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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2025

RomCom trifft Geisterwelt – und ganz viel Gefühl

Ghosted
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Schon auf den ersten Seiten überrascht Ghosted mit einer ungewöhnlichen Mischung: RomCom trifft auf Mystery – und das funktioniert erstaunlich gut. Was zunächst wie eine charmante, leicht abgedrehte Geistergeschichte ...

Schon auf den ersten Seiten überrascht Ghosted mit einer ungewöhnlichen Mischung: RomCom trifft auf Mystery – und das funktioniert erstaunlich gut. Was zunächst wie eine charmante, leicht abgedrehte Geistergeschichte wirkt, entwickelt schnell emotionale Tiefe und berührt Themen wie Verlust, Selbstwert und familiäre Prägung.
Im Mittelpunkt steht Emily, die mit ihrem Projekt „Emily 2.0“ verzweifelt versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Ihr Drang zur Selbstoptimierung wirkt zunächst überzeichnet, ist aber erschreckend nachvollziehbar in einer Gesellschaft, die ständige Verbesserung zur Norm erklärt. Besonders stark sind die Szenen, in denen Emily beginnt, hinter ihre eigene Fassade zu blicken – und sich mit den Schatten ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss.
Der titelgebende „Ghost“ Andy bringt nicht nur Humor und Wortwitz in die Geschichte, sondern auch eine bittersüße Note. Seine Präsenz wirft Fragen auf, die dem Roman zusätzliche Spannung verleihen – ohne ihn je ins rein Übersinnliche kippen zu lassen.
Auch das Freund:innen-Netzwerk um Emily herum ist vielschichtig und angenehm klischeefrei gezeichnet. Die Nebenfiguren bereichern die Handlung mit verschiedenen Perspektiven auf Themen wie Zugehörigkeit, queere Identität und echte Freundschaft – ohne belehrend zu wirken.
Rosie Mullender gelingt es, ernste Themen wie Trauer, Selbstzweifel oder Kindheitstraumata mit Leichtigkeit zu erzählen – mal witzig, mal schmerzhaft ehrlich, immer menschlich. Ghosted ist kein oberflächlicher Wohlfühlroman, sondern ein feinfühliger, unterhaltsamer Blick auf die Frage: Wer bin ich eigentlich, wenn ich aufhöre, jemand anderes sein zu wollen?
Fazit:
Witzig, warmherzig und überraschend tiefgründig – Ghosted erzählt auf originelle Weise vom Loslassen, von Freundschaft und dem Mut zur Selbstakzeptanz. Ein Wohlfühlroman mit Nachhall – charmant erzählt und doch nachdenklich stimmend.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Spannende Fakten, tolle Illustrationen

Wozu eigentlich Mathe?
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Mein Sohn schreibt demnächst eine Mathearbeit – Thema: Primzahlen. 🧠🔢 Beim gemeinsamen Üben sind wir auf dieses Buch gestoßen – und plötzlich war Mathe nicht mehr nur „Pflicht“, sondern richtig spannend! ...

Mein Sohn schreibt demnächst eine Mathearbeit – Thema: Primzahlen. 🧠🔢 Beim gemeinsamen Üben sind wir auf dieses Buch gestoßen – und plötzlich war Mathe nicht mehr nur „Pflicht“, sondern richtig spannend! 🤩
„Wozu eigentlich Mathe?“ hat uns beide überrascht: Es ist bunt, anschaulich und zeigt auf tolle Weise, wie Mathe im Alltag steckt – oft ohne dass wir es merken. Ob beim Schätzen von Kugeln in einem Glas, beim Planen von Reisen ✈️, beim Einkaufen 🛒 oder sogar in der Geschichte – dieses Buch verbindet Wissen mit Alltag, Neugier mit Spaß.
Besonders gelungen finde ich die vielen kleinen Aha-Momente 💡: Wie hat man früher ohne die Null gerechnet? Warum sollte man bei einer Spielshow die Tür wechseln? Wie konnte man mit wenigen Daten ganze Bevölkerungen zählen? Mein Sohn war begeistert – und ich gleich mit.
Die Gestaltung ist ein echter Hingucker 🎨: Farbenfrohe Illustrationen, Retro-Stil, übersichtliche Kapitel – und immer wieder „Du bist dran“-Seiten, auf denen man das Gelesene direkt anwenden kann. Super für neugierige Kinder ab 9 Jahren – und ehrlich gesagt auch für Erwachsene, die Mathe früher eher gemieden haben 😉
Fazit: Dieses Buch macht Mathe greifbar, verständlich und – ja! – richtig unterhaltsam. Ein toller Begleiter zum Schulstoff und eine echte Schatzkiste für alle, die Mathe nicht nur lernen, sondern erleben wollen. 🌍📐🧩

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache aus.

Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen
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Angesichts von derzeit noch rund 7000 Sprachen weltweit ist das ein dramatisches Tempo – und es verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. Der Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen von Arnfrid Schenk ...

Angesichts von derzeit noch rund 7000 Sprachen weltweit ist das ein dramatisches Tempo – und es verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. Der Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen von Arnfrid Schenk und Stefan Schnell ist daher mehr als ein schönes Buch: Er ist ein eindringlicher Appell, ein kulturhistorisches Warnsignal und ein sprachwissenschaftlicher Schatz zugleich.
Der Band stellt 50 gefährdete Sprachen vor – von Nordfriesisch und Niedersorbisch in Europa über das indigene Comanche in Nordamerika, das Kayardild in Australien bis zum fast vergessenen Mbugu in Afrika. Darunter finden sich Sprachen mit Begriffen für feinste Geruchsnuancen, mit einzigartigen Raum-Zeit-Konzepten oder Grammatiksystemen, die es so kein zweites Mal gibt. Wirklich sehr sehr beeindruckend!
Besonders berührend: Die Sprache Nyang’i aus Uganda wird heute nur noch von einer einzigen Person gesprochen. Wenn sie stirbt, stirbt auch ihr Wissen, ihre Geschichte, ihre Welt. Ein stilles Drama, wie es sich auf allen Kontinenten abspielt – etwa in Ozeanien, das mit rund 2100 Sprachen der sprachreichste Raum der Welt ist, aber von denen zwei Drittel vom Aussterben bedroht sind.
Nicht zuletzt besticht der Atlas auch gestalterisch: Die Karten, Infografiken und das klare Layout machen komplexe Zusammenhänge sichtbar und begreifbar. Begleitende Essays erklären nicht nur, warum Sprachen verschwinden – sie zeigen auch, wie sie gerettet werden können. Ob durch Community-Projekte, digitale Initiativen oder Rückbesinnung auf kulturelle Wurzeln – es gibt Hoffnung.
Fazit:
Der Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen ist ein faszinierendes, liebevoll gestaltetes Buch, das Augen öffnet und Herzen erreicht. Er macht deutlich: Sprache ist mehr als Kommunikation – sie ist gelebte Kultur, Identität und ein unersetzliches Gut. Ein Must-Read für alle, die unsere Welt in ihrer Vielfalt bewahren wollen.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Mord, Meer & mallorquinische Intuition – Isabel Flores’ erster Fall

Das Teufelshorn
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Ein Krimi mit mediterranem Flair, viel Atmosphäre – und einer Ermittlerin, die man sofort ins Herz schließt.
Im kleinen mallorquinischen Ort Sant Martí, wo der Duft von Pinien in der Luft liegt und der ...

Ein Krimi mit mediterranem Flair, viel Atmosphäre – und einer Ermittlerin, die man sofort ins Herz schließt.
Im kleinen mallorquinischen Ort Sant Martí, wo der Duft von Pinien in der Luft liegt und der Cortado unter der Sonne besonders gut schmeckt, wird der Alltag jäh durch eine düstere Nachricht erschüttert: Ein kleines Mädchen ist am Strand verschwunden. Die Polizei ist ratlos – und ruft Isabel Flores zu Hilfe, eine ehemalige Kommissarin mit messerscharfem Verstand und feiner Intuition, die sich inzwischen eigentlich lieber um Ferienimmobilien kümmert als um Verbrechen.
Doch Isabel lässt sich nicht lange bitten. Sie beginnt zu ermitteln – zunächst vorsichtig, dann immer tiefer in das dörfliche Netz aus Beziehungen, kleinen Lügen und gut gehüteten Geheimnissen eintauchend. Bald erschüttert ein weiterer Fall die Gemeinde: Ein älterer Mann wird brutal ermordet. Gibt es eine Verbindung?
Was den Roman besonders macht:
Das Teufelshorn punktet nicht mit atemloser Action oder übertriebener Brutalität, sondern mit Atmosphäre, Lokalkolorit und Charaktertiefe. Anna Nicholas gelingt es, Mallorca abseits der Touristenzentren zu schildern – als Ort voller Schönheit, aber auch voller Widersprüche. Die Protagonistin Isabel ist angenehm unaufgeregt, klug und reflektiert – eine Heldin, der man gerne durch schattige Gassen und über heiße Pflastersteine folgt.
Statt platter Polizeiklischees begegnet uns hier eine Frau mit Geschichte, einem Frettchen als Haustier und einem feinen Gespür für Menschen. Der Humor blitzt immer wieder durch, ohne die Spannung zu mindern. Auch Nebenfiguren wie Polizist Tolo oder Assistent Pep sind lebendig und charmant gezeichnet.
Die Handlung entwickelt sich in zwei spannenden Strängen – Entführung und Mord – und bleibt dabei immer nachvollziehbar. Zwar sind manche Wendungen vorhersehbar und nicht jede Figur bis ins Detail ausgearbeitet, doch das schmälert das Lesevergnügen kaum.

