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Veröffentlicht am 21.06.2025

Für eine feministische Weihnacht!

Merry Feminist Christmas
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Wer füllt den Adventskalender, der die Zeit bis Weihnachten versüßt, wer besorgt die Geschenke für die Kinder und die gesamte Verwandtschaft, wer schreibt die Weihnachtskarten, wer kauft das Geschenkpapier, ...

Wer füllt den Adventskalender, der die Zeit bis Weihnachten versüßt, wer besorgt die Geschenke für die Kinder und die gesamte Verwandtschaft, wer schreibt die Weihnachtskarten, wer kauft das Geschenkpapier, wer hält die Tischgespräche an der Weihnachtstafel in Gang, wer schreibt die Einkaufslisten? - In mehr Fällen als nicht wird die Antwort darauf eine weibliche Person sein, ob als Frau oder als Mutter.

Ayo Lenz wirft einen kritischen Blick auf das Fest der Liebe, das vielfach nur deswegen dazu wird, weil Frauen es dazu machen. Neben vielen physischen Handlungen wie Dekorieren, Plätzchen backen, Geschenke und Präsente einwickeln fließt auch einige unsichtbare Arbeit als Mental Load in den Weihnachtswahnsinn wie Planungen, wer alles Weihnachtskarten geschickt bekommt, wem man was schenkt, der Einkaufsliste für drei Tage Weihnachtsmenüs, ob man den Paketbot:innen etwas schenkt usw. Besinnlich wird der Advent für jene, an denen nicht diese ganze Arbeit hängen bleibt.
In diesem Essay wird durch Worte sichtbar gemacht, was für viele noch immer ein diffuses Gefühl ist, das sie lediglich als Stress identifizieren können. Tja, schöne Bescherung!

Veröffentlicht am 21.06.2025

In diesem Buch ist nichts, wie es scheint - unbedingte Leseempfehlung!

Die Winterschwestern
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Vor langer Zeit gab es zwei Winter. Es gab die Große Winterschwester, welche die Stürme, kalte Nächte, eisigen Schnee und die Härte brachte. Und es gab die Kleine Winterschwester, welche die Freuden des ...

Vor langer Zeit gab es zwei Winter. Es gab die Große Winterschwester, welche die Stürme, kalte Nächte, eisigen Schnee und die Härte brachte. Und es gab die Kleine Winterschwester, welche die Freuden des Winters brachte wie zugefrorene Seen, auf denen man Eislaufen konnte, weichen Schnee, auf dem man Schlitten fahren oder mit dem man Schneeballschlachten veranstalten konnte, und ihr zu Ehren bringt man das Julfest.
Doch die Kleine Winterschwester ist verschwunden, und in jedem erbarmungslosem Sturm steckt die Verzweiflung der Großen Winterschwester, die nach ihr sucht.

Der Winter hat gerade erst begonnen, doch im Nebeldorf macht man sich Sorgen. Es verschwinden vermehrt wichtige Gegenstände, welche die Dorfbewohner:innen vermissen, und obwohl man zuerst Alfred im Verdacht hat, der allen immer wieder Streiche spielt, doch den Amboss der Schmiedin hätte der Junge nicht mal mit ganz ausgeklügeltem Willen verstecken können. Alfreds Onkel Ragnar soll die verlorenen Gegenstände zurückbringen, denn eigentlich können nur die Trolle die Sachen entwendet haben. Ragnar macht sich auf den Weg in einen Schneesturm, und Alfred folgt ihm, denn die Seherin offenbart dem Jungen, dass niemand seinen geliebten Onkel wiedersehen wird, wenn Alfred sich nicht mit auf den Weg macht. Und so schlittert der Wikingerjunge in das Abenteuer seines Lebens.

Jolan Bertrands „Die Winterschwestern“ wird definitiv eines meiner Lieblingskinderbücher für die Winterzeit werden, dicht gefolgt von „Winterhaus“ (Ben Guterson). Für mich war es ganz klare Coverliebe! Die Illustrationen begleiten die Geschichte und sind richtig schön! In diesem Buch ist nichts wie man es erwarten würde, gängige Rollenbilder gibt es hier nicht, Gut und Böse sind nicht klar schwarz und weiß, und die wahren Held:innen sind die unscheinbaren Figuren.
Ich lieb einfach alles an dem Buch! Lest es und liebt es auch!

Veröffentlicht am 04.12.2024

(S)Experiment

The Freedom Clause
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In einer Silvesternacht sprechen Dominic und Daphne unverhofft über ihr eingeschlafenes Sexleben. Seit drei Jahren sind sie verheiratet, und vor allem Dominic fände es aufregend, die Ehe ein wenig zu öffnen. ...

In einer Silvesternacht sprechen Dominic und Daphne unverhofft über ihr eingeschlafenes Sexleben. Seit drei Jahren sind sie verheiratet, und vor allem Dominic fände es aufregend, die Ehe ein wenig zu öffnen. Daphne, die sich aus Sex nicht wirklich viel macht, ist zunächst wenig angetan von der Idee, stimmt aber unter einigen Bedingungen zu - vor allem, um der Sehnsucht ihres Mannes zu entsprechen. Erstens: Es darf nur eine Nacht im Jahr sein. Zweitens: Das Paar spricht nicht über seine außerehelichen Abenteuer. Drittens: Nicht zweimal mit derselben Person. Und sie einigen sich darauf, dieses Arrangement zunächst einmal für fünf Jahre auszutesten.
Daphnes und Dominics Geschichte erzählt sich vor allem an den Nächten außerhalb des ehelichen Bettes entlang. Bereits nach den ersten Gelegenheiten merken beide, dass sie dieses Arrangement verändert. Während Dominic vor allem mögliche Gelegenheiten auszuloten versucht, leidet Daphne eher darunter, über ihre Erlebnisse nicht mit ihren Freundinnen sprechen zu können. Beide verändert die Abmachung, aber auch die Begegnungen, die sich durch jene Abmachung ergibt - sowohl zum Vorteil als auch zum Nachteil.

"The Freedom Clause" hat mir ganz hervorragend gefallen. Ein Experiment, wie ich mir vorstelle, dass einige Ehemänner es vielleicht gerne ausprobieren, um sich dann vor dem Erfolg ihrer Frauen zu fürchten. Manche Handlung von Hannah Sloanes Protagonist:innen fand ich eine Idee zu vorhersehbar (und trotzdem hat sie mich erheitert), anderes hat mich verdutzt (und mir Achtung abgerungen). Dies ist ein Buch, das ich sicher nicht jeder:m empfehlen kann, aber ich denke, da wo ich es empfehle, wird es angemessen für würdige Unterhaltung sorgen.

Veröffentlicht am 04.12.2024

Es muss auch mal wieder Zeit für Klassiker sein

Überredung
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Als November-Lektüre im feministischen Buchclub haben wir „Überredung“/"Anne Elliot" bzw. im englischen Original „Persuasion“ von Jane Austen gelesen.
Für manche der Gruppe war es die erste Leseerfahrung ...

Als November-Lektüre im feministischen Buchclub haben wir „Überredung“/"Anne Elliot" bzw. im englischen Original „Persuasion“ von Jane Austen gelesen.
Für manche der Gruppe war es die erste Leseerfahrung mit Jane Austen, andere kannten und schätzten die Klassiker der Regency-Ära bereits. Ich habe Austens Bücher in meinen 20ern bereits gelesen und fand es schön, die Eindrücke jetzt nochmal mit anderen zu teilen. Eigentlich hätte ich auch große Lust, nochmal wieder andere Bücher der Autorin zu lesen und zu schauen, ob „Mansfield Park“ nach all den Jahren noch immer mein Favorit bliebe oder abgelöst würde. Jane Austen porträtiert die Gepflogenheiten ihrer Klasse vor allem in Bezug auf die soziale Stellung und das Miteinander so unglaublich gut - nicht zuletzt sind all ihre Romane bis heute geliebte Klassiker. Die Themen, die sie vor allem aus ihrem weiblichen Blickwinkel behandelt, finden auch im Leben des 21. Jahrhunderts noch Anknüpfpunkte an aktuelle Lebensphasen

Veröffentlicht am 04.12.2024

Feministische Pflichtlektüre - unbedingt lesen!

