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Veröffentlicht am 16.03.2026

Wenn Kunst Erinnerungen bewahrt

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder erzählt eine vielschichtige Geschichte über Frauen, Familie, Schuld und das, was Generationen miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist ...

"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder erzählt eine vielschichtige Geschichte über Frauen, Familie, Schuld und das, was Generationen miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist ein unscheinbares Porträt – eine Leinwand, die sich wie ein roter Faden durch mehrere Leben zieht und Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt.
Die Handlung bewegt sich auf zwei Zeitebenen: Im Jahr 1945 versteckt sich die 14-jährige Marlen in einem verlassenen Forsthaus vor den russischen Soldaten. Dort entdeckt sie ein Porträt, das später eine besondere Bedeutung für ihr Leben bekommen wird. Wilma, die Marlen hilft und bei sich aufnimmt, trägt selbst ein Geheimnis in sich, das sie zu zerbrechen droht. In der Gegenwart begleitet man Hannah, die sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen muss – und mit der Frage, was aus der wertvollen Leinwand ihrer Großmutter geworden ist.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und sehr gemocht. Besonders gut gefallen hat mir das ständige Wechseln zwischen den Zeitebenen. Zu Beginn werden die Verbindungen zwischen Hannah und Marlen nur angedeutet, sodass sich die Zusammenhänge erst nach und nach erschließen. Dieses allmähliche Zusammenfügen der Geschichten hat für mich eine schöne Spannung erzeugt.
Als Kunstliebhaberin haben mich außerdem die Beschreibungen der Malerei besonders angesprochen. Die Szenen rund um Wilmas – und später Marlens – künstlerisches Arbeiten sind so atmosphärisch geschildert, dass man sich das Atelier förmlich vorstellen kann: den Geruch von Farbe, das Licht, die konzentrierte Stille beim Malen.
Die Figuren lösen dabei durchaus ambivalente Gefühle aus. Wilma tat mir im Verlauf der Geschichte immer wieder leid – gleichzeitig empfand ich auch Wut über ihr Verhalten und ihren Egoismus. Genau diese Widersprüchlichkeit macht sie aber zu einer interessanten Figur. Ähnlich ging es mir mit Hannahs Vater, der ebenfalls sehr unterschiedliche Emotionen auslöst.
Die Geschichte ist emotional, ohne kitschig zu sein, und entfaltet nach und nach eine schöne Tiefe. Als Hörbuch hat mir zudem die Stimme von Julia Nachtmann sehr gut gefallen – angenehm, ruhig und genau passend zur Atmosphäre des Romans.
Fazit:
Eine warmherzige, vielschichtige Geschichte über Familie, Kunst und die Spuren, die Vergangenheit in unserem Leben hinterlässt. Die wechselnden Zeitebenen, die atmosphärischen Atelier-Szenen und die ambivalenten Figuren machen das Buch zu einem sehr stimmigen Lese- bzw. Hörerlebnis.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein Leben in sechs Tagen

Tage des Lichts
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Tage des Lichts von Megan Hunter ist ein ungewöhnlicher Roman – sowohl in seiner Struktur als auch in seiner Sprache. Die Idee, ein ganzes Leben in nur sechs Tagen zu erzählen, hat mich sofort fasziniert. ...

Tage des Lichts von Megan Hunter ist ein ungewöhnlicher Roman – sowohl in seiner Struktur als auch in seiner Sprache. Die Idee, ein ganzes Leben in nur sechs Tagen zu erzählen, hat mich sofort fasziniert. Dieser Aufbau gibt der Geschichte etwas Zeitloses und beinahe Mythisches.
Im Mittelpunkt steht Ivy, deren Leben von Anfang an von Zerrissenheit geprägt ist. Besonders gelungen finde ich, wie feinfühlig und eindringlich ihre innere Welt gezeichnet wird. Die Sprache der Autorin hat eine besondere Qualität – poetisch, oft sehr nah an Ivys Gedanken und Gefühlen. Dadurch kann man sich erstaunlich gut in sie hineinversetzen, selbst wenn einem ihr Hintergrund, das Leben in einer Künstlerfamilie, vielleicht fremd erscheint. Trotzdem spürt man als Leser sehr deutlich die emotionale Distanz, die in dieser Familie mitschwingt.
Auch Ivys Beziehungen sind vielschichtig angelegt. Ihre Liebe zu Bear, der deutlich älter ist, wirkt fast wie die Suche nach Halt – nach einer Art großen Bruder oder Vaterfigur. Ganz anders fühlt sich dagegen ihre Verbindung zu Francis an, die ursprünglicher und echter erscheint. Diese Kontraste geben der Geschichte eine zusätzliche emotionale Tiefe.
Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Buch am Anfang noch nicht vollständig gepackt hat. Der Einstieg wirkte auf mich stellenweise etwas langatmig, und der religiöse Aspekt war mir persönlich etwas zu dominant. Auch der sehr besondere, teilweise fragmentarische Schreibstil hat mir das Dranbleiben nicht immer leicht gemacht.
Erst in der zweiten Hälfte hat mich der Roman dann wirklich erreicht. Dort verdichten sich die Themen, die emotionale Spannung wächst – und plötzlich entfaltet sich die Geschichte mit einer Kraft, die mich sehr berührt hat.
Fazit:
Ein literarisch ungewöhnlicher Roman mit einer starken Idee und einer sehr besonderen Sprache. Der Einstieg verlangt etwas Geduld, doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker entfaltet sie ihre Wirkung. Ein Buch über Liebe, Halt und die Suche nach sich selbst, das gerade durch seine leisen Zwischentöne lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Unser Haus mit Rutsche
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Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi erzählt von einer Kindheit zwischen Kulturen, großen Versprechen und leisen Brüchen. Im Mittelpunkt steht Layla, die in Saarbrücken aufwächst – mit einem Vater ...

Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi erzählt von einer Kindheit zwischen Kulturen, großen Versprechen und leisen Brüchen. Im Mittelpunkt steht Layla, die in Saarbrücken aufwächst – mit einem Vater voller visionärer Ideen und schillernder Zukunftspläne und einer Mutter, die zwischen Anpassung, Herkunft und eigenen Erwartungen steht. Ein Haus mit Rutsche wird dabei zum Sinnbild für all das, was möglich scheint – und vielleicht nie ganz greifbar ist.

Die Grundidee des Romans gefällt mir sehr: Dieses Aufwachsen „zwischen den Welten“, zwischen Realität und Fantasie, zwischen politischer Geschichte und privatem Familienchaos, bietet unglaublich viel Stoff. Und es gibt auch viele Momente, in denen das Buch genau das einlöst. Die Kindheitsperspektive ist lebendig, manchmal humorvoll, manchmal berührend. Gerade die Szenen, in denen Layla versucht, die Widersprüche ihrer Eltern zu begreifen, haben etwas Echtes und Nahbares.

Und trotzdem hat mich das Buch nicht ganz erreicht.

Das ist reine Geschmacksache – aber die Sprache war nicht durchgehend mein Ton. Stellenweise empfand ich sie als etwas zu leicht oder sprunghaft, wodurch die ernsteren Themen – Identität, Migration, politische Spannungen, familiäre Risse – für mich nicht immer die Tiefe bekamen, die ich mir gewünscht hätte. Es bleibt oft in einer schwebenden Atmosphäre, die zwar charmant ist, aber emotional nicht ganz bei mir andocken konnte.

Was ich sehr mochte, war der Blick auf familiäre Dynamiken: diese Mischung aus Liebe, Überforderung, großen Träumen und stillen Enttäuschungen. Der Vater mit seinen ambitionierten Ideen, die Mutter mit ihren eigenen inneren Kämpfen – und dazwischen ein Kind, das versucht, sich selbst zu verorten. Das hat viele schöne, authentische Momente.

Fazit:

Ein Roman mit einer starken Idee und einem besonderen Blick auf das Aufwachsen zwischen Kulturen und Erwartungen. Für mich sprachlich nicht ganz stimmig, aber dennoch eine lesenswerte, warme Geschichte mit eigenen Bildern und einem feinen Gespür für familiäre Zwischentöne.



Nicht ganz mein Stil – aber ein Buch mit Herz und interessanter Perspektive.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

33 Stimmen – und plötzlich fühlt man sich nicht mehr allein

Frauenprobleme
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Frauenprobleme ist keine klassische Erzählung. Kein Roman mit Plot, kein Sachbuch mit Analyse. Es ist ein Chor. Ein kollektives Porträt. 33 Sprachnachrichten von Frauen in der Mitte des Lebens – roh, ehrlich, ...

Frauenprobleme ist keine klassische Erzählung. Kein Roman mit Plot, kein Sachbuch mit Analyse. Es ist ein Chor. Ein kollektives Porträt. 33 Sprachnachrichten von Frauen in der Mitte des Lebens – roh, ehrlich, wütend, müde, hoffnungsvoll.

Und ja: Es ist krass.

Ich habe das Buch gehört – und es war eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Diese Stimmen. Diese Offenheit. Dieses halb anonyme, intime Erzählen über das, was man früher abfällig „Frauenprobleme“ nannte. Vereinbarkeit. Erschöpfung. Verlust. Älterwerden. Heimat. Mutterschaft. Wut. Schuld. Sehnsucht. Freundschaft.

