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Veröffentlicht am 19.01.2021

Belehrend, aufschlussreich und berührend

Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume
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Inhalt:
„Die 18-jährige Selma ist eine lebenslustige junge Frau. Vor ihr liegt ein Sommer voller Träume, gerade hat sie Abitur gemacht und schmiedet Pläne für die Zukunft. Doch dann schlägt das Schicksal ...

Inhalt:
„Die 18-jährige Selma ist eine lebenslustige junge Frau. Vor ihr liegt ein Sommer voller Träume, gerade hat sie Abitur gemacht und schmiedet Pläne für die Zukunft. Doch dann schlägt das Schicksal erbarmungslos zu: Bei einem tragischen Verkehrsunfall verliert Selma ihr Augenlicht. Für die junge Frau bricht eine Welt zusammen. Nur schwer findet sie sich in ihrem neuen Leben als Blinde zurecht. Und immer wieder hadert Selma mit denselben Fragen: Warum ist das Leben so ungerecht? Woher nehme ich den Mut zum Leben? Und gibt es das Unsichtbare hinter den sichtbaren Dingen?

Als sie mit den Bewohnern eines nahegelegenen Seniorenheims ins Gespräch kommt, erhält Selma unverhofft Antworten. Die Alten erzählen aus ihrem Leben, berichten von Krisen und Schicksalsschlägen, aber auch von der Kraft des Neuanfangs. Tief berührt von der Weisheit ihrer Worte, fasst Selma langsam den Mut, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Und dann, genau ein Jahr nach ihrem Unfall, kehren mit dem Sommer auch Selmas Träume zurück ...

Die einfühlsame Geschichte einer jungen Frau, die sich tapfer zurück ins Leben kämpft.“


Schreibstil/Art:
Selmas Emotionen konnte ich die ganze Zeit über sehr gut nachvollziehen. Dass ihre Welt nach dem tragischen Verkehrsunfall zusammenbricht, ist dank dem bildhaften Stil und der Ich-Perspektive sofort ersichtlich. Die Suche nach den Fehlern bei sich und die Schuldzuweisungen auf die anderen, erschaffen einen authentischen Eindruck der Gesamtsituation. Ihr Leidensweg, die Verzweiflung und der Kampf aus der aussichtslosen Lage habe ich bangend mitverfolgt.

Kreativ und belehrend fand ich auch die tollen Erzählungen der Bewohner aus dem Seniorenheim. Hier konnte nicht nur Selma sinn- und wertvolle Informationen für sich gewinnen. Auch ich durfte solch eine Erfahrung mal machen und finde Lebensgeschichten aus einem anderen Zeitalter total spannend und interessant. Kann ich jedem nur empfehlen!


Fazit:
Felix Leibrock hat es geschafft mich mit seiner ruhigen Erzählstimme auf Selmas Reise mitzunehmen. Nichts wirkte aufgesetzt, die Charaktere waren alle sehr herzlich und zuvorkommend. Das Feingefühl für eine Blinde Protagonistin und ihre Gefühlswelt konnte ich die ganze Zeit über sehr gut nachempfinden. Aufklärungen zu bestimmten Hilfsmitteln oder beklemmenden Situationen sind sehr informativ gewesen.

Sätze wie: „… meine Seele ist eine düstere Zelle ohne ein Fenster zu Außenwelt.“ oder „Sehnsucht nach Liebe, nach einem Leben, dass die innere Kälte und Leere überwindet.“ sind sehr Waise und verdeutlichen nur noch mehr die Gefühle.

Eine Erzählung für Hoffende – dem stimme ich zu!

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Veröffentlicht am 15.01.2021

Weder ein leichter Stil noch leichte Kost

Apeirogon
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Inhalt:
„Rami Elhanan und Bassam Aramin sind zwei Männer. Rami braucht fünfzehn Minuten für die Fahrt auf die West Bank. Bassam braucht für dieselbe Strecke anderthalb Stunden. Ramis Nummernschild ist ...

