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Veröffentlicht am 17.09.2019

Tiefgründig und mit einer überraschenden Wendung

Und doch fallen wir glücklich
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Inhalt: Die 17-jährige Gioia Spada wächst in sozial schwachen Verhältnissen auf. Ihre Eltern sind oft schon tagsüber betrunken, schlafen auf dem Sofa vor dem Fernseher oder streiten sich lautstark. Die ...

Inhalt: Die 17-jährige Gioia Spada wächst in sozial schwachen Verhältnissen auf. Ihre Eltern sind oft schon tagsüber betrunken, schlafen auf dem Sofa vor dem Fernseher oder streiten sich lautstark. Die Wohnung versinkt im Chaos und Schmutz. Gioia, deren Name „Freude“ bedeutet, ist ein Außenseiter in der Schule und wird von ihren Mitschülern nur „Trauerkloß“ genannt und gilt als seltsam. Sie trägt alte, zerrissene und löchrige Jeans, schreibt sich jeden Tag dasselbe Rilke-Zitat auf ihren Arm und sammelt unübersetzbare Wörter aus allen Sprachen. Sie ist sensibel, introvertiert und anders als ihre Mitschüler, aber ganz bestimmt nicht dumm. Der Einzige, der das erkennt und der Verständnis für sie hat, ist ihr Philosophie-Lehrer Dr Bove. Mit ihm unterhält sie sich in den Pausen.
Eines Abends flieht Gioia mal wieder vor einem Streit ihrer Eltern und trifft in einer verlassenen Bar den 18-jährigen Lo. Langsam und zum ersten Mal entwickelt sie tiefere Gefühle und Vertrauen zu einem Jungen, doch ist Lo wirklich ehrlich zu ihr?

Zitat Klappentext: „Manchmal bedeutet Glück, das Risiko zu fallen auf sich zu nehmen und sich auf etwas einzulassen“.

Meine Meinung: „Und doch fallen wir glücklich“ ist der Debütroman des italienischen Literatur-Lehrers Enrico Galiano, der auf der Liste der hundert besten Lehrer Italiens steht. Er erzählt in seinem Buch die Geschichte von Gioia, die sich zum ersten Mal verliebt und dadurch wenigstens zeitweise aus ihrem Schneckenhaus herauskommt und sich zu öffnen beginnt. Durch die dann folgenden Ereignisse entwickelt sie eine Stärke, die ich, gerade in ihrer eigenen schwierigen Situation, sehr bewundernswert finde. Enrico Galiano beschreibt Gioia sehr feinfühlig und glaubhaft und man muss sie einfach gern haben. Auch ihre Liebe zu ihrer kranken Oma machte sie mir sehr sympathisch. Ich habe sie mir genauso vorgestellt wie das Mädchen auf dem wunderschönen Cover (obwohl Gioia blaue Augen hat, keine grünen).
Der Schreibstil ist tiefgründig und oft auch philosophisch, vor allem, wenn Gioia mit ihrem Lehrer Dr Bove diskutiert. Und obwohl die Protagonisten 17 und 18 Jahre alt sind, würde ich das Buch nicht nur als Jugendbuch bezeichnen. Auch die Liebesgeschichte der beiden ist ungewöhnlich und hat einige sehr überraschende Wendungen.

Fazit: Ein Buch, das vom Erwachsenwerden erzählt. Von der ersten Liebe und von Verlust, aber auch von Stärke. Mir hat dieses Buch richtig gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

Veröffentlicht am 12.09.2019

Im Einklang mit der Natur

Der Gesang der Flusskrebse
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Inhalt: Nachdem Kya schon als kleines Mädchen von ihrer Familie verlassen wurde, wächst sie einsam und isoliert in einer alten Hütte im Marschland von South Carolina auf. Sie lebt im Einklang mit der Natur, ...

Inhalt: Nachdem Kya schon als kleines Mädchen von ihrer Familie verlassen wurde, wächst sie einsam und isoliert in einer alten Hütte im Marschland von South Carolina auf. Sie lebt im Einklang mit der Natur, ihre Freunde sind die Seevögel und den Kontakt zu anderen Menschen scheut sie. Als der junge Chase Adams tot aufgefunden wird, ist für die Bewohner des kleinen Küstenortes Barkley Cove schnell klar: Das „Marschmädchen“ hat ihn getötet.

