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Punkt_Und_Komma

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Veröffentlicht am 29.01.2026

"Gewalt bringt Gewalt hervor."

Medea
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Medea ist die Prinzessin von Kolchis, doch wegen ihrer magischen Fähigkeiten wird sie als Hexe im eigenen Palast eingesperrt. Ihre Kindheit ist geprägt von Gewalt, Manipulation, Zurückweisung, Hohn und ...

Medea ist die Prinzessin von Kolchis, doch wegen ihrer magischen Fähigkeiten wird sie als Hexe im eigenen Palast eingesperrt. Ihre Kindheit ist geprägt von Gewalt, Manipulation, Zurückweisung, Hohn und Hass. Doch dann tritt Jason, der Anführer der berüchtigten Argonauten in ihr Leben und bietet ihr die Möglichkeit eines Abkommens, das Medea endlich ein Leben in Freiheit und Liebe eröffnen könnte. Ein Leben, das ihr zusteht. Medea weiß, wenn sie ihren Weg erst einmal gewählt hat, gibt es kein zurück mehr...

Das Buch hat mich total mitgerissen und so viel auf einmal fühlen lassen: Mitleid mit Medea, Wut auf ihren Vater, Unverständnis und Ekel gegenüber Medeas Entscheidungen, Verzweiflung, Trauer und noch so viel mehr!
Die Geschichte bringt einen an die Grenzen der eigenen Moralvorstellungen, zeigt Dilemmata auf und beweist, dass es unmöglich ist, die Welt in Gut und Böse einzuteilen.
Rosie Hewlett ist außerdem eine Meisterin darin, ihre Worte so zu wählen, dass sich aus der bloßen Beschreibung der Atmosphäre bereits das nahende Unheil antizipieren lässt. Wer die Sage um Medea kennt, wird vermutlich von den Geschehnissen an sich nicht überrascht werden. Dennoch sorgt die Erzählung der Geschichte aus Medeas Perspektive dafür, dass man als Leser Manches nicht vollständig erahnen kann und ebenso hilflos Medeas Schicksal entgegenblickt wie die Protagonistin selbst. Denn wie soll man z.B. Warnungen von Nebencharakteren ernst nehmen, wenn Medea es ebenfalls nicht tut und sich in ihrer Wahrnehmung keine Argumente dafür finden lassen?

Ich bin begeisterte Leserin von Neuinterpretationen griechischer Sagen, die die Geschichte nicht wie gewöhnlich aus der Sicht der männlichen Helden erzählt, sondern die starken weiblichen Charaktere in das Licht rückt, dass ihnen gebührt. Das ist Rosie Hewlett mit Medea gelungen!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2025

Sal hat Andie umgebracht. Aber was, wenn nicht?

A Good Girl’s Guide to Murder
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Die Highschoolschülerin Andie wurde vor fünf Jahren von ihrem Freund Sal umgebracht, der daraufhin suizid begang, darin sind sich die Bewohner von Little Kilton einig. Nur Pippa hat ihre Zweifel. Was erst ...

Die Highschoolschülerin Andie wurde vor fünf Jahren von ihrem Freund Sal umgebracht, der daraufhin suizid begang, darin sind sich die Bewohner von Little Kilton einig. Nur Pippa hat ihre Zweifel. Was erst nur ein Sammeln von Informationen für ein Schulprojekt sein soll, wird schnell zu einer ernsthaften Ermittlung. An Pips Seite: Ravi, Sals kleiner Bruder, der ebenfalls nicht an Sals Schuld glaubt.

Holly Jackson macht es einem einfach, Pip und Ravi von Anfang an ins Herz zu schließen. Pip und ihre Cleverness sind total cool, wenn auch einen ihre Alleingänge wahnsinnig machen können. Und auch Ravi ist einem sofort sympathisch. Doch das nicht oder zumindest nicht nur aus Mitleid, sondern vor allem durch seinen unzerstörbaren Glauben an die Unschuld seines Bruders und seinen Humor.

Ein Highlight: Ausschnitte aus Pips Sammlung von Interviewprotokollen, Beobachtungen, alten Fallakten und Erkenntnissen. Diese tauchen im Verlauf des Buches immer wieder auf und fassen dem Leser bisherige Indizien noch einmal aus Pips Perspektive zusammen und bringen sie auf den Punkt.

Doch auch durch Spannung konnte diese Geschichte überzeugen. Man ist als Leser zwar anfangs überzeugt von der Unschuld von Sal und auch anderen Charakteren, muss dies aber öfters infrage stellen. Und nebenbei hat es total Spaß gemacht, mit Pip und Ravi zu ermitteln und über die Indizien nachzudenken. Schnell wird einem klar: In Little Kilton ist weitaus mehr los, als man von einem beschaulichen, familienfreundlichen Ort zunächst erwartet. Das sorgt definitiv für Gänsehautmomente!

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  • Spannung