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Veröffentlicht am 05.05.2023

Über visuelle Orgasmen, Leihmutterschaft und Sehnsucht

Für Dancing Boy
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Inhalt:

„„Pure Pleasure“ ist der Name des Instituts zur Befriedigung sexueller Wünsche, das Lizz und ihr Ehemann Boje gegründet haben, und der Name ist Programm: Mithilfe modernster Technik erleben die ...

Inhalt:
„„Pure Pleasure“ ist der Name des Instituts zur Befriedigung sexueller Wünsche, das Lizz und ihr Ehemann Boje gegründet haben, und der Name ist Programm: Mithilfe modernster Technik erleben die Kunden körperliche Sensationen, die sie bisher nicht kannten. Das Institut floriert, Lizz und Boje verdienen gut, aber auch wenn sie sich im teuersten Viertel der Stadt ein Haus kaufen, sie bleiben Außenseiter. Ihre Tochter findet keinen Anschluss, die Nachbarn wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Lizz leidet darunter und das führt zunehmend zu Konflikten in ihrer Ehe. Eines Tages kommt ein junger Mann in das Institut, der Lizz damit konfrontiert, dass er eine persönliche Betreuung wünscht, was nach den Regeln der Ethikkommission, der das Institut untersteht, strikt verboten ist. Lizz wehrt das ab, aber als sie feststellt, dass der Mann ein Muttermal an der gleichen Stelle hat wie das Kind, das sie vor vielen Jahren als Leihmutter ausgetragen hat, ist es um ihre Professionalität geschehen. Sie wird von Erinnerungen überschwemmt und von der Sehnsucht nach diesem Sohn, die sie seitdem immer begleitet hat. Er wäre heute im gleichen Alter wie dieser junge Mann, der ihr jetzt gegenübersteht. Ist er es?"





Schreibstil/Art:

Dieser zukunftsorientierter Roman spielt sich in Norwegen, in einer rational-technischen Diktatur ab. Vordergründig geht es hier um visuelle Befriedigung und Leihmutterschaft. Manche Szenen ließen mich stark annehmen, dass sich die Lebensart dauerhaft extrem evolviert hat. Zudem scheint es so, dass sich die Gesamtbevölkerung reduziert hat. Das Thema „Leihmutterschaft“ wird deshalb vom Staat bekräftigt und gefördert und zu einem richtigen Programm (besser gesagt; gekonnte Manipulation) an Schulen aufgefahren. 

Lizz ergreift blauäugig die Chance, gebärt ein Kind und nennt es "Dancing Boy".

Andauernde Pandemiewellen, Krankheitserreger, Schutzimpfungen, Unfruchtbarkeit und die politische Situation verleihen dem Ganzen eine dystopische Atmosphäre. Ferner werden Dienstleistungen wie das visuelle Etablissement wohl selbstverständlich in Anspruch genommen. Kunden können ihren Fantasien freie Lauf lassen, es sind keine Grenzen gesetzt - alles ist möglich, umsetzbar und machbar. Der direkte und unverblümte Sprachumgang nimmt jegliche Scham und lässt das Komplex völlig normal wirken.



Fazit:

Die Themenbereiche sind wirklich interessant und fortschrittlich gestaltet, jedoch fehlte mir mehr Spannung. Lizz selbst wirkte auf mich weder emphatisch noch unsympathisch. Doch ihre Gedankengänge wirkten verhältnismäßig sprunghaft, deshalb hatte ich auch Schwierigkeiten die Vergangenheit zwischen der Gegenwart zu unterscheiden. Hier hätte ich mir, in den Kapiteln klare Cuts oder eine besser Einteilung gewünscht.

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Veröffentlicht am 03.05.2023

Ein Plädoyer für mehr Gerechtigkeit

12 Grad unter Null
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Inhalt:

„Greta ist im sechsten Monat schwanger. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn Greta und Henri haben lange Zeit versucht, Kinder zu bekommen. Doch dann ändert sich plötzlich die Gesetzesgrundlage ...

Inhalt:

„Greta ist im sechsten Monat schwanger. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn Greta und Henri haben lange Zeit versucht, Kinder zu bekommen. Doch dann ändert sich plötzlich die Gesetzesgrundlage in Sandburg: Von nun an wird es jedem Mann ermöglicht, jegliches Geld, das dieser in eine Frau investiert hat, zurückzuverlangen. Wird den Forderungen nicht Folge geleistet, droht ein kompletter Rechteentzug.

