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Veröffentlicht am 23.04.2026

Zurück in den Sommer der unvergessen bleiben wird

2006. Sommermärchen des Jahrhunderts
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Ganz ehrlich: Das Buch „2006 – Sommermärchen des Jahrhunderts“ hat mich richtig überrascht. Ich dachte zuerst, es wäre ein typisches Fußballbuch mit vielen bunten Bildern. Am Ende sind es gar nicht so ...

Ganz ehrlich: Das Buch „2006 – Sommermärchen des Jahrhunderts“ hat mich richtig überrascht. Ich dachte zuerst, es wäre ein typisches Fußballbuch mit vielen bunten Bildern. Am Ende sind es gar nicht so viele Fotos – und sie sind auch nur in Schwarz-Weiß. Schade, denn in Farbe hätten sie die Stimmung von damals noch stärker rübergebracht. Trotzdem passen die Bilder gut und wecken sofort Erinnerungen.

Was mich aber wirklich gepackt hat: Man erlebt das Jahr 2006 fast so, als würde man in ein altes Tagebuch schauen. Tim Frohwein erzählt alles Tag für Tag, und dadurch fühlt man sich total zurückversetzt. Ich hatte beim Lesen ständig dieses „Ach ja, stimmt, das war ja auch damals“-Gefühl. Viele Momente kamen wieder hoch, an die ich ewig nicht gedacht hatte.

Das Buch zeigt aber nicht nur die schönen Seiten. Es erinnert auch daran, wie skeptisch und müde Deutschland vor der WM war. Die schlechte Stimmung, die Kritik an Klinsmann, die politischen Themen – all das gehört eben auch zu diesem Jahr. Und genau das macht das Buch so spannend: Es zeigt, wie aus einem eher grauen Gefühl plötzlich dieser unglaubliche Sommer wurde, der uns alle mitgerissen hat.

Besonders gut gefällt mir, dass Frohwein nicht nur über Fußball schreibt. Er holt auch Politik, Medien, Musik und Alltagskultur mit rein. Dadurch merkt man erst, wie viel damals gleichzeitig passiert ist. Und trotzdem bleibt alles leicht verständlich und nahbar.

Während der WM beschreibt er dieses besondere „Flimmern“ in der Luft – dieses Wir-Gefühl, das man kaum erklären kann, aber sofort wieder spürt. Die Fanmeilen, die Grillabende, die Fahnen, die gute Laune überall. Und gleichzeitig vergisst er nicht die ernsten Themen, die damals im Hintergrund liefen. Das macht das Ganze sehr ehrlich.

Ich habe beim Lesen richtig mit meinem Mann in Erinnerungen geschwelgt. Und ich konnte meinem Sohn endlich erklären, warum dieser Sommer für uns so besonders war. Kaum zu glauben, dass das schon 20 Jahre her ist.

Mein Fazit: Das Buch ist nicht nur etwas für Fußballfans. Es ist für alle, die diesen Sommer erlebt haben – oder verstehen wollen, warum er so besonders war. Es ist emotional, aber trotzdem sachlich. Es ist Erinnerung, Zeitreise und Geschichte in einem. Und es bringt dieses Sommermärchen noch einmal zum Leuchten.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Ein Jahr, das unter die Haut geht

Du weißt nen Scheiß über Sterne
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Du weißt nen Scheiß über Sterne fühlt sich an wie ein Jahr im Leben eines Jugendlichen, das man hautnah miterlebt – manchmal chaotisch, manchmal schön, manchmal richtig hart.

Im Mittelpunkt steht Marky, ...

Du weißt nen Scheiß über Sterne fühlt sich an wie ein Jahr im Leben eines Jugendlichen, das man hautnah miterlebt – manchmal chaotisch, manchmal schön, manchmal richtig hart.

Im Mittelpunkt steht Marky, 17, und komplett mitten im Leben: Freundschaft, Liebe, Streit, Drogen, Social Media, Gruppendruck – alles, was Jugendliche eben beschäftigt. Und das Buch zeigt das nicht glattgebügelt, sondern so, wie es sich wirklich anfühlt: durcheinander, laut, unsicher, manchmal peinlich, manchmal mutig.

