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Veröffentlicht am 19.10.2017

Überlebende eines Massakers

Menschenwerk
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INHALT:
"Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, ...

INHALT:
"Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?"

Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert? Han Kang beschreibt in ihrem neuen Roman, wie dehnbar die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit sind. Ein höchst mutiges Buch und ein brennender Aufruf gegen jede Art von Gewalt.

MEINUNG:
Ich habe von Han Kang bereits Die Vegetarierin gelesen und ich war nach dem Lesen nur mäßig begeistert. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann würde ich meine Bewertung von drei Sternen auf jeden Fall nochmal nach oben korrigieren. Aus diesem Antrieb heraus war ich total gespannt auf das neue Werk von Han Kang. Menschenwerk ist ein Werk für sich und sollte auf keinen Fall mit Die Vegetarierin verglichen werden.

Menschenwerk beruht auf wahren Begebenheiten und zwar aus dem Gwangju-Massaker in den frühen 1980er in Südkorea, von dem ich zu meiner Schande behaupten muss, noch nie etwas gehört zu haben. Die Charaktere sind allerdings fiktiv. Da Han Kang selbst aus Gwangju stammt und zu der Zeit ca. zehn Jahre alt war, könnte man vermuten, dass hier auch persönliche Erfahrungen miteingeflossen sind. Vielleicht ist auch eine Art Aufarbeitung, weil sie vielleicht selbst jemanden verloren hat, der ihr wichtig war. Im Epilog kommt sich auch noch einmal selbst zu Wort. So ein Massaker verursacht in der Regel immer ein Trauma bei den Hinterbliebenen und den Überlebenden und genau darum geht es in dem Buch.

Die Geschichte beginnt direkt nach dem Massaker und arbeitet sich dann langsam in die Gegenwart vor. Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben und doch hängen alle miteinander zusammen. Anfangs war es schwierig mit den koreanischen Namen zurecht zu kommen, da man diese einfach nicht gewohnt ist. Ich musste ein paar Mal hin und her blättern. Die verschiedenen Perspektiven auf das gleiche Ereignis haben mich ein wenig an Geständnisse Kanae Minato erinnert.
Die Erzählungen der einzelnen Personen habe alle eines gemeinsam: Sie sind schmerzlich und sie kämpfen damit überlebt zu haben. Jeder geht damit anders um, aber alle sind innerlich zerbrochen und sie versuchen ihren Weg alle irgendwie weiterzuleben. Dem einen gelingt es. Der andere zerbricht an den Nachwirkungen von Gefängnis und Folter. Immer wieder gewehrt Han Kang auch Einblicke in die südkoreanische Gesellschaft, so z.B. unterliegen Bücher zumindest zu dieser Zeit ein strengen Zensur und werden vor Veröffentlichung durch eine staatliche Stell geprüft. Das Dinge, die man sich irgendwie als Deutscher schwer vorstellen kann.

Die geschilderte Brutalität und Gewalt ist grausam zu lesen, dennoch fand ich die Erzählung recht nüchtern und konnte mich wenig in die Charaktere hineinfühlen. Vielleicht ist das auch eine kulturelle Art damit umzugehen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Dennoch bleibt Fassungslosigkeit zurück und das Unverständnis, wie eine vermeintlichen studentischer Aufstand so eskalieren konnte. Nachdem Lesen habe ich mich mit dem Massaker noch einmal ausführlicher beschäftigt und das sollte man auch, um zu verstehen, was dort wirklich passiert ist.

FAZIT:
Menschenwerk ist der Versuch einer Verarbeitung des Traumas aus dem Gwangju-Massaker in Südkorea. Ein Buch, welches sehr ehrlich und bewegend ist. Es gibt uns einen Teil Geschichte, der Mahnung für all jene Massaker stehen sollte, an dem unschuldige Menschen ums Leben gekommen sind.

Veröffentlicht am 06.10.2017

Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.- Zu Recht!

Und es schmilzt
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INHALT:
Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer ...

INHALT:
Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit. Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.

