Liebe, die nicht gehen lässt
Eine Frau verbringt ein Wochenende mit ihrem Geliebten – bis er plötzlich tot ist. Und statt loszulassen, bleibt sie. Bei ihm, mit ihm, neben diesem Körper, der nicht mehr antwortet, aber noch alles bedeutet. ...
Eine Frau verbringt ein Wochenende mit ihrem Geliebten – bis er plötzlich tot ist. Und statt loszulassen, bleibt sie. Bei ihm, mit ihm, neben diesem Körper, der nicht mehr antwortet, aber noch alles bedeutet. Was folgt, ist Trauer in Bewegung: ein Festhalten gegen jede Vernunft.
Ich war beim Lesen gleichzeitig fassungslos und vollkommen drin. Diese Geschichte ist wahnwitzig, ja – fast grotesk in ihrer Ausgangslage – und trotzdem erschreckend nachvollziehbar. Weil Dieudonné nicht auf Schock setzt, sondern auf Gefühl. Auf diesen einen Moment, in dem man begreift: Es gibt Verluste, die man nicht „bewältigt“. Man kann nur irgendwie weiteratmen, während etwas in einem schreit, dass es bleiben soll.
Die Sprache hat eine Wucht, die nicht dekoriert, sondern trifft. Sie ist roh, zärtlich, bitterkomisch, manchmal wie ein Schlag, manchmal wie eine Hand auf dem Rücken. Und genau dadurch entsteht dieser Sog: Man will nicht wegsehen, man kann nicht wegsehen. Zwischen Liebe und Tod liegt hier kein Pathos, sondern ein seltsamer, dunkler Humor und eine Klarheit, die wehtut. Was bei mir zurückblieb, war weniger „Traurigkeit“ als ein brennendes Nachdenken über Besitz, Hingabe, Würde.
Wenn man etwas kritisch anmerken will: Das Buch verlangt Bereitschaft, sich auf eine extreme Situation einzulassen, ohne nach Realismus zu fragen. Wer das nicht kann oder will, wird es als zu viel empfinden. Wer sich aber hingibt, bekommt etwas Seltenes: ein Buch, das nicht nur erzählt, sondern nachwirkt.
Für Leser:innen, die literarische Intensität lieben, ungewöhnliche Konstruktionen nicht scheuen und Geschichten suchen, die unter die Haut gehen.
Fazit: Irre, brutal schön und tief menschlich – ein Roman, der einen nicht einfach entlässt.