Fazit:
Ein gelungener Reihenauftakt mit Herz, Hirn und herrlichem Mittelmeerflair. Wer kluge Krimis mit ruhiger Erzählweise, sympathischer Ermittlerin und mediterraner Kulisse liebt, liegt mit Das Teufelshorn genau richtig. Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem einen Fall für Isabel Flores!

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Luxus, Lügen und tödliche Geheimnisse auf Keeper Island

The Island - Auf der Flucht
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Weiße Sandstrände, türkisblaues Meer und tropische Cocktails – The Island entführt seine Leser:innen auf den ersten Blick in ein karibisches Urlaubsparadies. Doch schon nach wenigen Seiten wird klar: Keeper ...

Weiße Sandstrände, türkisblaues Meer und tropische Cocktails – The Island entführt seine Leser:innen auf den ersten Blick in ein karibisches Urlaubsparadies. Doch schon nach wenigen Seiten wird klar: Keeper Island ist kein Ort zur Erholung, sondern ein Albtraum in Designeroptik. Nicola Martin inszeniert mit sicherem Gespür für Spannung und Atmosphäre einen packenden Inselthriller, der nicht nur durch seinen exotischen Schauplatz besticht, sondern vor allem durch ein raffiniert konstruiertes Netz aus Intrigen, Geheimnissen und menschlichen Abgründen.
Im Zentrum steht die Hotelmanagerin Lola, die nach einem blutigen Zwischenfall in Hongkong auf Keeper Island ein neues Leben beginnen will. Doch kaum angekommen, wird ihr Mentor Moxham tot aus dem Meer gezogen – angeblich ein Unfall. Für Lola beginnt eine gefährliche Gratwanderung: Zwischen schillernden Gästen, zwielichtigen Angestellten und dem Druck, ihre eigene Vergangenheit zu verbergen, versucht sie herauszufinden, was wirklich hinter der Fassade des Luxusresorts steckt. Ihre zwei goldenen Regeln – „Sei auf alles vorbereitet“ und „Traue niemandem“ – werden auf eine harte Probe gestellt.
Nicola Martin gelingt es mit einem temporeichen Schreibstil, kurzen Kapiteln und ständig neuen Wendungen, einen echten Pageturner zu erschaffen. Die Handlung wird aus Lolas Perspektive erzählt, was die Leser:innen unmittelbar in das Geschehen hineinzieht. Gleichzeitig bleibt die Protagonistin bis zum Schluss ambivalent – ist sie Opfer, Täterin oder beides? Diese moralische Grauzone verleiht der Figur Tiefe und dem Plot zusätzliche Spannung.
Besonders gelungen ist auch die Darstellung der sozialen Kontraste: Während die privilegierten Gäste auf Champagner und Sonnenuntergänge blicken, kämpft das Personal ums Überleben – ein Mikrokosmos der Ungleichheit, in dem Gier und Macht alle Regeln außer Kraft setzen. Das Setting, so verführerisch es auf den ersten Blick scheint, entwickelt sich zur perfekten Bühne für einen modernen Thriller, der mehr zu sagen hat, als bloß zu unterhalten.

Fazit:
The Island – Auf der Flucht ist ein atmosphärisch dichter Thriller mit exotischem Setting, vielschichtigen Figuren und einem Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Nicola Martin beweist ein feines Gespür für Spannung, Psychologie und das Spiel mit Schein und Sein. Ein perfekter Sommerkrimi – aber definitiv nichts für schwache Nerven oder allzu verträumte Reisesehnsüchte.

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