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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2021

Mehr erwartet

DAFUQ
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DAFUQ erzählt die Geschichte von Anja, die wegen der Teilnahme an einer Demonstration für zehn Tage im Arrest landet. Zusammen mit sechs anderen Frauen wird sie in eine Zelle verfrachtet. Nach und nach ...

DAFUQ erzählt die Geschichte von Anja, die wegen der Teilnahme an einer Demonstration für zehn Tage im Arrest landet. Zusammen mit sechs anderen Frauen wird sie in eine Zelle verfrachtet. Nach und nach lernen wir zusammen mit Anja die verschiedenen Frauen und ihre Schicksale kennen.

Die verschiedenen Schicksale sind auf jeden Fall spannend und es ist sehr interessant, die einzelnen Lebensumstände zu erfahren. Insbesondere Anjas Leben wird in Rückblenden nocheinmal detailierter erzählt. Das ist zwar ganz nett, aber gleichzeitig wurde ich dadurch immer wieder aus der eigentlichen Geschichte gerissen. Für mich waren diese Abschnitte bedeutend weniger interessant als die Handlung in der Zelle und ich war jedesmal froh, wenn wieder ein Abschnitt geschafft war.

Gegen Ende verschlechtert sich Anjas psychischer Zustand, was natürlich zu erwarten war. Dargestellt wird das Ganze allerdings indem auf Mythologie zurückgegriffen wird und die Grenezen zwischen Realität und Vorstellung zu verschwimmen scheinen. Das mag als Kunstgriff vielleicht gelungen sein, mich als Leser hat es aber eher gestört.

Ganz allgemein hatte ich erwartet, noch mehr Eindrücke in die russische Polititk zu erhalten und hätte gedacht, noch mehr Einblicke in die russische Gesellschaft zu bekommen, die ich bisher nicht hatte. DAFUQ war für mich eine nette Lektüre, aber leider nicht der Mindblower, den ich erwartet hatte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2021

Glanz und Verfall an der Riviera

Tage mit Gatsby
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"Der große Gatsby" von Scott Fitzgerald ist weitläufig bekannt - anders sieht es dagegen mit der Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes aus. Denn dieses Buch hat nicht nur seinem Autor, sondern auch ...

"Der große Gatsby" von Scott Fitzgerald ist weitläufig bekannt - anders sieht es dagegen mit der Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes aus. Denn dieses Buch hat nicht nur seinem Autor, sondern auch dessen Frau Zelda viel abverlangt. Zelda Fitzgerald war eine sehr eigenständige Frau, die Luxus schätzte, selbst kreativ war, aber ein Leben im Schatten ihres Mannes führte. "Tage mit Gatsby" erzählt, welchen Anteil Zelda an diesem Buch hat, wie es geschrieben wurde und was Scotts selbstsüchtiges Verhalten für seine ihm nahestehenden Personen bedeutete.

Zelda war eine lebenslustige Frau und Josephine Nicolas gelingt es wirklich perfekt, ihr Innenleben lebendig werden zu lassen. Die Autorin verwendet dabei eine sehr malerische und ausschweifende Sprache, voller schöner Formulierungen, die zu lesen nicht nur Spaß macht, sondern auch so authentisch erscheint, dass ich mich beim Lesen häufig daran erinnern musste, einen Roman zu lesen und keine originalen Dokumente. Lust aufs Weiterlesen hat dieses Buch definitiv gemacht :)

Dabei ist Zeld selbst so lebendig, dass die Nebenfiguren daneben schon fast verblassen. Es sind viele Leute, die kommen und gehen, aber niemand, der auf mich einen tieferen Eindruck gemacht hätte, vielleicht weil sie ein bisschen austauschbar wirkten.

Die Handlung umfasst in erster Linie die Zeit kurz vor und während Scott den Gatsby schrieb und gibt auch viele spannende Einblicke in den kreativen Schaffungsprozess. Der Epilog springt nochmal ans Lebensende der beiden, was man, meiner Meinung nach lieber weglassen und die Tage für sich hätte stehen lassen sollen.

