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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2025

Das außergewöhnliche Leben einer Ikone

CHER. Die Autobiografie, Teil eins
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Ich bewundere Cher schon seit vielen Jahren und war daher sehr gespannt auf ihre Geschichte. Im ersten Teil nimmt sie mich mit in ihre frühen Jahre und ich erfahre viel über die Wurzeln ihrer Familie. ...

Ich bewundere Cher schon seit vielen Jahren und war daher sehr gespannt auf ihre Geschichte. Im ersten Teil nimmt sie mich mit in ihre frühen Jahre und ich erfahre viel über die Wurzeln ihrer Familie. Es beginnt mit der Kindheit ihrer Mutter Georgia. Die Darstellung von Georgias zahlreichen Ehen und Umzügen und die ungewöhnliche Kindheit von Cher, umgeben von Künstlern und Schauspielern, zeigt deutlich, dass Chers Weg zum Ruhm alles andere als gewöhnlich und eigentlich schon vorprogrammiert war. Ich persönlich fand die Schilderung der Kindheitsjahre zu ausführlich und auch der einfache Schreibstil konnte mich nicht begeistern.

Eine der fesselndsten Geschichten in diesem Buch ist Chers Aufstieg vom Hintergrundgesang zu internationaler Berühmtheit. Ihre Begegnung mit Sonny Bono, die gemeinsamen musikalischen Erfolge und die Entwicklung ihres einzigartigen Stils werden lebendig beschrieben. Cher schildert eindrucksvoll ihren Durchbruch mit Sonny, ihre Zeit in Las Vegas und den enormen Einfluss ihrer Fernsehsendung, die sie zu einer Modeikone machte.

Die Autobiografie zeigt auch die weniger bekannten Seiten von Chers Leben, einschließlich ihrer persönlichen Kämpfe und ihrer Entwicklung von einer blauäugigen Teenagerin zu einer starken, selbstbewussten Frau. Cher beschreibt ihre Bemühungen, sich aus Sonnys Kontrolle zu befreien, die Herausforderungen in ihrer Beziehung und ihre beständige Suche nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung.

Cher scheut sich nicht, ihre Liebesaffären offen zu legen, darunter ihre Beziehungen zu David Geffen und Gregg Allman. Diese Kapitel sind besonders aufschlussreich, da sie Chers unaufhörlichen Kampf, ihren eigenen Weg zu finden, verdeutlichen und die Komplexität ihres Charakters zeigen.

Der erste Teil der Autobiografie endet an einem entscheidenden Punkt in Chers Leben – am Beginn ihrer bemerkenswerten Schauspiel- und Solomusikkarriere. Das macht sehr neugierig auf den zweiten Teil.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Schöner und kluger Syltroman

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Der Gesang der Seeschwalben ist der erste Teil der Bücherfrauen von Listland Dilogie und entführt mich auf die zauberhafte Nordseeinsel Sylt. Ich war noch nie dort, aber durch die intensive Beschreibung ...

Der Gesang der Seeschwalben ist der erste Teil der Bücherfrauen von Listland Dilogie und entführt mich auf die zauberhafte Nordseeinsel Sylt. Ich war noch nie dort, aber durch die intensive Beschreibung der Landschaft und Atmosphäre hatte ich sofort ein vertrautes Gefühl. Genau so geht es der Journalistin Anna, die in den Norden der Insel reist, um dort die Bücherfrau Fenja zu treffen, die sich um die Buchkultur Nordfrieslands sehr verdient gemacht hat.

Doch anstelle von Fenja trifft sie zunächst deren Tochter Elisa an. Gabriella Engelmann schildert die Begegnungen und die Entwicklung der Beziehung zwischen Anna und Elisa auf eine sehr einfühlsame Weise. Die beiden nähern sich ganz zaghaft an und decken einige Geheimnisse aus der Vergangenheit auf.

Die dramatische Liebesgeschichte aus dem Jahr 1937 hat mich besonders fasziniert und ich konnte eintauchen in die geheimnisvolle und nicht immer schöne Vergangenheit. Fenja erkennt, dass sie endlich ihr Schweigen brechen muss, um die Wunden in ihrer Familiengeschichte zu heilen. Die Autorin erhält den Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht und überrascht mich mit immer neuen Wendungen.