Meine Meinung: „Der Gesang der Fusskrebse“ ist der Debütroman von Delia Owens und entwickelt schon sehr bald einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Es ist eine Verbindung zwischen Kriminalgeschichte und der Erzählung eines Erwachsenwerdens.
Der Schreibstil der Autorin hat mich ganz besonders berührt. Ich mag ihre ausführlichen, bildhaften und oft poetischen Naturbeschreibungen sehr, genauso wie ihre gefühlvollen Schilderungen von Kyas Gedanken und Überlegungen, von ihrer Angst und ihrer Stärke. Die Atmosphäre ist oft bedrückend und melancholisch, man spürt Kyas Einsamkeit, aber auch ihre große Liebe zur Natur.
Die Geschichte erzählt ab 1952 mit einigen Zeitsprüngen von Kyas Leben und Überleben im Marschland und wird von kurzen Kapiteln unterbrochen, die im Jahr 1969 spielen und von Chase Adams Tod, den folgenden polizeilichen Ermittlungen und schließlich der Gerichtsverhandlung, erzählen.
Ich mochte Kya gerne, habe gerne ihr Heranwachsen verfolgt, war immer auf ihrer Seite und habe mit ihr mitgelitten, doch ihr eigentliches Wesen blieb mir seltsam fremd. Kya ist wild und unangepasst, trotzdem verletzlich und scheu. Zitat: „Ein wildes Wesen, das sich für sein eigenes verrücktes Verhalten schämt“. Auch alle anderen Charaktere werden absolut glaubwürdig und authentisch beschrieben und Kyas wenige Freunde sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen, denn sie sind wunderbare Menschen.
Titel und Cover des Buches passen wunderbar zur Geschichte.

Fazit: Ein unglaublich fesselnder, tiefgründiger und wunderschöner Roman über Verlust, Einsamkeit und Vorurteile, aber auch über Liebe und die Schönheit der Natur. Ein ganz besonderes Buch❤️und ein Lesehighlight

Veröffentlicht am 09.09.2019

Genial

Das 5-Minuten-Rückentraining
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Ich kann dieses Buch nur jedem, der Rücken-, Schulter- und / oder Nackenprobleme hat, empfehlen. Bevor ich mit dem online-Training begonnen habe, habe ich zuerst den theoretischen Teil "Wissen - Der erste ...

Ich kann dieses Buch nur jedem, der Rücken-, Schulter- und / oder Nackenprobleme hat, empfehlen. Bevor ich mit dem online-Training begonnen habe, habe ich zuerst den theoretischen Teil "Wissen - Der erste Schritt zur Veränderung" gelesen. In diesem Teil habe ich viel Wissenswertes über meine Wirbelsäule, meine Muskeln und wichtige Nährstoffe gelernt. Und zwar auf eine unterhaltsame Art. Vor Beginn des Trainingteils, in dem für jeden Tag der acht Wochen alle Übungen genau erklärt und durch Fotos verdeutlicht werden, gibt es einen Teil, in dem jeder für sich ermitteln kann, wo er im Moment steht: Wo treten die Probleme auf? Wo sind Verspannungen, Blockaden usw.?
Acht Wochen lang habe ich dann nach einer kurzen Aufwärmphase die 5-Minuten Übungen gemacht (oft auch noch andere Rückenfit Kurse, die bei pur-live angeboten werden und die während dieser Zeit kostenlos geschaut werden können) und schon nach nur zwei Wochen habe ich die ersten Erfolge in meiner Schulter- und Nackenmuskulatur gemerkt. Inzwischen sind dort alle Verspannungen weg. Jetzt bin ich sogar enttäuscht, dass die Zeit vorbei ist, aber ich werde ganz sicher weitermachen. Meine Rückenschmerzen sind zwar noch nicht ganz weg - dafür ist die Schädigung meiner Wirbelsäule wahrscheinlich zu groß - aber es geht mir insgesamt sehr viel besser und ich bin viel beweglicher geworden. Ich muss noch dazu sagen, dass ich eigentlich ein absoluter Sportmuffel bin, aber Manuel Eckardt hat es tatsächlich mit seiner motivierenden, lockeren und humorvollen Art geschafft, dass mir der Sport Spaß macht!
Inzwischen habe ich mir sein Buch "Das 5-Minuten-Trampolin-Training" gekauft und werde bald mit dem Training beginnen.

Veröffentlicht am 09.09.2019

Wie starb Aurora?

Bis ihr sie findet
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Inhalt: Ein Sommerabend des Jahrs 1983. Sieben Jugendliche zelten in einem Wald. Die jüngste von Ihnen, die 14-jährige Aurora, gehört nicht zu der festen Clique der Schulfreunde, sondern ist die jüngere ...

Inhalt: Ein Sommerabend des Jahrs 1983. Sieben Jugendliche zelten in einem Wald. Die jüngste von Ihnen, die 14-jährige Aurora, gehört nicht zu der festen Clique der Schulfreunde, sondern ist die jüngere Schwester der hübschen und draufgängerischen Topaz. Die zurückhaltende Aurora fühlt sich zwischen den Älteren ziemlich unwohl und nicht wirklich dazugehörig. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Trotz sofort eingeleiteter Suchaktionen fehlt von Ihr jede Spur. Erst dreißig Jahre später werden ihre sterblichen Überreste durch Zufall in einer kleinen Höhle gefunden. Die sechs Freunde, von denen jeder mehr oder weniger erfolgreich geworden ist, stehen immer noch in Kontakt miteinander. Detektiv Jonah Sheelds, der die Freunde damals flüchtig gekannt hat und vor dreißig Jahren gerade bei der Polizei angefangen hatte, beginnt erneut zu ermitteln. Hat einer von ihnen etwas mit dem Tod von Aurora zu tun gehabt?