Auch Henri, Gretas Verlobter, möchte sein Geld zurück. Doch bezahlen kann sie ihn nicht … Verzweifelt wendet sich Greta an ihren Verlobten: Henri habe nicht die Absicht sich zu trennen, er wolle schlichtweg zurück, was ihm zusteht, auch wenn Greta das gemeinsame Baby in ihrem Bauch trägt. 14 Tage habe sie Zeit. Greta wird konfrontiert: Mit Henris Kälte und Gleichgültigkeit. Mit dem Kapital, das ihr zur Verfügung steht. Mit ihrem zurückliegenden Leben und einer unsicheren Zukunft. Wie viele Jahre muss sie subtrahieren, um nicht bankrottzugehen?“





Schreibstil/Art:

Diese Dystopie lebt von seiner eindringlichen, pointierten und direkten Sprache. Ich musste mich anfangs an den ungewohnten, poetischen Stil zunächst einmal gewöhnen, doch je tiefer man im Geschehen ist, desto „leichter“ liest es sich. Wobei „leicht“ so eine Sache ist, denn die Thematik ist nicht ohne und stellenweise kaum zu ertragen. Psychische und physische Misshandlungen, Gewalt gegen Frauen, Demütigungen von Frauen, narzisstisches Verhalten, … all das spielt hier leider eine große Rolle.



Fazit:

„Die schlimmste Dystopie war die, von der man nicht merkte, dass sie zur Realität geworden war.“



Die Autorin zeichnet ein Bild von einer Frau, die zu einem Objekt wird und Männer ihre Machtposition ausnutzen. Gruselige Vorstellung aber gar nicht so weit von der Realität entfernt.

Dieser Roman ist wortgewaltig, düster, packend und fordert den Lesenden definitiv heraus. Ich persönlich hätte mir mehr verständlichere Zusammenhänge gewünscht, denn mich lässt das Gefühl nicht los, dass ich einiges falsch verstanden/interpretiert habe. Es ist eine Lektüre die ein zweites Mal gelesen werden muss, auch wenn die Auflösung viele der offenen Fragen beantwortet.

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Veröffentlicht am 02.05.2023

Leben oder verrecken

Lieblingstochter
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Inhalt:
„Sarah Jollien-Fardel erzählt die Geschichte einer Befreiung, die unter die Haut geht: In den Walliser Bergen wächst die kleine Jeanne mit einem gewalttätigen Vater, einer verängstigten Mutter ...

Inhalt:
„Sarah Jollien-Fardel erzählt die Geschichte einer Befreiung, die unter die Haut geht: In den Walliser Bergen wächst die kleine Jeanne mit einem gewalttätigen Vater, einer verängstigten Mutter und der eingeschüchterten Schwester auf. Alle im Dorf wissen von der willkürlichen Brutalität des Vaters, alle schauen weg. Jeanne flüchtet in ihre Phantasie, in die Welt der Bücher und später ins Internat. Sie errichtet einen Schutzwall, der sie am Leben hält. Als junge Frau sucht Jeanne die körperliche Nähe von anderen Frauen. Mit jeder Begegnung rückt der Vater ein Stück weiter weg. Doch dann verliebt sich Jeanne in Paul, und sie muss sich entscheiden. Sarah Jollien-Fardel schreibt so berauschend wie klar über eine Frau, die ihre Vergangenheit um jeden Preis abstreifen will - um frei zu leben und zu lieben.“


Schreibstil/Art:
Dieses Büchlein hat es in sich, denn Jeannes Kind- und Jugendzeit ist keinesfalls einfach gewesen. Die krassen bildhaften Beschreibungen über die Wutausbrüche und die körperlichen Misshandlungen, sind ungeschönt und brutal. Solche traumatische Erlebnisse prägen und formen einen Menschen, Jeanne ist leider das perfekte Beispiel hierfür. Die ständige Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit ist anstrengend und kräftezerrend, das spürt man hier förmlich.

Und trotz des bedeutungsvollen Themas, konnte mich das Buch leider nicht komplett überzeugen.
Der sperrige Schreibstil machte es mir schwer. Die Ich-Perspektive wirkte auf mich ziemlich nüchtern/neutral und stellenweise fast schon gefühlsarm. Ich fühlte mich stets distanziert. Zudem hatte ich Probleme mit den Zeitsprüngen im Fließtext.


Fazit:
„Er hat jede unserer Freuden beschlagnahmt. Er hat jede Lust niedergemetzelt.“

Ein Roman über häusliche Gewalt, Missbrauch aber auch Selbstfindung. Eine Geschichte die neue Wege beleuchtet, sich selbst zu befreien, neu zu erfinden. Konnte mich aufgrund des Schreibstils nicht packen aber die Thematik selbst schon.

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Veröffentlicht am 28.04.2023

Der Wahrheit auf der Spur

Die Wahrheit
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Inhalt:

„Bill verliert seine Frau an Krebs und wird von einem Tag auf den anderen alleinerziehender Vater. Um seine Rechnungen bezahlen zu können, vermietet er ein Zimmer an die Jurastudentin Karla.

