Wenn 2 Menschen sich innerhalb einer Ehe neu erfinden
Dieses Buch fand ich absolut spitze!
Hier geht es um ein junges Paar, das seit der Uni zusammen ist und nun drei Jahre verheiratet ist. Durch einen dummen Zufall kommen sie auf ihre Sexualität zu sprechen ...
Dieses Buch fand ich absolut spitze!
Hier geht es um ein junges Paar, das seit der Uni zusammen ist und nun drei Jahre verheiratet ist. Durch einen dummen Zufall kommen sie auf ihre Sexualität zu sprechen und wie sich die Häufigkeit im Laufe der Beziehungsjahre verändert. So schlägt Dominic eine Freiheitsklausel vor, in der beide 1 x im Jahr mit einer fremden Person schlafen dürfen. Bedingungen: das nähere Umfeld bleibt davon unberührt und erfährt auch nichts, keine Wiederholungen und sie sprechen beide nicht über ihre One-Night-Stands.
Daphne ist eine Frau, die trotz ihrer langjährigen Beziehung mit Dominic kein zufriedenstellendes Sexualleben kennt und selbst nicht weiß, ob ihr das wichtig ist und was sie genau möchte. Dominic erhofft sich durch die Erfahrung mehr Kenntnisse und auch, dass er seine 20er auf typische Weise ausleben kann.
Die Freiheitsklausel ist auf fünf Jahre begrenzt und das Buch teilt sich in die Abschnitte der 5 Jahre auf. In diesen Jahren erfährt der Leser, die Hintergründe zu den Personen Daphne und Dominic: also wer sie eigentlich einzeln wirklich sind, warum sie so sind und ganz wichtig: die verschiedenen schwierigen Elternhäuser aus denen sie kommen. Am Ende versteht der Leser warum die zwei so sind wie sie sind und wieso sie zu denen werden, die sich letztlich sind.
Die Freiheitsklausel klingt auf dem Papier gut, doch stellt es die Ehe auf eine harte Probe, denn dass man sich nicht verlieben darf oder keine Wiederholungen erlaubt sind, ist leichter gesagt als getan. Besonders gut hat mir hier die Tatsache gefallen, dass es gar nicht so leicht ist, jedes Jahr jemanden aufzureißen, der sich für einen erwärmt. Man muss auch mit Zurückweisungen umgehen können.
Ich fand die ganze Story sehr ehrlich, mutig und realitätsnah und konnte auch alle Bedenken verstehen und Fragen, die sich am Ende gestellt wurden. Oberflächlich betrachtet denkt jeder, der in einer langjährigen Partnerschaft ist und dieses Bild für gut und richtig erachtet, dass die Freiheitsklausel abstoßend ist, aber letztlich muss das jedes Paar für sich selbst entscheiden und in diesem Fall war die Klausel schlecht und gut zugleich.
Daphnes Entwicklung hat mir so gut gefallen. Ich fand es absolut plausibel. Die Familienverhältnisse haben mich schockiert. Die schonungslose Darstellung von schlechtem Sex fand ich anfangs erschreckend, dann aber eigentlich total realistisch und mutig, dass das endlich mal jemand aufgeschrieben hat.
Es ist toll geschrieben, es ist ein brisantes, heikles und wichtiges Thema. Ich fands großartig. Der pola-Verlag haut ein gutes Buch nach dem anderen raus.
Das einzige, das ich bemängeln würde, ist das Tempo ab dem 3. oder 4. Jahr. Dann sind die Sprünge etwas groß, nicht mehr ganz so detailliert und man merkt, dass das Buch offenbar keine 600 Seiten haben durfte. Es tut der Geschichte keinen Abbruch und auch dem Verständnis nicht, aber es ist mir aufgefallen.
Absolute Empfehlung!