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Veröffentlicht am 10.11.2021

Die Nachkriegszeit in Hamburg

Der schwarze Winter
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Inhalt: Hamburg 1946/47: Nachdem die Schwestern Silke und Rosemarie Bensdorf im Krieg ihre Heimat Danzig verlassen mussten, wird den Flüchtlingen Arbeit und Unterkunft auf einem Bauernhof in Wulfskate ...

Inhalt: Hamburg 1946/47: Nachdem die Schwestern Silke und Rosemarie Bensdorf im Krieg ihre Heimat Danzig verlassen mussten, wird den Flüchtlingen Arbeit und Unterkunft auf einem Bauernhof in Wulfskate (SChleswig Holstein) zugewiesen. Dort müssen sie hart arbeiten und werden ungerecht behandelt und nachdem Rosemarie den Bauer in Notwehr niedergeschlagen hat, müssen sie erneut fliehen. Eine Zufallsbekanntschaft - Egon Tönnes - nimmt sie mit nach Hamburg, doch die Stadt liegt in Trümmern und es gibt einen Zuzugsstopp. Wohnungen, Arbeit, Heizmaterial und Essen sind knapp und nur über den Schwarzmarkt zu bekommen. Mit der Hilfe neuer Freunde beginnen Silke und Rosemarie sich langsam ein neues Leben aufzubauen - jede auf ihre Weise. Doch das Leben in Hamburg ist rau und nicht jedem gefällt der Erfolg der Frauen…

Meine Meinung: Die Schwestern Silke und Rosemarie sind sehr unterschiedlich. Silke ist 12 Jahre älter als ihre Schwester. Sie hat in Danzig das elterliche Tuchgeschäft geführt, ist ernst und gewissenhaft und fühlt sich für Rosemarie verantwortlich. Deshalb ist oft überbehütend. Rosemarie dagegen ist jung, impulsiv und lebenshungrig. Leider aber auch ziemlich naiv, so dass sie häufiger unüberlegt handelt und in Schwierigkeiten gerät.
In Hamburg lernen die Frauen Hans Meister und seinen engen Freund Gustav kennen. Hans hat viele Kontakte in Hamburg und unterstützt die Frauen sehr. Auch zu Egon Tönnes halten sie Kontakt.
Der Roman verdeutlicht die von Hunger und Kälte geprägte Nachkriegszeit. Das Leben mit den englischen Besatzern im völlig zerbomten Hamburg, die Wohnungsnot, die Schwarzmarktgeschäfte und das Verbrechen.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und schnell lesen und obwohl das Buch mich ganz gut unterhalten hat, wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Viele Interessante und wichtige Themen werden nur kurz angerissen, genauso wie Geschehnisse aus der Vergangenheit, von denen ich zum besseren Verständnis gerne mehr gelesen hätte. Mir fehlte das gewisse Etwas an der Geschichte und sie kam mir unvollständig vor. Auch den Charakteren bin ich nicht so richtig nahe gekommen und das Ende war vorhersehbar mir leider auch zu kitschig.

Fazit: Leider konnte mich der Roman nicht ganz überzeugen.

Veröffentlicht am 08.11.2021

Lustiges Bilderbuch

Ekki Eichhorns Krims und Kram - Auch Muffelhörnchen brauchen Freunde
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Inhalt: Sein kleiner Laden „Krims und Kram“ ist Ekki Eichhorns ganzer Stolz. Eines Morgens hat er es besonders eilig und den Kopf voller Dinge, die noch erledigt werden müssen. In seiner Hast verfehlt ...

Inhalt: Sein kleiner Laden „Krims und Kram“ ist Ekki Eichhorns ganzer Stolz. Eines Morgens hat er es besonders eilig und den Kopf voller Dinge, die noch erledigt werden müssen. In seiner Hast verfehlt er dann einen Ast und plumpst auf den Boden. Oje, jetzt ist seine Pfote verletzt und er braucht dringend Hilfe in seinem Laden. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn an allen Bewerbern hat Ekki etwas auszusetzen. Als endlich Schmidtchen Hase den Laden betritt, stellt Ekki ihn ohne Fragen sofort ein. Doch Schmidtchens Arbeitsweise unterscheidet sich stark von Ekkis Vorstellungen und sorgt für viel Unordnung. Auch für das Saubermachen hat Schmidtchen eine ungewöhnliche Methode. Alles Gründe für Ekki um muffelig zu werden und zu meckern. Doch bald merkt er, dass es doch ganz schön ist, wenn Schmidtchen Hase da ist.

