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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2023

Gemordet wird immer. Aufgeklärt am Donnerstag!

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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Was macht man nicht alles, um sich als ältere Persönlichkeit im Seniorenheim die Zeit zu vertreiben... Cooper's Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz für wohlhabende Rentner, um den Lebensabend zu ...

Was macht man nicht alles, um sich als ältere Persönlichkeit im Seniorenheim die Zeit zu vertreiben... Cooper's Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz für wohlhabende Rentner, um den Lebensabend zu genießen. Da gibt es Stricknachmittage, man kann in die Sauna gehen, Snooker spielen oder man schließt sich dem Donnerstagsmordclub an, so wie Joyce. Sie stößt zu der Truppe, bestehend aus dem pensionierten Psychiater Ibrahim, der pfiffigen Elizabeth und dem lautstarken Ron. Früher gehörte auch die ehemalige Polizistin Penny dazu, die liegt aber seit kurzem auf der Krankenstation im Koma.

Der Donnerstagsmordclub nimmt sich ungelösten Kriminalfällen an, an die er durch Penny gelangt ist. So spricht eines Tages Elizabeth für eine Recherche zum Fall einer ermordeten jungen Frau Joyce an, die früher einmal Krankenschwester war. Dieser Fall gerät allerdings ins Hintertreffen, als es nahe des Seniorenheims zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Eigentümer von Cooper's Chase und seinem Handlanger gibt, den er aus dem Rennen wissen will, wenn er sein nächstes großes Bauvorhaben auf dem Gelände umsetzen will. Kurz darauf ist einer von beiden tot und die Mitglieder des Donnerstagsmordclubs heiß drauf den Fall zu lösen. Der Club ist mit seinen unkonventionellen Methoden der Polizei dabei immer einen Schritt voraus, doch trotz der Cleverness von Ron, Elizabeth, Joyce und Ibrahim scheint die Auflösung des Mordes komplizierter, obwohl direkt zu Beginn alles so glasklar erschien.


Mir sind die rüstigen alten Leutchen des Donnerstagsmordclubs sofort ans Herz gewachsen, und besonders die Zusammenkünfte mit Chris und Donna von der Polizei sind immer sehr erheiternd, überhaupt ist der Kriminalroman mit reichlich erheiterndem britischem Humor gefüllt! Spaß hat dieses Buch auf jeden Fall gemacht!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Eine nach wie vor wichtige Debatte in Deutschland

Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!
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Ferda Ataman ist Deutsche. Hier geboren, hier aufgewachsen, schon immer hier gewesen. Dennoch bekommt sie vorrangig aufgrund ihres Namens ständig die Frage gestellt, woher sie denn nun wirklich komme, ...

Ferda Ataman ist Deutsche. Hier geboren, hier aufgewachsen, schon immer hier gewesen. Dennoch bekommt sie vorrangig aufgrund ihres Namens ständig die Frage gestellt, woher sie denn nun wirklich komme, als ob auf deutschem Boden geboren nicht ausreiche, um deutsche Staatsbürgerin zu sein. Mit der Migrationsphobie versucht sie mit diesem Buch aufzuräumen, indem sie der üblichen irrationaler Emotion des Themas Einwanderung sachliche Fakten entgegenhält. So zum Beispiel, dass Deutschland ein Auswanderungsland ist, das mehr Leute verlassen als dass Menschen einwandern. Daraus resultiert logischerweise, dass Deutschland Einwanderung braucht, damit ihm das demographische Problem nicht in einigen Jahren über den Kopf wächst - mal ganz abgesehen von den vielen Jobs mit Niedrigqualifikation, die Deutsche gar nicht machen wollen wie den Hintern der eigenen pflegebedürftigen Oma abzuputzen oder als Putzkraft auf Knien irgendwo rumzurutschen. Di
e oft befürchtete Armutsmigration bleibt aus. Der ständig befürchtete Untergang des Abendlandes ist im Grunde dessen Rettung - das ist bisher nur noch nicht ins kollektive Gedächnis der Deutschen gedrungen.

Dieses wichtige Buch, das durch den Stil von Ferda Ataman leicht wergzulesen ist, würde ich ganz gerne mal sehr unentspannten Deutschen, pardon, Herkunftsdeutchen zu lesen geben, damit die mal lernen wieder ein wenig lockerer durch die Hose zu atmen!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Obdachlosigkeit sollte auch für Kinder thematisiert werden. Diesem Buch gelingt es mit einer mitfühlenden und humorvollen Story

Adresse unbekannt
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Habt ihr Freunde, die auf der Straße leben? Meine Freunde haben alle einen festen Wohnsitz. Aber wer auf der Straße lebt, der will auch nicht, dass andere Menschen das wissen.
So geht es auch Felix und ...

Habt ihr Freunde, die auf der Straße leben? Meine Freunde haben alle einen festen Wohnsitz. Aber wer auf der Straße lebt, der will auch nicht, dass andere Menschen das wissen.
So geht es auch Felix und seiner Mutter Astrid, deren Eigenwilligkeit und leichtem Hang zum Chaos dafür sorgen, dass sie ihren Job verliert und die Miete nicht mehr zahlen kann. Felix und Astrid leben nun in einem Bulli - vorläufig, wie Astrid stets betont. Felix versucht seinen Schulalltag so gut es geht zu bewältigen, das ist aber ohne sanitäre Anlagen und regelmäßige Mahlzeiten alles andere als einfach. Ständig hofft er, dass seine Freunde nichts davon erfahren. Da ergibt sich für den schlauen Felix die Möglichkeit bei einer Quizshow mitzumachen und 25.000 Dollar zu gewinnen. Die Sorgen von ihm und Astrid könnten mit einem Mal gelöst sein, wenn er gewinnen sollte.

