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Veröffentlicht am 06.12.2024

Becky Chambers bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen

Ein Psalm für die wild Schweifenden
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Vor Jahrhunderten wurden die Roboter sich selbst bewusst. Mit den Menschen kamen sie überein, sich die Welt zu teilen und zogen sich in die Wildnis zurück. Ohne Maschinen verzichteten die Menschen auf ...

Vor Jahrhunderten wurden die Roboter sich selbst bewusst. Mit den Menschen kamen sie überein, sich die Welt zu teilen und zogen sich in die Wildnis zurück. Ohne Maschinen verzichteten die Menschen auf weitere Industrialisierung und lebten mehr mit der Natur in Einklang.

Geschwister Dex fühlt die Berufung, ein Teemönch zu werden, also zu reisen und Menschen mit Problemen jeglicher Art ein paar ruhige und entspannte Stunden zu gönnen, in dem ser ihnen zuhört und passenden Tee serviert. Nachdem ser in dieser Berufung erfolgreich ist, spürt ser das Bedürfnis auf mehr, und macht sich auf den Weg, eine ehemalige Einsiedelei zu finden. Unterwegs trifft ser auf den Roboter Helmling, eigentlich Grüngefleckter Helmling, denn Roboter benennen sich nach dem, was sie als erstes wahrnehmen. Helmling wurde ausgesandt, nach den Menschen zu sehen, und ist somit der erste, der wieder auf einen solchen trifft. Die beiden reisen fortan zusammen und erhalten nach und nach tiefe Einblicke in das jeweilige andere Wesen.

In Becky Chambers Wayfarer-Romanen bin ich das erste Mal auf queere Pronomen gestoßen, sehr passend, denn auf anderen Planeten gibt es andere Fortpflanzungsmöglichkeiten. Auch dieser Roman spielt nicht auf unserer Erde, auch wenn die Welt sehr erdähnlich ist, sondern auf einem Mond namens Panga.

Auch sonst sind die Romane der Autorin immer sehr aufgeschlossen für anderes, und tragen eine Botschaft in sich, die mir sehr zusagt, nämlich andere so zu nehmen, wie sie sind. Und so kommen sich auch der Helmling und Dex immer näher, verstehen nach und nach den anderen besser, akzeptieren Unterschiede, wobei es Helmling meist etwas besser gelingt.

Becky Chambers ist nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Widmung zu diesem Roman lautet „Für alle, die eine Auszeit gebrauchen könnten“ (Seite 5), und ja, das passt, und zwar nicht nur, weil Dex solche Auszeiten schafft. Ich mochte diesen Roman wieder sehr und freue mich, Dex und Helmling im zweiten Band der Dilogie wiederzutreffen. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Eher enttäuschend

Mirror: Weiß wie Schnee
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Stell dir vor, du bist gerade noch in deinem normalen Leben und im nächsten Moment in der Märchenwelt der Gebrüder Grimm und hast noch dazu mit der bösen Königin aus dem Märchen Schneewittchen die Rollen ...

Stell dir vor, du bist gerade noch in deinem normalen Leben und im nächsten Moment in der Märchenwelt der Gebrüder Grimm und hast noch dazu mit der bösen Königin aus dem Märchen Schneewittchen die Rollen getauscht. Das passiert Lena in diesem Roman, und sie muss nun sehen, wie sie damit klar kommt, vor allem aber auch, nicht das Schicksal der bösen Königin, Schneewittchens Stiefmutter, zu teilen.

Ich mag Märchenadaptionen, und Lucia Herbst hat in ihrer Geschichte nicht nur eines verarbeitet, Lena trifft auf Gestalten aus verschiedenen Märchen, und hat, als Psychiaterin, immer wieder auch Verständnis für die Antagonist:innen, immerhin ist sie nun selbst eine. Doch nicht nur das Entkommen aus dieser Welt, wieder zurück in ihre eigene, steht nun auf ihrer Agenda, unter anderem gibt es immer wieder Hinweise, dass in der Märchenwelt auch etwas im Hintergrund vorgeht, auf das sie außerdem einen gewissen Einfluss zu haben scheint.

Klingt gut, oder? Leider ist es die Ausführung in meinen Augen nur bedingt. Zum einen dachte ich schnell, ich bin wohl in einem Jugendbuch gelandet, bin ich aber gar nicht, die Zielgruppe sollen Erwachsene sein. Die Geschichte wird sehr einfach erzählt, die Charakterzeichnungen gehen nicht in die Tiefe, Lena kommt mir nicht nahe, die Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt. Und auch die Auflösung hat mir nicht gefallen. Da ich nicht spoilern möchte, kann ich letzteres nicht näher erklären, ich fand aber die Person, die die Fäden führt, nicht als Böse:r geeignet, liegt aber wohl auch daran, dass ich mir zu dieser Person schon lange vor dem Roman eine Meinung gebildet hatte.