MEINUNG:
Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt. Mit diesem Spruch auf dem Schutzumschlag wird das Buch beworben. Häufig ist ein solcher Aufkleber einerseits ein Kaufanreiz und andererseits häufig völlig übertrieben. Bei Und es schmilzt trifft er (leider) komplett zu. Mich hat das Buch genau deswegen und wegen des relativ wenig aussagekräftigen Klappentext neugierig gemacht. Um es gleich vorweg zu nehmen, dass Buch ist nichts für Zartbesaitete. Da man es nicht sofort erahnt, möchte ich das als Warnung mitgeben.
Ich habe das Buch mit Unterstützung des Hörbuchs gelesen, was wirklich ganz gut war, denn in der Geschichte passiert lange nicht wirklich etwas. Man muss hier wirklich Durchhaltevermögen beweisen. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen aus der Sicht von Eva. Mir fiel es anfangs schwer da richtig durchzusehen, denn es gibt Kapitelüberschriften und innerhalb dessen gibt es Uhrzeiten, die die Gegenwart signalisieren und Daten, die die Vergangenheit darstellen. Innerhalb der Gegenwart blickt Eva aber immer auch noch ab und an in die Vergangenheit. Es hat ein wenig gedauert bis ich mich zurecht fand.
Auch wenn Lize Spits Erzählweise sehr nüchtern ist, schließt man Eva und auch ihre Geschwister schnell in Herz, denn ihre familiäre Situation ist ziemlich schwierig. Besonders die Mutter hat starke Alkoholprobleme und der Vater denkt an Selbstmord, was Eva auch wissen lässt. Beide sind mehr mit sich und dem Tod von Evas Zwillingsschwester beschäftigt als mit ihren noch lebenden Kindern. Besonders an Evas jüngerer Schwester geht das nicht spurlos vorüber, die immer mehr starke Neurosen entwickelt und an einer Essstörung leidet. Das Schlimme ist, dass einige Leute im Dorf etwas ahnen, aber nicht unternehmen, damit die Kinder aus dieser Situation heraus kommen. Das Wegschauen ist in meinen Augen ein zentrales Thema in diesem Buch.
Eva hat zwei Freunde, Pim und Laurens, mit denen sie immer abhängt. Zwei Jungs, die mir von Anfang an wenig sympathisch waren. Eva erschien mir immer eher wie ein Anhängsel der beiden. Sie wollte irgendwo dazugehören. Das ist für mich auch am Ende die einzige Erklärung, um die Katastrophe ganz am Schluss ansatzweise verstehen zu können. Im Sommer 2002 erfinden sie zusammen ein Spiel. Eva denkt sich ein Rätsel aus und die Jungs laden Mädchen nach einem selbsterdachten Bewertungssystem ein, welche dann das Rätsel lösen sollen. Tun sie dies nicht, müssen sie tun, was die Jungs von ihnen verlangen. Nun sind Pim und Laurens aber keine kleinen Jungen mehr, sondern befinden mitten in der Phase ihrer beginnenden Sexualität. Eva spielt bei dem Ganzen solange mit, bis es ihr zum Verhängnis wird.

Dieser Moment kommt relativ spät im Buch, hat mir aber innerliche Schmerzen verursacht, weil ich es in der Grausamkeit nicht erahnt habe. Ich weiß gar nicht, ob die Tat an sich oder das Danach schlimmer waren, denn wieder wird weg gesehen und verschwiegen. Mal abgesehen davon, dass es mir bis heute schwer fällt zu verstehen, warum Eva das hat mit sich machen lassen, ist die Hilflosigkeit das Schlimmste. Am liebsten wollte ich sie in die Arme nehmen und nicht wieder los lassen. Doch niemand ist für sie da, obwohl es offensichtlich ist, dass sie Hilfe braucht.

Die Sache mit dem Eisblock habe ich auch noch nicht gekannt und erst spät erkannt, was es damit auf sich hat. Als mir dann ein Licht aufging, war ich dann nochmals schockiert. Der Eisblock hat auch direkt etwas mit dem Ende des Buches zu tun. Es machte mich sehr traurig, aber es war gut gewählt. Der Ausgang ist relativ offensichtlich, aber ein minimaler Spielraum bleibt für Spekulation.