Was ich richtig gut fand: Man merkt total, wie verloren Marky manchmal ist. Er will cool sein, dazugehören, stark wirken – und rutscht dabei immer mehr in so ein toxisches Männlichkeitsbild rein, das er aus dem Internet aufschnappt. Das ist erschreckend realistisch. Gleichzeitig gibt es aber diese kleinen, zarten Momente, in denen man merkt, wie verletzlich er eigentlich ist. Genau das macht ihn so echt.

Die Geschichte wird rückwärts erzählt, was am Anfang etwas verwirrend sein kann, aber irgendwann macht es total Sinn. Man versteht Stück für Stück, wie alles zusammenhängt. Und obwohl der Schreibstil manchmal ein bisschen holprig ist (wahrscheinlich wegen der Übersetzung), kommt man gut rein und bleibt dran.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Clique wirkt real, nicht übertrieben.

Die Gefühle sind authentisch – dieses typische Auf und Ab.

Die Themen sind wichtig und nah an der Realität.

Es gibt Spannung, Drama, Liebe, Fehler, Wachstum.

Was nicht perfekt ist: Manchmal sind die Gedanken und Dialoge etwas wirr. Aber ehrlich gesagt passt das auch irgendwie zu Marky und seinem Alter. Teenager denken halt nicht in klaren, ordentlichen Sätzen.

Unterm Strich ist es ein Buch, das hängen bleibt. Kein leichtes, aber ein wichtiges. Es zeigt, wie schwer es ist, seinen Platz zu finden, wenn man von allen Seiten beeinflusst wird – und wie schnell man in die falsche Richtung laufen kann.

Für mich: eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein Leitfaden, der die Seele mitnimmt

Wechseljahre - Befreiungsjahre
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Viele Frauen werden von den Wechseljahren überrascht. Plötzlich verändert sich der Körper, die Gefühle fahren Achterbahn, und man weiß gar nicht so richtig, was da eigentlich passiert. Die Autorin ...

Viele Frauen werden von den Wechseljahren überrascht. Plötzlich verändert sich der Körper, die Gefühle fahren Achterbahn, und man weiß gar nicht so richtig, was da eigentlich passiert. Die Autorin nimmt einem dieses Gefühl von „Ich muss funktionieren“ und zeigt stattdessen, dass diese Zeit auch eine Chance sein kann: langsamer werden, neu sortieren, alte Muster loslassen.

Mir hat gefallen, wie liebevoll und klar sie erklärt, dass die Wechseljahre nicht nur körperlich sind. Sie spricht auch über die Seele, über innere Themen, die sich melden, wenn man mitten im Leben steht. Und sie macht das ohne Druck, ohne erhobenen Zeigefinger. Eher wie eine Freundin, die sagt: „Du darfst dir Zeit nehmen. Du darfst dich verändern.“

Besonders schön fand ich, dass sie Mut macht, den eigenen Weg zu gehen. Nicht jede Frau braucht das Gleiche, nicht jede erlebt diese Phase gleich. Aber jede darf sie bewusst gestalten. Das Buch zeigt viele kleine Impulse, wie man wieder mehr bei sich ankommt – mit Achtsamkeit, mit Selbstfürsorge, mit einem neuen Blick auf das eigene Leben.

Der Schreibstil ist ruhig, leicht verständlich und sehr warm. Man fühlt sich gesehen und ernst genommen. Und gleichzeitig merkt man: Diese Zeit ist nicht das Ende von etwas, sondern der Anfang von etwas Neuem.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Wenn Nähe gefährlich wird

Ultramarin
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Ultramarin hat mich sofort gepackt – aber nicht auf die schöne, leichte Art. Das Buch fühlt sich an wie ein Sommer, der eigentlich hell sein sollte, aber innerlich schon längst dunkel ist.

Lou, Raf und ...

Ultramarin hat mich sofort gepackt – aber nicht auf die schöne, leichte Art. Das Buch fühlt sich an wie ein Sommer, der eigentlich hell sein sollte, aber innerlich schon längst dunkel ist.

Lou, Raf und Nora verbringen eine Woche in einem alten Haus am Meer. Außen wirkt alles ruhig: schwimmen, kochen, zusammen rumhängen. Aber unter der Oberfläche brodelt es. Man spürt von Anfang an, dass hier etwas nicht stimmt. Die Stimmung ist angespannt, manchmal fast bedrohlich.