Tatsächlich hatte ich zunächst etwas Humorvolles erwartet, zu dem Roman hätte auch deutlich mehr Düsternis gepasst, düster wurde es zwar gegen Ende, allerdings auch recht kitschig, bis dahin war es aber nicht sehr spannend. Gut gefällt mir, dass viele Personen, die Lena aus der realen Welt kennt, in der Märchenwelt eine Entsprechung haben.

Der Roman ist ein erster Band, aber vorerst in sich abgeschlossen, wenn auch mit der Option auf weitere Bände. Ich weiß noch nicht, ob ich einen zweiten lesen möchte. Ein bisschen neugierig bin ich schon, auf das, was passieren wird, weniger auf das, was mit den Protagonist:innen geschieht. Mal sehen.

Ich mag Märchen und auch Märchenadaptionen, hier wurde ich allerdings eher enttäuscht, der Erzählstil war mir zu einfach, zu wenig anspruchsvoll, die Protagonistin kam mir nicht nahe, und auch weitere Charaktere blieben oberflächlich.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Lange Zeit viel zu langatmig erzählt

Die Uhrmacher der Königin
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Wie viele andere Schwarzwälder Bauernfamilien verdient sich auch die Familie Faller ein Zubrot durch den Bau von Holzuhren. Ernst, der jüngste, 1824 geborene Sohn, hat ein besonderes Talent für den Uhrenbau, ...

Wie viele andere Schwarzwälder Bauernfamilien verdient sich auch die Familie Faller ein Zubrot durch den Bau von Holzuhren. Ernst, der jüngste, 1824 geborene Sohn, hat ein besonderes Talent für den Uhrenbau, und so wandert er eines Tages mit seinem Bruder Johannes ins „Uhrenland“, nach London aus.

Sophia Carpenter fällt auf einen Betrüger herein, der sie mit hohen Schulden zurücklässt, die sie glücklicherweise abarbeiten kann. Auch sie macht sich eines Tages nach London auf, wo sie nicht nur die Gebrüder Faller trifft, sondern auch die junge Queen Victoria, sowie die Gebrüder Winterhalter, bekannte Maler, die ebenfalls aus dem Schwarzwald stammen, und von der Königin an den Hof eingeladen wurden.

Leider nimmt der Klappentext schon viel zu viel vorweg, am besten wäre, man liest ihn erst gar nicht und lässt sich überraschen. Auch sonst lässt mich der Roman zwiegespalten zurück. Das Thema ist interessant, und wie der Autor das Leben seiner fiktiven Charaktere mit dem historischer Persönlichkeiten verwebt, ist gelungen. Wer historische Persönlichkeit ist, kann man übrigens dem Personenverzeichnis entnehmen, das dem Roman vorangestellt ist. Mir hat auch gut gefallen, dass man tatsächlich viel über den Uhrenbau erfährt, und dass die einzelne Teile des Romans nach Uhrteilen wie Antrieb oder Unruh benannt sind, und die Namen auch ganz gut zum jeweiligen Geschehen passen.

Leider ist der Roman lange Zeit sehr langatmig, da wird ausführlich Ernsts und Johannes Kindheit und Jugend erzählt, und erst ab etwa der Mitte hat es der Roman dann geschafft, mich etwas mehr zu packen. Gestört hat mich auch, dass er zu Beginn fast wirkte, als sei er für Kinder geschrieben, sehr einfach, und eben aus Sicht von Kindern.

Die Charaktere sind recht gut gezeichnet, erzählt wird vorwiegend aus der Sicht Johannes‘ beziehungsweise Sophias. Dadurch wird das Leben der Uhrmacher nicht nur im Schwarzwald sondern auch in London, so wie auch das Umfeld der Königin lebendig.

Über das Ende kann man sicher streiten, aber mich machte es unzufrieden, obwohl ich normalerweise keine Probleme habe mit unerwarteten Enden beziehungsweise Enden, die meine Erwartungen nicht erfüllen. Diese hallt nach, aber eher negativ.

Ralf H. Dorweiler konnte mich mit anderen Werken schnell packen, hier ist ihm das nicht gelungen, der Roman ist mir in weiten Teilen zu langatmig erzählt. Interessant ist die Thematik des Uhrenbaus, die gut ausgearbeitet wurde. Auch die Einbindung historischer Persönlichkeiten hat mir gefallen. So hinterlässt mich der Roman zwiegespalten. Dennoch gibt es sicher viele Genrefans, dem er gefallen könnte.

Veröffentlicht am 27.11.2024

Band 3 der Reihe basiert wieder auf historischen Gegebenheiten

Gegen die guten Sitten
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1875: Alessa Arlington studiert weiterhin in New York Medizin. Auch Orville Baker ist in nun dort gelandet, als Chief Detektive der New Yorker Polizei. Die beiden treffen sich wieder, als Alessa während ...

