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Veröffentlicht am 20.12.2023

Herrlich schräg und böse

Die Prinzessinnen – Holiday Special 2023
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Die Prinzessinnen sind auf dem Weg, Gerechtigkeit zu üben, denn Narvila, die vor nicht allzu langer Zeit zu ihrer Gruppe gestoßen ist, hat nichts bekommen.

Ich halte mich extra vage, denn alles andere, ...

Die Prinzessinnen sind auf dem Weg, Gerechtigkeit zu üben, denn Narvila, die vor nicht allzu langer Zeit zu ihrer Gruppe gestoßen ist, hat nichts bekommen.

Ich halte mich extra vage, denn alles andere, was ich schreiben könnte, würde spoilern. Natürlich hat man beim Lesen vielleicht die eine oder andere Ahnung, aber ich denke, die, natürlich fiese, Pointe wird dennoch überraschen, ich jedenfalls musste sehr lachen.

Auch wenn man diese Kurzgeschichte lesen kann, ohne einen der beiden Bände der Reihe zu kennen, finde ich es doch besser, wenn man diese fünf Prinzessinnen schon kennt, alleine um die Geschichte besser einordnen zu können. Die ist nämlich sehr deftig und blutig, ganz so, wie man die Prinzessinnen halt kennt.

Andererseits ist diese kostenlose Kurzgeschichte vielleicht auch eine gute Möglichkeit zu sehen, ob man die Prinzessinnen überhaupt näher kennenlernen möchte. Ich finde ja, das sollte man unbedingt, doch wem diese Geschichte schon zu heftig ist, sollte es sich vielleicht noch einmal überlegen. Denn genauso blutig, deftig, böse und voller schwarzem Humor wie diese Kurzgeschichte ist auch der erste Band, und wird sicher auch der zweite sein, den ich bald lesen werde.

Wer die Prinzessinnen bisher mochte bzw. ihre Abenteuer gerne gelesen hat, sollte hier unbedingt zugreifen, wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, erhält hier einen guten. Ich finde diese Geschichte herrlich schräg und böse, inklusive der Pointe, und freue mich jetzt noch mehr auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 19.12.2023

Unterhaltsam und berührend

Menschen im Hotel
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Berlin 1920er Jahre: Im Grand Hôtel treffen ganz verschiedene Gäste aufeinander: Preysing, ein Generaldirektor, der wegen einer Fusion nach Berlin kommt, Baron von Gaigern, Gentleman und Gangster, Otto ...

Berlin 1920er Jahre: Im Grand Hôtel treffen ganz verschiedene Gäste aufeinander: Preysing, ein Generaldirektor, der wegen einer Fusion nach Berlin kommt, Baron von Gaigern, Gentleman und Gangster, Otto Kienlein, sterbenskranker Buchhalter, die Grusinskaja, eine alternde Balletttänzerin und Doktor Otternschlag, kriegsversehrt.

Vicki Baum wirft in ihrem „Kolportage“Roman einen Blick auf eine Handvoll Gäste eines gehobenen Hotels und begleitet diese über mehrere Tage. Dabei findet im Gegensatz zu Otternschlags Ausspruch gegen Ende des Romans „Immer das Gleiche. Nichts geschieht“ (Pos.4461) eine ganze Menge statt, Liebe, Trauer, Tragik, Lebenslust - es ist alles vorhanden, der Roman wird so auch für die Lesenden zu einem Auf und Ab von Emotionen, wenn auch vielleicht nicht immer die der Protagonist:innen. Ich selbst habe vor allem mit Kienlein mitgefühlt, von Gaigern hat mich amüsiert, und die Grusinskaja eher genervt. Doch alle bieten sie auch ihre Überraschungen.

Neben den Charakteren wird auch das Berlin jener Zeit lebendig, denn wir verlassen mit manchen Charakteren zusammen das Hotel. Besonders der Baron ist sehr umtriebig. Insgesamt hat die Autorin die Atmosphäre im und außerhalb des Hotels perfekt eingefangen.

