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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2023

Spannender Schweden-Krimi

Puppenblut
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„Puppenblut“ ist nach „Leichenschilf“ und „Witwenwald“ bereits der 3. Fall für Kristoffer Bark und sein Team. Natürlich lässt sich dieser Krimi auch ohne Vorkenntnisse lesen, doch es ist empfehlenswert ...

„Puppenblut“ ist nach „Leichenschilf“ und „Witwenwald“ bereits der 3. Fall für Kristoffer Bark und sein Team. Natürlich lässt sich dieser Krimi auch ohne Vorkenntnisse lesen, doch es ist empfehlenswert und interessant, auch die private Entwicklung der Protagonisten von Anfang an zu verfolgen.
Barks Team besteht aus sehr unterschiedlichen und zum Teil etwas speziellen Charakteren, die intern versetzt wurden und dann im Turmzimmer untergebracht wurden - weit weg von den anderen Kollegen. Hier sollen sie an alten ungeklärten Fällen arbeiten. Trotz ihrer Eigenheiten sind aber alle fähige Ermittler. Besonders Alex mit seiner unbekümmerten und oft ungestümen Art lockert die Krimi-Handlung einige Male auf. Bark selbst mag ich auch sehr gern, er wirkt in diesem Teil etwas weniger mürrisch als sonst, hat aber gesundheitliche und auch private Probleme.
Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht. Der Schreibstil von Anna Jansson lässt sich absolut flüssig lesen und eine gewisse Grundspannung ist von Anfang an da. Der Fall ist komplexer, als ich zuerst angenommen hatte und erst gegen Ende zeigen sich Zusammenhänge zu dem Tod von Mary im Jahr 1967, mit denen ich nicht gerechnet hätte.
Rückblicke in Marys Leben gibt es durch ihre Tagebuchaufzeichnungen, die Eva zufällig findet. Ihre Berichte aus der Nervenheilanstalt Västra Mark sind erschreckend. Aber auch die Kapitel aus den Perspektiven von Eva und ihrer Tochter Linn habe ich mit Spannung verfolgt.

Fazit: „Puppenblut“ ist ein gelungener Schweden Krimi mit sympathischen Protagonisten, den ich sehr gerne gelesen habe, auch wenn ich ihn etwas schwächer fand als „Witwenwald“. Der 4. Teil „Mädchenfeuer“ erscheint im Februar 2024 und ich freue mich jetzt schon darauf.

Veröffentlicht am 19.07.2023

Julle ist verliebt

Das Summen unter der Haut
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Inhalt: Sommer in Hamburg 1977. Julle ist 14 Jahre alt. Seit seinem 11 Lebensjahr weiß er, dass er schwul ist. Eingeweiht hat er nur seine ältere Schwester, aber seine Mutter ahnt es wahrscheinlich auch.
Als ...

Inhalt: Sommer in Hamburg 1977. Julle ist 14 Jahre alt. Seit seinem 11 Lebensjahr weiß er, dass er schwul ist. Eingeweiht hat er nur seine ältere Schwester, aber seine Mutter ahnt es wahrscheinlich auch.
Als kurz vor den Sommerferien Alex neu in seine Klasse kommt, verliebt sich Julle sofort in ihn. Sie werden gute Freunde und verbringen viel Zeit miteinander. Doch nach nur wenigen Wochen ist Alex ganz plötzlich wieder verschwunden. Für Julle aber bleibt dieser Sommer unvergessen …