Inhalt:
„Rami Elhanan und Bassam Aramin sind zwei Männer. Rami braucht fünfzehn Minuten für die Fahrt auf die West Bank. Bassam braucht für dieselbe Strecke anderthalb Stunden. Ramis Nummernschild ist gelb, Bassams grün.

Beide Männer sind Väter von Töchtern. Beide Töchter waren Zeichen erfüllter Liebe, bevor sie starben. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in der Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten.

Ramis und Bassams Leben ist vollkommen symmetrisch. Ramis und Bassams Leben ist vollkommen asymmetrisch. Rami und Bassam sind Freunde.

Apeirogon: eine zweidimensionale geometrische Form mit einer gegen unendlich gehenden Zahl von Seiten.

Während "Apeirogon" nach und nach seine nahezu unendlichen Seiten auffächert und die beiden Männer in seiner Mitte rahmt, entfaltet sich der Palästinakonflikt in seiner ganzen Historie und Komplexität. Dies ist Colum McCanns überwältigendes Meisterwerk - ein Roman, der das Unbeschreibliche sinnlich und sinnhaft erfahrbar, greifbar macht. Ein kaleidoskopischer Text stellt die zeitlose Frage: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Und: Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen.



Schreibstil/Art:
Dieses Buch ist einzigartig und sonderbar. Kurze, effektvolle Sätze spiegeln die Gedankengänge sowie die Gefühle der Protagonisten sehr gut wieder. Manche Sätze sind so voller Bedeutung, dass gar nicht mehr Worte benötigt werden, um die Tiefsinnigkeit, ehrlich und gefühlvoll zu vermitteln. Die Traurigkeit über den Verlust der beiden Töchter ist stellenweise kaum zu ertragen, so dass man selbst mit den Tränen kämpft. Wenn Betroffene über ihre Verluste reden, ist es nie einfach.

Die Erzählung ist eine Kombination aus fiktiven Details, die mit einigen Fotos verfeinert worden ist und auf wahren Begebenheiten basiert. Der Stil weicht völlig von der Norm ab und bleibt im Gedächtnis. Landestypische Begriffe werden gut erklärt. Dialoge sind ab und zu in den Fließtext eingebunden und nicht in Anführungszeichen gesetzt.



Fazit:
Puh - ein Buch das fordert und wirklich anspruchsvoll ist. Manche Momente werden immer und immer wieder erwähnt, dessen Bedeutung sich aber auch von mal zu mal mit ändert. Dieses Mittel ist mir neu, weil sich durch viele logische Fakten auch die eigene Meinung nicht nur einmal ändert. Oft wird auch einfach nur kurz ein Thema angerissen und erst viel später wieder weitererzählt.

Viele weise, belehrende Worte machen nachdenklich, rütteln wach und erwecken die Traurigkeit in einem aber auch die Lebenslust zugleich.

Dieses Buch ist ein Konstrukt aus vielen Einzelstücken, das am Ende einheitlich wird. Für anspruchsvolle Leser empfehlenswert, ich bin leider mit dem Schreibstil nicht wirklich warm geworden und hatte wirklich lange zu kämpfen.

„… Was dir zuwider ist, das tu auch deinem Nächsten nicht.“

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Veröffentlicht am 06.01.2021

Menschen werden zu Figuren im Theaterstück

Die Nachbarin
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Inhalt:
„SIE KANN DICH HÖREN. SIE KANN DICH SEHEN.
SIE KANN SICH NEHMEN, WAS DIR GEHÖRT.

In Lexies Leben scheint alles perfekt: Sie liebt ihren Freund Tom, die beiden planen eine Familie, und sie wohnen ...

Inhalt:
SIE KANN DICH HÖREN. SIE KANN DICH SEHEN.
SIE KANN SICH NEHMEN, WAS DIR GEHÖRT.


In Lexies Leben scheint alles perfekt: Sie liebt ihren Freund Tom, die beiden planen eine Familie, und sie wohnen in einem eleganten Apartment mitten in London, das keine Wünsche offen lässt. Doch Lexies Idylle trügt. Wenn sie allein ist, lauscht sie den Geräuschen aus der Nachbarwohnung. Und stellt sich dabei das mondäne Leben ihrer Nachbarin vor ...