Was dieses Buch so besonders macht, ist die Vielstimmigkeit. Unterschiedliche Biografien, unterschiedliche Hintergründe – und doch ziehen sich verbindende Linien durch alles:
Das Gefühl, zerrissen zu sein.
Das Funktionieren.
Das „Es geht mir gut“, obwohl es nicht immer stimmt.
Das Bedürfnis nach Freundinnen, mehr denn je.

Man fühlt sich beim Hören immer wieder verstanden. Man nickt. Man schluckt. Man denkt: Ja. Genau so ist es.
Und das über Generationen hinweg. Es ist, als säße man mit Freundinnen am Tisch. Keine Filter. Kein Schönreden. Aber auch kein Selbstmitleid.

Der Ton ist direkt, ungeschönt, radikal ehrlich – und gerade dadurch tröstlich. Weil er zeigt: Du bist nicht allein mit deinen Gedanken. Nicht allein mit deiner Erschöpfung. Nicht allein mit deiner Wut oder deinem Zweifel.

Es ist eine moderne Bestandsaufnahme – nicht theoretisch, sondern emotional. Kein Manifest, kein Ratgeber, sondern ein Raum. Ein Raum, in dem weibliche Realität nebeneinanderstehen darf.

Fazit:
Ein starkes, kluges, berührendes Projekt.
Wie ein langes Gespräch mit Freundinnen.
Wie ein Spiegel.
Wie ein kollektives Ausatmen.

Ein Buch – oder besser: ein Stimmenchor – der bleibt.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Zu viele Fäden, zu wenig echte Spannung

Einsames Watt
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Ich bin mit Vorfreude in diesen Band gestartet, weil ich atmosphärische Inselkrimis eigentlich sehr gerne lese – gerade wenn Landschaft, Figuren und Spannung ineinandergreifen. Der Einstieg fiel mir jedoch ...

Ich bin mit Vorfreude in diesen Band gestartet, weil ich atmosphärische Inselkrimis eigentlich sehr gerne lese – gerade wenn Landschaft, Figuren und Spannung ineinandergreifen. Der Einstieg fiel mir jedoch bereits schwer. Ohne die vorherigen Teile zu kennen, hatte ich das Gefühl, mitten in bestehende Strukturen hineinzulesen, bei denen mir Hintergrundwissen fehlte. Dazu kamen zahlreiche Nebenhandlungen und private Verflechtungen, die für mein Empfinden sehr viel Raum einnahmen, ohne die eigentliche Krimihandlung wirklich voranzubringen.
Der Schreibstil liest sich durchweg leicht und flüssig, was grundsätzlich angenehm ist. Allerdings kippte der Ton für mich stellenweise ins zu Locker-Humorige. Diese Momente wirkten in einem Krimi eher deplatziert und nahmen der Geschichte etwas von der Ernsthaftigkeit, die ich mir gewünscht hätte. Statt eines stetigen Spannungsaufbaus entstand häufig ein Gefühl des Dahinplätscherns.
Im dritten Abschnitt verdichtete sich die Handlung zwar spürbar, und es wurde klarer, dass hinter den einzelnen Figuren mehr steckt, als zunächst sichtbar war. Endlich schien Bewegung in die Sache zu kommen, offene Fäden begannen sich zu bündeln. Doch im finalen Abschnitt wurden die verschiedenen Mordfälle und Nebenstränge dann nahezu im Gleichschritt aufgelöst. Die Auflösung wirkte weniger wie ein packender Höhepunkt, sondern eher wie ein zügiges Abarbeiten offener Punkte.
Besonders irritierend blieb für mich die mangelnde Glaubwürdigkeit mancher polizeilicher Vorgehensweisen und Absprachen. Auch die Vielzahl an zusätzlichen Vergehen – von Einbrüchen bis hin zu illegalem Antiquitätenhandel – verstärkte den Eindruck einer überladenen Konstruktion, die dramaturgisch mehr wollte, als sie letztlich tragen konnte. Einige Lösungen wirkten bemüht und konstruiert statt organisch gewachsen.
Positiv hervorheben möchte ich weiterhin die atmosphärischen Inselmomente, die zwischendurch immer wieder aufblitzten. Wenn Landschaft und Stimmung Raum bekamen, war das sehr gelungen. Insgesamt jedoch blieb für mich der Eindruck eines überfrachteten und vorhersehbaren Krimis zurück, dem es an echter Spannung und Konsequenz fehlte.
Ein weiterer Band wird am Ende klar vorbereitet – doch nach diesem wenig packenden Finale fehlt mir leider die Motivation, die Reihe weiterzuverfolgen. Schade, denn das Potenzial der Grundidee wäre durchaus da gewesen.

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