Meine Meinung: Der Einstieg in dieses Buch fiel mir etwas schwer, denn an den Erzählstil mit den kurzen Sätzen, den vielen Beschreibungen von Alltäglichkeiten, sowie Julles teilweise etwas konfuse Gedanken, musste ich mich erst gewöhnen. Doch genau auf diese Weise kommen wir Julle näher, denn Stephan Lohse beschreibt seinen Protagonisten Julle so liebevoll, lebendig und mit viel Witz, dass man Julle einfach ins Herz schließen muss. Trotz seiner Homosexualität und eines versehentlichen Outings bekommt er weder Häme, noch blöde Kommentare oder andere negative Konsequenzen zu spüren, was ich für die 70er Jahre sehr ungewöhnlich finde. Auch seine Eltern gehen locker damit um.
Es hat Spaß gemacht, Julle und auch seine Freunde eine kurze Zeit lang zu begleiten und manchmal fühlte ich mich selbst in die 70er Jahre und in die Sommer im Freibad und dem Anstehen am Kiosk, den ersten gemeinsame Feten und das erste Verliebtsein, zurückversetzt. Auch die Dynamik unter den Jugendlichen hat mir gut gefallen, und im Großen und Ganzen haben sich alle gut verstanden.
Auf den nur 176 Seiten werden noch andere wichtige Themen angeschnitten, wie z.B. der Tod von Axels Mutter, aber wegen der Kürze des Buches kommt dann einiges zu kurz. Auch das Ende fand ich zu abrupt.

Fazit: „Das Summen unter der Haut" ist ein warmherziger Roman über das Erwachsenwerden, über Selbstfindung, einen unvergesslichen Sommer und die erste Liebe. Ein schöner Sommerroman ohne Kitsch. Für Leser ab 14 Jahren, aber ohne Altersbegrenzung nach oben … .

Veröffentlicht am 17.07.2023

Bizarre und grausame Morde

Rot. Blut. Tot.
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„Rot. Blut. Tot.“ ist bereits der zweite Fall für die Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen und das Team der Kopenhagener Mordkommission. Nachdem mir der erste Fall „Eis. Kalt. Tot.“ wirklich gut gefallen ...

„Rot. Blut. Tot.“ ist bereits der zweite Fall für die Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen und das Team der Kopenhagener Mordkommission. Nachdem mir der erste Fall „Eis. Kalt. Tot.“ wirklich gut gefallen hatte, habe ich mich sehr auf dieses Buch und ein Wiedersehen, bzw. -lesen, mit den mir inzwischen bekannten Charakteren gefreut.
Ich mag den Schreibstil von Anne Nørdby gern, sowie auch die düstere Atmosphäre ihrer Thriller. Trotzdem konnte mich die Handlung nicht so permanent fesseln, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht war meine Erwartungshaltung auch einfach zu hoch. Die Morde sind bizarr und grausam und es gibt immer wieder spannende Passagen, doch oft plätschert die Handlung auch nur vor sich hin. Erst gegen Ende steigt der Spannungsbogen dann an.
Die Protagonisten Marit, Jesper und Kirsten gefallen mir gut und ich hätte sehr gerne mehr aus ihrem Privatleben gelesen. Leider kommt auch Marit mit ihrer besonderen Begabung als Super-Recognizerin eindeutig zu kurz.
Der Fall ist komplex aufgebaut und es es gibt einige überraschende Wendungen. Ich hatte bis zur Auflösung überhaupt keine Vermutung, welches Motiv es für die Taten geben und wer der Mörder sein könnte.

Fazit: „Rot. Blut. Tot.“ ist ein komplexer und düsterer skandinavischer Thriller und nichts für Zartbesaitete.
Für mich persönlich leider schwächer als der Vorgänger. Ganz ganz knappe 4 Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2023

Eine deutsch - polnische Liebe in Westpreußen

Wo die Störche fliegen
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Inhalt: Schlochau, Westpreußen 1918. Gerda wächst auf dem elterlichen Gut Lapienen in Westpreußen auf, umgeben von Wiesen, Wäldern und Seen. Ihr Kinderfreund Thomas ist immer an ihrer Seite. Gemeinsam ...

Inhalt: Schlochau, Westpreußen 1918. Gerda wächst auf dem elterlichen Gut Lapienen in Westpreußen auf, umgeben von Wiesen, Wäldern und Seen. Ihr Kinderfreund Thomas ist immer an ihrer Seite. Gemeinsam lesen sie Märchen und träumen sich in eine andere Welt. Jahre später ist aus der Kinderfreundschaft Liebe geworden. Doch die politische Lage erschwert ihre Verbindung, denn Thomas Mutter ist Polin und Gerdas Vater verbietet deshalb eine Heirat und sucht passendere Heiratskanditaten für seine jüngste Tochter. Als die Situation auf Gut Lapienen für Gerda unerträglich wird, flüchtet sie in die Freie Hansestadt Danzig, wo sie sich ein neues Leben aufbauen will. Doch nach einigen ruhigen und zufriedenen Jahren bricht der Zweite Weltkrieg aus …