Harriet führt ein ausschweifendes Leben voller wilder Partys, ihr Leben ist ein Abenteuer. Nur selten gesteht sie sich ein, wie unglücklich sie in Wahrheit ist. Sie wünscht sich einen Freund wie Tom. Sie möchte das Leben ihrer Nachbarin Lexie. Und sie ist bereit, alles zu tun, damit dieses Leben ihr gehört ...“


Schreibstil/Art:
Durch den abwechselnden Perspektivenwechsel wirkt diese Story der beiden Hauptprotagonistinnen Harriet und Lexie zwar relativ lebhaft, modern und gefällig aber leider seeehr zäh. Viele Infos werden immer und immer wieder wiederholt. Außerdem fiel es mir anfangs schwer die beiden auseinanderzuhalten. Ich musste mir hin und wieder den Klappentext anschauen um auf die schnelle zu wissen, wer wer ist.
Die Darstellung der Charaktere sowie dessen Wohnort, gefiel mir wiederum.


Fazit:
Diese Geschichte als Thriller zu betiteln halte ich leider für falsch. Durch die oftmals wiederholendenden Handlungen, zog sich die Spannung extrem.
Anhand des Prologs hat man relativ schnell eine Ahnung wer von den beiden in der Klapse endet, somit ist die Geschichte verhältnismäßig schnell erzählt, da man sich den ungefähren Ausgang der Geschichte denken kann.

Die Message, dass das Leben anderer - dank Social Media- gar nicht so perfekt ist, wird auch immer wieder durchgekaut. Außerdem nervte mich der extreme Kinderwunsch von Lexie, da sich bei ihr fast alles nur darum drehte.

Nüchtern gesehen fehlte mir einfach der Thrill, deshalb ist es für mich eher ein Spannungsroman mit ein wenig Drama zum Schluss. Positiv hervorheben möchte ich die Idee und den Fokus auf die beiden Leben. Neid, Eifersucht und Stalking ist und bleibt ein ernstes Thema.

Gut gemeinte 3 Sterne …

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Veröffentlicht am 03.01.2021

Wahn eines schizophrenen Serienkillers

Der Bewohner
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Inhalt:
„Du weißt: Ein brutaler Serienkiller ist ausgebrochen. Was du nicht weißt: Er versteckt sich in deinem Haus.

Thomas Brogan ist Serienkiller. Auf der Flucht vor der Polizei findet er Unterschlupf ...

Inhalt:
Du weißt: Ein brutaler Serienkiller ist ausgebrochen. Was du nicht weißt: Er versteckt sich in deinem Haus.

Thomas Brogan ist Serienkiller. Auf der Flucht vor der Polizei findet er Unterschlupf in einem unbewohnten Reihenhaus. Und ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich ihm: Denn die Dachböden der Häuserzeile sind miteinander verbunden. Brogan «besucht» die anderen Häuser, klaut Essen und erfährt intimste Geheimnisse. Die schöne Colette hat es ihm besonders angetan: Er will alles über sie herausfinden, er muss sie besitzen, sie seinem Willen unterwerfen – und sie töten. Doch nicht nur, dass in Brogans Kopf zwei Seelen streiten - auch will Colette lieber am Leben bleiben.

Ein atemloser Thriller mit besonderem Bedrohungsszenario: Jackson erzählt aus der Perspektive eines Serienkillers. Abgründig, packend, originell.


Schreibstil/Art:
David Jackson hat einen geschickten Schreibstil gewählt. Seine Art den Leser aus Sicht eines Serienmörders zu fesseln, ist anders, eigen aber gut. Die Erzählperspektive ist konzentriert, strukturiert und spannend. Sowohl Thomas Brogan als auch die Bewohner sind unheimlich gut beschrieben. Man ist als Leser nicht nur hautnah dabei, man blickt auch ziemlich tief in die Psyche der Menschen.