Meine Meinung:
Die niedlichen Illustrationen von Andrea Ringli sind kindgerecht und besonders die witzigen Details gefallen mir gut. Alle Charaktere, egal ob Eichhörnchen, Hase, Wildschwein oder Käfer sind sehr liebevoll gezeichnet. Der Schreibstil von Katja Reider ist humorvoll, leicht verständlich und der kurze Text passt wunderbar zu den Bildern.
„Auch Muffelhörnchen brauchen Freunde“ ist ein lustiges und warmherziges Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren über über Toleranz und Freundschaft. Es zeigt, dass auch ziemlich unterschiedliche Charaktere Freunde werden können.

Veröffentlicht am 04.11.2021

Sehr schwacher Mittelteil

Das Buch der verschollenen Namen
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Inhalt: Paris 1942: Nur durch einen Zufall entgehen die jüdische Studentin Eva Traube und ihre Mutter der Verhaftung durch französische Polizei. Allerdings muss Eva hilflos mitansehen wie ihr Vater von ...

Inhalt: Paris 1942: Nur durch einen Zufall entgehen die jüdische Studentin Eva Traube und ihre Mutter der Verhaftung durch französische Polizei. Allerdings muss Eva hilflos mitansehen wie ihr Vater von mehreren Männern zu einem LKW geschubst wird und in der Nacht verschwindet.
Zusammen mit ihrer Mutter flieht Eva in das kleine Bergdorf Aurignon, das in der unbesetzten Zone liegt. Hier schließt sich Eva der Résistance an und fälscht zusammen mit dem Widerstandskämpfer Rémy Ausweispapiere für jüdische Kinder. Um deren wahre Identität für die Zeit nach dem Krieg zu wahren, tragen sie deren Namen verschlüsselt in ein altes Buch ein, das sie „Das Buch der verschollenen Namen“ nennen. Viele Kinder können sie retten, doch dann wird ihre Widerstandsgruppe verraten…
Amerika 2005: Die inzwischen über 80-jährige Eva entdeckt in der New York Times zufällig ein Foto des Buches. Ein älterer Herr in Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die im Krieg von den Deutschen gestohlenen Bücher wieder an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Eva reist sofort nach Deutschland.

Meine Meinung: Dieser Roman, der von einer wahren Geschichte inspiriert wurde, wird von Kristin Harmel auf zwei Zeitebenen erzählt, wobei die Vergangenheit den wesentlich größeren Teil einnimmt.
Nachdem der Anfang des Buches noch spannend ist, zieht sich der Mittelteil - Evas Arbeit als Fälscherin - ziemlich in die Länge. Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung wieder an Fahrt auf, wird spannender und interessanter.
Eva ist eine sympathische junge Frau, die schnell begreift, dass es unmöglich ist, ihrem Vater noch zu helfen. Doch sie hat künstlerisches Talent und beginnt, Ausweise und andere Papiere zu fälschen, um damit jüdische Kinder in die Schweiz und somit in Sicherheit zu bringen.
Ihre Mutter dagegen will nicht wahrhaben, in welcher gefährlichen Lage sich Eva und sie als Juden im von den Deutschen besetzten Frankreich befinden. Sie akzeptiert auch Evas gefährliche und wichtige Arbeit nicht, ebenso wenig wie ihre Zusammenarbeit mit einem katholischen Priester und dem ebenfalls katholischen Rémy. Sie jammert nur und macht Eva ungerechte Vorwürfe, die diese oft verunsichern. Das machte die Mutter für mich total unsympathisch.
Leider konnte mich diese Geschichte insgesamt nicht so sehr fesseln und berühren, wie ich es mir gewünscht hätte. Für mich gab es zu viele Längen. Auch die Liebesgeschichte kündigt sich zwar an, steht dann aber ziemlich spät und plötzlich im Vordergrund.
Gegen Ende fand ich einige Schicksale sehr hart (aber glaubwürdig), andere dagegen unrealistisch. Der Erzählstrang in der Gegenwart ist sehr kurz und eigentlich auch überflüssig - und das Ende ist so gar nicht meins… .
Außerdem hätte ich es interessant gefunden, in einem Nachwort etwas über die wahre Geschichte zu lesen.

Fazit: Trotz einiger Schwächen ein unterhaltsamer Roman über Mut, Liebe und Hoffnung.

Veröffentlicht am 27.10.2021

Über Liebe, Betrug und Schuldgefühle

Wie ein Atemzug
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Inhalt: Rom 2019: Drei befreundete Paare treffen sich zum sonntäglichen Mittagessen, als überraschend eine alte Dame an der Tür klingelt. Sie stellt sich als Elsa Conti vor und erzählt, dass sie ihre Schwester ...