Meine Meinung: Von 1918 bis 1944 begleiten wir Gerda, das jüngste Kind der Familie Westkamm - das „Nachschrapsel“, durch eine schwere und dramatische Zeit.
Ich mochte Gerda sofort, und auch Thomas gefiel mir, auch wenn ich eine seiner Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen konnte.
Claudia Ley schreibt flüssig, lebendig und sehr bildhaft, so dass mich Gerdas Geschichte sehr schnell fesseln konnte. Auch die Charaktere beschreibt die Autorin sehr anschaulich und glaubwürdig und alle sind gut in die Handlung eingebunden. Ich konnte mir beim Lesen Schauplätze, sowie Charaktere sehr gut vorstellen. Gut gefallen haben mir die häufig eingestreuten westpreußischen Ausdrücke, wie z.B. Schrapsel oder Marjellchen. Auch den Bezug zu dem Märchen der Schneekönigin fand ich gelungen.
Die Liebesgeschichte von Gerda und Thomas spielt zwar eine große Rolle, steht aber nicht unbedingt im Fokus, sondern ist eingebettet in die damalige schwierige und dramatische Zeit in Westpreußen.
Die gesamte Situation und einige schlimme Ereignisse verändern und prägen Gerdas Leben, ebenso wie das ihrer engsten Freund und Verwandten.
Im Mittelteil habe ich das Buch für einige Zeit als etwas schwächer empfunden, doch dann war ich auch schnell wieder von der Handlung gefesselt. Das Ende fand ich besonders spannend und ich könnte mir eine Fortsetzung gut vorstellen.
Fazit: "Wo die Störche fliegen" ist eine spannende und berührende deutsch - polnische Liebesgeschichte, eingebettet in die historischen Ereignisse vor und im Zweiten Weltkrieg in Westpreußen und Danzig.

Veröffentlicht am 02.07.2023

Fesselnder und wendungsreicher Thriller

Wenn sie wüsste
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Inhalt: Millie braucht dringend Geld, denn sie lebt schon seit einiger Zeit in ihrem Auto. Als die elegante Nina ihr eine Stelle als Haushaltshilfe inclusive Kost und Logis anbietet, kann sie ihr Glück ...

Inhalt: Millie braucht dringend Geld, denn sie lebt schon seit einiger Zeit in ihrem Auto. Als die elegante Nina ihr eine Stelle als Haushaltshilfe inclusive Kost und Logis anbietet, kann sie ihr Glück kaum fassen. Dafür akzeptiert sie auch die winzige Dachkammer in der sie untergebracht wird. Doch schon sehr bald wird das Zusammenleben mit Nina und deren verwöhnter Tochter unerträglich. Nina verwüstet das Haus und unterstellt Millie Dinge, die sie nicht getan hat. Nur Ninas attraktiver Ehemann Andrew ist auf ihrer Seite, was Nina bald eifersüchtig macht …

Meine Meinung: Nach einem eher ruhigen Beginn beginnt die Handlung bald Fahrt aufzunehmen. Die Geschichte kommt mit wenigen Charakteren aus und spielt hauptsächlich im Haus der Familie Winchester. Nachdem ich zuerst überhaupt nicht wusste, wem ich trauen kann, bildete ich mir irgendwann zu allen Charakteren eine Meinung, doch dann endete Teil 1 und Teil 2 begann - erzählt aus einer anderen Perspektive - und ich musste meine Meinung wieder ändern.
Der Schreibstil von Freida McFadden lässt sich schnell und flüssig lesen und es gibt einige Wendungen. Auch wenn sicher einiges ab einem gewissen Zeitpunkt vorhersehbar ist, war es doch spannend zu lesen, was noch passiert und wie sich schließlich alles auflöst.
Das Ende ist zwar ziemlich unglaubwürdig, aber für den Leser durchaus befriedigend und auch den Epilog fand ich gelungen.

Fazit: Ein fesselnder und spannender Thriller mit einer beklemmenden Atmosphäre und einigen Wendungen. 4,5 Sterne.