Meine Meinung: „Bis ihr sie findet“ ist das Krimidebüt der jungen Engländerin Gytha Lodge und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten und mich bis zum Schluss rätseln lassen, wer der Mörder sein könnte. War es einer der Freunde oder vielleicht doch ein Außenstehender? Was war das Motiv?
Der allergrößte Teil der Geschichte spielt in der Gegenwart und handelt hauptsächlich von der Ermittlungsarbeit der Polizei. Alle Beteiligten müssen erneut aussagen und bei den Einzelbefragungen ergeben sich einige Unstimmigkeiten zu den früheren Aussagen.
Detektiv Chief Inspektor Jonah Sheens wird von drei Mitarbeitern unterstützt, die ich authentisch und vor allem menschlich empfunden habe. Im Gegensatz dazu sind die sechs Freunde keine großen Sypmpathieträger.
Gytha Lodge hat sehr geschickt ganz kurze Rückblenden aus Auroras Sicht eingefügt, die dem Leser die Ereignisse des Abends im Wald nur häppchenweise schildern. Diese kurzen Kapitel fand ich besonders spannend, denn nach und nach lernt man dadurch die einzelnen Charaktere besser kennen und erfährt, was damals wirklich geschehen ist. Allerdings hat es mich persönlich nicht auf die richtige Spur gebracht.
Gegen Ende steigt die Spannungskurve, die bis dahin nicht besonders hoch ist, dann doch noch gut an und die Auflösung fand ich durchaus akzeptabel.

Fazit: Insgesamt hat mich „Bis ihr sie findet“ sehr gut unterhalten. Ein komplexer, gut zu lesender und kaum zu durchschauender Krimi, mit einem guten Ermittlerteam. Ich hätte mir vielleicht ein klein wenig mehr Spannung gewünscht.

Veröffentlicht am 02.09.2019

Die Familie Mancini

Wo man im Meer nicht mehr stehen kann
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Inhalt: Der kleine Fabio wächst in einem kleinen Dorf in der Toskana auf. Als einziges Kind ist er der Mittelpunkt seiner exzentrischen Großfamilie. Die vielen unverheirateten Brüder seines verstorbenen ...

Inhalt: Der kleine Fabio wächst in einem kleinen Dorf in der Toskana auf. Als einziges Kind ist er der Mittelpunkt seiner exzentrischen Großfamilie. Die vielen unverheirateten Brüder seines verstorbenen Großvaters bezeichnen sich alle selbst als Fabios Opas und nehmen ihn gerne auf ihre manchmal etwas sonderbaren Unternehmungen mit, die oft weder kindgerecht noch legal sind. Als Fabio mit sechs Jahren in die Schule kommt, hat er noch keinen Kontakt zu Gleichaltrigen gehabt und kann mit deren Spielen wenig anfangen. Er wird schnell zum Außenseiter und hat es schwer, Freunde zu finden.
Als sein Vater nach einem Unfall im Koma liegt, glaubt Fabio fest an die heilende Wirkung des Vorlesens. Dabei lernt auch Fabio die ungewöhnlichsten Dinge.

Meine Meinung: Die Mancinis sind eine ganz besondere Familie. Fabios Opas, bzw. Onkel, sind ziemlich skurril und schrullig, deshalb auch oft peinlich für ihn, aber sie haben ihr Herz am rechten Fleck. Die ganze Familie hält fest zusammen und ist sehr liebenswert. Die alten Männer wetteifern darum, etwas mit Fabio unternehmen zu dürfen. Zitat: „…nie kam Langeweile auf, selbst wenn ich mir welche gewünscht hätte.“
Die Geschichte wird aus Fabios kindlicher Sicht erzählt und trotz der verschachtelten Bandwurmsätze ist der Schreibstil anschaulich, humorvoll und flüssig zu lesen, mit außergewöhnlichen Formulierungen. Beim Lesen musste ich oft schmunzeln und sogar laut lachen, aber es gibt auch ernstere Passagen. Trotz aller Leichtigkeit und viel Witz ist die Geschichte doch auch tiefgründig, warmherzig und mit viel italienischem Flair.

Fazit: Die Geschichte der Familie Mancini hat mir insgesamt sehr gut gefallen, jedoch waren mir einige Kapitel einfach zu langgezogen, was den Lesespaß etwas gestört hat.