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Veröffentlicht am 19.07.2025

Interessanter Beginn, wenig nachvollziehbares Ende

Das Ministerium der Zeit
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In einer nahen, nicht näher bezeichneten Zukunft gelingt es in Großbritannien, mehrere Personen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Diesen werden Personen zur Seite gestellt, die sie begleiten ...

In einer nahen, nicht näher bezeichneten Zukunft gelingt es in Großbritannien, mehrere Personen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Diesen werden Personen zur Seite gestellt, die sie begleiten sollen, denn keiner weiß, wie der Transfer auf die Menschen wirkt.

Eine dieser Personen ist die namenlose Ich-Erzählerin, diese kümmert sich um Graham Gore, einem Mitglied der Franklin-Expedition und eine tatsächliche historische Persönlichkeit. Wie die anderen sogenannten Expats gilt er in der Vergangeheit als verstorben.

Der Roman hat zehn Kapitel, wobei, eigentlich sind es zwanzig, denn jede Kapitelnummer gibt es zweimal, einmal, in römischen Ziffern, geht es in die Vergangenheit, wo man zunächst Graham Gore begleitet, später dann erfährt, was nach seinem Tod beziehungsweise Transfer in Zusammenhang mit der Expedition weiter passiert ist. Die Kapitel mit den arabischen Ziffern erzählen, was in der Gegenwart passiert, und zwar, wie schon erwähnt aus der Perspektive der Begleiterin Graham Gores. Hin und wieder, allerdings nicht sehr oft, spricht die Ich-Erzählerin jemand direkt mit „Du“ an, wobei ich als Leserin mich davon nicht angesprochen fühlte, und auch am Ende ist mir nicht ganz klar, wer „Du“ sein soll.

So sind diese beiden die Hauptcharaktere, man lernt aber auch andere Charaktere näher kennen, zum Beispiel die anderen Expats, und erfährt auch, wie diese, die immerhin aus verschiedenen Jahrhunderten (17. bis 20. Jahrhundert) stammen, untereinander agieren und jeweils mit der Situation klar kommen. Das fand ich recht interessant und auch nachvollziehbar erzählt.

Erlebt man zunächst nur mit, wie sich die veränderten Umstände auf alle auswirken, und wie mit den Expats umgegangen wird, die im Grunde ein Experiment sind, kommt es in der zweiten Hälfte zu einer Wendung, die lebensgefährlich wird.

Verzichten hätte ich auf die Liebesgeschichte können, die sich zunächst nur andeutet, später nicht nur greifbarer, sondern dann auch zu ausführlich erzählt wird. Leider hat mich da schon, etwa ab dem letzten Viertel, die Geschichte etwas verloren, danach dann immer mehr. Gegen Ende erschien sie mir immer weniger nachvollziehbar.

Mir hat die Geschichte leider nicht durchgehend gefallen, zunächst fand ich sie recht originell, doch gegen Ende verlor sie in meinen Augen immer mehr an Logik. Schade, da wurde einiges an Potential verschenkt. Da ich den Roman recht lange ganz gut fand, vergebe ich noch 3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 18.07.2025

Viel Wissenswertes, gut verständlich

Eine Geschichte der Menschen mit Behinderung
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Wie ging man im Laufe der Geschichte mit Menschen mit Behinderung um? Dieser Frage geht der Autor für die Zeit zwischen 500 und 1620 in Europa nach, viele Quellen hat er dazu gelesen und verarbeitet und ...

Wie ging man im Laufe der Geschichte mit Menschen mit Behinderung um? Dieser Frage geht der Autor für die Zeit zwischen 500 und 1620 in Europa nach, viele Quellen hat er dazu gelesen und verarbeitet und die Frage sehr umfassend beantwortet.

Zunächst werden sehr ausführlich die historischen und die medizinischen Hintergründe aufgezeigt, bevor genauer auf die Frage eingegangen wird. Alleine das ist schon interessant, vor allem auch, weil manches bis heute nachwirkt.