Um Brogan noch besser zu verstehen ist seine zweite Stimme Kopf in kursiver Schrift wiedergegeben. Die Schizophrenie und somit seine ständige Auseinandersetzung mit sich selbst, treibt die Geschichte ganz schön voran.
Die kurzen Kapitel, die oft in fesselnden Momenten aufhören, sorgen für ein rasantes Tempo. Die betitelte Überschrift mit Angabe von Datum und Uhrzeit vereinfacht die Orientierung. So ist jeder Tag in mehrere Sequenzen zerlegt.


Fazit:
Die ungewöhnliche Beobachterrolle treibt die Geschichte mehr oder weniger von selbst voran. Ein paar schwache Szenen werden daher schnell überlesen. Interessant und abwechslungsreich ist daher die Ansicht. Die Psychospielchen sind perfide und faszinierend zugleich. Die Spannung wird leider trotzdem nicht durchgehend gehalten und auch das Ende scheint für mich eher ein wenig abgefertigt zu sein und weniger authentisch. Bei dem Handlungsverlauf hätte für mich der Ausgang spektakulärer und abgebrühter sein können.

Der Sog der Ereignisse hat mich dennoch nicht losgelassen, so dass ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen habe.
Das eigene sichere Zuhause, geteilt mit einem Mörder - ungewöhnlich und originell. Trotz des nicht immer genutzten Potenzials, empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 29.12.2020

Schatten der Vergangenheit

Die Schwimmerin
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Inhalt:
„Mitten im Wirtschaftswunder stellt sich eine starke Frau den Schatten ihrer Vergangenheit

Essen 1962: Betty heiratet ihren Martin und ist fest entschlossen, ihr lang ersehntes Glück mit aller ...

Inhalt:
Mitten im Wirtschaftswunder stellt sich eine starke Frau den Schatten ihrer Vergangenheit

Essen 1962: Betty heiratet ihren Martin und ist fest entschlossen, ihr lang ersehntes Glück mit aller Macht festzuhalten. Zu viele Entbehrungen hat sie schon hinnehmen müssen. Der zweite Weltkrieg hat Betty nicht nur ihre Heimat, ihre Familie und ihre erste Liebe genommen, sondern ihr auch ein düsteres Geheimnis aufgebürdet. Seit jener Zeit ist das Schwimmen Bettys Halt und Trost. Eine Überlebensstrategie, den Kopf immer über Wasser zu halten, komme was wolle. Ausgerechnet beim Schwimmen trifft sie nun auf ein junges Mädchen, das ihr eigenartig vertraut erscheint. Und dieses Mädchen hat entschieden, sich ein Stück von Bettys Glück zu greifen. Es beginnt, sie zu verfolgen, zu erpressen. Betty erkennt, dass die Vergangenheit sie hinabzureißen droht, wenn sie sich ihr nicht endlich stellt.“


Schreibstil/Art:
Bettys/Elisabeths Geschichte wird aus zwei Zeitebenen erzählt. Zu einem gibt es Einblicke in die Vergangenheit (1942-1946). Dort lernen wir die mutige und tapfere Elisabeth kennen.
Zum anderen erfährt der Leser mehr über sie als sie schon erwachsen ist und sich Betty nennt (Jahr 1962). Beide Perspektiven sind zu Anfang etwas verschlossen und geben nicht allzu viel preis. Erst nach und nach skizziert sich ein Bild der sympathischen Protagonistin, die es in ihrem Leben nicht einfach hatte. Die Schicksalsschläge, sowie einige auschlaggebende Momente spiegeln sich in dem tiefen und aussagekräftigen Schreibstil perfekt wieder. Auch ist die Beschreibung der (Nach)Kriegszeit sowie die Judenverfolgung sehr gut umschrieben.


Fazit:
Eine ruhige Erzählung mit vielen tiefsinnigen und spannenden Elementen. Die Gefühle und Atmosphäre der Zeit kann man förmlich spüren. Die tolle Mischung aus den vielen verschiedenen emotionalen Achterbahnfahrten ist der Autorin durchaus gelungen.
Zwar gab es auch durchaus die ein oder andere Stelle, die sich etwas zog aber im Großen und Ganzen hat mir Bettys/Elisabeths berührende Geschichte gefallen.

Ein Roman, der zwar ein paar traurige Szenen beinhaltet aber trotzdem in sich aufblüht.

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