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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2022

Beziehungen

Milch Blut Hitze
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Mit Kurzgeschichten kann ich selten etwas anfangen, weswegen ich eher zögerlich in diesen Band hereingelesen habe. Der Schreibstil hat mich jedoch gleich gepackt und ich hatte die Lektüre doch recht schnell ...

Mit Kurzgeschichten kann ich selten etwas anfangen, weswegen ich eher zögerlich in diesen Band hereingelesen habe. Der Schreibstil hat mich jedoch gleich gepackt und ich hatte die Lektüre doch recht schnell beendet.

Alle Geschichten spielen in Florida, der Fokus liegt auf PoC, besonders Frauen. Die Autorin schafft es meisterhaft die auftretenden Figuren kurz und prägnant zu skizzieren, sodass man mitfühlen kann. Die Atmosphäre der Geschichten ist meist beunruhigend und düster. Die Themen sind etwa Trauer über eine Fehlgeburt, der Umgang mit schwerer Krankheit und Tod. Trotzdem habe ich die Geschichten nicht als bedrückend empfunden (wenn auch stellenweise als beunruhigend).

Es geht um verschiedene Arten von Beziehungen. Um Mutterschaft, Freundschaft, Paarbeziehungen, Geschwisterbande. Oft werden gerade die Abgründe beleuchtet. Viele Geschichten enden im Unklaren und lassen Raum zum Interpretieren und Weiterspinnen.

Wie das immer so ist, haben mir nicht alle Geschichten gleich gut gefallen. Insgesamt mochte ich jedoch die Vielfältigkeit und Intensität der Geschichten und empfehle sie gern weiter.

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Veröffentlicht am 02.01.2022

zu hektisch

Eine kurze Liste meiner Probleme (Mutter nicht mitgezählt)
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Die einzige Person, die Cressi Halt gibt ist ihr Therapeut. Ihre Familie treibt sie mit immer neuen verrückten Ideen in den Wahnsinn. Als ihre Mutter stirbt, muss sie nicht nur die Beerdigung ...

Die einzige Person, die Cressi Halt gibt ist ihr Therapeut. Ihre Familie treibt sie mit immer neuen verrückten Ideen in den Wahnsinn. Als ihre Mutter stirbt, muss sie nicht nur die Beerdigung vorbereiten, sondern sich auch noch um einen Hund und ein geerbtes Bistro kümmern. Und da sie den Männern abgeschworen hat, bringt sie der gutaussehende Grieche, der sich in ihrer WG eingnistet hat zur Verzweiflung.

Aus den ganzen Handlungssträngen hätte man mühelos mehrere Bücher machen können. Mir fiel es teilweise schwer mit den Ereignissen mitzukommen. Die Hauptfigur ist nicht nur für ihren Therapeuten anstrengend. Ist vielleicht auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet. Das Konzept scheint zu sein, dem Leser keine Sekunde zum Durchatmen zu lassen. Das ist schade, denn so kommt man gar nicht zum Nachdenken und Mitfühlen. Und man bekommt leider auch viel von Dritten erzählt, statt es mitzuerleben. Ich war mir beispielsweise nie sicher, ob die Hauptfigur tatsächlich so viele Dates hat, dass sie den Männern abschwören muss. Soooo viele schreckliche Ausrutscher hat sie jetzt nicht.
Ein paar nette Ideen und witzige Szenen sind dabei, aber leider gehen die in der Vielzahl der Geschehnisse unter.

Für mich zu hektisch und nicht mein Lesegeschmack.

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Veröffentlicht am 28.11.2021

In kleinen Schritten die Welt retten

Stell dir vor ...
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Wer die Nachrichten liest, dem kommt es oft vor, als wäre alles verloren. Klimawandel, Terror, Kriege, Hass, Pandemie... Unlösbare Probleme überall.
Rob Hopkins setzt sich dafür ein, im Kleinen ...

Wer die Nachrichten liest, dem kommt es oft vor, als wäre alles verloren. Klimawandel, Terror, Kriege, Hass, Pandemie... Unlösbare Probleme überall.
Rob Hopkins setzt sich dafür ein, im Kleinen Lösungen zu finden.
Er plädiert dafür, die menschliche Phantasie zu nutzen und berichtet aus sehr unterschiedlichen Projekten, die er besucht oder selbst mitinitiiert hat.
Sehr gut gefallen hat mir, dass er viele verschiedene Denkanstöße gibt. Wichtig ist seiner Meinung nach nur, sich zu trauen seine Phantasie zu nutzen, Nähe zur Umwelt herzustellen und offen im Kontakt mit anderen Menschen zu sein. So könnte durch viele kleine, lokale Projekte die Welt ein klitzekleines bisschen besser werden.
Und das ist schon viel besser, als angesichts der riesigen Probleme den Kopf in den Sand zu stecken.
Vom Layout her hat mich das Buch nicht so ganz überzeugt. Die Schrift ist recht klein und es gibt wenige Abschnitte. Für mich ist es eher ein Buch, dass man häppchenweise zur Inspiration liest und bei dem man auch mal nicht so Interessantes überspringt. Das ist nicht immer einfach gewesen. Auch so manche Auflistung von alarmierenden Statistiken hätte es nicht gebraucht.
Ein schönes Buch, um sich Inspiration, Bestärkung und eine positive Herangehensweise an Probleme zu holen. Wird nicht jeden komplett überzeugen, ist aber ein schöner Anfang.

