Fesselnde Familiengeschichte
Die Frauen von Capri – Im blauen Meer der TageMünchen Gegenwart: Die 43-jährige Catia ist unzufrieden mit ihrem Leben. Die Kinder werden erwachsen, der Job macht keinen Spaß und auch das Verhältnis zu ihrem Mann ist nicht das Beste. Zu allem Überfluss ...
München Gegenwart: Die 43-jährige Catia ist unzufrieden mit ihrem Leben. Die Kinder werden erwachsen, der Job macht keinen Spaß und auch das Verhältnis zu ihrem Mann ist nicht das Beste. Zu allem Überfluss muss sie auch noch ins Krankenhaus. Dort lernt sie die 80-jährige Italienerin Elisa Santoro kennen, die ihr anbietet, sie für einige Monate nach Capri zu begleiten, um beim Verkauf ihres Elternhauses zu helfen. Doch nach ein paar Wochen auf der italienischen Insel wird Catia klar, dass Elisa ihr etwas Wichtiges verschwiegen hat.
Capri Vergangenheit: Schon immer war für die junge Elisa klar, dass sie einmal die elterliche Weberei leiten und neue Designs für die Ziegenhaardecken entwerfen möchte - und dazu braucht sie weder Ehemann noch Kinder. Doch sie hat das Pech, als Mädchen im Süditalien der 1940er Jahre geboren worden zu sein, und für ihren Vater ist es unvorstellbar, dass eine Frau das Unternehmen leitet. Ein Ehemann muss her, doch damit ist Elisa überhaupt nicht einverstanden.
Meine Meinung: Antonia Riepp erzählt diese deutsch - italienische Familiensaga auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Cover und Titel deuten eher auf eine leichte und sommerliche italienische Liebesgeschichte hin, doch das ist hier nicht der Fall. Der Fokus liegt eher auf Elisas Lebensgeschichte, die mich ganz besonders gefesselt hat. Elisa ist eigenwillig, selbstbewusst, begabt und weiß genau was sie will. Damit ähnelt sie ihrer deutschen Großmutter Wilhelmine - la tedesca - von der in der Familie nicht mehr gesprochen werden darf. Mal amüsiert, mal berührt und mal geschockt habe ich Elisas Lebensweg einige Jahre verfolgt und fand es sehr interessant über das Leben in Süditalien in den (hauptsächlich) 1960er Jahren zu lesen.
Die Geschichte in der Gegenwart hat mir zwar auch ganz gut gefallen, war aber eher nebensächlich für mich.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen und ihre bildhaften Beschreibungen der Landschaft haben eine wunderschöne Atmosphäre, sowie den Wunsch nach Italien zu reisen, erzeugt. Auch die Charaktere konnte ich mir gut vorstellen. In der Vergangenheit mochte ich Elisa sehr gern, habe mit ihr zusammen gehofft und gelitten und war immer auf ihrer Seite, doch mit der Zeit fand ich sie immer dominanter und in der Gegenwart war sie mir dann nicht mehr ganz so sympathisch. Trotzdem kann ich nachvollziehen, warum sie so geworden ist.
Catia gefiel mir ganz gut, sie versteht sich bestens mit der etwas speziellen alten Signora und ab und zu musste ich über ihre lockere und gewitzte Art, mit Elisa umzugehen, schmunzeln. Ihr tut der Tapetenwechsel sehr gut und sie hat Zeit über das Nachzudenken, was sie wirklich möchte. Die Lösung ihrer privaten Probleme war mir allerdings etwas zu schnell und zu einfach.
Fazit: Eine fesselnde Familiengeschichte mit einem wunderschönem Setting, italienischem Flair und einer interessanten Protagonistin. Eine tolle Urlaubslektüre.