FAZIT:
Und es schmilzt ist ein Buch, was einem viel abverlangt, auch noch lange nachdem man es beendet hat. Ein Buch über dessen Botschaft man sprechen sollte. Es lässt einen fassungslos, verstört und mit einem schalen Nachgeschmack zurück, in dem Wissen, dass solche Geschichten nicht weit von der Realität entfernt sind. Eine Empfehlung spreche ich nur mit der Warnung aus, dass man vorher wissen sollte, worauf man sich einlässt.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 28.09.2017

Schöne Idee, Umsetzung hätte besser sein können

Und du kommst auch drin vor
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INHALT:
Seit der ersten Klasse sind sie beste Freundinnen: Kim, 15, eher unauffällig, und Petrowna, klug, exzentrisch und daran gewöhnt, immer und überall den Ton anzugeben. Alles wird anders, als die ...

INHALT:
Seit der ersten Klasse sind sie beste Freundinnen: Kim, 15, eher unauffällig, und Petrowna, klug, exzentrisch und daran gewöhnt, immer und überall den Ton anzugeben. Alles wird anders, als die beiden mit ihrer Klasse zu einer Schullesung gehen: Während die anderen tuscheln, sich die Haare kämmen oder aus dem Fenster schauen, wird Kim hellhörig, denn was die Autorin da vor sich hin nuschelt, handelt von ihr. Okay, es kommen andere Namen vor und ein paar unwichtige Details stimmen nicht, aber der Rest ist sie! Doch die Geschichte geht nicht gut aus, vor allem nicht für Jasper, Kims Klassenkameraden, der, wenn das Buch die Wahrheit sagt, am Ende an einem Wespenstich stirbt. Um das zu verhindern, bleibt Kim nichts anderes übrig, als ihr Leben völlig auf den Kopf zu stellen. Auf einmal macht sie alle möglichen Dinge zum ersten Mal, wie zum Beispiel Jasper zu küssen. Das aber passt Petrowna ganz und gar nicht ins Konzept...
MEINUNG:
Als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt war ich überrascht über die rechte schmale Seitenanzahl von knapp 200 Seiten, aber aus Erfahrung weiß ich, dass dies nichts schlechtes heißen muss. Für mich war es mein erstes Buch von Alina Bronsky und ich mochte es.
Nach dem ersten Lesen und Aufschlagen des Buches musste sofort an Bücher denken, die ich so mit 12, 13 Jahren gelesen habe. Kim und ihre Freundin sind allerdings schon 15 Jahre alt. Bei Petrowna kann ich mir das vorstellen, aber Kim habe ich deutlich jünger geschätzt. Beide sind sehr unterschiedlich, aber wirklich unterhaltsame Charaktere. Kim Josephine, wie sie mit vollen Namen heißt, befindet sich mitten in der Trennung der Eltern. Ich habe etwas länger gebraucht, um zu bemerken, dass ihre Familie wohl auch recht wohlhabend ist. Zunächst habe ich mich gewundert, warum ihre Mutter nicht arbeiten geht, aber dann fielen immer mal wieder Seitenbemerkungen, dass sie das wohl auch nicht muss. Kim ist aber relativ auf sich allein gestellt und sie ist nicht die Hellste, was ich ausgesprochen amüsant fand. Ich finde es toll, dass die Autorin hier mal was etwas gewagt hat und nicht das übliche Supergirl geschaffen hat.
Kims Freundin Petrowna ist weitaus intelligenter und cleverer und vor allem zu allem eine Meinung, die sie auch gerne mitteilt. Kim schaut nicht nur wegen ihrer Größe von fast 1,80m häufiger zu ihr auf. Trotzdem empfand ich kein Ungleichgewicht zwischen den beiden. Gegen Ende des Romans gibt es zwischen den beiden ein paar Konflikte, die für mich etwas überraschend kamen.
Dreh- und Angelpunkt in dem Buch ist aber besagtes Buch, in welchem Kim ihr Leben wiedererkennt. Auch die Autorin nimmt in der Handlung eine wichtige Rolle ein, denn Kim versucht sie natürlich zu kontaktieren. Die erste Hälfte des Romans dümpelt so ein wenig vor sich hin, ist aber keineswegs langweilig. Alina Bronsky hat eine flüssigen, unterhaltsamen Lese – und Erzählstil. Sie schreibt auch relativ kurze Sätze, sodass das Buch wirklich ideal für Jugendliche ab 10 Jahren geeignet ist, wobei ich mir fast vorstellen könnte, dass das Buch junge Leser in Kims Alter, also um die 15 Jahre, schon nicht mehr anspricht. Dafür fehlt es einfach etwas an Tiefe und Komplexität.
Kim wird erst in der zweiten Hälfte aktiv und versucht ihr Leben zu ändern. Ich denke, dass der Roman hier aufzeigen wollte, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen muss und auch nur selbst etwas daran ändern kann. Trotzdem fehlte mir so ein bisschen der rote Faden im Buch und eine konkretes Ziel, denn plötzlich war es zu Ende, nachdem mal etwas Schwung in die Handlung kam. Das ist schade, denn die Idee und die Botschaft dahinter sind gut.

