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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2025

Ein facettenreiches Debüt

Coram House
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Bailey Seybolt nutzt das Setting im winterlichen Vermont meisterhaft, um eine düstere, beinahe beklemmende Stimmung zu schaffen. Der Kontrast zwischen dem heißen Sommer 1968 – als der neunjährige Tommy ...

Bailey Seybolt nutzt das Setting im winterlichen Vermont meisterhaft, um eine düstere, beinahe beklemmende Stimmung zu schaffen. Der Kontrast zwischen dem heißen Sommer 1968 – als der neunjährige Tommy spurlos aus dem Waisenhaus verschwand – und der frostigen Gegenwart verleiht der Geschichte eine besondere Intensität.

Im Zentrum steht Alex Kelley, eine angeschlagene True-Crime-Autorin, die auf der Suche nach einem beruflichen und persönlichen Neuanfang ist. Der Auftrag, die Geschichte von Coram House aufzuarbeiten, entwickelt sich für sie schnell zu mehr als nur einem Schreibprojekt. Ihre Recherchen fördern verstörende Hinweise zutage, die sie nicht nur tiefer in den alten Fall ziehen, sondern auch ihr eigenes Leben in Gefahr bringen.

Besonders stark ist die Figur der Alex gezeichnet. Ihre innere Zerrissenheit, ihr Zweifel, ihre Ambivalenz gegenüber der Wahrheit machen sie greifbar und glaubwürdig. Ihre persönliche Entwicklung verläuft parallel zur Aufdeckung des Falls, das gibt der Geschichte emotionale Tiefe.

Auch stilistisch überzeugt das Buch: Die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind gut getaktet, die Dokumente und Transkripte fügen sich organisch in die Handlung ein. Das Pacing bleibt durchgehend hoch, mit stetig wachsender Spannung.

"Coram House" ein intensiver, vielschichtiger Thriller, der mit seiner dichten Atmosphäre, den düsteren Geheimnissen und einer starken Protagonistin überzeugt. Wer sich für psychologische Spannung und dunkle Vergangenheiten interessiert, findet hier ein lesenswertes Debüt.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Monstergott im Zwielicht

Monstergott
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"Monstergott" ist ein literarisch ambitionierter Roman, der große Themen aufgreift: Glaube, Schuld, Selbstbestimmung, Geschlechterrollen und das alles eingebettet in das Leben einer konservativen Freikirche. ...

"Monstergott" ist ein literarisch ambitionierter Roman, der große Themen aufgreift: Glaube, Schuld, Selbstbestimmung, Geschlechterrollen und das alles eingebettet in das Leben einer konservativen Freikirche. Die Geschwister Esther und Ben wachsen in einem Umfeld auf, das sich äußerlich modern gibt, aber innerlich strikt normativ ist. Immer wieder entsteht bei der Lektüre das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht, aber was genau das wird erst nach und nach klar.

Positiv hervorzuheben ist Schmitts Sprache: klar, oft eindringlich, mit vielen Details, die das Innenleben der Charaktere spürbar machen. Die Ambivalenz zwischen Zugehörigkeit und Rebellion, zwischen Liebe und Unterdrückung, gelingt ihr gut. Die Konflikte sind echt, und die Spannung, wie weit Esther gehen kann, ohne ihre Wurzeln zu verlieren oder wie sehr Ben sich den Erwartungen beugt, ist konstant vorhanden.

Allerdings konnte mich das Buch nicht völlig überzeugen. Einige Entwicklungen wirken zu abrupt: Entscheidungen, innerer Wandel oder Erkenntnisse der Figuren werden manchmal zu plötzlich oder ohne tieferes Vorleben im Text übergangen. Dadurch verliert die Geschichte stellenweise an Glaubwürdigkeit. Auch bleibt das Ende etwas offen, was zwar passt zu vielen der aufgerissenen Fragen, aber mich persönlich ein wenig ratlos zurückgelassen hat.

"Monstergott" ist wichtig, unbequem und mit viel Potenzial aber leider nicht ganz konsequent in der Umsetzung. Wer gerne über Glaubenswelten nachdenkt und ambivalente Charaktere schätzt, findet hier Stoff zum Weiterdenken.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Mit Spaß durchs Netz

Das Internet
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Ein rundum gelungenes Sachbuch für Kinder ab ca. 8 Jahren, das technische und digitale Grundlagen mit Spiel, Humor und Verantwortungsbewusstsein verbindet.

Bereits beim Blick aufs Cover und die Inhaltsangabe ...

Ein rundum gelungenes Sachbuch für Kinder ab ca. 8 Jahren, das technische und digitale Grundlagen mit Spiel, Humor und Verantwortungsbewusstsein verbindet.

Bereits beim Blick aufs Cover und die Inhaltsangabe wird klar: keine trockene Theorie, sondern eine interaktive Entdeckungsreise. Themen wie WLAN, HTML, Suchmaschinen, Datenübertragung oder wie Computer „sprechen“, werden kindgerecht erklärt. Die Illustrationen bereichern das Buch mit lebendigen Farben und witzigen Comics, wodurch auch komplexere Sachverhalte zugänglicher werden.

