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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2021

Grenzgänger

An den Ufern des Amur
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Sören Urbansky reist entlang des Amur vom Baikalsee bis zum Japanischen Meer und erforscht dabei die Besonderheiten der Grenzregion zwischen Russland und China. Er erkundet nicht nur Städte, sondern vor ...

Sören Urbansky reist entlang des Amur vom Baikalsee bis zum Japanischen Meer und erforscht dabei die Besonderheiten der Grenzregion zwischen Russland und China. Er erkundet nicht nur Städte, sondern vor allem fast vergessene Dörfer, spricht mit Menschen, die er trifft, recherchiert geschichtliche und politische Hintergründe.

Die Grenzregion zwischen bzw. in China und Russland ist immer wieder ein Zankapfel zwischen verschiedenen Imperien. Die dort lebenden Menschen waren immer wieder in Gefahr von der einen oder anderen Seite als Volksfeinde und Spione verfolgt zu werden. Es werden sehr verschiedene Orte beschrieben, die sich manchmal nicht nur an unterschiedlichen gorgraphischen Punkten, sondern auch Zeiten zu befinden scheinen.

Urbansky besucht vergessene Orte, die einst als Metropolen geplant waren, während gar nicht weit weg auf der anderen Seite einst bedeutungslose Orte prosperieren. Er spricht mit Menschen, die hart ums Überleben kämpfen mussten und nun als Touristenattration bestaunt werden. Mit Menschen, die geübte Grenzgänger sind und für die es eine Abwägung von Vor- und Nachteilen ist, wo sie sich zugehörig angeben.

Die beiden Seiten beäugen sich misstrauisch und sind doch durch wirtschaftliche Vertrickungen und das Verhältnis der Menschen zueinander aneinander gebunden.

Urbansky flicht immer wieder sein politisches und geschichtliches Wissen ein, bemüt sich aber um Neutralität und Nähe zu den Menschen, die er auf seiner Reise trifft.

Es ist daher viel Persönliches ausgespart und es gibt auch keine beeindruckenden Bilder, die sonst einen Reisebericht schmackhaft machen würden. Trotzdem für die Fülle an dargestelten Informationen gut zu lesen und interessant.

Eine Empfehlung für alle, die sich für die Region und die Geschichte der Beziehungen zwischen China und Russland interessieren.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Erinnerung an eine Freundschaft

Die Geschichte von Kat und Easy
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1973 waren Kat und Easy beste Freundinnen, hingen gemeinsam im Jugendzentrum in einer deutschen Kleinstadt ab, doch sie haben sich schon lange aus den Augen verloren. Nach gut 40 Jahren findet Kat plötzlich ...

1973 waren Kat und Easy beste Freundinnen, hingen gemeinsam im Jugendzentrum in einer deutschen Kleinstadt ab, doch sie haben sich schon lange aus den Augen verloren. Nach gut 40 Jahren findet Kat plötzlich eine Nachricht ihrer Freundin auf ihrem Blog. Die beiden Frauen treffen sich in Kreta zum gemeinsamen Urlaub. Sie erinnern sich zurück an die schönen Zeiten, aber auch den Schmerz, der sie auseinander trieb.

Mir persönlich haben die Abschnitte in der Vergangenheit besser gefallen. Vielleicht, weil ich altersmäßig näher an den Jugendlichen dran bin als an den älteren Frauen. Die Abschnitte in Kreta waren mir etwas zu ruhig. Es gibt viele Gespräche und besonders E-Mails, die aber die Handlung nicht so richtig voranbringen. Vieles bleibt ungesagt.
Schön fand ich die Darstellung der Freundschaft. Das Nachsinnen darüber, was sich geändert hat, aber auch was gleich geblieben ist. Trotzdem kam ich gefühlt nicht so nah die Protagonistinnen ran. Da blieb immer ein Abstand, der mich vom Mitfiebern abgehalten hat. Die beiden sind sehr unterschiedlich und fühlten sich doch in einer kurzen aber intensiven Jugendfreundschaft sehr verbunden.
Ein schönes Buch, stellenweise auch mit poetischen Stellen, was mich jedoch nicht so recht abholen und begeistern konnte.

