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Nilchen

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Veröffentlicht am 05.07.2024

Überfällig, dass wir diese Kurzgeschichten lesen dürfen

Die Königin und der Kalligraph
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Was für eine Entdeckung! Dieser Kurzgeschichtenband von Moussa Abadi ist wahrlich ein Highlight des Lesejahres 2024! Eine Sammlung die im Original auf Französisch bereits 1994 erschien und nun 30 Jahre ...

Was für eine Entdeckung! Dieser Kurzgeschichtenband von Moussa Abadi ist wahrlich ein Highlight des Lesejahres 2024! Eine Sammlung die im Original auf Französisch bereits 1994 erschien und nun 30 Jahre später von Gerhard Meier für uns ins Deutsche übertragen wurde.
Was diesen Band so besonders macht, ist die Geschichte des Autoren selbst, der mir vorher kein Begriff war. Was unglaublich ist, denn dieser syrische Jude hat zu Zeiten des zweiten Weltkrieges über 500 jüdische Kinder in Nizza vor dem Tod gerettet! In Frankreich ein bekannter Mann. Einer der Gründe, warum ich dazu rate, zuerst das Nachwort von Rafik Schami zu lesen, dass ab Seite 179 beginnt und das Setting und den Hintergrund zu den Geschichten und des Autors toll darlegt. Auch das ein Genuss.
Moussa Abadi nimmt uns mit in die 1910er und 20er Jahre, zurück in seine Kindheit in ein vielfältiges Damaskus und dort speziell in die jüdischen Straßenzüge. Er skizziert einzelne Portraits von Menschen, Schicksalen und wie das Leben in dieser vibrierende Stadt prägte im Guten wie im Schlechten.
Was mich daran so fasziniert hat, und Hoffnung keimen lässt, ist dass er ein wunderbar friedliches Nebeneinander von Religionen und Kulturen beschreibt. Ein respektvoller und zutiefst menschlicher Umgang. Und dann diese poetische, fast märchenhafte Sprache. Nicht nur der Titel ‚Die Königin und der Kalligraph‘ ist entsprechend zauberhaft, auch sprachlich aus einer anderen Welt mit viel Poesie zu Papier gebracht.
Eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Trauer um den Geliebten

Bleib
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Kein Buch für jedermann. Eher für die hartgesottenen unter uns, denn nicht nur ist das Setting harter Tobak auch die Ausrichtung. Denn der ganze Roman ist mehr oder minder zwei Briefe, wobei hier schon ...

Kein Buch für jedermann. Eher für die hartgesottenen unter uns, denn nicht nur ist das Setting harter Tobak auch die Ausrichtung. Denn der ganze Roman ist mehr oder minder zwei Briefe, wobei hier schon unsaubere Stellen enthalten sind, wo doch szenisch mit wörtlicher Rede hantiert wird. Denn S. schreibt der Frau ihres toten Liebhabers. M., der Mann mit dem S. 8 Jahre lang eine Affäre hatte. Während einer kurzen Auszeit stirbt dieser leider im See. Diese Ansprache per Brief aus meiner Sicht einerseits Anmaßung und Übergriff und zugleich Zuwendung und Verständnis.
“Wir liebten diese Lüge. Und manchmal glaubte ich daran. In Wahrheit bestand die Lüge in der Auslassung.” (S 15)
Und dann ruft sie nicht die Polizei oder einen Krankenwagen, sondern bleibt bei der Leiche. Das nimmt von Seite zu Seite etwas skurrilere Formen an, aber hej, dafür ist Literatur da, oder?
Eine fulminante Trauerbewältigung und eine brutal ehrliche Auseinandersetzung der eigenen weibliche Befreiung von Konventionen genauso wie eine deutliche Anklage der traditionellen Rollenverteilung.
“Erinnerungen entfalten sich im Licht der Gegenwart.” (S. 120)
Für mich eine sehr französische Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe, aller moralischer Zwänge entledigt und dem Glück verschrieben. Adeline Dieudonné hat eine unfassbar einnehmende Prosa. Selbst an Stellen, die ich absonderlich fand, konnte ich dieses Buch nicht weglegen.
“Er gab mir Raum, ohne Leere zu hinterlassen.” (S. 137)
Die Protagonistin hat mich genauso angezogen wie abgestoßen und das muss ein Text erst einmal können. Eine Frau mit überholten Glaubensätzen, die heutige Generationen vielleicht nicht mehr nachvollziehen können. Spannender Einblick in ihre Mutterschaft, auch da gehe ich mit, so unschön und hart es sich liest. So viel Wahres steckt drin.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Hexen, Priester, versenkt…

Mord auf dem Königssee
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Hier schreibt einer über eine Region, die er kennt wie seine Westentasche! Dieser Roman trägt aus gutem Grund den Untertitel Berchtesgaden-Krimi. Wie auch die beiden Vorgänger, ‚Mord am Kehlsteinhaus‘ ...

