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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2023

Er und sein Frauchen

She and her Cat
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An einem Frühlingstag wird der verwahrloste Kater von einer jungen Frau gefunden, die ihn fortan bei sich aufnimmt. Chobi liebt sein Frauchen innig, doch er macht sich auch Sorgen, denn sie scheint von ...

An einem Frühlingstag wird der verwahrloste Kater von einer jungen Frau gefunden, die ihn fortan bei sich aufnimmt. Chobi liebt sein Frauchen innig, doch er macht sich auch Sorgen, denn sie scheint von Tag zu Tag trauriger zu werden.
Ein Jahr lang erläutert Chobi aus seiner Sicht die Zeit mit seinem Frauchen, doch was sich zwischen der Verabschiedung zur Arbeit am Morgen und dem Heimkehren am Abend abspielt, bleibt dem Kater – und damit uns als LeserInnen – verborgen. So entwickelt sich eine ganz eigene Erzählperspektive, die einen einerseits zwar distanziert von Chobis Frauchen hält, andererseits aber nachdenkliche Sicht ermöglicht. Es lässt ganz viel Raum zur Spekulation, was mit Chobis Frauchen in ihrem Innersten los ist.

Ich mochte den Zeichenstil sofort, und mir gefiel die Idee, dass aus Sicht einer Katze berichtet wird (ähnlich wie bei „My Roommate is a Cat“). Beim Versuch, nachzuvollziehen, an was das Frauchen des Protagonisten leidet, wanderten meine Vermutungen von Burnout zu Depressionen. Aufgelöst wird es nicht, man bleibt mit seinen Vermutungen auf sich allein gestellt. Gerade das fand ich aber auch interessant am Konzept dieses Mangas.

Veröffentlicht am 02.08.2023

Die Akzeptanz der kinderlosen Frau

Nie, nie, nie
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Nein, keine Kinder, nie, nie, nie! Die namenlose Protagonistin dieses Romans weiß, dass sie keine eigenen Kinder will, und sie ändert ihre Meinung auch nicht. Es sind die Menschen in ihrer Umgebung, die ...

Nein, keine Kinder, nie, nie, nie! Die namenlose Protagonistin dieses Romans weiß, dass sie keine eigenen Kinder will, und sie ändert ihre Meinung auch nicht. Es sind die Menschen in ihrer Umgebung, die ihr einzureden versuchen, dass sie einfach nicht wissen könne, ob sie ihre Meinung nicht doch irgendwann mal ändert. Ob sie nicht doch Kinder will. Doch eine Familie gründen. Alle scheinen es besser zu wissen als sie mit ihrem konstanten Nein. Als Frau darfst du wissen, was du willst – aber bei der Kinderplanung meinen alle etwas mitreden zu müssen; Freunde, Mütter, der eigene Freund, Bekannte und darunter jene, die sich der guten Vollkommenheit ihrer eigenen Elternschaft mittlerweile nicht mehr so sicher sind.


«Was willst du denn vom Leben? Wenn du dir keine Familie wünscht, keine Rasselbande, die du groß werden siehst, der du etwas von dir gibst, die du formst. Mal ganz abgesehen davon, dass du einen Beitrag für die Gesellschaft leisten würdest, etwas, wovon alle profitieren.»

«Ich wünsche mir ein langes Leben, das ich mit Büchern füllen will.»


Mir fiel es unglaublich leicht in dieses Buch hineinzufinden. Eine solche Leseerfahrung hatte ich noch nicht: Das Gefühl zu haben das alles schon zu kennen, schon genau zu wissen, wohin das alles führt, und dennoch jede gelesene Zeile, jede umgeblätterte Seite genossen zu haben. Ich habe mich ein Stück weit selbst in diesem Buch gespiegelt gesehen, und dennoch war ich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, sondern habe Bestätigung gefunden, wo ich keine nötig hätte – eigentlich genau wie die Protagonistin von „Nie, nie, nie“.

Danke Linn Strømsborg, danke Dumont, für ein auf jeden Fall jetzt schon feststehendes Lese-Highlight diesen Jahres!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Ein wunderbarer Roman über die schicksalhafte Verknüpfung verschiedener Lebensgeschichten

Kleine Wunder um Mitternacht
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Was haben drei Einbrecher, die Beatles, ein grünes Flüsschen, ein verhinderter Musiker, eine Olympiaanwärterin und ein ratloser Welpe gemeinsam? - Gar nichts, bis sich die drei Gauner Atsuya, Kohei und ...

Was haben drei Einbrecher, die Beatles, ein grünes Flüsschen, ein verhinderter Musiker, eine Olympiaanwärterin und ein ratloser Welpe gemeinsam? - Gar nichts, bis sich die drei Gauner Atsuya, Kohei und Shota nach einem Einbruch in Namiyas Gemischtwarenladen verstecken, um dort die Nacht auszuharren. Als in das verlassene Geschäft durch den Rolladenschlitz ein Brief geworfen wird, obwohl draußen kein Mensch zu sehen ist, entpuppt sich dies nur der Beginn eines kleinen Wunders, das in dieser einen Nacht das Leben vieler Menschen verändert.