FAZIT:
Eine humorvoller, unterhaltsamer Jugendroman für zwischendurch, deren Protagonisten ich wirklich mochte, aber dessen Handlung leider etwas hinter meinen Erwartungen zurück blieb.
Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 20.09.2017

Spannend und temporeich

In ewiger Schuld
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INHALT:
Maya – Pilotin und nach einem umstrittenen Einsatz aus dem Militär entlassen – blickt fassungslos auf die Filmaufnahmen ihrer Nanny-Cam: Dort spielt ihre kleine Tochter seelenruhig mit Mayas Ehemann ...

INHALT:
Maya – Pilotin und nach einem umstrittenen Einsatz aus dem Militär entlassen – blickt fassungslos auf die Filmaufnahmen ihrer Nanny-Cam: Dort spielt ihre kleine Tochter seelenruhig mit Mayas Ehemann Joe. Doch Joe wurde zwei Wochen zuvor brutal ermordet – und Maya hat tränenblind an seinem Grab gestanden. Kann Maya ihren Augen trauen? Wer würde sie so grausam täuschen? Und was geschah wirklich in der Nacht, in der Joe ermordet wurde? Um Antworten auf all ihre Fragen zu finden, muss Maya sich den düsteren Geheimnissen nicht nur ihrer eigenen Geschichte stellen. Sie muss auch tief in die Vergangenheit von Joes reicher Familie eintauchen. Doch dort ist sie plötzlich nicht mehr willkommen...

MEINUNG:
Harlan Coben hatte ich als Fan von Thrillern schon lange auf dem Schirm, doch nie hat es sich ergeben, bis jetzt. In ewiger Schuld ist also mein erster Roman von dem Autor und er hat nun einen Fan mehr, nämlich mich.

Die Geschichte beginnt mit der Beerdigung von Joe und beginnt dann ohne große Vorgeplänkel gleich an Fahrt auf. Schon nach den ersten 50 Seiten konnte ich das Buch nur schwer zur Seite legen. Der Schreib- und Erzählstil von Harlan Coben lässt einen flüssigen Lesefluss zu ohne dabei trivial zu sein. Auch die Mischung aus Erzählung und Dialogen empfand ich als stimmig. Mir gefiel gut, dass man hier das Gefühl hatte einer Wahrheit näher zu kommen, auch wenn am Ende nochmal alles anders war. Außerdem fand ich toll mal ein Einblick ins amerikanische Militär zu bekommen, ein Thema, dass ich bisher nur selten in Romanen hatte.

Mit seiner Hauptprotagonistin Maya wirft Harlan Coben auch relativ viele Kontroversen auf. Sie ist eine Frau an der man sich gerne reibt, denn sie ist nicht die klassische Mutter und Hausfrau. Mayas Berufung ist das Militär und sie liebt Waffen ebenso sehr wie das Schießen. Ein Frauenbild, welches mit Sicherheit bei einigen Geschlechtsgenossinnen auf Unverständnis stößt. Maya tut zweifelsohne Dinge, die mehr als fragwürdig sind und sich auch manchmal auch nicht mehr im legalen Bereich befinden, aber sie bleibt sich bis zum Ende treu. Mir tat es dennoch etwas um ihre zweijährige Tochter Lily leid, denn Maya hat bei ihren Handlungen wohl weniger daran gedacht, welche Konsequenzen es für Lily hat.

