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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2024

Beste Sommer Rezeptsammlung EVER!

Hitzefrei
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Bei so einem Wetter – und ja, ich freu mich, dass endlich Sommer ist (!) – braucht es leichte kalte Kost, die lecker ist und ich kann euch endlich einer der besten Kochbücher vorstellen, die in der letzten ...

Bei so einem Wetter – und ja, ich freu mich, dass endlich Sommer ist (!) – braucht es leichte kalte Kost, die lecker ist und ich kann euch endlich einer der besten Kochbücher vorstellen, die in der letzten Zeit bei uns eingezogen sind: Hitzefrei!
Der Titel verrät es schon im Untertitel: „Vegetarische Küche für heiße Tage“! Ich war schon vorher großer Fan von Agnes Prus und ihren Rezepten und nun in Zusammenarbeit mit Yelda Yilmaz hat sie eine mega tolle Sammlung hier auf die Beine gestellt.
Schon beim Blättern dachte ich bei (fast) jeder Seite: „DAS muss es dringend sehr bald geben!“ und wir haben selbst bei Regen schon einiges ausprobiert.
Einer meiner Favoriten sind die Sommerrollen mit Erdnusssoße, zum Niederknien! Die Mischung an Rezepten ist bunt, wie es so ein Sommer auch sein sollte von vielen Salaten über kleine Gerichte und einfach gute Anhaltapunkte, wie vier verschiedene Pestos. Es gibt keine bestimmte Länderküche, der Mix ist gelungen und vor allem, was ich liebe, pragmatisch gut und meist einfach zu kochen oder zuzubereiten.
Wir sind Flexitarier und essen doch auch Fleisch, aber bei diesem Buch vermisst man nix! Hier gibt es italiensch angehauchtes, türkischer Einfluss, japanische Umhüllungen und viele andere Küchen haben hier ihren Stempel gesetzt. Daran merkt man die Liebe der Autorinnen zum Genießen. Auch die süßen Rezepte für Eis, kalte Getränke und Süßspeisen sind eine gelungene Abrundung.
Zum Buch selbst: Die Gestaltung ist optisch ästhetisch minimalistisch gehalten, genau meines! Eine Seite Foto und andere Seite Zutaten plus Zubereitung. Übersichtlich gut. Da fehlt nix! Zubereitungen kann man gut folgen. Und vor allem mit zwei Lesebändchen! Was ein Luxus und sooooo hilfreich!
Bei leicht außergewöhnlichen Zutaten (meist Gewürze) steht auch meist in Klammern dabei wo es dies zu kaufen gibt, z.B. Chaat Masala (indischer Lebensmittelladen).
Alles drin, sau lecker, pragmatisch zu bereiten und einfach zum genießen!

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Veröffentlicht am 05.07.2024

Überfällig, dass wir diese Kurzgeschichten lesen dürfen

Die Königin und der Kalligraph
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Was für eine Entdeckung! Dieser Kurzgeschichtenband von Moussa Abadi ist wahrlich ein Highlight des Lesejahres 2024! Eine Sammlung die im Original auf Französisch bereits 1994 erschien und nun 30 Jahre ...

Was für eine Entdeckung! Dieser Kurzgeschichtenband von Moussa Abadi ist wahrlich ein Highlight des Lesejahres 2024! Eine Sammlung die im Original auf Französisch bereits 1994 erschien und nun 30 Jahre später von Gerhard Meier für uns ins Deutsche übertragen wurde.
Was diesen Band so besonders macht, ist die Geschichte des Autoren selbst, der mir vorher kein Begriff war. Was unglaublich ist, denn dieser syrische Jude hat zu Zeiten des zweiten Weltkrieges über 500 jüdische Kinder in Nizza vor dem Tod gerettet! In Frankreich ein bekannter Mann. Einer der Gründe, warum ich dazu rate, zuerst das Nachwort von Rafik Schami zu lesen, dass ab Seite 179 beginnt und das Setting und den Hintergrund zu den Geschichten und des Autors toll darlegt. Auch das ein Genuss.
Moussa Abadi nimmt uns mit in die 1910er und 20er Jahre, zurück in seine Kindheit in ein vielfältiges Damaskus und dort speziell in die jüdischen Straßenzüge. Er skizziert einzelne Portraits von Menschen, Schicksalen und wie das Leben in dieser vibrierende Stadt prägte im Guten wie im Schlechten.
Was mich daran so fasziniert hat, und Hoffnung keimen lässt, ist dass er ein wunderbar friedliches Nebeneinander von Religionen und Kulturen beschreibt. Ein respektvoller und zutiefst menschlicher Umgang. Und dann diese poetische, fast märchenhafte Sprache. Nicht nur der Titel ‚Die Königin und der Kalligraph‘ ist entsprechend zauberhaft, auch sprachlich aus einer anderen Welt mit viel Poesie zu Papier gebracht.
Eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Trauer um den Geliebten

Bleib
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Kein Buch für jedermann. Eher für die hartgesottenen unter uns, denn nicht nur ist das Setting harter Tobak auch die Ausrichtung. Denn der ganze Roman ist mehr oder minder zwei Briefe, wobei hier schon ...