Besonders gut hat mir auch der Erzählstil der Autorin gefallen, er ist sehr anschaulich und atmosphärisch, und hat mich öfter zum Schmunzeln gebracht, ein Beispiel: „Vom Neubau her hopste die Musik aus dem Tea-Room in Synkopen an den Wandspiegeln entlang (Pos.34). Ihre Charaktere hat sie zudem wunderbar charakterisiert, man kann sich jede:n einzelne:n sehr gut vorstellen, das Kopfkino springt mit dem ersten Satz an. Auf gewisse Weise wirkt der Roman zeitlos. Tatsächlich ist dies der erste Roman, den ich von Vicki Baum gelesen habe, aber ich habe große Lust bekommen, mehr von ihr zu lesen.

Vicki Baums Roman hat mir sehr gefallen und mich gut unterhalten, lebendige Charaktere, viele Emotionen, Humor, Tragik, Liebe, Atmosphäre, es ist alles da und gelungen verknüpft. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.12.2023

Ein Gefühlscocktail

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Kuldesh Shamar wird tot aufgefunden. Er war ein Freund Stephens und hat dem Donnerstagsmordclub noch bei seinem letzten Fall geholfen. Ehrensache, dass der nun dem Mord an Kuldesh aufklären wird.

Eigentlich ...

Kuldesh Shamar wird tot aufgefunden. Er war ein Freund Stephens und hat dem Donnerstagsmordclub noch bei seinem letzten Fall geholfen. Ehrensache, dass der nun dem Mord an Kuldesh aufklären wird.

Eigentlich ist der Fall bei Chris Hunter und Donna De Freitas gelandet, aber beide werden davon abgezogen, und ihnen Jill Regan vom NCA (National Crime Agency) vor die Nase gesetzt. Sogar sein Büro muss Chris für Jill räumen. Sollen er und Donna nun Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim die Ermittlungen überlassen? Nein, er und Donna werden auch ermitteln, und da sie das nicht offiziell machen, muss auch nicht alles so rechtskonform sein, wie sonst.

Dieser Roman ist ein Cocktail von Gefühlen, man driftet vom Lachen ins Weinen, dann ist man wieder vor Spannung fast atemlos oder kann die Entwicklung der Geschichte kaum fassen. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, war aber auch emotional sehr eingebunden.

Mittlerweile ist das Stammcharakterensemble ja deutlich größer als man beim ersten Fall noch vermuten konnte. Nicht nur die Vier vom Donnerstagsmordclub und die beiden Polizisten gehören dazu, mittlerweile werden auch Lebenspartner:innen deutlich mehr einbezogen, und auch die Gegenseite fühlt sich mehr oder weniger zugehörig, wie Connie Johnson, die zwar nun im Gefängnis sitzt, dadurch aber nicht wesentlich eingeschränkt wird. In diesem Band gibt es zudem ein mögliches neues Mitglied des Clubs, ich würde mich zumindest darüber freuen käme Bob dazu. All diese Charaktere erhalten ihre eigenen Perspektiven, aber nicht nur sie, sondern auch die – möglichen – Antagonist:innen werden bedacht, und sind, man kennt das schon aus der Reihe, gar nicht so unsympathisch, aber natürlich schon heftig kriminell.

Richard Osman gelingt es gut, viel Humor in den Roman zu packen, dessen Geschichte eigentlich gar nicht so humorvoll ist. Aber alleine Joyce Tagebuch ist wieder herrlich zu lesen. Dazu gibt es Szenen, die so vor britisch schwarzem Humor strotzen, dass man es kaum glauben kann, wie ein „nettes“ Treffen (fast) aller Ermittelnden mit allen Verdächtigen.

Neben dem Hauptfall müssen sich Joyce und ihr Club um einem Love-Scam-Fall widmen, auch hier wird aus dem eigentlich ernsten Thema etwas herrlich absurdes.

Wie der Autor im Nachwort schreibt, müssen wir auf einen weiteren Fall ein bisschen warten, aber es wird wohl, zum Glück, einen geben. Richard Osman schreibt zwischendurch an einer neuen Reihe, auf die ich schon gespannt bin. Aber noch gespannter bin ich darauf, Joyce und die anderen aus dieser Reihe wiederzutreffen, zumal nach diesem Band, der für mich der bisher beste einer sehr guten Reihe ist.