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Veröffentlicht am 11.04.2021

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte erzählt in einer rundum gelungenen Biographie

Jeanne d'Arc
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Gerd Krumeichs Werk über die Lebensgeschichte der französischen Ikone
Jeanne d'Arc ist durchweg lesenswert und besticht durch seine akribische
Recherche. Krumeich orientiert sich dabei streng an historischen
Fakten ...

Gerd Krumeichs Werk über die Lebensgeschichte der französischen Ikone
Jeanne d'Arc ist durchweg lesenswert und besticht durch seine akribische
Recherche. Krumeich orientiert sich dabei streng an historischen
Fakten und bemüht sich mit Mythen und Gerüchten aufzuräumen. Dies macht er auch in der Einleitung deutlich, wenn er gegen Kollegen
austeilt, die es mit den Fakten nicht so genau genommen haben.
Krumeichs Schreibstil ist flüssig und somit gut lesbar. Einziger
Kritikpunkt sind die teils sehr verwirrenden Nennungen der verschiedenen
historischen Persönlichkeiten, bei deren Einordnung in den historischen
Kontext man gerade zu Anfang Probleme hat. Herausragend sind die vielen
Zitate von Zeitzeugen, die der Autor geschickt in seine Geschichte
einbaut. Der Leser erfährt von einem von Krieg und Plünderungen
zerrissenem Land, in dem die Herrschaftsverhältnisse in stetigem Umbruch
sind. Auch sind die Menschen im 15.Jahrhundert sehr gläubig und das
Angebot an christlichen Glaubensgemeinschaften sehr groß. So ist es kein
Zufall, das die junge Jeanne Stimmen hört, die ihr befehlen zum König zu
ziehen und Orleans zu befreien. Bekanntermaßen werden ihre Erfolge mit Misstrauen und Angst beäugt und Jeanne D'Arc wird schließlich angeklagt. Es ist sehr beeindruckend, wie stark der Glaube und der Wille dieser jungen Frau war, der sie ihre Prozesse mit Anmut und Stärke ertragen lies. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die mehr über diese historische Persönlichkeit erfahren möchten und sich dafür interessieren, was hinter den Mythen steckt, die sich um sie ranken.

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Veröffentlicht am 10.04.2021

Absoult empfehlenswerte Hörbuchfassung

Die große Lombarden-Box
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Die Box enthält alle Bände der Lombardenreihe: "Das Gold des Lombarden", "Der Ring des Lombarden" und "Die Rache des Lombarden". Ich würde empfehlen die Hörbücher mit einem gewissen Abstand zu hören, da ...

Die Box enthält alle Bände der Lombardenreihe: "Das Gold des Lombarden", "Der Ring des Lombarden" und "Die Rache des Lombarden". Ich würde empfehlen die Hörbücher mit einem gewissen Abstand zu hören, da es doch einige Dopplungen und Erklärungen gibt. Dies macht es möglich, die Hörbücher unabhängig voneinander zu hören, sorgt aber für einige Längen, wenn man alles in einem Rutsch hört.

Die Geschichte dreht sich um Aleydis, die nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes Nikolai feststellen muss, dass dieser dunkle Geschäfte verfolgte. Sie muss sich nicht nur als Frau als Haushaltsvorstand und im Geldwechsel-Geschäft ihres Mannes behaupten, sondern auch das Verbrechen aufklären. Bei der Aufklärung des Mordes hilft ihr der düstere Gewaltrichter Vincent von Cleve, von dem sich Aleydis bald herausgefordert und auch angezogen fühlt.


