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Veröffentlicht am 18.01.2022

Frauenmorde in Hamburg

Die Hafenärztin. Ein Leben für die Freiheit der Frauen (Hafenärztin 1)
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Inhalt: Hamburg 1910: Anne Fitzpatrick ist eine der ersten Ärztinnen Deutschlands. Unfreiwillig kehrt sie Hals über Kopf nach 12 Jahren in London in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. Sie engagiert sich ...

Inhalt: Hamburg 1910: Anne Fitzpatrick ist eine der ersten Ärztinnen Deutschlands. Unfreiwillig kehrt sie Hals über Kopf nach 12 Jahren in London in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. Sie engagiert sich für Frauen in Notlagen und möchte im Hamburger Hafen ein neues Frauenhaus eröffnen. Doch bevor es dazu kommt, findet die junge Pastorentochter Helene in einem Boot am Quai eine Frauenleiche.
Kommissar Berthold, der bei einem tragischen Unfall seine Frau und seinen kleinen Sohn verloren hat, übernimmt die Ermittlungen. Und schon bald befürchtet er, dass noch weitere Frauen ermordet werden…

Meine Meinung: Das Cover und den Titel des Buches finde ich etwas irreführend, denn Annes Arbeit als Hafenärztin spielt eigentlich eine kleinere Rolle, ich würde eher sagen, dass es sich um einen historischen Kriminalroman handelt. Und gerade das hat mir gut gefallen! .
Hinter dem Pseudonym Henrike Engel steht eine bekannte Autorin, von der ich schon einige Bücher mit Begeisterung gelesen habe. Ihr bildhafter und flüssiger Schreibstil lässt sich schnell und angenehm lesen und sie beschreibt sehr lebendig die Atmosphäre und das Geschehen zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Allerdings ist mir die für einen Unterhaltungsroman (auch für einen historischen) häufig die ungewöhnliche Wortwahl aufgefallen. Z.B.: Furor, Behuf, Prälinarien, Anwurf und Ähnliches. Zwar hat sich die Bedeutung der Worte jeweils aus dem Textzusammenhang erschlossen, ließen mich aber trotzdem immer wieder stutzen.
Das „alte“ Hamburg ist ein tolles Setting mit einer düsteren und manchmal sogar etwas unheimlichen Atmosphäre. Obwohl Henrike Engel alles sehr genau beschreibt, hätte ich mir einen Stadtplan im Buchumschlag gewünscht, um mir die jeweiligen Handlungsorte noch besser vorstellen zu können.
Die drei Protagonisten Anne, Berthold und Helene sind gut gewählt und werden authentisch beschrieben, besonders Helene mochte ich gerne. Die verwöhnte, aber auch couragierte Pastorentochter, die noch nicht viel vom realen Leben weiß, aber aus der Enge ihres Elternhauses ausbrechen möchte, durchläuft im Laufe der Geschichte eine große positive Entwicklung. Auch Berthold fand ich sehr sympathisch. Er trauert noch um seine Frau und seinen Sohn, zeigt Ehrgeiz in seinem Beruf, ist dabei aber sehr kollegial und menschlich. Anne wirkt dagegen etwas unnahbar. Sie hat ein Geheimnis, das leider auch am Ende des Buches noch nicht aufgeklärt ist. Das fand ich etwas schade.
In diesem Roman geht es neben den Morden auch um das Thema Frauenbewegung und Annes engagierte Arbeit für das Frauenhaus. Zudem wird der Unterschied zwischen den Gesellschaftsschichten sehr deutlich.
Auch wenn ich schon ab etwa der Hälfte des Buches erahnen konnte, wer hinter den Frauenmorden steckt, habe ich doch gern die Handlung weiterverfolgt.

Fazit: Ein gelungener Auftakt der Serie um die Ärztin Anne Fitzpatrick. Der zweite Teil „Die Hafenärztin. Ein Leben für das Lachen der Kinder.“ erscheint im Mai 2022 und ich freue mich schon zu lesen, wie es mit Anne, Helene und Berthold weitergeht.

Veröffentlicht am 12.01.2022

Voller Zauber und Magie

Die Hexe und der Winterzauber
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„Die Hexe und der Winterzauber“ ist der letzte Teil der Winternacht-Trilogie. Die Handlung schließt nahtlos an den 2. Teil an und ich würde jedem unbedingt empfehlen, die Reihenfolge der Bände einzuhalten.
Katherine ...