Mit jedem Tag wird klarer, wie toxisch die Beziehung zwischen Lou und Raf ist. Dieses Hin und Her aus Nähe, Abhängigkeit, Macht und Verletzung – das hat mich richtig getroffen. Vielleicht auch, weil ich selbst schon in so einer Beziehung gesteckt habe. Viele Momente kamen mir erschreckend bekannt vor. Dieses Gefühl, dass man eigentlich weiß, dass etwas falsch läuft, aber trotzdem bleibt. Genau das fängt das Buch unglaublich gut ein.

Die Rückblenden machen alles noch intensiver. Man versteht langsam, wie tief diese Muster sitzen und wie lange sie schon da sind. Und als Nora plötzlich verschwindet, wird die ganze Geschichte noch düsterer.

Der Schreibstil ist eher ruhig und sachlich, aber gerade das macht die Emotionen so stark. Die Autorin zeigt die Abgründe ohne Drama, ohne Übertreibung – und genau deshalb wirken sie so echt.

Ich mochte keinen der Charaktere wirklich, aber das war für mich kein Minuspunkt. Es passt zu dieser Geschichte, die weh tut, weil sie so nah an der Realität ist. Besonders gut fand ich auch, wie selbstverständlich queere Figuren dargestellt werden.

Mein Fazit: Ein stiller, aber unglaublich intensiver Roman über Abhängigkeit, Macht und die dunklen Seiten von Beziehungen. Für mich emotional, spannend und sehr mitreißend. Ein Buch, das bleibt.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein nächtlicher Besuch, der alles verändert

Die Ärztin – Gefährlicher Besuch
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Ich bin ohne Vorkenntnisse in den zweiten Band gestartet und hatte erst kurz das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Das legt sich aber schnell, weil man ziemlich rasch in Evas Leben und ihre Situation hineinrutscht.

Eva ...

Ich bin ohne Vorkenntnisse in den zweiten Band gestartet und hatte erst kurz das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Das legt sich aber schnell, weil man ziemlich rasch in Evas Leben und ihre Situation hineinrutscht.

Eva lebt mit ihrer Familie auf dem Land, alles andere als idyllisch: Geldsorgen, Stress in der Ehe, eine Tochter, die sich zurückzieht. Und dann steht mitten in der Nacht ein fremder Mann mit seiner hochschwangeren Tochter vor der Tür. Eva untersucht die junge Frau, findet nichts Dramatisches – und trotzdem bleibt ein komisches Gefühl. Am nächsten Tag tauchen die beiden nicht im Krankenhaus auf, und im Gästebad steht plötzlich das Wort Hilfe am Spiegel. Ab da wird klar: Da stimmt etwas überhaupt nicht.

Parallel arbeitet die Polizei an einem alten Vermisstenfall, und Stück für Stück merkt man, wie alles miteinander zusammenhängt. Die Kapitel wechseln zwischen Eva, den Ermittlerinnen und der betroffenen Frau – das macht die Geschichte richtig lebendig und sorgt dafür, dass man immer weiterlesen will.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Figuren wirken echt, gerade Eva und ihre Familie. Man spürt, dass sie selbst genug Probleme haben und trotzdem versuchen, irgendwie klarzukommen.

Die Spannung ist von Anfang an da und steigert sich bis zum Schluss.

Das Thema häusliche Gewalt wird ernst und realistisch dargestellt, ohne reißerisch zu wirken. Genau das macht es so beklemmend.

Die Schauplätze sind überschaubar, aber das passt total gut zur Atmosphäre.

Der Schreibstil ist leicht, flüssig und trotzdem packend. Für mich ein richtig guter Thriller, der nah an der Realität bleibt und lange nachhallt. Einziger kleiner Minuspunkt: An ein paar Stellen wurde gegendert, das hat mich persönlich kurz rausgebracht.

Alles in allem aber ein sehr starker Band, den ich gern weiterempfehle.

Rezi ebenfalls auf Amazon, Thalia, hugendubel, buecher.de, Lesecircle. lovelybooks.

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