Inhalt: Rom 2019: Drei befreundete Paare treffen sich zum sonntäglichen Mittagessen, als überraschend eine alte Dame an der Tür klingelt. Sie stellt sich als Elsa Conti vor und erzählt, dass sie ihre Schwester Adele sucht, mit der sie vor 50 Jahren in dieser Wohnung gelebt hat und die sie seitdem nicht mehr gesehen hat. Nun möchte sie sich mit ihr versöhnen. Sergio und Giovanna, die die Wohnung von Adele gekauft haben, rufen diese an und bitten sie zu kommen. Und so verläuft dieser Sonntag ganz anders als geplant…

Meine Meinung: Wer dieses Buch lesen möchte, dem empfehle ich, vorher nicht den Klappentext zu lesen, denn der verrät meiner Meinung nach viel zu viel.
Ich habe eine Weile gebraucht, um in das Buch reinzukommen. Die Handlung in der Wohnung, in der Adele den Freunden ihre Geschichte erzählt, wird immer wieder von Elsas Briefen unterbrochen, die sie von 1969 bis 1979 aus ihrer neuen Heimat Istanbul an ihre Schwester Adele schrieb. Zunächst fand ich diese Briefe, sowie auch die Handlung etwas zäh und erst nach etwa hundert Seiten und einer überraschenden Wendung, nahm die Geschichte mehr Fahrt auf und begann mich zu interessieren.
Während Adele von der tragische Vergangenheit der beiden Schwestern erzählt, die einmal unzertrennlich waren, wird deutlich, dass auch bei den sechs Freunden nicht alles so harmonisch ist, wie es den Anschein hat. Auch bei ihnen gibt es Geheimnisse und Betrug.
Der Schreibstil von Ferzan Özpetek lässt sich schnell und flüssig lesen und ich habe das Buch an einem (langen) Abend durchgelesen.
Der letzte Satz hat mich allerdings irritiert und Fragen offen gelassen…

Fazit: Ein ruhiger Roman über Liebe, Betrug und Schuldgefühle. Mich konnte er leider nicht ganz überzeugen.

Veröffentlicht am 24.10.2021

Warmherzig und berührend

Im letzten Licht des Herbstes
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Inhalt: Solace, Kanada, in den 70er Jahren: Die 7-jährige Clara ist untröstlich. Ihre große Schwester Rose ist nach einem Streit mit ihrer Mutter von zu Hause weggelaufen und seitdem spurlos verschwunden. ...

Inhalt: Solace, Kanada, in den 70er Jahren: Die 7-jährige Clara ist untröstlich. Ihre große Schwester Rose ist nach einem Streit mit ihrer Mutter von zu Hause weggelaufen und seitdem spurlos verschwunden. Jede freie Minute steht Clara am Fenster und wartet auf Rose. Dabei beobachtet sie einen fremden Mann, der scheinbar in das Haus der älteren Nachbarin, Mrs. Orchard, einzieht. Was macht der da? Mrs. Orchard ist doch nur für kurze Zeit im Krankenhaus…

Meine Meinung: Das Buch ist in drei verschiedene Erzählstränge aufgeteilt, die teilweise zeitlich leicht versetzt spielen. Ruhig und sehr warmherzig erzählt Mary Lawson aus der Sicht von Clara, Mrs. Orchard und Liam - dem Mann, der in Mrs. Orchards Haus einzieht. Nach der Trennung von seiner Frau kommt es Liam gerade recht, dass Mrs. Orchard ihm ihr Haus geschenkt hat, obwohl er kaum Erinnerungen an sie und ihren Mann hat. Mrs. Orchard erinnert sich im Krankenhaus an die Zeit, in der sie einen folgenschweren Fehler gemacht hat. Und Clara vermisst ihre Schwester Rose und macht sich große Sorgen. Diese drei Protagonisten mochte ich sehr gern, aber auch die Einwohner der kleinen Stadt Solace werden sehr liebenswert beschrieben. Sie wirken authentisch auf mich und besonders die kleine empathische Clara ist mir schnell ans Herz gewachsen. Die Geschichte hat neben traurigen und dramatischen Momenten durchaus auch viele humorvolle Szenen und die Stimmung habe ich nicht als bedrückend empfunden. Mir hat vor allem die Entwicklung von Liam gefallen und von Seite zu Seite mochte ich dieses Buch lieber und war enttäuscht, als es endete.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Schicksal von Rose kaum Beachtung gefunden hat.

Fazit: Eine warmherzige und berührende Geschichte.