1875: Alessa Arlington studiert weiterhin in New York Medizin. Auch Orville Baker ist in nun dort gelandet, als Chief Detektive der New Yorker Polizei. Die beiden treffen sich wieder, als Alessa während eines Praktikums in der Gerichtsmedizin einen Toten obduziert, bei dem zunächst Suizid angenommen wurde. Wie sich herausstellt ist der Tote ein bekanntes, aber nicht von allen geliebtes Mitglied der Gesellschaft. Zu viele mussten schon unter ihm leiden, so dass auch der Kreis der Verdächtigen recht groß ist. Auch Alessa gehört dazu.

Der dritte Band der Reihe spielt also wieder in den USA. Dass auch Baker hier anzutreffen ist, hat mich zunächst sehr erstaunt, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch Henry Cochrane, den man aus Band 2 der Reihe kennt, ist wieder dabei und ermittelt zusammen mit Baker.

Der Roman basiert unter anderem auf einem realen Skandal, und hat wieder einige historische Persönlichkeiten mit an Bord, wobei Philea Baker manches Leben mehr oder weniger für ihren Roman passend gemacht hat, im Nachwort gibt sie darüber Aufschluss, außerdem finden sich zu den historischen Persönlichkeiten Fotos im Anhang.

Gut gefallen hat mir das Ende, das sogar noch das Pseudonym der Autorin klärt. Ich denke, dass die Reihe mit diesem Band enden wird, lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren.

Auch im dritten Band der Reihe verknüpft Philea Baker wieder historisches Geschehen und historische Persönlichkeiten mit fiktiven Protagonist:innen und einem fiktiven Kriminalfall. Wie immer ist das interessant zu lesen und animiert dazu, selbst weiter zu recherchieren. Gerne empfehle ich die gesamte Reihe an Genrefans, man sollte sie aber möglichst in der richtigen Reihenfolge lesen.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Neue Miss Marple Geschichten

Miss Marple
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Tatsächlich ist es schon länger her, dass ich einen Agatha Christie-Roman gelesen habe, aber die mit Miss Marple waren mir immer die liebsten, und viele habe ich noch ganz gut im Kopf. Wenn ich an Miss ...

Tatsächlich ist es schon länger her, dass ich einen Agatha Christie-Roman gelesen habe, aber die mit Miss Marple waren mir immer die liebsten, und viele habe ich noch ganz gut im Kopf. Wenn ich an Miss Marple denke, sehe ich übrigens immer Joan Hickson vor mir, die sie meiner Ansicht nach perfekt verkörpert hat. Sie war es auch, die mich geistig begleitet hat, während ich die zwölf Geschichten dieser Sammlung gelesen habe, in denen verschiedene Autorinnen Miss Marple und ihr kriminalistisches Geschick wieder zum Leben erweckt haben.

Die Geschichten sind sehr unterschiedlicher Art, und spielen nicht alle in Großbritannien, Miss Marple besucht zum Bespiel auch die USA und macht eine Kreuzfahrt nach Hongkong. Man trifft einige Personen wieder, die man aus den Romanen kennt, allen voran Miss Marples Neffen Raymond West. Man lernt aber auch neue kennen, unter anderem sogar eine Urgroßnichte, die in einem Fall eine wesentliche Rolle spielt. Bereits die erste Geschichte zieht einen wieder in Miss Marples Universum und fügt sich gut ein in die Geschichten um sie.

Leider haben mir nicht alle Geschichten gleich gut gefallen, aber das ist eigentlich normal für solch eine Sammlung. Hin und wieder konnte ich nicht die Miss Marple erkennen, die ich aus den Romanen kenne und mag. So fehlte mir zum Beispiel das Jane Marple-Feeling in einer der USA-Geschichten.

Manche der Geschichten werden in Ich-Form erzählt, allerdings nicht aus Miss Marples Perspektive. Ich mag diese Art des Erzählstils, zumal Jane Marple natürlich trotzdem das ihre zur Aufklärung beigetragen hat. Einige Geschichen empfand ich als recht originell, andere als eher vorhersehbar, was aber nicht immer schlecht ist.

Überraschenderweise kannte ich nur ein paar der Autorinnen, manche Geschichte machte mich aber neugierig, mir bisher unbekannte kennenzulernen, zum Beispiel die, in der Jane Marple nicht alleine ermittelt, sondern eine andere versierte Ermittlerin zu Seite gestellt bekommt.

Zwölf neue Miss Marple-Geschichten von ebenso vielen Autorinnen erzählt finden sich in dieser Sammlung. Im wesentlichen wurde ich gut unterhalten, habe Jane Marple in vielen wieder erkannt und fand auch die meisten Geschichten lesenswert. Wer mehr von Miss Marple lesen möchte, kann hier nichts falsch machen.

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