Kein Buch für jedermann. Eher für die hartgesottenen unter uns, denn nicht nur ist das Setting harter Tobak auch die Ausrichtung. Denn der ganze Roman ist mehr oder minder zwei Briefe, wobei hier schon unsaubere Stellen enthalten sind, wo doch szenisch mit wörtlicher Rede hantiert wird. Denn S. schreibt der Frau ihres toten Liebhabers. M., der Mann mit dem S. 8 Jahre lang eine Affäre hatte. Während einer kurzen Auszeit stirbt dieser leider im See. Diese Ansprache per Brief aus meiner Sicht einerseits Anmaßung und Übergriff und zugleich Zuwendung und Verständnis.
“Wir liebten diese Lüge. Und manchmal glaubte ich daran. In Wahrheit bestand die Lüge in der Auslassung.” (S 15)
Und dann ruft sie nicht die Polizei oder einen Krankenwagen, sondern bleibt bei der Leiche. Das nimmt von Seite zu Seite etwas skurrilere Formen an, aber hej, dafür ist Literatur da, oder?
Eine fulminante Trauerbewältigung und eine brutal ehrliche Auseinandersetzung der eigenen weibliche Befreiung von Konventionen genauso wie eine deutliche Anklage der traditionellen Rollenverteilung.
“Erinnerungen entfalten sich im Licht der Gegenwart.” (S. 120)
Für mich eine sehr französische Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe, aller moralischer Zwänge entledigt und dem Glück verschrieben. Adeline Dieudonné hat eine unfassbar einnehmende Prosa. Selbst an Stellen, die ich absonderlich fand, konnte ich dieses Buch nicht weglegen.
“Er gab mir Raum, ohne Leere zu hinterlassen.” (S. 137)
Die Protagonistin hat mich genauso angezogen wie abgestoßen und das muss ein Text erst einmal können. Eine Frau mit überholten Glaubensätzen, die heutige Generationen vielleicht nicht mehr nachvollziehen können. Spannender Einblick in ihre Mutterschaft, auch da gehe ich mit, so unschön und hart es sich liest. So viel Wahres steckt drin.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Hexen, Priester, versenkt…

Mord auf dem Königssee
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Hier schreibt einer über eine Region, die er kennt wie seine Westentasche! Dieser Roman trägt aus gutem Grund den Untertitel Berchtesgaden-Krimi. Wie auch die beiden Vorgänger, ‚Mord am Kehlsteinhaus‘ ...

Hier schreibt einer über eine Region, die er kennt wie seine Westentasche! Dieser Roman trägt aus gutem Grund den Untertitel Berchtesgaden-Krimi. Wie auch die beiden Vorgänger, ‚Mord am Kehlsteinhaus‘ und ‚Mord am Watzmann‘. Ich habe das große Glück die Gegend auch schon mal in einem Urlaub erkundet zu haben, daher wurde es in Gedanken plastisch und konnte mich gut einfinden. Auch wenn das den tiefblauen See etwas unheimlicher machte mit den 6 (!) toten Geistlichen….
Max will das weltberühmte Echo anstoßen, öffnet seinen Koffer, aber das Horn ist weg, dafür liegt eine Hand mit Ring darin! Dann tauchen nach und nach sechs tote Priester alle einzeln in Ruderbooten auf. Ein siebtes Ruderboot ist leer und dieser Priester fehlt. Da muss Polizeibergführer Simon Perlinger mit Luisa Sedlbauer wieder ermitteln.
Wunderbar beschreibt der Autor, Felix Leibrock, nicht nur Gegend und Gemüt der Lokalen, sondern auch das was historisch hier in diesem Krimi aufgearbeitet wird. Denn es beginnt mit der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert, spannt einen Bogen zu den 6 Toten und der Ring auf dem Cover spielt auch eine große Rolle.
Wer sonst wegen zu viel Seichtigkeit lokale Krimis links liegen lässt, sollte diesem eine Chance geben. Denn Region ist super beschrieben, Handlung ist spannend und auch echt blutig sowie eine geschichtliche Komponente enthalten. Auch wenn die Charaktere nicht ganz rund gelungen sind, macht es Spaß diesen Krimi zu lesen.

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Wunderbare Ergänzung zum Original

Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen
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Der Klassiker von Jane Austen hatte in den letzten Jahren schon so einige Revivals, was ich total super finde! Jane Austens „Stolz und Vorurteile“ ist und bleibt ein englischer Klassiker! Nicht jeder hat ...

Der Klassiker von Jane Austen hatte in den letzten Jahren schon so einige Revivals, was ich total super finde! Jane Austens „Stolz und Vorurteile“ ist und bleibt ein englischer Klassiker! Nicht jeder hat ihn gelesen oder will es lesen, sei es als Kür im Original oder in einer deutschen Übersetzung. Nun gibt es eine weitere Variante mit der Graphic Novel. Klar, auch für Fans des Originals eine Freude es kurz und bündig mit Bebilderung zu lesen.
Und da liegt die Kunst und Kürzung. Natürlich lebt „Stolz und Vorurteile“ besonders vom Text, von der literarischen Sprache und wie Jane Austen dies damals zu Papier gebracht hat. DAS lässt sich schwer mit einer Graphic Novel transportieren. Was die Graphic Novel im Gegenzug dazu kann, ist durch die Bilder die damalige Wirklichkeit abbilden. Kleider, Häuser, Umwelt und Umstände ohne Text zu benötigen.
Ich finde diese Version ist kein Ersatz, aber eine wunderbare Ergänzung zum Original!

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