Hier schreibt einer über eine Region, die er kennt wie seine Westentasche! Dieser Roman trägt aus gutem Grund den Untertitel Berchtesgaden-Krimi. Wie auch die beiden Vorgänger, ‚Mord am Kehlsteinhaus‘ und ‚Mord am Watzmann‘. Ich habe das große Glück die Gegend auch schon mal in einem Urlaub erkundet zu haben, daher wurde es in Gedanken plastisch und konnte mich gut einfinden. Auch wenn das den tiefblauen See etwas unheimlicher machte mit den 6 (!) toten Geistlichen….
Max will das weltberühmte Echo anstoßen, öffnet seinen Koffer, aber das Horn ist weg, dafür liegt eine Hand mit Ring darin! Dann tauchen nach und nach sechs tote Priester alle einzeln in Ruderbooten auf. Ein siebtes Ruderboot ist leer und dieser Priester fehlt. Da muss Polizeibergführer Simon Perlinger mit Luisa Sedlbauer wieder ermitteln.
Wunderbar beschreibt der Autor, Felix Leibrock, nicht nur Gegend und Gemüt der Lokalen, sondern auch das was historisch hier in diesem Krimi aufgearbeitet wird. Denn es beginnt mit der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert, spannt einen Bogen zu den 6 Toten und der Ring auf dem Cover spielt auch eine große Rolle.
Wer sonst wegen zu viel Seichtigkeit lokale Krimis links liegen lässt, sollte diesem eine Chance geben. Denn Region ist super beschrieben, Handlung ist spannend und auch echt blutig sowie eine geschichtliche Komponente enthalten. Auch wenn die Charaktere nicht ganz rund gelungen sind, macht es Spaß diesen Krimi zu lesen.

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Wunderbare Ergänzung zum Original

Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen
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Der Klassiker von Jane Austen hatte in den letzten Jahren schon so einige Revivals, was ich total super finde! Jane Austens „Stolz und Vorurteile“ ist und bleibt ein englischer Klassiker! Nicht jeder hat ...

Der Klassiker von Jane Austen hatte in den letzten Jahren schon so einige Revivals, was ich total super finde! Jane Austens „Stolz und Vorurteile“ ist und bleibt ein englischer Klassiker! Nicht jeder hat ihn gelesen oder will es lesen, sei es als Kür im Original oder in einer deutschen Übersetzung. Nun gibt es eine weitere Variante mit der Graphic Novel. Klar, auch für Fans des Originals eine Freude es kurz und bündig mit Bebilderung zu lesen.
Und da liegt die Kunst und Kürzung. Natürlich lebt „Stolz und Vorurteile“ besonders vom Text, von der literarischen Sprache und wie Jane Austen dies damals zu Papier gebracht hat. DAS lässt sich schwer mit einer Graphic Novel transportieren. Was die Graphic Novel im Gegenzug dazu kann, ist durch die Bilder die damalige Wirklichkeit abbilden. Kleider, Häuser, Umwelt und Umstände ohne Text zu benötigen.
Ich finde diese Version ist kein Ersatz, aber eine wunderbare Ergänzung zum Original!

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Lange nicht gesehen...

Man sieht sich
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Julia Karnick schreibt locker leicht und es macht einfach Spaß ihre Romane zu lesen. Voller Leben sind die, ohne Kitz, mit ordentlich Humor und noch dazu sehr realistisch.
Auch hier wieder in „Man sieht ...

Julia Karnick schreibt locker leicht und es macht einfach Spaß ihre Romane zu lesen. Voller Leben sind die, ohne Kitz, mit ordentlich Humor und noch dazu sehr realistisch.
Auch hier wieder in „Man sieht sich“ wird eine Geschichte erzählt, ja eine Liebensgeschichte, die so gut passiert sein könnte oder so ähnlich. Denn alle die schon um die 50 sind oder auf dem Weg dorthin, wissen, dass man Menschen, die einem in jungen Jahren sehr wichtig waren aus den Augen verliert und ein Wiedersehen gemischte Gefühle hervorrufen können. Gute wie schlechte, je nachdem.
Auch hier ist es so. Frie und Robert. Robert und Frie. Darum geht es im Grunde auf knapp 475 Seiten, die ich sehr mochte. Frie und Robert lernen sich bereits in der Schule kennen, 1988, Robert kommt an die Schule und ist gleich in Frederika verliebt. Es driftet durch Erlebtes nach dem Abi auseinander, sie geht als Au-pair weg, er geht zur Bundeswehr. Dann 2002, der Zufall will es, sie sehen sich wieder. Fri mittlerweile Mutter einer Tochter, er Musiker. Und dann sind sie mittlerweile schon beim Abitreffen, 2022, mit fast 50 Jahren.
Ich denke mal, dass dieser Roman eher Menschen Ü40 anspricht, weil er so viel nostalgische Elemente enthält. Sehr zu empfehlen ist beim Lesen die Playliste, die hinten, also gaaaanz hinten abgedruckt ist. Der Roman ist lang und nimmt alles mit, aber ist dadurch auch in einer positiven Art intensiv. Mir hat es gefallen. Jüngere Leser U30 mag das an der einen und anderen Stelle nicht so gehaltvoll vor kommen, denn es ist einfach eine andere Zeit gewesen ohne Handy, ohne facebook….
Schön wars, genauso wie dieses Buch!

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