Der vierte Band der Reihe ist wieder richtig gut, für mich der bisher beste. Emotional ist er eine wahre Achterbahnfahrt, aber auch der Fall hat es in sich und wird gut aufgelöst. Ich empfehle die Reihe uneingeschränkt weiter.

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Veröffentlicht am 12.12.2023

Weniger guter Band der Reihe

Still und starr ruht der Tod
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Simone Mathieu ist nach dem Scheitern ihrer Ehe zu ihrer Studienfreundin Rita nach Bamberg gereist. Schnell merken beide, dass sie nicht mehr so harmonieren wie früher, vor allem nach dem gemeinsamen Besuch ...

Simone Mathieu ist nach dem Scheitern ihrer Ehe zu ihrer Studienfreundin Rita nach Bamberg gereist. Schnell merken beide, dass sie nicht mehr so harmonieren wie früher, vor allem nach dem gemeinsamen Besuch des Literatur- und Fresszirkels, den Rita leitet, wird dies mehr als deutlich. Dann verschwindet Rita plötzlich spurlos. Simone beauftragt die Privatdetektivin Katinka Palfy, Rita zu finden.

Als gebürtige Bambergerin habe ich die Reihe um Katinka Palfy sehr gerne gelesen, allerdings ist mein letzter Band schon einige Jahre her. Passend zur Adventszeit habe ich mir diesen Band ausgesucht, um Katinka wiederzutreffen, denn wie Titel und Cover schon vermuten lässt, er spielt im Dezember, und zwar in einem sehr schneereichen und winterlichen Dezember, im Original ist er 2012 erschienen und ist der zwölfte Band der Reihe.

Neben Katinka tauchen natürlich auch wieder Hauptkommissar Harduin Uttenreuther auf, sowie der Journalist Dante Wischnewski. Katinka ist mittlerweile Hausbesitzerin und Vermieterin, so dass wir auch ihre Mieter:innen kennenlernen.

Eine große Rolle spielt auch die Gruppe, mit der Rita sich seit Jahren regelmäßig getroffen hat. Alle Teilnehmer, fast alles Paare, haben ihre Macken, und stellen Katinka ganz schön bei ihren Befragungen auf die Probe. Da diese verstreut in Oberfranken leben, bekommt es Katinka auch mit Nicht-Bamberger Polizeidienststellen zu tun, vor allem mit Hauptkommissarin Petronella Kallweit, die mir gut gefallen hat, vielleicht trifft man sie in weiteren Romanen der Reihe wieder.

Leider, muss ich sagen, konnte mich der Roman nicht so recht überzeugen. Es ist schön, Katinka, Harduin und Dante wieder zu treffen und wieder einmal Bamberg literarisch zu besuchen, aber der Kriminalfall selbst lässt in meinen Augen zu wünschen übrig. Mir kam einiges unlogisch vor, und ich hatte keine rechte Freude daran mitzurätseln. Klar ist nur, dass der Prolog, der zunächst unerwartet ins Leere führt, etwas mit dem Fall zu tun haben muss. Die Auflösung finde ich etwas aufgesetzt. Nun ja, es ist nicht der erste „Weihnachts“band der Reihe, der mir nicht gut gefallen hat. Dennoch werde ich die Reihe bald weiterlesen und hoffe, die nächsten Bände sind besser.

Band 12 der Reihe hat mich leider enttäuscht, vor allem, weil ich einiges unlogisch finde, das hat auch meine Lust am Miträtseln getrübt. Schön war aber das Wiedersehen mit bekannten Charakteren und mit meiner Geburtsstadt Bamberg.

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Veröffentlicht am 10.12.2023

Spannender Roman mit gelungenen Charakteren

Aktion Phoenix
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Berlin 1936: Hermann Schmidt arbeitet für das Propagandaministerium, seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die ausländischen Gäste und die Teilnehmer:innen der bevorstehenden Olympischen Spiele keine ...