Insgesamt war "Tage mit Gatsby ein unterhaltsamer Roman, den ich gerne gelesen und bei dessen Lektüre ich auch noch etwas Neues gelernt habe.

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
  • Cover
  • Geschichte
Veröffentlicht am 30.04.2021

Depressive Außenseiter-Studie

Mado
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Die Geschichte beginnt damit, dass Mado ihren Freund für den sie nur noch Ekel empfindet erschlägt. Vor ihrer eigenen Tat flieht sie aus Paris zurück in ihre Heimat, die Bretagne, aus der sie einst vor ...

Die Geschichte beginnt damit, dass Mado ihren Freund für den sie nur noch Ekel empfindet erschlägt. Vor ihrer eigenen Tat flieht sie aus Paris zurück in ihre Heimat, die Bretagne, aus der sie einst vor Gewalt in die Großstadt floh. Zurück in der Heimat hat sich nicht viel geändert und Mados Leben wird weiterhin durch einen Sumpf aus Gewalt, Alkohol und finanzielle Nöte bestimmt.

Leider war dieses Buch eine einzige Enttäuschung für mich. Ich habe mich von dem schönen Cover blenden lassen und aufgrund des Klappentextes eine andere Geschichte erwartet. Was ich bekommen habe, war eine düstere und dumpfe Erzählung ohne jeglichen Lichtblick. Ich konnte weder zu Mado noch zu einem der anderen Charaktere einen Zugang finden und war eigentlich nur abgestoßen. Ich bin mir sicher, dass Mados Leben so oder ähnlich durchaus realistisch sein kann, aber dennoch war es für mich zu viel.

Vielleicht hätte mich "Mado" trotzdem überzeugen können, wenn es wenigstens einen tollen Schreibstil gehabt hätte. Was ich sagen kann, ist dass der Stil auf jeden Fall zum Inhalt passt und genauso trostlos ist, insofern eigentlich gelungen, aber für mich einfach zu viel des Guten - oder Schlechten.

Ich konnte zu diesem Buch einfach keinen Zugang finden und ich war ehrlich froh, als es beendet war.

Veröffentlicht am 21.09.2020

Ein unerwartetes Juwel

Volkswagen Blues
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Ohne große Erwartungen bin ich an die Lektüre von „Volkswagen blues“ gegangen und wurde sehr positiv mit einer wunderschön erzählten Geschichte überrascht. Die Handlung ist rasch erzählt: Jack macht sich ...

Ohne große Erwartungen bin ich an die Lektüre von „Volkswagen blues“ gegangen und wurde sehr positiv mit einer wunderschön erzählten Geschichte überrascht. Die Handlung ist rasch erzählt: Jack macht sich mit seinem VW-Bulli auf die Suche nach seinem vermissten Bruder Theo. Direkt am Anfang gabelt er eine junge Tramperin aka die große Heuschrecke auf, die ihn auf seiner Reise begleitet. Die beiden fahren quer durch Nord-Amerika, unterhalten sich über das Schicksal der Indianer, besuchen Museen und suchen nebenbei nach Theo. Das war es auch schon. Was auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär erscheint, ist eine herrlich unaufgeregte, poetische Erzählung.

Was dieses Buch für mich ausgemacht hat, war ganz eindeutig sein Stil. Die Art des Erzählens, distanziert und gleichzeitig berührend. Obwohl die Hauptpersonen stets auf Abstand gehalten wurden, habe ich mich ihnen nahe gefühlt, habe gerne ihren Gesprächen gelauscht oder Museen besucht. Gerade bei Letzterem wurden die betrachteten Gemälde so eindrücklich beschrieben, dass ich sofort neugierig wurde und sämtliche Bilder ergoogelt habe.