Ich mochte die gelungene Kombination von emotionalen und humorvollen Momenten. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und die Dialoge lebendig und authentisch.

Der Gesang der Seeschwalben ist eine gelungene Mischung aus Insel-Feeling, Familiendrama und Liebesgeschichte. Der Schreibstil ist flüssig und vor allem fesselnd und macht dieses Buch zu einem Wohlfühlroman, der aber auch ernste Momente hat, die mich zum Nachdenken angeregt haben.
Einer meiner Lieblingssätze: „Es ist wichtig, sich den Schmerzen der Vergangenheit zu stellen, um ihnen keine Macht über die Gegenwart und Zukunft zu geben“

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Vielschichtiger Familienroman

Die Fletchers von Long Island
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Die Handlung des Romans „Die Fletchers von Long Island“ beginnt mit einem dramatischen Ereignis: der Entführung von Carl Fletcher und der nachfolgenden Zahlung eines Lösegelds. Obwohl Carl freigelassen ...

Die Handlung des Romans „Die Fletchers von Long Island“ beginnt mit einem dramatischen Ereignis: der Entführung von Carl Fletcher und der nachfolgenden Zahlung eines Lösegelds. Obwohl Carl freigelassen wird und die Familie versucht, den Vorfall zu überwinden, hinterlässt dieser Tag bleibende Spuren im Leben der Familie. Vierzig Jahre später, als sich die Familie bei einem Fest wieder vereint, werden die Auswirkungen des Vorfalls auf ihr Leben deutlich.

Taffy Brodesser-Akner zeichnet die Charaktere der Fletchers präzise und einfühlsam. Jeder von ihnen verarbeitet die Erinnerungen auf seine eigene Weise, und die Autorin stellt die inneren Konflikte und daraus resultierenden Dynamiken innerhalb der Familie dar. Die Dialoge sind lebendig und authentisch, die Beschreibungen fein beobachtet und detailliert.

Ein zentrales Thema des Romans ist, wie ein traumatisches Ereignis das Leben und die Beziehungen in einer Familie über Jahrzehnte hinweg beeinflussen kann. Der Aufbau des Buches ist ungewöhnlich, mit wenigen langen Kapiteln, was es manchmal schwierig macht, dem Fluss der Geschichte zu folgen. Dennoch verleiht die Erzählweise den Charakteren Authentizität und Tiefe, auch wenn mir die Sprache zuweilen zu vulgär war. Aber die innere Zerrissenheit wurde sehr gut dargestellt und vielleicht war die vulgäre Sprache hierfür nötig.

Ein weiterer Aspekt ist die Fähigkeit der Autorin, emotionale und humorvolle Momente zu kombinieren. Auch wenn der Humor nicht immer meinen Geschmack trifft, zeigt er dennoch eine kunstvolle Art, ernste Themen mit Humor zu verbinden.

Insgesamt ist „Die Fletchers von Long Island“ ein vielschichtiger Roman, der tief in die Familiengeschichte eintaucht. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und unterhält, auch wenn es nicht immer leicht zu lesen ist. Diejenigen, die detaillierte Charakterstudien und eine Mischung aus Tragik und Komik schätzen, werden es mögen.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Eine dystopische Reise

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Stuart Turtons Roman "Der letzte Mord am Ende der Welt" entführt mich auf eine letzte bewohnte Insel im Mittelmeer, die von einem giftigen Nebel umgeben ist. Das Setting ist zunächst faszinierend und dann ...

Stuart Turtons Roman "Der letzte Mord am Ende der Welt" entführt mich auf eine letzte bewohnte Insel im Mittelmeer, die von einem giftigen Nebel umgeben ist. Das Setting ist zunächst faszinierend und dann eher beängstigend, da die letzten Überlebenden der Menschheit auf dieser kleinen Insel im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen müssen.