Keigo Higashino kannte ich bisher nur als Thriller-Autor. Dass nun ein Roman von ihm erschien, der auch noch äußerst vielversprechend klang, habe ich zum Anlass genommen erstmals etwas von Higashino zu lesen, und ich muss sagen, dass ich ein traumhaftes Lesevergnügen mit diesem Buch hatte. Nachdem ich mich auf „Kleine Wunder um Mitternacht“ eingelassen habe, fächerte sich mit jeder Seite der Zusammenhang zwischen all diesen Personen auf und gab den Blick auf das große Ganze frei. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Da steckt ganz viel Sehnsucht und auch Lebenshunger drin

Keine Ahnung, ob das richtig ist
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Ich mag die Gedichte von Poetry Slammerin Julia Engelmann, aber ich glaube, ich würde sie als Hörbuch noch ein Stückchen lieber mögen, weil sie so einen schönen Sprechrhythmus dabei hat. Man kommt hier ...

Ich mag die Gedichte von Poetry Slammerin Julia Engelmann, aber ich glaube, ich würde sie als Hörbuch noch ein Stückchen lieber mögen, weil sie so einen schönen Sprechrhythmus dabei hat. Man kommt hier und da beim Lesen der einzelnen Gedichte immer mal wieder ins Sinnieren und Nachdenken.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Test „Johann Philipp Möller“, der stark an Goethe angelehnt ist mit einer Anlehnung an Fettes Brots Jein von Neunzehnsechsundneunzig.

Begleitet werden die Verse wieder von kleinen Kritzeleien der Autorin.

Vielleicht wird meine nächste Engelmann ja auch mal mein erstes Hörbuch, denn ich hab definitiv Bock auf mehr.

Veröffentlicht am 31.07.2023

Zwei Kinder, zwei Welten und ein großes Übel dazwischen

Brombeerfuchs – Das Geheimnis von Weltende
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Ein Urlaub in Wales bei den beiden Tanten! Portia glaubt sich am Bahnhof des verschlafenen Dörfchens zwar schon fast vergessen, wird aber von Rose und Bramble herzlich aufgenommen, in deren Haus sie sich ...

Ein Urlaub in Wales bei den beiden Tanten! Portia glaubt sich am Bahnhof des verschlafenen Dörfchens zwar schon fast vergessen, wird aber von Rose und Bramble herzlich aufgenommen, in deren Haus sie sich sofort wohlfühlt, wäre da nicht dieser seltsame Fuchs, der immer im Garten herumschleicht...

Als Portia im hiesigen Buchladen stöbert, lernt sie Ben kennen, dessen Mutter ganz versessen darauf ist, dass sein Sohn mal von den Büchern ablässt und sich mehr mit anderen Kindern trifft, fädelt auch direkt eine Verabredung für die Kinder ein. Ben soll Portia ein wenig durch die Gegend führen und ihr die berühmten Runensteine zeigen. Portia freut sich schon sehr auf den Ausflug, wird aber von dem herumstreunenden Fuchs abgelenkt. Dieser entpuppt sich als Gestaltwandler, der nun endlich in seine Welt zurückkehren will und Portias Neugier dafür missbraucht das Tor in die Feenwelt zu öffnen, die für immer verschlossen bleiben sollte, denn im Flur zwischen der Menschenwelt und der Feenwelt lauert ein böses Unheil. Portia und Ben werden unfreiwillig in das Abenteuer ihres Lebens gezogen und müssen nun dafür sorgen, dass das Unheil nicht über die Schwelle der Welten tritt, ansonsten drohen die Welten in einem Nebel aus Vergessen zu versinken. Tante Rose eilt den beiden Kindern zu Hilfe und opfert dabei auf, die Kinder über die Schwelle zum Feenreich zu bringen, denn der Weg in die Menschenwelt ist abgeschnitten. Es gibt nur eine Chance, und die besteht darin, die Feenkönigin Titania um Beistand zu ersuchen...


„Brombeerfuchs“ ist eine schöne Kindergeschichte, die ein bisschen an „Narnia“ erinnert, als die Kinder über eine Türschwelle in eine andere Welt stolpern. Mich hat vor allem das wunderschöne Cover mit seinen schillernden Goldelementen und dem Fuchs zum Kauf eingelullt (Füchse gehen einfach immer!). Ich mochte den Perspektivwechsel zwischen Ben und Portia, die beide sehr unterschiedliche Charaktere sind und Dinge anders angehen. Stellenweise hatte mir persönlich die Handlung zu viele Längen, und das Ende war mir nicht genug ausgearbeitet, aber insgesamt ist es ein phantasiegespicktes Buch mit kreativen Figuren.