Das Ende hat mich wirklich umgehauen, denn es war unvorhersehbar und vor allem mutig. Man wird als Leser sprichwörtlich an der Nase herum geführt. Vergleiche zu anderen Romane spare ich mir mal, weil sonst der Überraschungseffekt weg bleibt.

FAZIT:
Für diese spannenden, temporeichen Thriller kann ich nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Viele Wendungen und ein überraschendes Ende machen das Buch zu einem grandiosen Leseerlebnis. Am Ende war nur traurig, dass es schon so schnell vorbei war.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 18.09.2017

Idee top, aber Umsetzung hätte besser sein können

Palast der Finsternis
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INHALT:
Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen ...

INHALT:
Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen Revolution als Versteck für seine Familie erbauen ließ. Doch nachdem die Jugendlichen einmal durch die Tür mit dem Schmetterlingswappen getreten sind, erwartet sie in jedem weiteren Raum ein neuer Abgrund, den sie nur gemeinsam bezwingen können.

COVER:
Das Cover sticht sofort durch seine Farbgebung ins Auge. Es schimmert grünlich und erinnert fast an Perlmutt. Man erkennt immer noch die typischen Merkmale des Diogenes Verlages, aber das Coverbild nimmt diesmal fast die ganze Seite ein, anstatt nur ein halbe, wie sonst immer. Ich finde es toll, dass der Diogenes Verlag mal was Neues wagt.

MEINUNG:
Aus dem Klappentext vielleicht nicht sofort ersichtlich, aber hierbei handelt es sich überraschenderweise um einen Jugendbuch. Überraschenderweise deswegen, weil das nicht die Bücher sind, die ich sonst aus dem Diogenes Verlag kenne. Ähnlich wie mit bei dem Cover vermute ich, dass man hier vielleicht neue Lesergruppen gewinnen möchte und das gelingt ihnen auch. Leider war ich aber etwas enttäuscht von dem Buch.

Das Buch wird auf Zeitebenen erzählt. Anouk begleiten wir in der Gegenwart und eine Aurélie in der Vergangenheit. Ich konnte mir Aurélie zunächst wenig anfangen, da mir der Zusammenhang am Anfang noch unklar. Unglücklicherweise startet das Buch auch mit einem Kapitel von Aurélie. Oft ist schon das erste Kapitel entscheidend, ob mich ein Buch packt oder nicht.

Warum Anouk und ihren weiteren vier Mitstreiter ausgewählt worden sind, ist zunächst noch unklar. Dieser Fakt wird erst relativ spät aufgelöst und war für mich auch nicht vorhersehbar. Anouk mochte ich eigentlich von Anfang an, weil sie einfach speziell und nicht Everybodys Darling ist. Ich hätte es schöner gefunden, wenn der Autor es dabei belassen hätte, anstatt es dann wieder auf ihrer schlimmen Kindheit zu schieben. Anouk lernt man noch vergleichsweise gut kennen, was man vom Rest nicht behaupten kann. Ihre Mitstreiter bleiben insgesamt alle ziemlich blass und man kann wirklich Draht zu ihnen aufbauen. Es gibt ab und zu ein paar Gespräche, wo jeder einmal von sich erzählt, aber das war es schon. Das ist mir aber persönlich viel zu plakativ gewesen.

Zum Reden haben die Jugendlichen auch nicht viel Zeit, denn sie sind ständig auf der Flucht. Ich persönlich mag dieses Element zur Spanungserzeugung nicht. Es mag in Filmen Nervenkitzel verursachen, aber in Bücher finde ich dieses Gehetze weder spannend noch bringt Tiefe und Substanz in die Geschichte. Anouk und die vier anderen sind vor diversen Personen auf der Flucht. Ziel ist es aus dem Palast wieder heil rauszukommen. Stefan Bachmann beschreibt den Palast und sein diversen Zimmern sehr bildhaft.

FAZIT:
Mir gefielen das Setting und auch die Ideen dahinter, aber die Umsetzung als auch die Ausarbeitung der Charaktere fand ich leider nur unzureichend. Richtig gepackt hat es mich leider auch nicht. Ich weiß nicht ob das Buch so viel Aufmerksamkeit bekommen hätte, wenn mit in einem anderen Verlag und mit einem anderen Cover erschienen wäre.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen.