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Veröffentlicht am 14.11.2019

Selbst in der größten Dunkelheit kann man Licht finden...

Fünf Wörter für Glück
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Inhalt: Die junge Heidi, deren Traum es ist, Schauspielerin zu werden, stürzt beim Joggen - mit dramatischen Folgen. Da die Blutzufuhr zu ihrem Unterschenkel zu lange unterbrochen war, müssen die Ärzte ...

Inhalt: Die junge Heidi, deren Traum es ist, Schauspielerin zu werden, stürzt beim Joggen - mit dramatischen Folgen. Da die Blutzufuhr zu ihrem Unterschenkel zu lange unterbrochen war, müssen die Ärzte ihn, trotz aller Bemühungen, amputieren. Für Heidi ein großer Schock, verbunden mit schlimmen Schmerzen. In der Rehaklinik teilt Heidi sich ein Zimmer mit der lebenslustigen 80-jährigen Heidi und lernt deren Enkel Jack kennen. Jack bemüht sich sehr, Heidi psychisch wieder aufzubauen und rät ihr, eine Liste mit Zielen und Herausforderungen zu erstellen. Und so entsteht Heidis Liste: “In fünf Schritten zum Glück“. Wird Jack, für den sie inzwischen tiefere Gefühle entwickelt hat, ihr bei der Verwirklichung helfen?

Meine Meinung: „Fünf Wörter zum Glück“ beruht auf einer wahren Geschichte. Die Autorin Ella Dove verlor mit 25 Jahren auf die selbe Weise ihr Bein wie Heidi und die Krankengeschichte entspricht ihrer eigenen. Sie weist aber ausdrücklich darauf hin, dass sämtliche Charaktere und auch die Geschichte fiktiv sind. Aufgrund dieses Wissens fand ich die Geschichte besonders berührend, eindringlich und interessant, denn Heidis Weg zu Hoffnung, Mut, Selbstständigkeit und Selbstvertrauen ist Schwerpunkt dieses Buches. Für einen gesunden Menschen ist kaum nachzuvollziehen, wie schmerzhaft, schwer und voller Hürden dieser Weg ist. Auch die Gefühle und die Veränderungen im Leben ihrer Familie und Freunde und das Verhalten anderer Menschen ihr gegenüber werden sehr anschaulich beschrieben. Sie erkennt, auf welche Menschen sie sich wirklich verlassen kann und welche Freundschaften eher oberflächlich sind.
Die anderen Patienten in der Rehaklinik gehen alle sehr unterschiedlich mit ihrem Schicksal um, was ich sehr interessant und teilweise auch schockierend fand (z.B. ändern die Raucher ihr Verhalten nicht). Heidis Bettnachbarin, die 80-jährige Maud, ist ein sehr liebenswerter Charakter, voller Lebensfreude und Hoffnung und ich hätte sehr gerne mehr von ihr gelesen. Und in der Beziehung zwischen Jack und Heidi hätte ich mir mehr Emotionalität gewünscht.

Fazit: Eine berührende Geschichte über einen Schicksalsschlag, der von einem Moment auf den anderen das ganze Leben und die Zukunft verändert. Eine nachdenklich machende Geschichte mit einer lebensbejahenden Botschaft: „Es gibt immer Hoffnung“ (Zitat von Ella Dove im Nachwort)

Veröffentlicht am 13.11.2019

Familie sind nicht nur die, deren Blut durch unsere Adern fließt...

Mr. Hicks feiert Weihnachten
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Inhalt: Der 72 jährige Mr. Hicks ist schon seit einigen Jahren Witwer, aber er trauert immer noch um seine Frau. Sein streng organisierter Tagesablauf mit immer den gleichen Routinen gibt ihm Sicherheit. ...

Inhalt: Der 72 jährige Mr. Hicks ist schon seit einigen Jahren Witwer, aber er trauert immer noch um seine Frau. Sein streng organisierter Tagesablauf mit immer den gleichen Routinen gibt ihm Sicherheit. Anderen Menschen geht er nach Möglichkeit aus dem Weg. Doch dann wird seine Ruhe gestört. Zuerst sucht sich eine magere und zerzauste kleine Katze seine Wohnung als ihr neues Zuhause aus, dann nötigt seine junge alleinerziehende Nachbarin Jennifer ihn, auf ihren kleinen Sohn Charlie aufzupassen und schließlich werden in der Reinigung auch noch seine guten Hemden vertauscht. Als er dann noch die fröhliche Museumswärterin Gwendoline kennenlernt, ändert sich sein Leben völlig.

Meine Meinung: „Mr. Hicks feiert Weihnachten" ist eine sehr liebenswerte kleine Weihnachtsgeschichte, die im heutigen London spielt. Das Thema ist ganz sicher nicht neu, trotzdem hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen. Das Buch ist warmherzig und vor allem humorvoll geschrieben und es hat mir viel Spaß gemacht zu lesen, wie Mr. Hicks sich im Laufe der Geschichte verändert und wie aus dem einsamen und knurrigen Mann ein glücklicher und zufriedener Mensch wird, denn ich hatte den grantigen Mr. Hicks von Anfang an in mein Herz geschlossen, ebenso wie den kleinen Charlie, dessen Mutter Jennifer und natürlich auch die fröhliche Gwendoline.
Mein einziger Kritikpunkt sind die (ich glaube, es sind nur zwei) Schwächeanfälle mit den Visionen von Mr. Hicks. Beim ersten Mal war ich davon total irritiert. Ich fand diese Passagen, die sicher an die Geschichten von Charles Dickens angelehnt sind, völlig überflüssig und ohne Zusammenhang zur Geschichte.

Fazit: Ein warmherziger Kurzroman, der sehr schön in die Weihnachtszeit passt und ich hätte nach den 173 Seiten gerne noch weitergelesen. Witzig, rührend und nachdenklich machend - einfach schön.

Veröffentlicht am 11.11.2019

Eine nostalgische Weihnachtsgeschichte

Eine Kiste voller Weihnachten
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Inhalt: Dezember 1890: Vinzent Storch ist Eigentümer eines kleinen Betriebs, in dem die berühmten "Dresdner Pappen“ hergestellt werden. Heiligabend entdeckt er zufällig eine Kiste, die versehentlich nicht ...

Inhalt: Dezember 1890: Vinzent Storch ist Eigentümer eines kleinen Betriebs, in dem die berühmten "Dresdner Pappen“ hergestellt werden. Heiligabend entdeckt er zufällig eine Kiste, die versehentlich nicht ausgeliefert wurde. Damit die Figuren aus Papier noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest an ihr Ziel kommen, macht er sich mit der Pferdekutsche selbst auf den Weg nach Zinnwald im Erzgebirge. Er merkt nicht, dass unterwegs ein kleines Mädchen, die elfjährige Lisbeth, auf die Kutsche hinaufhüpft und unter die Decke schlüpft. Erst als ein schwerer Schneesturm einsetzt, gibt sich das Mädchen zu erkennen und zeigt Storch den richtigen Weg in ihr Heimatdorf Zinnwald.

Meine Meinung: „Eine Kiste voller Weihnachten“ ist eine nostalgische und warmherzige Weihnachtsgeschichte und die 120 Seiten des kleinen Buches lassen sich problemlos an einem Stück lesen. Am besten mit einem heißen Tee vor dem Ofen. Die Illustrationen von Andrea Offermann sind wunderbar stimmig zu Text und Atmosphäre der Geschichte und haben mir gut gefallen.
Vinzent Storch erinnert mit seiner eigenbrötlerischen und unfreundlichen Art sehr an Dickens Ebenezer Scrooge, obwohl Storch nicht ganz so herzlos ist. Die kleine Lisbeth ist die älteste von mehreren Geschwistern und hat schon sehr früh gelernt viel Verantwortung zu übernehmen. Die beschwerliche Fahrt im dichten Schneetreiben bewältigen Storch und Lisbeth gemeinsam und Lisbeth schafft es durch ihre direkte und unverblümte Art, sowie durch ihre eigene traurige Geschichte, Storchs Herz zu erwärmen.
Die "Dresdner Pappen“ - filigrane gestanzte Figuren aus Papier, die mit Gold überzogen werden und ihre Verwendung hauptsächlich als Christbaumschmuck finden - gibt es wirklich und sie werden auch heute noch hergestellt und verkauft.

Fazit: Eine zauberhafte historische Weihnachtsgeschichte. Das kleine Buch im Format 14,6 cm x 18,5 cm ist auch eine schöne Geschenkidee in der Adventszeit.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Wer mit dem Teufel tanzt, der braucht gute Schuhe

Der Lehrmeister (Faustus-Serie 2)
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Inhalt: Herbst 1518. Sechs Jahre nachdem der inzwischen berühmte Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist, reist er als Gaukler, Quacksalber und gefragter Astrologe durch die Lande. Zusammen ...

Inhalt: Herbst 1518. Sechs Jahre nachdem der inzwischen berühmte Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist, reist er als Gaukler, Quacksalber und gefragter Astrologe durch die Lande. Zusammen mit seinem treuen Gehilfen Karl Wagner und seiner Ziehtochter Greta bietet er den staunenden Zuschauern spektakuläre Schauspiele. Doch Johann spürt, dass er seinem Erzfeind Tonio del Moravia niemals entkommen wird und er weiß, dass er sich dem Bösen stellen muss, wenn er die, die er liebt, retten will. Doch der Weg ist beschwerlich und voller ungeahnter Gefahren, denn Tonio hat sehr mächtige Verbündete… „Wer mit dem Teufel tanzt, der braucht gute Schuhe"

Meine Meinung: „Der Lehrmeister“ ist die Fortsetzung von „Der Spielmann“ und sicher auch unabhängig vom Vorgänger zu lesen, auch wenn ich die Vorkenntnisse des ersten Teils sehr wichtig finde.
Der Schreibstil von Oliver Pötzsch lässt sich angenehm und flüssig lesen, so dass die 800 Seiten des Buches problemlos zu bewältigen sind. Durch seine bildhaften und authentischen Beschreibungen des Mittelalters, der damaligen Lebensverhältnisse und der Beschwerlichkeiten der Reisen, hat Pötzsch mich wieder einmal begeistert. Er ist die Zeit von Martin Luther, Leonardo da Vinci und Papst Leo X. Die Mischung aus Fiktion und historisch belegten Fakten und Personen ist toll gelungen. Auch die düstere Stimmung dieser Zeit, sowie die mystischen und manchmal etwas gruseligen Elemente konnten mich begeistern. Die weite Reise von Deutschland über Frankreich bis nach Rom ist abwechslungsreich und spannend und auch das Ende hat mich zufriedengestellt.

Fazit: Goethes Faust habe ich nie gelesen, aber die Version von Oliver Pötzsch (Faust als Romanfigur) hat mir gut gefallen. „Der Lehrmeister“ ist eine gelungene Fortsetzung und das Buch passt perfekt in diese dunkle Jahreszeit.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Spannender Pageturner

Tagebuch meines Verschwindens
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Inhalt: Ormberg, ein kleiner trostloser und düsterer Ort in Schweden, in mitten dunkler Kiefernwälder: Im Oktober 2009 entdeckt die 15-jährige Malin im Wald das Skelett eines kleinen Mädchens. Acht Jahre ...

Inhalt: Ormberg, ein kleiner trostloser und düsterer Ort in Schweden, in mitten dunkler Kiefernwälder: Im Oktober 2009 entdeckt die 15-jährige Malin im Wald das Skelett eines kleinen Mädchens. Acht Jahre später ist Malin Polizistin und arbeitet an genau diesem alten Fall. Unterstützung bekommt sie dabei von der Profilerin Hanne und deren Kollegen und Lebensgefährten Peter. Eines Abends wird Hanne verletzt und verwirrt im Wald gefunden, während Peter spurlos verschwunden ist. Kurze Zeit später wird eine Frauenleiche gefunden - an der selben Stelle wie damals das Skelett…

Meine Meinung: „Tagebuch meines Verschwindens“ hat mich von Anfang an gefesselt. Der Schreibstil von Camilla Grebe gefällt mir richtig gut und durch die relativ große Schrift lässt sich das Buch auch sehr schnell lesen. Auch wenn der Spannungsbogen zunächst nur langsam steigt, fand ich keine Seite langweilig. Die Geschichte wird im Wechsel aus den Perspektiven von Malin und Jake erzählt, zusätzlich gibt es Einblicke in ein Tagebuch, das nach und nach die Geschehnisse bis zur Mordnacht schildert. Malin konnte als Polizistin vor einigen Jahren Ormberg verlasssen, wird jedoch für den alten Fall in ihren Heimatort zurückgeholt, weil sie die Einwohner und vor allem den Wald dort genau kennt. Sie fühlt sich jedoch in dem Ort mit den trostlosen Gebäuden und den eigenwilligen Einwohnern, die den Bewohnern des ortsansässigen Flüchtlingsheims mit großem Argwohn begegnen, nicht mehr wohl. Jake ist vierzehn Jahre alt und in einer schwierigen Phase der Pubertät. Er mag gerne Frauenkleider und Schminke und bezeichnet seine Neigung selbst als Krankheit. Vor einem Jahr ist seine Mutter gestorben und sein Vater ist seitdem fast immer betrunken. Er findet das Tagebuch und liest darin, bis er sich schließlich entschließt, zu handeln. Die Profilerin Hanne spielt in diesem Buch eine zwar kleinere, aber doch sehr wichtige Rolle.
Durch den winterlichen und düsteren Ort Ormberg, mit seinen alten, teilweise verfallenen Häusern, geschlossenen Läden, stillgelegten Fabriken und dem Wald, herrscht im gesamten Buch eine düstere Atmosphäre. Im letzten Drittel nimmt die Spannung dann sehr schnell zu, es gibt einige Überraschungen und Wendungen und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: Das Buch hat mir wegen seines psychologischen Aufbaus, des mitreißenden Schreibstils und des völlig überraschenden Endes sehr gut gefallen.