Besonders gelungen sind die Mitmach-Teile: Ob man selbst ein unknackbares Passwort erstellt, Binärcode versteht oder zum „KI‑Detektiv“ wird – das Buch fordert Kinder aktiv zum Mitdenken und Ausprobieren heraus. Auch der Blick auf digitale Risiken, wie der Umgang mit dem digitalen Fußabdruck, ist angemessen und sinnvoll eingebaut.

Fazit: Ein modernes, liebevoll gestaltetes Sachbuch, das Wissen über das, was wir oft selbstverständlich nutzen, mit Neugier und Spaß vermittelt. Empfehlenswert nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern und Lehrkräfte, die ein gutes Nachschlagewerk suchen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Hamburg, Mannheim und das große Innenleben

Der Scherbenpalast
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Lou ist wütend. Wütend auf ihre Eltern, die sie nach Mannheim verschleppen, auf den Verlust ihrer besten Freundin, auf das Ende ihrer Theater-AG und vor allem wütend auf sich selbst. Wie oft sitzt man ...

Lou ist wütend. Wütend auf ihre Eltern, die sie nach Mannheim verschleppen, auf den Verlust ihrer besten Freundin, auf das Ende ihrer Theater-AG und vor allem wütend auf sich selbst. Wie oft sitzt man in diesem Zwischenraum, in dem Freundschaft, Erinnerungen und Sicherheit abrupt zerbrechen? Die Autorin begegnet diesem Moment mit einer Stimme, die gleichermaßen trotzig, verletzlich und versöhnlich ist.

Mannheim ist nicht nur ein Ort, es ist das Unbekannte, vor dem Lou sich windet. Ihre Provokationen wirken echt, kaum kalkuliert. Doch dann kommt die Alte unter dem Mammutbaum, heimlich und sternengleich, mit ihrem kuriosen Scherbenpalast. Plötzlich ist da jemand, der Lou ohne Bedingungen sieht. Und Sari - hartnäckig, lebendig, neu - zerrt sie ins pralle Leben, in dem Tikey lauert: geheimnisvoll, weniger greifbar, aber mit Tiefe, die unter der Oberfläche summt.

Langsam, zögerlich beginnt sich Lous Leben zu fügen, Stück für Stück, Scherbe für Scherbe. Die Dialoge, teils bissig, teils liebevoll, führen den Leser durch die Ecken ihrer Wut, aber auch durch die ersten zaghaften Funken von Vertrauen.

Neben Lou stiehlt Freya, die schräge Nachbarin mit dem Mosaikhaus, so manchen Moment: ihr Schaffen, ihre geduldige Art, die tieferen Botschaften des Buches anzudeuten, verleihen der Geschichte Tiefe. Hier geht es nicht nur um einen Umzug, es geht um ein Kaleidoskop von Bruchstücken, das zu einem neuen Bild zusammengesetzt werden kann.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Zwei Zeiten, ein tödliches Geheimnis

Death at Morning House
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Maureen Johnson liefert mit Death at Morning House einen atmosphärisch dichten, spannenden Jugendthriller, der auf zwei Zeitebenen spielt: der Gegenwart und den 1930er Jahren. Im Zentrum steht Marlowe, ...

Maureen Johnson liefert mit Death at Morning House einen atmosphärisch dichten, spannenden Jugendthriller, der auf zwei Zeitebenen spielt: der Gegenwart und den 1930er Jahren. Im Zentrum steht Marlowe, die nach einem peinlichen Zwischenfall – eine explodierende Duftkerze ruiniert ihr erstes Date und setzt fast das ganze Haus in Brand – dringend Abstand braucht. Die perfekte Gelegenheit: ein Sommerjob auf Ralston Island, wo sie Führungen durch das leerstehende Anwesen Morning House geben soll.

Doch was wie eine ruhige Auszeit beginnt, entpuppt sich als gefährliches Rätsel. Schon bald stößt Marlowe auf Hinweise zu einem ungeklärten Mord in der Vergangenheit. Und auch in der Gegenwart braut sich etwas Bedrohliches zusammen. Die Story verwebt geschickt beide Zeitlinien, wobei sich die düstere Geschichte der Familie Ralston Stück für Stück enthüllt.

Johnson schreibt mit viel Tempo, Humor und einem feinen Gespür für Charaktere. Besonders Marlowe als Ich-Erzählerin überzeugt mit Witz, Unsicherheit und cleverem Blick für Details. Dazu kommt eine angenehm selbstverständliche queere Repräsentation – ihre Gefühle für ihre Exfreundin Akilah spielen eine echte Rolle, ohne ins Klischeehafte abzurutschen.

Das Setting bringt genau die richtige Portion Gänsehaut, Nebel und Geheimnisse. Der Spagat zwischen Grusel, Krimi und modernen Jugendthemen gelingt der Autorin beeindruckend. Auch die Rückblenden in die 30er Jahre sind fesselnd und atmosphärisch dicht erzählt.

Insgesamt ist Death at Morning House ein echter Pageturner für Fans von Rätseln, historischen Familiengeheimnissen und jungen Heldinnen mit Ecken und Kanten.

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