„Die Hexe und der Winterzauber“ ist der letzte Teil der Winternacht-Trilogie. Die Handlung schließt nahtlos an den 2. Teil an und ich würde jedem unbedingt empfehlen, die Reihenfolge der Bände einzuhalten.
Katherine Arden hat hier eine ganz besondere Welt erschaffen. Eine Welt voller Zauber und Magie, uralter russischer Mythen und Geisterwesen. Die Atmosphäre des Romans ist durchweg düster und durch den bildhaften Schreibstil der Autorin gelang es mir sehr gut, in diese Welt einzutauchen. Ich fühlte fast die klirrende Kälte, ebenso wie die drückende Hitze und sah die mystischen Wesen vor meinem inneren Auge lebendig werden. Die Handlung ist mal spannend und mal ruhig.
Wasja, obwohl noch keine zwanzig Jahre alt, ist erwachsen geworden. Sie ist zu einer starken, mutigen, aber auch sympathischen jungen Frau und Kämpferin geworden, die über ganz besondere Kräfte verfügt. Aber auch der Winterkönig, sein Zwillingsbruder und Wasjas Bruder Sascha sind wieder dabei, sowie auch viele andere schon bekannte Charaktere.
Dieser dritte Teil vereint die Mystik des ersten Teils und die spannende Handlung des zweiten Teils. Trotzdem hat mir der erste, ruhigere Teil (Der Bär und die Nachtigall), in dem Wasja noch ein Kind ist und ihre ersten Begegnungen mit den Geisterwesen hat, am besten gefallen.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Fantasyroman mit tollen Charakteren und einer ganz besonderen Atmosphäre. Wer die zwei anderen Teile der Winternacht-Trilogie mochte, dem wird auch dieses Buch gefallen.

Veröffentlicht am 30.12.2021

Konnte mich nicht völlig überzeugen

Was damals geschah
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Inhalt: Kurz nach ihrem 25. Geburtstag erfährt die junge Libby durch einen Brief, dass sie ein Stadthaus im Ortsteil Chelsea geerbt hat. Sie wusste zwar, dass sie adoptiert wurde, doch nun erfährt sie ...

Inhalt: Kurz nach ihrem 25. Geburtstag erfährt die junge Libby durch einen Brief, dass sie ein Stadthaus im Ortsteil Chelsea geerbt hat. Sie wusste zwar, dass sie adoptiert wurde, doch nun erfährt sie vom tragischen Tod ihrer Eltern, deren Leichen vor fast 25 Jahren in diesem Haus gefunden wurden. Und dass Libby selbst - damals ein 10 Monate altes Baby - währenddessen zufrieden glucksend in ihrer Wiege lag. Von ihren Geschwistern fehlt bis heute jede Spur…

Meine Meinung: Lisa Jewell erzählt diese Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven. Zwei dieser Erzählstränge spielen in der Gegenwart, während der dritte Strang die Ereignisse Jahren 1988 - 1994 bis zu dem tragischen Ereignis beschreibt. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen, doch die Handlung zieht sich in der ersten Hälfte des Buches ziemlich in die Länge und konnte mich leider nicht fesseln. Am besten gefiel mir noch Libbys Geschichte. Auch von den Charakteren mochte ich Libby, ihre Kollegin Dido und den Journalisten Miller am liebsten, die ehemaligen Hausbewohner fand ich alle nicht besonders sympathisch, aber für diese Geschichte gut gewählt. Nach den ersten ca. 200 Seiten nimmt die Geschichte dann mehr Fahrt auf, es kommt zu überraschenden Wendungen und die Handlungsstränge verbinden sich.
Die Ereignisse in der Vergangenheit - das Zusammenleben in dem Haus - sind ziemlich bedrückend. Absurd, aber durchaus vorstellbar.

Fazit: Nachdem ich bereits zwei andere Spannungsromane der Autorin gelesen hatte, waren meine Erwartungen an „Was damals geschah“ hoch, doch leider blieb die von mir erwartete Sogwirkung völlig aus.

Veröffentlicht am 14.12.2021

Gelungene Fortsetzung

Fräulein Gold: Die Stunde der Frauen
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Inhalt: Berlin 1925: Inzwischen ist Hulda Gold leitende Hebamme in der Frauenklinik Berlin-Mitte. Trotzdem macht sie in Ausnahmefällen auch noch gerne Hausbesuche.
Privat ist sie mit dem jungen Arzt Johann ...

Inhalt: Berlin 1925: Inzwischen ist Hulda Gold leitende Hebamme in der Frauenklinik Berlin-Mitte. Trotzdem macht sie in Ausnahmefällen auch noch gerne Hausbesuche.
Privat ist sie mit dem jungen Arzt Johann Wenckow zusammen, der sie gerne möglichst bald heiraten möchte. Doch Johann kommt im Gegensatz zu Hulda aus einer sehr wohlhabenden Familie und seine Eltern sind alles andere als begeistert von der eigenwilligen Hebamme. Auch Hulda kann sich noch nicht zu einer Heirat entschließen, denn was müsste sie für eine Ehe alles aufgeben?