Susin Nielsen hat eine tief bewegende Geschichte über ein Thema verfasst, dem wir als Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Obdachlosigkeit, das kann einen schneller ereilen als man glaubt, und schneller ist man einer von denen, die sonst immer nur "die da" waren, und denen man keine Beachtung schenkt.
Ich kann schon jetzt behaupten, dass dieses Buch eines meiner Kinderbuch-Highlights diesen Jahres ist!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Zwei Personen, zwei Erzählstränge, doch nur eine Wahrheit

Stranger – Du wirst ihm verfallen
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Bei der Einweihungsparty des luxuriösen Strandhauses wird Caroline vor aller Augen gedemütigt, als ihr Ehemann mit einer jüngeren Frau auf der Party auftaucht. Die Partygäste und Caroline glauben an eine ...

Bei der Einweihungsparty des luxuriösen Strandhauses wird Caroline vor aller Augen gedemütigt, als ihr Ehemann mit einer jüngeren Frau auf der Party auftaucht. Die Partygäste und Caroline glauben an eine Affäre. Aidan, der attraktive Barkeeper, der auf Carolines Party ausschenkt, entgeht nicht, welcher Schmach die Hausbesitzerin ausgesetzt wurde. Aidans Faszination begann mit dem Haus, das auf dem ehemaligen Grundstück seines Großvaters gebaut wurde, doch nun interessiert er sich auch auf eine höchst intensive Weise für Caroline selbst. Als diese eines Abends in der Bar auftaucht und sich von ihm abschleppen lässt, beginnt die gedemütigte Ehefrau ihrerseits eine Affäre. Aidan ist völlig hingerissen von Caroline und entwickelt eine tiefe Obsession für sie, die bald zur Gefahr für sie und ihre Familie wird. Doch Caroline ist alles andere als unschuldig an der Entwicklung dieser neuen Beziehung.


Eine Geschichte, erzählt aus zwei Perspektiven. Bereits bei den ersten Ungereimtheiten fragt man sich, wer der beiden Erzählenden der Lügner ist. Wer spielt ein Spiel, und wer ist das unschuldige Opfer in diesem Buch?

An sich ist Michele Campbells „Stranger“ von einem Story-Standpunkt aus nicht schlecht, allerdings konnte keiner der Protagonisten meine Sympathien für sich gewinnen – weder Caroline noch Aidan, noch wenn sie in der Erzählung des jeweils anderen dargestellt wurden. Hätte ich diese Distanz zu den Charakteren überwinden können, hätte ich bestimmt ein größeres Lesevergnügen gehabt, so war es für mich subjektiv allerdings eher mäßig.

Veröffentlicht am 02.08.2023

Eine ganz besondere letzte Ehre

Der Tag, an dem Conny Kramer wie durch ein Wunder überlebte
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Vier Freunde treffen sich zum ersten Mal nach Jahren wieder in ihrer Heimatstadt. Der Grund ist kein schöner: Ihr Kumpel Wolle hat auf dem Rüttenscheider Weihnachtsmarkt einen Schlaganfall erlitten, und ...

Vier Freunde treffen sich zum ersten Mal nach Jahren wieder in ihrer Heimatstadt. Der Grund ist kein schöner: Ihr Kumpel Wolle hat auf dem Rüttenscheider Weihnachtsmarkt einen Schlaganfall erlitten, und es steht nicht gut um ihn. So kommen Esra, Vegas und der Vierte im Bunde und Ich-Erzähler dieses Romans zusammen, um Wolle die letzte Ehre zu erweisen. Dazu muss der Protagonist erstmal aus dem kühlen Norden anreisen, den hat es vor sechs Jahren nämlich nach Hamburg verschlagen. Auch Esra und Vegas gehen mittlerweile sowas wie einem geregelten Leben nach, darum kann auch nur einem wie Wolle passieren, dass er sich auf dem Weihnachtsmarkt an einer Glühweinbude buchstäblich totlacht.

Die drei Freunde finden sich in Essen wieder zusammen, um auf Wolle zu trinken und in alten Zeiten zu schwelgen. Sie erinnern sich an Wolle und dessen poetischen Ausflüge in die Ruhrwiesen in Kupferdreh. Eine alte Freundin von Esra, die mittlerweile auf der Straße lebt, stößt zu diesem nostalgisch-fröhlichen Trupp, nur zu gern lässt sich zu dem Gelage einladen und bringt ihre ganz eigenen Geschichten mit an den Tisch. Als Esra einen Anruf aus dem Krankenhaus bekommt, landen die Vier im Taxi zur Fahrt in eine Nacht, die sie so schnell nicht mehr vergessen werden.


Essener Urgesteine werden mit dieser Geschichte auf knapp 120 Seiten sicher ihre Freude haben. Die verrückte Handlung der vier bzw. fünf Kumpels ist eingewickelt ganz viel Lokalkolorit, den ich als in den Pott zugezogener Fischkopp nur mäßig verstehe, aber auf jeden Fall unterhaltsam fand. Es ist eine Geschichte über Jugendfreunde, die auch im Erwachsenenalter über alle Grenzen hinaus ihre Freundschaft ehren. Übrigens hat der Buchtitel gefühlt nur ganz am Rande was mit der Geschichte zu tun, aber lest selbst!