Petra Schier erzählt kentnissreich und mit viel Liebe zum Detail. Die Figuren und ihre Handlungen wirken realitätsnah, auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und man merkt, dass sie recherchiert hat. Die aufzuklärenden Verbrechen sind sehr schön miteinander zusammenhängend über die Bände verteilt. Oft ist es ja bei Krimis so, dass die Hauptfiguren ständig über Leichen stolpern, die gaaaaanz zufällig dann auch noch was mit ihnen zu tun haben. Das ist hier viel klüger gelöst. Mir wurde jedoch etwas zu oft "erklärt statt gezeigt". Meist gefällt es mir besser, wenn der Leser durch das Handeln der Personen oder bestimmte Ereignisse etwas über die Personen erfährt, statt das es in Dialogen immer wieder erklärt wird. Dann wird es noch interessanter.

Die enthaltene Liebesgeschichte entwickelt sich gemächlich. Vincenz und Aleydis liefern sich schöne Wortgefechte, die viel Spaß machen. Neben etwas Romantik und einem kleinen Schuss Erotik kommt auch der Humor nicht zu kurz.

Das Hörbuch ist wirklich sehr gut gelesen. Es macht richtig Spaß der Vorleserin zuzuhören. Sie hat auch die Kölner Dialekte prima drauf, auch wenn dies im letzten Band leider etwas nachlässt.

Eine schöne Reihe, mit der man einige angenehme Stunden verbringen kann. Als Hörbuchfassung absolut zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 27.03.2021

Ein Tollpatsch sucht die Sonnenblumenfrau

Du kannst kein Zufall sein
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Nachdem Joshs Heiratsantrag gründlich in die Hose gegangen ist, steht er ganz allein mit seinem Kaninchen Jeremy da. Ohne Freundin, Arbeit oder Wohnung zieht er wieder bei seinen Eltern ein. Die Aufmunterungsversuche ...

Nachdem Joshs Heiratsantrag gründlich in die Hose gegangen ist, steht er ganz allein mit seinem Kaninchen Jeremy da. Ohne Freundin, Arbeit oder Wohnung zieht er wieder bei seinen Eltern ein. Die Aufmunterungsversuche seiner Freunde Jake und Jessie fruchten auch nur so mittelmäßig. Josh beschließt fortan all seine Entscheidungen einem Münzwurf zu überlassen. Doch dann verliebt er sich wieder und verliert seine Angebetete gleich wieder aus den Augen.



Josh ist ein etwas anstrengender Protagonist. Er stolpert ständig in peinliche Situationen und Missverständnisse, ist ständig abgebrannt, trifft mit oder ohne Münze dämliche Entscheidungen und lässt sich eher passiv treiben. Das muss man mögen. Ich kam gut mit ihm zurecht, auch weil ich einfach gar keine Erwartungen hatte. Die Kapitel sind kurz und lesen sich schnell weg. Meistens passiert irgendwas skurriles oder peinliches und dann geht es weiter zur nächsten Anekdote. Teilweise war für mich nicht ganz durchschaubar warum Dinge jetzt so wahnsinnige Fettnäpfchen/Probleme sind.

Die Nebenfiguren bleiben leider recht blass und sind teilweise sogar richtig nervig. Bei Joshs Eltern fallen mir kaum positive Eigenschaften ein. Aber gut, es soll ein lockerleichter lustiger Roman sein, da ist oberflächliche Figurenzeichung auch verschmerzbar.

Denn trotz aller Kritikpunkte hat mich das Buch gut unterhalten. Es ist eben genau das, was man vom Cover her erwartet: Leicht zu lesen, nicht sonderlich tiefschürfend. Einfach ein amüsanter Zeitvertreib mit einem Tollpatsch, der die Liebe sucht und zwischendurch immer wieder in Probleme absurden Ausmaßes stolpert und unter der Einmischung seines Umfeldes leidet. Muss man nicht lesen, ist aber auch keine verschwendete Lebenszeit.

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