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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2025

Emotional, dramatisch und spannend

Wie Risse in der Erde
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Liebe, Verlust, Wut, Vergebung sind die zentralen Themen in diesem Buch, das mein Herz gestohlen hat. Am Ende muss ich fast weinen, weil ich mit diesem Ausgang nicht gerechnet habe und weil mir das Ende ...

Liebe, Verlust, Wut, Vergebung sind die zentralen Themen in diesem Buch, das mein Herz gestohlen hat. Am Ende muss ich fast weinen, weil ich mit diesem Ausgang nicht gerechnet habe und weil mir das Ende so gut gefällt.

Schauplatz ist das fiktive Örtchen Hemston in North Dorset, einer wunderschönen Gegend an der englischen Südküste. Dort erlebe ich eine ganze Palette an Emotionen. Selten hat mich ein Buch dermaßen gefesselt. Der Roman beginnt mit einem Todesfall, aber die Autorin lässt mich lange Zeit im Dunkeln tappen. Erst ganz am Ende erfahre ich, was passiert ist. Bis dahin erlebe ich in Rückblenden, wie die große Jugendliebe von Beth und Gabriel begonnen hat und wie sie endete. Ich erlebe die glückliche kleine Familie Beth, Frank und ihren Sohn Bobby und auch das Unglück, bei dem Bobby sein Leben verliert. Clare Leslie Hall erzählt auf verschiedenen Zeitebenen und manchmal nur in Andeutungen, so dass ich vieles vermute, aber nicht weiß.

Als Gabriel mit seinem Sohn Leo in die Heimat zurück kehrt, läuft vieles aus dem Ruder und die Idylle auf der Farm von Beth und Frank wird empfindlich und nachhaltig gestört.

Die Sprache ist eingängig und emotional. Das ist eines dieser Bücher, die ich einfach nicht weglegen konnte. Beth wird sehr facettenreich dargestellt, ich habe viele Einblicke in ihre Gedanken, da sie in der Ich-Form erzählt. Gabriel und Frank bedienen schon einige Klischees, aber nicht so, dass es mich stört. Sie sind nun mal grundverschieden, der extravagante Schriftsteller und der gütige und bodenständige Farmer. Ich erlebe Beths Konflikte, ihr Zögern, ihr schlechtes Gewissen, ihr Begehren und ihre Zerrissenheit hautnah mit. Ich selbst bin hin und hergerissen zwischen Verständnis und Empörung. Aber es gibt kein schwarz und weiß, sondern ganz viel dazwischen
.
Dieses Buch ist ein emotionaler Liebesroman, eine dramatische Familiengeschichte und ein spannender Thriller in einem und ich habe es geliebt.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Trauer und Hoffnung

Strandgut
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Benjamin Myers erzählt in „Strandgut“ die Geschichte von Bucky und Dinah, zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise vom Leben aus der Bahn geworfen wurden. Im Mittelpunkt des Romans steht zunächst ...

Benjamin Myers erzählt in „Strandgut“ die Geschichte von Bucky und Dinah, zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise vom Leben aus der Bahn geworfen wurden. Im Mittelpunkt des Romans steht zunächst die Reise von Bucky nach Scarborough, wo er auf einem Soulfestival auftreten soll. Bucky kann gar nicht glauben, dass er tatsächlich begeisterte Fans hat. Daneben nimmt die Trauer als allumfassende Kraft, die das Dasein verdunkelt – „wie ein Planet, der sich vor die Sonne schiebt“ einen bedeutenden Platz ein. Benjamin Myers beschreibt eindrücklich, wie Bucky nach dem Tod seiner Frau mit schmerzhafter Leere und Selbstzweifeln ringt. Die Trauer ist nicht einfach zu überwinden, sondern prägt jede Facette von Buckys Leben und Denken.

Gleichzeitig gelingt es dem Autor, die Schwere des Themas immer wieder mit trockenem, britischem Humor aufzulockern. In scharf beobachteten Dialogen und pointierten Bemerkungen blitzen Hoffnung und Menschlichkeit auf. Dinah, die zweite zentrale Figur, steht für die Möglichkeit des Neuanfangs. Mit viel Wärme und Authentizität begegnet sie Bucky, eröffnet ihm neue Perspektiven und wird zum entscheidenden Impuls, sich wieder auf das Leben einzulassen. Die Beziehung der beiden entwickelt sich behutsam und glaubhaft, ohne Pathos, aber mit gegenseitigem Respekt und Feingefühl.