Karla ...

Inhalt:

„Bill verliert seine Frau an Krebs und wird von einem Tag auf den anderen alleinerziehender Vater. Um seine Rechnungen bezahlen zu können, vermietet er ein Zimmer an die Jurastudentin Karla.

Karla arbeitet als Reinigungskraft für Steven und Regina Rytter. Schnell merkt sie, dass mit dem Paar etwas ganz und gar nicht stimmt. Denn warum verlässt die Ehefrau des angesehenen Arztes nie ihr abgedunkeltes Schlafzimmer?


Jennica, die ehemals beste Freundin von Bills verstorbener Frau, steckt mitten in einer Lebenskrise. Als sie Steven über eine Dating-App kennenlernt, scheint sie ihr Glück gefunden zu haben.
Doch dann werden Steven und seine Frau tot in ihrem Haus aufgefunden …“





Schreibstil/Art:

Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass der Klappentext deutlich kompliziert rüberkommt als das Buch es eigentlich ist. Es lässt vermuten, dass es ein großes Kuddelmuddel geben wird aber - nein!


Sowohl Bill als auch Karla und Jennica kommen in diesem Roman zu Wort. Jede einzelne Perspektive ist wertvoll und zieht den Leser immer tiefer in das Geschehen ein. Die Charaktere sind unheimlich gut ausgearbeitet, haben Ecken und Kanten und kämpfen mit ihren eigenen Sorgen und Dämonen.


Der Spannungsbogen- und Aufbau ist ausgeklügelt denn es ist klar, dass Steven und seine Frau tot aufgefunden werden. Der Weg bis zum Showdown ist genial und wird häppchenweise mit Auszügen aus den polizeilichen Vernehmungen aufgepeppt.

Ständig fragte ich mich: Wer könnte es gewesen? Und warum? Am Anfang sieht man noch keine Zusammenhänge aber das kommt noch.



Fazit:

Mattias Edvardsson konnte mich von Anfang an begeistern. Es ist spannend, es ist typisch skandinavisch, das Buch kommt quasi ohne Ermittler aus und hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Die Wahrheit wird nach und nach offengelegt aber ist es mit der Wahrheit nicht eh so eine Ansichtssache?

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Veröffentlicht am 28.04.2023

Berührend aber nicht bedrückend

Julia und der Hai
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Inhalt:

„Ich heiße Julia.
Dies ist die Geschichte jenes Sommers,
in dem ich beinahe meine Mum verlor und einen Hai fand,
der älter als die Bäume war. Keine Sorge, das Ende verrate ich
noch nicht …"

Eine ...

Inhalt:

„Ich heiße Julia.
Dies ist die Geschichte jenes Sommers,
in dem ich beinahe meine Mum verlor und einen Hai fand,
der älter als die Bäume war. Keine Sorge, das Ende verrate ich
noch nicht …"

Eine Geschichte, so tief wie die See, so aufwühlend wie tosende Wellen und so tröstlich wie der Lichtstrahl eines Leuchtturms in dunkler Nacht.

Eine bewegende Geschichte für Kinder und Erwachsene

Dieses außergewöhnliche Kinderbuch mit All-Age-Charakter der preisgekrönten Autorin
Kiran Millwood Hargrave erzählt einfühlsam von der psychischen Erkrankung einer Mutter aus der Sicht des Kindes. Verknüpft mit den Themen Tiere, Umwelt, Familie, Natur und Freundschaft wird der Mental-Health-Aspekt kindgerecht und warmherzig für Leser:innen ab 11 Jahren erzählt.“





Schreibstil/Art:

Das liebevoll gestaltete Buch begeistert nicht nur mit den schönen Illustrationen sondern auch mit dem zauberhaften, tiefsinnigen und berührendem Inhalt und der Sprache. Juli ist 10 und erlebt den jenen Sommer aus einer anderen Perspektive. Zuvor hat sie ihre Mutter als eine starke, inspirierende Frau gesehen, doch die bipolare Störung lässt sich nicht verheimlichen und so durchlebt Juli ziemlich viele Höhen und Tiefen, denn die Stimmungen der Mutter schwanken hoch und runter, wie die Wellen.

Die Realität ist sehr einfühlsam mit Julias Fantasie verwoben. Die Illustrationen unterstützen und runden das Gesamtbild stimmig ab.


Fazit:

Eine Geschichte, die den Leser völlig in seinen Bann zieht, aber dennoch genug Freiraum lässt um unterzutauchen und auch wieder auftauchen zu können. Die Atmosphäre kann düster und bedrückend sein dann aber auch wieder aufmunternd und schön zugleich.

Eine behutsame und einfühlende Art eine Balance zwischen ernsten Themen und spaßigen Momenten zu verknüpfen.

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