Man darf allerdings keine biografische Ausarbeitung erwarten, auf reale betroffene Persönlichkeiten wird kaum eingegangen, so wird zwar zum Bespiel Balduin IV, König von Jerusalem und an Lepra erkrankt, erwähnt, oder auch Paracelsus, der selbst Betroffener war, ansonsten bleibt es aber in der Regel allgemeiner. Ein bisschen schade ist das schon, eine größere Aufnahme biografischer Betrachtungen hätte aber wohl den Rahmen gesprengt.

Unterschiede gibt es, eigentlich wie zu erwarten, im sozialen Stand, in der Frage, wo, und natürlich auch wann und in welchem historischen Kontext man lebt. Das alles liest sich sehr interessant, und erweitert den Horizont. Sehr gut gefallen hat mir übrigens, dass oft „behindert werden“, nicht „behindert sein“ genutzt wird.

Das Sachbuch ist auch für Laien verständlich, man muss sich aber schon auf viel Input einlassen. Ich selbst bin sowohl medizinisch als auch historisch interessiert, außerdem selbst betroffen, so dass mir zwar einiges bereits bekannt war, ich es aber so kompakt vorzufinden, gut finde. Allerdings muss ich auch gewisse Abstriche machen. Leider haben Lektorat und Korrektorat geschludert, so dass es manchmal holpriger und dadurch schwieriger zu lesen ist. Laut Autor wird aber an einer Neuauflage gearbeitet, die solche Macken nicht mehr enthalten soll. Mich persönlich hat das nur teilweise gestört, denn der Inhalt an sich ist ja das, was mich interessierte, dennoch ist es eine gewisse Enttäuschung.

Wer sich dafür interessiert, wie zwischen 500 und 1620 mit Einschränkungen und Behinderungen, egal ob angeboren oder erworben, umgegangen wurde, findet hier viel Wissenswertes, das auch für Laien grundsätzlich gut zu lesen ist.

Veröffentlicht am 17.07.2025

Sehr spannend

Das geheime Zeichen
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In einem Keller werden eingemauerte menschliche Überreste gefunden. Kriminalkommissarin Evelyn Holm übernimmt den Fall, der sie bald in ihre eigene Vergangenheit zu führen scheint.

Erzählt wird der Roman ...

In einem Keller werden eingemauerte menschliche Überreste gefunden. Kriminalkommissarin Evelyn Holm übernimmt den Fall, der sie bald in ihre eigene Vergangenheit zu führen scheint.

Erzählt wird der Roman aus zwei Perspektiven, beide in Ich-Form. Eine davon ist die Evelyns, dieses Geschehen findet in der Gegenwart statt und wird daher auch im Präsens erzählt. Evelyn Holm ist die Protagonistin einer Buchreihe, dieses ist ihr dritter Fall. Für mich ist es der erste, doch mir war schnell klar, dass ich auch die beiden Vorgängerbände lesen möchte. Die zweite Perspektive ist die Violas, diese spielt 30 Jahre in der Vergangenheit, daher auch im Präteritum erzählt. Viola ist eine Künstlerin, die bisher nicht von ihrer Kunst leben kann. Durch eine alte Schulfreundin erhält sie die Gelegenheit, einem exklusiven Club beizutreten, in dem sich die Mitglieder untereinander fördern. Schon bald hat sie erste Erfolge, erlebt aber auch die Schattenseiten der Mitgliedschaft. Beide Perspektiven bauen jeweils eigene Spannung auf.

Der Roman ist von Beginn an interessant und sehr spannend, und lässt sich zügig lesen. Natürlich fängt man schnell an zu spekulieren, die Autorin baut viele Spuren ein, aber manche sind auch Sackgassen, vieles ist unvorhersehbar und es gibt einige Wendungen, auf die man wohl selbst kaum gekommen wäre, so dass auch Genreprofis überrascht werden können.