Stilistisch besticht der Roman durch seine poetische Klarheit. Myers findet für komplexe Gefühle treffende, oft bildstarke Worte und zeichnet seine Figuren lebendig und nachvollziehbar. Besonders gelungen sind die inneren Monologe Buckys, die dessen Trauer, aber auch seinen schrittweisen Weg zurück ins Leben authentisch widerspiegeln.
Auch wenn die Erzählung mi
r streckenweise schwer auf dem Gemüt lastet, ist „Strandgut“ letztlich ein zutiefst menschlicher Roman über Verlust, Hoffnung und die Kraft der Begegnung. Das Meer dient dabei als Sinnbild für Sehnsucht und Freiheit und verleiht dem Roman eine besondere, melancholische Atmosphäre.
Fazit: „Strandgut“ ist ein einfühlsamer, vielschichtiger Roman, der die existenziellen Fragen des Lebens bewegend stellt und am Ende habe ich einen Hauch von Hoffnung gespürt.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Nervenaufreibender Locked Car Thriller

Der Stau
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Ein endloser Stau vor den Toren von London, eine Kommissarin kurz vor dem Ruhestand und ein Mörder, der ebenso wie seine potenziellen Opfer im Verkehrschaos gefangen ist. Das ist das Setting von „Der Stau“ ...

Ein endloser Stau vor den Toren von London, eine Kommissarin kurz vor dem Ruhestand und ein Mörder, der ebenso wie seine potenziellen Opfer im Verkehrschaos gefangen ist. Das ist das Setting von „Der Stau“ und ich wurde sofort neugierig.

Schon der Einstieg zieht mich unweigerlich in die beklemmende Szenerie. Belinda Kidd – genannt Billy, vom Jetlag gezeichnet und eigentlich nach einer Auszeit in Australien auf dem Weg nach Hause, wird von der plötzlichen Explosion im Tunnel und der damit verbunden Sperrung der Autobahn genau wie alle anderen zum Anhalten gezwungen, denn nichts geht mehr. Die Idee, dass niemand entkommen kann – weder die Ermittlerin, noch der Täter – erzeugt ein konstantes, greifbares Spannungsfeld. Die Autorin spielt mit der Dynamik des Stillstandes.

Jo Furniss versteht es, die Figuren mit wenigen, prägnanten Kapiteln vorzustellen und so nach und nach ein Kaleidoskop menschlicher Abgründe, Ängste und Hoffnungen zu entwerfen. Extremes Setting, extreme Reaktionen: Ausnahmesituationen fördern bei allen Beteiligten überraschende Seiten zutage, sei es Misstrauen, Panik oder auch unerwartete Solidarität. Besonders Billy wird dabei nicht nur zur Ermittlerin, sondern auch zur Getriebenen ihrer eigenen Vergangenheit. Furniss gelingt es, die inneren Konflikte und Dämonen ihrer Hauptfigur schrittweise zu enthüllen, sei es durch Selbstgespräche oder Rückblicke in die Vergangenheit.
Der Schreibstil mag für manch einen etwas rau oder derb wirken; für andere passt er jedoch ausgezeichnet zu der düsteren, angespannten Atmosphäre, die über der gesamten Handlung liegt.

Ein besonderes Lob verdient die detailverliebte Ermittlungsarbeit: Billy setzt im Kopf und mit scharfem Blick Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen zusammen. Die Spannung entsteht nicht durch wilde Verfolgungsjagden, sondern durch akribische Beobachtung und das allmähliche Entschlüsseln menschlicher Verhaltensmuster.

Insgesamt hat mir „Der Stau“ gut gefallen. Die raffinierte Konstruktion, die vielschichtigen Charaktere und die konsequent durchgehaltene Stimmung machen das Buch lesenswert und spannend.

Fazit: Eine coole Idee, packend umgesetzt – und definitiv ein Thriller, der nachwirkt, denn wir alle geraten mal in einen Stau ...

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Leider nicht so spannend wie erhofft

Dorn. Hotel der Angst
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Der Auftakt zur neuen Krimireihe von Jan Beck hat mich leider nicht überzeugt. Dabei beginnt es mit einem vielversprechenden und düsteren Szenario.

Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, ein traumatisierter ...

Der Auftakt zur neuen Krimireihe von Jan Beck hat mich leider nicht überzeugt. Dabei beginnt es mit einem vielversprechenden und düsteren Szenario.

Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, ein traumatisierter Kriminalpsychologe zieht sich nach persönlichen Verlusten in ein verfallenes Hotel zurück, und ein Mord an einer Cold-Case-Ermittlerin verstrickt die Figuren in einen neuen Fall. Der Klappentext verspricht ein innovatives Thriller-Erlebnis und die ersten Seiten liefern tatsächlich eine hohe Spannung, als Karla Hofbauer im Zuge ihrer verdeckten Ermittlungen in Hamburg ihr Leben verliert.

Im Mittelpunkt steht Simon Dorn, der nach tragischen Ereignissen seinen Polizeidienst quittiert und sich ins abgelegene Hotel Dornwald zurückzieht. Dort verwandelt er die Zimmer des verlassenen Hotels in einen makabren Schaukasten ungelöster Mordfälle. Seine einzige Verbindung zur Außenwelt ist Karla Hofbauer. Nach deren Tod wird die junge Kriminalpolizistin Lea Wagner auf die Spur des Falls angesetzt und reist nach Bad Gastein. Die Konstellation verspricht ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel.

Allerdings hält das Buch diese Erwartungen nicht durchgehend. Während der Einstieg fesselnd ist, bleibt die Darstellung von Simon Dorn eher enttäuschend. Er wirkt auf mich seltsam, verschlossen und wenig sympathisch. Die Begegnung mit Lea Wagner bringt zwar Bewegung in die Handlung, doch auch diese Dynamik entfaltet sich nicht so spannend wie erhofft.

Die Grundidee – ein Kriminalpsychologe, der nach seinem Rückzug einen Schaukasten ungelöster Mordfälle inszeniert – ist originell und bietet viel Potenzial für eine düstere und psychologisch intensive Erzählung. Leider gelingt es dem Buch nicht, diese Tiefe konsequent auszuschöpfen. Die Figuren bleiben auf Distanz und erzeugen wenig Empathie, die Spannung flacht nach dem packenden Einstieg spürbar ab.
Das ungewöhnliche Setting hatte mich gelockt, aber leider enttäuscht.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Digitaler Kollaps

Reset
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Peter Grandl hat mit Reset einen Thriller vorgelegt, der den Puls der Zeit trifft und mich mit seiner düsteren Zukunftsvision kalt erwischt hat. Denn ich habe die Geschichte als sehr real und beängstigend ...

Peter Grandl hat mit Reset einen Thriller vorgelegt, der den Puls der Zeit trifft und mich mit seiner düsteren Zukunftsvision kalt erwischt hat. Denn ich habe die Geschichte als sehr real und beängstigend empfunden.
Im Zentrum stehen einige Hauptpersonen, die die Herzstücke dieses Thrillers sind. Reset ist in viele kurze Kapitel gegliedert, die jeweils den unterschiedlichen Hauptfiguren gewidmet sind. Rückblenden führen in deren Vergangenheit und lassen die Charaktere vielschichtig und greifbar erscheinen. So kommen mir die Hauptpersonen ziemlich nah, was das Lesen sehr emotional macht. Meine Lieblingsfigur ist Jill Jones, eine Großaktionärin der New York Times, die mit einer grandiosen Idee zur Lösung des weltweiten Problems beiträgt. Aber auch die Japanerin Seiko Ito und der Brite Valentine O’Brien sind faszinierende Persönlichkeiten.

Das Hauptthema in „Reset“ sind Deepfakes und Künstliche Intelligenz, die den Informationsfluss manipulieren und die Wahrheit infrage stellen. Gerade heute, wo gefälschte Bilder, Videos und Audiodateien zunehmend im Social Media präsent sind, wirkt das Szenario absolut realistisch und bedrückend. Peter Grandl zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit geworden ist und wie leicht Vertrauen zerstört werden kann, wenn die Fakenews auf bislang seriösen Nachrichtenseiten auftauchen.
Der Stil ist schnörkellos verbunden mit schnellen Perspektivwechseln. Die vielen kurzen, fokussierten Kapitel sorgen für Tempo und Spannung. Das gefällt mir richtig gut. „Reset“ ist ein beängstigender, hochaktueller Thriller mit vielschichtigen, starken Charakteren. Das Buch regt zum Nachdenken über digitale Sicherheit, Vertrauen und die Zukunft der Kommunikation an. Das Buch geht unter die Haut und bleibt lange im Gedächtnis. Es ist eines der Werke, die man nicht vergisst, weil sie die aktuelle Weltlage glaubhaft widerspiegeln.

Aber „Reset“ ist nicht nur spannend und beängstigend, sondern gibt auch Hoffnung. Absolute Leseempfehlung.

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