Berlin 1936: Hermann Schmidt arbeitet für das Propagandaministerium, seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die ausländischen Gäste und die Teilnehmer:innen der bevorstehenden Olympischen Spiele keine negativen Eindrücke bekommen.

Anna Kollmann ist Kunststudentin und in einer Widerstandsgruppe. Sie malt Plakate mit Karikaturen des Führers, die während der Spiele auch als Flugblätter eingesetzt werden sollen.

Georg Finkbeiner ist Oberkellner in Freudenstadt, als er Hugo Eckener begegnet, dieser bietet ihm einen Stewartjob bei Zeppelin an.

Drei Charaktere, die nichts miteinander gemeinsam zu haben scheinen, deren Leben sich aber in diesem Roman auf gewisse Weise verbinden werden. Christian Herzog, hinter diesem Pseudonym steht Ralf H. Dorweiler, der schon einige historische Romane geschrieben hat, sind die Charaktere gut gelungen, man hat schnell das Gefühl, sie zu kennen, so dass man auch mit ihnen fühlen und sich um sie sorgen kann. Mir persönlich sind nicht alle drei gleich nahe gekommen, Georg lag mir schnell am Herzen, und auch Hermann konnte erstaunlicherweise bei mir punkten, während Anna mir weniger nahe gekommen ist.

Neben diesen Protagonist:innen gibt es weitere Charaktere, die wichtige Rollen haben. Da ist z. B. Annas Bruder Horst, der in der HJ ist, und schon recht früh negativ auffällt. Eine größere Rolle spielt auch Hermanns Familie inklusive der Schwiegereltern. Anna arbeitet für Leni Riefenstahl, die einen Film über die Olympiade dreht. Auch der eine oder andere aus obersten Regierungskreisen hat seinen Auftritt inklusive einiger ihrer Schergen. Auch diese Charaktere werden im Roman lebendig, und es gab durchaus Szenen, bei denen es mich fröstelte.

Die Olympiade 1936 war für die Nationalsozialisten ein aus verschiedenen Gründen wichtiges Ereignis, alles sollte nach außen hin perfekt sein. In diesem Roman wird zusätzlich ein weiteres Motiv verankert, fiktiv, aber dadurch nicht weniger perfide.

Ein besonderes Highlight stellt der Handlungsstrang um den Zeppelin Hindenburg dar. Die Hindenburg war ein Bestandteil der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1936, und ist auch im Roman wichtig. An Bord befindet sich, man kann es sich denken, Georg, aber nicht nur er.

Christian Herzog erzählt bildhaft und spannend, man fliegt nur so durch die Seiten, und lernt vielleicht noch das eine oder andere dazu, zumindest wird man wahrscheinlich zum googeln angeregt. Gut gefallen hat mir auch, dass wenig vorhersehbar ist, und das Ende des Romans, das nicht jeden Handlungsstrang zu Ende bringt. Aber genau das mag ich hier, so kann ich mir meine eigenen Gedanken machen. Sehr lesenswert ist auch das Nachwort des Autors.

Im Wesentlichen mag ich den Roman sehr, allerdings habe ich auch zwei Kritikpunkte. Das ist zum einen die Liebesgeschichte, die hier zwar für die Gesamtgeschichte wichtig ist, die ich aber nicht fühlen kann. Für mich wirkt sie daher zu aufgesetzt. Das andere ist ein Georg betreffender Handlungsstrang, den ich nicht ganz einordnen kann, und der in meinen Augen auch nicht ordentlich aufgelöst wird. Auch er ist wichtig, hätte aber ein paar zusätzliche Sätze verdient.

„Aktion Phoenix“ ist ein gelungener Roman, der sich mit nicht nur fiktiven Geschehnissen in den Monaten vor der Olympiade 1936 in Berlin befasst, sehr spannend ist, mit seinen Charakteren punkten kann, und uns in eine Zeit führt, die es so hoffentlich nicht noch einmal geben wird. Ich vergebe selbstverständlich eine Leseempfehlung nicht nur für Genrefans.

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