Caliban und die Hexe
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Wahrscheinlich wäre „Caliban und die Hexe“ noch immer auf meinem Haufen ungelesener Bücher, hätte es nicht einen Vortrag dazu gegeben. Ich wünschte, ich könnte in diese Rezension alles Wissen packen, das ...

Wahrscheinlich wäre „Caliban und die Hexe“ noch immer auf meinem Haufen ungelesener Bücher, hätte es nicht einen Vortrag dazu gegeben. Ich wünschte, ich könnte in diese Rezension alles Wissen packen, das Silvia Federici in diesem Buch zu offerieren hat!
Wo Marx Thesen über den Kapitalismus Lücken hinterlassen haben, besonders aus weiblicher Sicht, füllt Federici auf. Sie beginnt bei den Bauernaufständen, die vom 15. bis zum 17. Jhd. immer wieder die Vorherrschaft höherer Stände und Klerus herausgefordert haben. Sie benennt die Pest als einen signifikanten Faktor, durch den die herrschende Klasse den Wert von Arbeitskraft erkannt hat, den als zusammen mit Boden als Kapital sich anzueignen galt. Seit Jahrhunderten kollektiv genutzte Acker-, Wald- und Landflächen wurden den Menschen durch Privatisierung genommen. Die kapitalistische Gesellschaft wurde geschaffen, und wer sich der aufkommenden Lohnarbeit nicht unterordnen wollte, wurde arbeits- und obdachlos. Vor allem gegen Verarmung revoltierende Frauen wurden nach dem Teile-und-Herrsche-Prinzip zur Zielscheibe, von Häretikerinnen über Prostituierten bis zu Grundbesitzerinnen. Die Hexenverfolgung als geschlechtlicher Genozid (80% der als Hexen Angeklagten waren Frauen) erreichte seinen Höhepunkt in der Mitte des 16. Jhd. bis Mitte des 17. Jhd. mit 40.000 bis 60.000 Opfern und war mitnichten ein Kapitel des „dunklen“ Mittelalters, sondern fällt in die Zeitspanne, die wir als Renaissance kennen. Die Folterkammern und Scheiterhaufen, auf denen die Angeklagten starben, waren (Zitat a.d. Buch) „die Orte, an denen die bürgerlichen Ideale der Weiblichkeit und Häuslichkeit erfunden wurden“. Klerus und Weltlichkeit begannen, sowohl den weiblichen Körper als auch den weiblichen Geist als etwas Schändliches zu sehen, das es mit Gesetzen und Geboten im Zaum zu halten galt. In jenem Zuge wurden Frauen auch aus Professionen verbannt, die sie bis dahin Jahrhundertelang ausgeübt haben wie jene der Hebamme. Netzwerke von Frauensolidarität wurden zerstört, altes weibliches Wissen ging verloren.

Das Buch möchte ich allen empfehlen, die sich für Feminismus interessieren. „Caliban und die Hexe“ sammelt einfach so fundamentales Wissen, wie gestern auf dem Vortrag auch gesagt wurde, es gar nicht im Geschichtsunterricht gelehrt wird.
Übrigens: Wer sich für eine romanhafte Thematisierung zu Hexenprozessen interessiert, dem lege ich von Herzen nahe, Jarka Kubsovas „Marschlande“ zu lesen, ein Buch, in dem eine Bäuerin enteignet und als Hexe angeklagt wird.