Meine Meinung: Dieses Buch konnte mich von Anfang an fesseln. Der Schreibstil von Anne Stern ist einnehmend, bildhaft und flüssig und die Charaktere - von denen die meisten aus den ersten drei Bänden bekannt sind - werden lebendig und authentisch beschrieben. Es ist fast, als würde man etwas über alte Bekannte lesen. Besonders ist mir natürlich Hulda ans Herz gewachsen, die zwar in beruflichen Dingen genau weiß was sie will, in der Liebe aber noch ziemlich unsicher ist. Aber auch die neue Hebamme Erna mit ihrer burschikosen Art und der "Berliner Schnauze“ hat mir richtig gut gefallen.
Der Autorin ist es wieder sehr gut gelungen, die Atmosphäre der 20er Jahre in Berlin, die Kluft zwischen Arm und Reich, die historischen Ereignisse, sowie die politischen Entwicklungen mit einer spannenden fiktiven Geschichte zu verbinden. Aber auch die Rolle der Frau in der von Männern dominierten Gesellschaft, ungewollte Schwangerschaften, der Paragraph 218, ledige Mütter und berufstätige Frauen werden thematisiert.
Außerdem kommt Hulda in diesem 4. Teil einem Familiengeheimnis auf die Spur…
Das Ende ist besonders überraschend und dramatisch, wenn auch schließlich mit einem Hoffnungsschimmer - was die Wartezeit auf die Fortsetzung im September 2022 nicht gerade erleichtert.

Fazit: Viel zu schnell hatte ich diesen Roman durchgelesen und ich empfehle die Fräulein Gold Reihe gerne weiter.

Veröffentlicht am 09.12.2021

Eine berührende Geschichte auf zwei Zeitebenen

Unser Weg nach morgen
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Inhalt: Hamburg 1937 - 1949. Lieselotte, genannt Lilo, wächst zusammen mit ihren drei älteren Brüdern in einer parteitreuen Kaufmannsfamilie auf. Schon lange ist sie in Ludwig, den besten Freund ihres ...

Inhalt: Hamburg 1937 - 1949. Lieselotte, genannt Lilo, wächst zusammen mit ihren drei älteren Brüdern in einer parteitreuen Kaufmannsfamilie auf. Schon lange ist sie in Ludwig, den besten Freund ihres Bruders Hans, verliebt. Doch erst als Lilo 16 Jahre alt ist, scheint es auch bei Ludwig endlich zu funken. Um ihm zu gefallen, begleitet sie ihn nun heimlich nachts auf die verbotenen Tanzveranstaltungen der Swing-Jugend. Tagsüber spielt sie ihren Eltern immer noch das brave BDM-Mädchen vor. Doch dann wird Lilo schwanger und bevor sie mit Ludwig sprechen kann, kommt es zu einer folgenschweren Razzia der Gestapo im Tanzcafè…
Hamburg 2019: Obwohl Neles Traumberuf Erzieherin ist, führt sie seit dem Tod ihres Vaters dessen kleinen Buchladen in Ottensen weiter. Eines Tages bekommt sie von einer älteren Kundin ein Manuskript in die Hand gedrückt: Liselottes Geschichte. Nele beginnt zu lesen und Lilos Geschichte macht ihr Mut, ihr eigenes Handeln zu überdenken und neue Wege zu gehen.

Meine Meinung: Jana Voosen erzählt diesen berührenden Roman auf zwei verschiedenen Zeitebenen, wobei die Geschichte in der Vergangenheit den weit größeren Raum einnimmt.
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Er ist flüssig, lebendig und auch so bildhaft, dass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte.
Die Handlung von Lilos Geschichte beginnt zunächst noch ruhig, fast etwas zu ruhig, nimmt dann aber im Laufe der Zeit immer mehr Fahrt auf, sodass mich das Buch immer mehr fesselte. Unerwartete Wendungen bringen zusätzliche Spannung. Die erst 16 jährige Lilo muss schnell erwachsen werden und entwickelt sich in den folgenden Jahren zu einer starken jungen Frau. Sie muss einige Hürden nehmen, um ihre Ziele zu erreichen. Ich mochte Lilo zwar ganz gern, fand sie und ihre Geschichte aber nicht immer ganz authentisch.
Die Geschichte mit Nele in der Gegenwart ist eher kurz und unspektakulär, auch wenn ich sie ganz nett fand. Und auch Nele war mir ganz sympathisch.

Fazit: Eine berührende Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe.