicher oft schwierigen Situation klarkommt und eine positive Grundstimmung/Einstellung aufweist. Zudem habe ich die eine oder andere amüsante Beschreibung oder Erzählung erwartet. Das habe ich leider nicht vorgefunden. Die Autorin gibt einen sehr ehrlichen und tiefen Einblick in das Leben als Alleinerziehende. In den ersten Kapiteln hatte ich jedoch den Eindruck, dass sie sich das Leben einer „Normalfamilie“ sehr idealisiert und grundsätzlich einfacher vorstellt. Hier hätte ich mir eine wertungsfreie, offenere Haltung gewünscht. Im weiteren Verlauf folgt in kurzen Kapiteln eine Aneinanderreihung relativ nüchtern und kühl geschilderter Situationen und Themen. Das Buch zeigt sehr gut, wie schwer es Alleinerziehende in vielen Bereichen haben und ich habe Respekt vor dem, was diese Mütter/Väter leisten. Den Eingangssatz spiegelt das Buch für mich leider nicht wider und auch die absurd-komischen Momente habe ich vermisst.

Veröffentlicht am 19.01.2017

Die Gefühle kochen über

Taste of Love - Geheimzutat Liebe
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Andrew ist ein bekannter und sehr erfolgreicher Koch in Boston, der jedoch durch die äußeren Umstände und den zunehmenden Druck langsam die Lust am Kochen verliert. Er beschließt, eine Auszeit zu nehmen ...

Andrew ist ein bekannter und sehr erfolgreicher Koch in Boston, der jedoch durch die äußeren Umstände und den zunehmenden Druck langsam die Lust am Kochen verliert. Er beschließt, eine Auszeit zu nehmen und reist nach Maine, wo er schicksalhafterweise auf Brooke trifft, die das kleine Restaurant ihrer Familie führt und sich gerade über Wasser halten kann. Zwischen beiden knistert es. Andrew beschließt, Brooke zu helfen, verpasst aber die richtige Gelegenheit, ihr zu sagen, dass er ein berühmter Starkoch ist...

Ich war bereits nach den ersten Seiten komplett in der Geschichte versunken, da ich Andrews Gefühle komplett nachvollziehen konnte. Das Zusammentreffen mit Brooke sprühte dann gleich vor ideenreichen und unterhaltsamen Dialogen, die sich durch das gesamte Buch ziehen. Die Charaktere sind sehr glaubhaft und sympathisch. Im Gegensatz zu anderen Romanen dieses Genres ist die Handlung nicht komplett vorhersehbar und oberflächlich, der Schreibstil sehr schön und mitreißend. Für einen Liebesroman weist das Buch durchaus Tiefe auf. Es erinnert mich an vielen Stellen, nicht nur durch den Ort der Handlung, an die Geschichten von Janet Evanovich und anderen amerikanischen Autorinnen.

Ein schöner Liebesroman und eine angenehme, leichte Unterhaltung für Zwischendurch.

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Veröffentlicht am 19.01.2017

Gehen oder bleiben - die letzte Entscheidung

Solange ich in deinem Herzen bin
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S.D. Robertson lässt seinen Protagonisten Will in diesem Roman einen schwierigen Kampf mit sich selbst austragen. Soll er nach seinem plötzlichen Tod als Seele auf der Erde bleiben, um für seine Tochter ...

S.D. Robertson lässt seinen Protagonisten Will in diesem Roman einen schwierigen Kampf mit sich selbst austragen. Soll er nach seinem plötzlichen Tod als Seele auf der Erde bleiben, um für seine Tochter Ella da zu sein oder soll er auf die andere Seite weitergehen. Nach dem Tod seiner Frau hatte er seiner Tochter versprochen, immer für sie da zu sein. Er schafft es tatsächlich, zu ihr durchzudringen, aber ist dieses ungewöhnliche Zusammensein die richtige Lösung für die Zukunft?

Jeden, der selbst Kinder hat, wird diese Geschichte unweigerlich berühren. Will´s Zwiespalt und seine Verzweiflung werden sehr erlebbar dargestellt. Obwohl oder gerade weil sehr viele Fragen aufkommen und erstmal unbeantwortet bleiben, empfand ich die erste Hälfte des Buches etwas langatmig. In der zweiten Hälfte kommt dann eine leichte Spannung auf und man möchte wissen, wie die Geschichte zu Ende geht, wobei dieses für mich in großen Teilen vorhersehbar war. In der zweiten Hälfte häufen sich zudem die Schicksalsschläge, menschliche Schwächen werden aufgezeigt und die Nebenfiguren erhalten mehr Raum. Ich finde die Idee zu dieser Geschichte sehr gut. Niemand weiß, wie das Sterben sich anfühlt, was danach alles passiert. Dieses Buch spielt mit dem Gedanken „was wäre wenn“ und was würde ich in dieser Situation machen. Ich fühlte mich gut unterhalten, der Schreibstil ist sehr angenehm, so dass ich dieses Buch durchaus weiterempfehlen möchte.