Die Suche nach Jacks Bruder scheint nur ein Nebenaspekt zu sein, obwohl er natürlich Dreh- und Angelpunkt der Reise ist, aber auch das passt perfekt. Ich war ein bisschen besorgt, ob das Ende diesem tollen Stil gerecht werden würde und wurde auch hier in keiner Weise enttäuscht.

„Volkswagen blues“ ist ein besonderes Buch mit einer ganz eigenen Melodie, das mich ganz verzaubert hat. Ich bin wirklich froh, dass die Geschichte nun auch auf Deutsch erhältlich ist und wünsche ihm eine große Leserschaft.

Veröffentlicht am 21.09.2020

Langatmiger Anfang und überhastetes Abenteuer

Liane und das Land der Geschichten
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Liane ist ein fantasievolles Kind, das ihren Namen nicht mag. Eines Tages findet sie in der Schulbibliothek einen magischen Globus, der ihr das Tor zum achten Kontinent – dem Land der Geschichten öffnet. ...

Liane ist ein fantasievolles Kind, das ihren Namen nicht mag. Eines Tages findet sie in der Schulbibliothek einen magischen Globus, der ihr das Tor zum achten Kontinent – dem Land der Geschichten öffnet. Zusammen mit dem Globus tauchen auch zwei seltsame Kinder auf, die auf dem achten Kontinent wohnen und den Weg nicht zurückfinden. Liane macht sich gemeinsam mit ihnen auf die Reise ins Land der Geschichten.

Elif Shafak hat mit „Liane und das Land der Geschichten“ ihr erstes Kinderbuch vorgelegt. Die Idee eines Landes aus dem die Geschichten kommen und die nur mit der Fantasie von Kindern funktioniert, erinnert stark an „Die unendliche Geschichte“, nur für Jüngere. Doch im Gegensatz zu Endes Werk kann der Funke für mich hier nicht überspringen und das liegt zum großen Teil an dem ungleichen Erzähltempo der Geschichte. Während Liane am Anfang sehr gemächlich eingeführt wird, rast die Handlung ab dem letzten Drittel. Dieses Drittel ist so, wie ich mir die Geschichte erhofft hatte und eine umgekehrte Gewichtung wäre passender gewesen. So kommt das Land der Geschichten viel zu kurz, es sind gute Ideen dabei, aber alles geht zu schnell und im Gegensatz zum ersten Teil schafft die Autorin es hier nicht, mir die Stimmung der Welt zu vermitteln. Die Idee mit den Prüfungen in der anderen Welt hat mir an sich gefallen, aber auch hier hätte ich mir eine kreativere Umsetzung gewünscht, statt das eine Prüfung wie die andere ist.

Das Buch möchte viele Lebensweisheiten vermitteln und besonders im Land der Geschichten wird damit nur so um sich geworfen. An sich werden hier viele wichtige Werte erwähnt, aber es sind so viele, dass bei mir das Gefühl aufkam, die Autorin hat den Text mit allem vollgestopft, was ihr eingefallen ist. Wenn sich die Weisheiten aus der Handlung ergeben hätten, hätte es vielleicht weniger gestört, aber die entsprechenden Handlungen fallen so knapp aus und sind wirklich nur dafür da, um dem Leser im nächsten Satz die Weisheit um die Ohren hauen zu können, dass sie getrost hätten weggelassen werden können, ohne damit den Fortgang der Geschichte zu stören.

Positiv ist für mich vor allem die unglaublich schöne Gestaltung des Covers und auch die Illustrationen im Buch. Beides hat mir gut gefallen und auch gut zur Geschichte gepasst.

Natürlich handelt es sich hier um ein Kinderbuch und ich gehöre nicht mehr zur Zielgruppe, aber ich lese häufiger Kinderbücher und habe diese als vergleichenden Maßstab angesetzt. Vielleicht handelt es sich bei „Liane“ aber auch um ein Buch, das sich mir als Erwachsenem einfach nicht mehr erschließt. Vielleicht haben sehr junge Kinder ihre Freude an der Geschichte, aber ich weiß, dass es mir als Kind nicht so gegangen wäre.