Ein Manko war für mich, dass mir die Charaktere nicht nahe kamen, auch die beiden Ich-Erzäherinnen nicht. Für mich blieben sie eher blass, die Charakterzeichnungen gingen wenig in die Tiefe, so dass ich auch relativ emotionslos blieb. Gepackt hat mich aber die spannende und kaum vorhersehbare Story, so dass ich am Ende den Roman zufrieden zu geklappt habe, denn schließlich sind alle Fäden verknüpft und die Auflösung ist nachvollziehbar.

Der Roman ist sehr spannend, ihn aus der Hand zu legen fiel schwer, vor allem auch wegen der vielen unerwarteten Wendungen. Leider kamen mir die Charaktere nicht nahe, so dass ich auch nur bedingt mitfühlen konnte. Das hat aber der Geschichte und ihren Geheimnissen für mich nur recht wenig Abbruch getan, einen Stern ziehe ich dafür aber ab. Wer gerne spannende und wendungsreiche Thriller liest, sollte zugreifen.

Veröffentlicht am 12.07.2025

Ein wunderbares Debüt

Beeren pflücken
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Eine Mi‘kmaq-Familie aus Nova Scotia fährt jedes Jahr in der Saison nach Maine Beeren pflücken. 1962 verschwindet dort die vierjährige Tochter Ruthie spurlos.

Man kann sich vorstellen, dass das das Leben ...

Eine Mi‘kmaq-Familie aus Nova Scotia fährt jedes Jahr in der Saison nach Maine Beeren pflücken. 1962 verschwindet dort die vierjährige Tochter Ruthie spurlos.

Man kann sich vorstellen, dass das das Leben der gesamten Familie beeinträchtigt. Erzählt wird der Roman aus zwei Perspektiven. Eine davon ist Joes. Er ist der jüngste Sohn, damals 6 Jahre alt, und der letzte, der Ruthie gesehen hat. 50 Jahre später ist er schwerkrank und erzählt sein Leben, das geprägt ist von Trauer, Schuldgefühlen und Wut, letztere nach einem zweiten Schicksalsschlag für die Familie manchmal kaum noch in den Griff zu bekommen. Immer wieder rückt auch in den Fokus, dass die Familie indigen ist, und daher auch, vor allem in den ersten Jahrzehnten der Handlung unter Rassismus zu leiden hat.

Die zweite Perspektive ist die Normas, die überbehütet in den USA aufwächst, unerklärliche Träume hat, und unter einer dominanten Mutter leidet, die sie trotz allem liebt. Wieso Norma Teil der Geschichte ist, wird relativ schnell klar, jedenfalls uns Leser:innen, sie selbst erfährt die Wahrheit über sich erst in reifem Alter.

Der Roman ist das Debüt der Autorin, was man kaum glauben kann, so ausgereift erscheint die Geschichte. Amanda Peters hat selbst indigene Wurzeln, aber auch ohne dieses Wissen erscheint die Geschichte sehr authentisch, erzählt wird atmosphärisch und bildhaft, die Charakterzeichnungen gehen in die Tiefe, ich bekam schnell einen Draht zu den Protagonist:innen und ihrem Umfeld, fühlte stark mit. Die Situation in denen sie sich befinden, ist im Grunde grauenhaft, man will gar nicht darüber nachdenken, wie es einem selbst gehen würde, in einer solchen Situation, tut es aber natürlich trotzdem. Andererseits ist es aber auch die Geschichte einer Familie, die sich liebt, die hofft und letztlich zusammenhält.

Der Roman erzählt aber nicht nur etwas über eine traumatisierte Familie, sondern gibt auch ein Gesellschaftsbild ab. Dass dieses durchaus noch aktuell ist, gibt dem Ganzen zusätzliche Bedeutung.

„Beeren pflücken“ ist für mich ein weiteres Jahreshighlight, ich bin sehr gespannt auf weitere Werke der Autorin und wünsche diesem Roman viele Leser:innen, weswegen ich ihn uneingeschränkt empfehlen möchte.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.07.2025

Wie erwartet wieder großartig

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Wien, 1896: Julia Wolf arbeitet jetzt für das Neue Wiener Journal, das sie zur Premiere der Zaubershow Charles Bantons schickt, um einen Artikel zu schreiben. Die Aufführung ist tatsächlich aufsehenerregend, ...

Wien, 1896: Julia Wolf arbeitet jetzt für das Neue Wiener Journal, das sie zur Premiere der Zaubershow Charles Bantons schickt, um einen Artikel zu schreiben. Die Aufführung ist tatsächlich aufsehenerregend, vor allem aber dadurch, dass der Trick der zersägten Jungfrau scheitert, und die Frau wirklich zu Tode kommt, wie sich herausstellt, durch Manipulation. Leopold von Herzfeldt übernimmt die Ermittlungen und trifft nach längerer Zeit wieder auf Julia.

Auch der Totengräber Augustin Rothmayer wird, natürlich, erneut involviert, sein Wissen ist nicht nur von Leo gefragt, mit dem zusammen er an einem neuen Buch arbeitet. Julia erhält Hinweise, dass auf dem Prater Frauen verschwinden, und bittet Augustin, sich dort einmal umzuhören. Und auch dessen Pflegetochter Anna bleibt nicht außen vor, denn sie macht eine verstörende Entdeckung.

Da sind sie also alle wieder zusammen, die liebgewonnenen Charaktere der Reihe, und natürlich treten auch noch einige weitere auf, wie zum Beispiel Leos Kollegen und seine Zimmerwirtin. Darüber hinaus gibt es, gerade auf dem Prater eine ganze Reihe weiterer interessanter Personen, nette und weniger nette.

Überhaupt ist der Prater ein tolles Setting, das viel bietet, und Erinnerungen weckt. Wer ist, oder war es als Kind, nicht gerne auf dem Rummel. Ich fühle mich dort auch heute noch wohl, und konnte mir daher alles sehr gut vorstellen, auch wenn es sich hier um den historischen Prater handelt, die Gerüche und Geräusche hat man dennoch in Ohr und Nase. Auch sonst stimmt das Lokalkolorit und die Atmosphäre im gesamten Roman.

Leider gibt es dieses Mal keine Auszüge aus Augustins neuem Buch, wir dürfen aber an ein paar Experimenten und an Gesprächen mit Leo über das Buch teilnehmen, so dass man doch einen Eindruck bekommt. Schade finde ich es dennoch.

Die Geschichte ist wieder sehr spannend, man darf mitraten, und mit und um die Charaktere zittern. Erzählt wird wie gewohnt aus verschiedenen Perspektiven, so dass man alles umfänglich miterlebt. Auch das Privatleben spielt seine Rolle, so in Bezug auf die Beziehung zwischen Leo und Julia, und Augustin hat seine Probleme mit Anna, die langsam in die Pubertät kommt. Die Weiterentwicklungen im Privatleben gefallen mir sehr gut, denn die Protagonist:innen sind mir ans Herz gewachsen, und ich möchte sie nicht nur im Kriminalfall begleiten.

Am Ende ist fast alles gut zu Ende gebracht, ich hätte mir nur noch die Antwort auf eine Frage gewünscht, nämlich nach den Hintermännern in einem der Fälle. Sicher ist es schwierig, diese zu erwischen, aber wenigstens einen hätte ich gerne erwischt gesehen.

Natürlich gibt es auch wieder eine Karte, ein Personenverzeichnis, ein Glossar der Wiener Ausdrücke und ein lesenswertes Nachwort des Autors.

Die Reihe ist mir vom ersten Band an ans Herz gewachsen, und das hat sich auch mit diesem vierten nicht geändert. Ich hoffe, der Totengräber ermittelt noch recht lange. Wer die Reihe mag, sollte hier wieder zugreifen, Neueinsteigern empfehle ich, bei Band 1 einzusteigen.

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