Die Geschichte beginnt mit der Entdeckung der Leiche einer Wissenschaftlerin, die die Vision von einer Welt ohne Leid, in der alle gleich sind, aufgeben musste. Außerdem war sie die Schlüsselfigur für die Sicherheit der Insel. Ihre Ermordung setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die das fragile Ökosystem der letzten Zuflucht der Menschheit bedroht. Das Sicherheitssystem der Insel wird durch den Mord außer Kraft gesetzt und den Bewohnern bleiben nur 107 Stunden, um den Mörder zu finden, bevor der tödliche Nebel die Insel erreicht und alle vernichtet. Die Atmosphäre ist demnach sehr bedrückend und von der Idylle bleibt nicht mehr viel übrig.

Gleichzeit werden so viele Fragen aufgeworfen, die nicht alle beantwortet werden. Da ist zum Beispiel Abi, die Ich-Erzählerin, die nur in den Gedanken der Menschen existiert. Das fand ich mitunter beim Lesen etwas irritierend. Außerdem warum müssen die Menschen mit 60 Jahren sterben? Warum muss man sich bewerben, um Eltern zu werden? Ab dem Moment ahnte ich schon Böses.

Der Schreibstil Stuart Turtons ist fesselnd und spannungsgeladen. Die Handlung ist komplex und vielschichtig, mit vielen Wendungen und Enthüllungen. Allerdings wiederholen sich einige dieser Wendungen und manche Aspekte der Geschichte wirken ein wenig gezwungen.

"Der letzte Mord am Ende der Welt" ist ein ungewöhnlicher dystopischer Roman, der viele interessante Fragen aufwirft und vor allem eine düstere Welt erschafft. Obwohl einige Elemente der Geschichte verstörend sind und nicht alle Fragen vollständig geklärt werden, bleibt das Buch spannend und lesenswert. Ich fand es allerdings anstrengend und war froh, als es zu Ende war.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Hochspannend und interessant

Echokammer
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Ingar Johnsrud hat schon einige Thriller geschrieben. Echokammer war mein Erster und ich bin restlos begeistert. Spannend von Anfang an und hochaktuell! Ich habe viel Stoff zum Nachdenken bekommen. Es ...

Ingar Johnsrud hat schon einige Thriller geschrieben. Echokammer war mein Erster und ich bin restlos begeistert. Spannend von Anfang an und hochaktuell! Ich habe viel Stoff zum Nachdenken bekommen. Es ging los mit der These, dass brutale Strafen die Gesellschaft besser machen. Da war mir schon klar, wohin der Weg führt.

Schauplatz ist die norwegische Hauptstadt Oslo und deren Randgebiete. Hier wird in einigen Tagen die Wahl einer neuen Regierung stattfinden. Viele kurze Kapitel mit präzisen Zeit- und Ortsangaben und Countdown bis zur Wahl kreieren einen straffen Spannungsbogen und halten mich stets in Atem. Ingar Johnsrud erzählt zudem aus verschiedenen Perspektiven, ein Stilmittel, das ich sehr mag.

Das Ermittlerteam besteht aus Lieselott Benjamin, einer spröden, aber sehr guten Beamtin und Martin Tong, den ich von Anfang an sehr interessant finde, weil er so anders ist. Eine weitere wichtige Person ist Jens Meidell. Seine Mutter war einst eine berühmte Politikerin, er ist nun der juristische Berater der Arbeiterpartei. Meidells persönliche Tragödie und seine Verstrickungen in die politischen Machtspiele machen ihn zu einer besonders faszinierenden Figur.

Das alles bietet den Stoff für einen megaspannenden Polit-Thriller, der sich mit Rechtsterrorismus, Wahlkampfintrigen und Datenmanipulation auseinander setzt.

Echokammer ist hochaktuell und greift Themen auf, die in der heutigen politischen Landschaft von großer Bedeutung sind. Ingar Johnsrud gewährt interessante Einblicke hinter die Kulissen der Machtpolitik. Damit schafft er es, mich gleichzeitig zu faszinieren und abzustoßen.

Der Schreibstil ist fesselnd und dem Autor gelingt es einwandfrei, komplizierte Zusammenhänge auf verständliche Weise darzustellen. Die Handlung ist komplex, jedoch meisterhaft strukturiert, was den Roman zu einem echten Page-Turner macht.

Die Charaktere sind vielschichtig und gut ausgearbeitet, wobei jede Figur ihre eigenen komplexen Motivationen und Geheimnisse besitzt. Absolute Empfehlung!

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