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Veröffentlicht am 08.11.2021

Flüchtige Momente des Sommers

In diesen Sommern
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Die Erzählerin Teresa erinnert sich an Szenen ihrer Kindheit. Flüchtige Momente des Glücks, der Unsicherheit, des Familienzusammenhalts. Sie kreist dabei immer um den alkoholkranken Vater. Dieser kann ...

Die Erzählerin Teresa erinnert sich an Szenen ihrer Kindheit. Flüchtige Momente des Glücks, der Unsicherheit, des Familienzusammenhalts. Sie kreist dabei immer um den alkoholkranken Vater. Dieser kann liebevoll und zugewandt sein, aber auch unvermittelt gewalttätig werden. Die Furcht vor seinen Launen, die Sorge um ihn und das zunehmende Erkämpfen von Abstand bestimmen das Leben der Familie.

Teresa erzählt lakonisch, hält den Leser auf Distanz. So einen Erzählstil mag ich auch eigentlich sehr gern, aber hier wollte es zu dem ernsten Thema nicht passen. Es gibt weder große dramatische Szenen, noch wird das Verhalten der Personen reflektiert. Das ist sehr schade, denn so geht die Geschichte nicht in die Tiefe und kann keine emotionale Wucht entwickeln. Die Figuren sind recht blass und austauschbar. Man kommt ihnen kaum nah. Der Widerstand gegen den Vater gelingt fast zu leicht, man versteht nicht so ganz was jetzt das Problem bei Gewalt in Beziehungen ist.

Ich habe die ganze Zeit auf den großen Knall gewartet, auf eine Gänsehautszene, die kam aber nie. Gern gelesen habe ich es durchaus, aber ich hatte das Gefühl, dass man mehr aus der Geschichte hätte machen können.

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Veröffentlicht am 08.11.2021

Verwoben

Wolkenkuckucksland
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Der Pulitzerpreisträger Anthony Doerr legt mit Wolkenkuckucksland einen vielschichtigen neuen Roman vor. Es geht um verschiedene junge Menschen, die zu verschiedenen Zeiten leben, und alle nach ihrem Weg ...

Der Pulitzerpreisträger Anthony Doerr legt mit Wolkenkuckucksland einen vielschichtigen neuen Roman vor. Es geht um verschiedene junge Menschen, die zu verschiedenen Zeiten leben, und alle nach ihrem Weg suchen.

Da wären Omeir und Anna, die im 15. Jahrhundert um ihr Überleben kämpfen. Omeir, dessen Gesicht seit seiner Geburt entstellt ist, wird als Junge aus seiner Familie herausgerissen und soll für den Sultan das große Konstantinopel mit erobern. Anna arbeitet als Näherin in ebendieser mittelalterlichen Metropole und kämpft während der Belagerung um ihr Leben.

Seymour plant im Jahre 2020 aus falsch geleitetem Idealismus einen Anschlag auf die Bücherei seiner Heimatstadt, während dort fünf junge Schüler ein Theaterstück mit einem Koreaveteran einstudieren. Und die junge Konstance befindet sich in ferner Zukunft auf dem Weg zu einem erdähnlichen Planeten. All diese Protagonisten vereint die antike Prosaerzählung „Wolkenkuckucksland“, die nur bruchstückhaft überliefert ist und die das Leben der Protagonisten auf elementare Weise beeinflusst. Bei der Lektüre des Klappentextes war ich zunächst skeptisch. Das klang kompliziert und verkopft. Doch die Zweifel zerstreuten sich beim Reinlesen. Man hat sofort Bilder im Kopf und fühlt mit den Protagonisten mit.

Doerr schafft es auf raffinierte Weise die Geschichten der jungen Menschen zu verknüpfen und den Leser in seinen Bann zu ziehen. Problemlos springt er dabei in rasantem Tempo durch die Zeit und webt eine Jahrhunderte umspannende, vielschichtige Erzählung. Dabei laufen die einzelnen Handlungsstränge nicht nur nebeneinander her, sondern verbinden sich, trennen sich, nehmen aufeinander Bezug.

Gerne wäre man noch tiefer in die einzelnen Schicksale eingetaucht. Am Ende bleibt wie bei allen herausragenden Romanen neben dem großen Glück etwas so wertvolles gelesen zu haben, auch die Wehmut, dass die Geschichte so schnell ihr Ende gefunden hat.

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