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Veröffentlicht am 08.03.2024

Eine falsche Entscheidung und alles ändert sich

Leuchtfeuer
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Der fünfzehnjährige Theo Wilf verursacht einen Autounfall, bei dem ein junges Mädchen stirbt. Anstatt über den Unfall zu reden, beschließt die Familie, den schrecklichen Vorfall totzuschweigen. Dabei hätte ...

Der fünfzehnjährige Theo Wilf verursacht einen Autounfall, bei dem ein junges Mädchen stirbt. Anstatt über den Unfall zu reden, beschließt die Familie, den schrecklichen Vorfall totzuschweigen. Dabei hätte es jedem einzelnen von ihnen gutgetan, das Trauma gemeinsam zu verarbeiten.
Theo packt eines Tages seinen Rucksack und flieht nach Südamerika, seine Schwester Sarah heiratet und macht Karriere. Die Eltern Ben und Mimi bleiben im Heim der Familie, bis Mimi an Demenz erkrankt und in ein Heim umziehen muss.
Die andere Familie, um die es in „Leuchtfeuer“ geht, ist Familie Shenkman, die gegenüber der Wilfs wohnt. Als sie gerade in ihr neues Haus gezogen sind, rettet der Arzt Ben Wilf dem Sohn der Shenkmans, Waldo, das Leben, indem er ihn bei seiner viel zu frühen Geburt sicher auf die Welt bringt. Trotz dieses einschneidenden Ereignisses gibt es keinen Kontakt zwischen den beiden Familien. Zehn Jahre später überschneiden sich die Schicksale der beiden Familien von Neuem.
Wir begleiten die Protagonisten über einen Zeitraum von fünfzig Jahren, wobei die aus der Sicht der einzelnen Personen erzählte Geschichte nicht linear wiedergegeben wird, was manchmal ein wenig verwirrend ist. Am Schluss fügt sich aber wie in einem Puzzle alles zusammen.
Ich habe diese Familiengeschichte, die manchmal Ausflüge ins Esoterische und Philosophische unternimmt, gern gelesen. Sie ist spannend und emotional, aber nichts, was einem lange im Gedächtnis bleibt. Gute Unterhaltungsliteratur für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 01.03.2024

Dem Abgrund entgegen

Der Stich der Biene
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„Der Stich der Biene“ ist ein wahres Mammutwerk. Nicht nur aufgrund des Umfangs von 700 Seiten, sondern auch wegen seiner Detailverliebtheit. Es geht um das Leben der irischen Familie Barnes. Vater Dickie ...

„Der Stich der Biene“ ist ein wahres Mammutwerk. Nicht nur aufgrund des Umfangs von 700 Seiten, sondern auch wegen seiner Detailverliebtheit. Es geht um das Leben der irischen Familie Barnes. Vater Dickie führt ein Autohaus, das kurz vor der Insolvenz steht. Seine bildschöne Frau Imelda stammt aus äußerst prekären Verhältnissen. Ihr Vater ist ein gewalttätiger roher Mann, der von Betrügereien lebt. Es ist daher ein Segen, als sie einen erfolgreichen Mann kennenlernt und ein neues Leben für sie beginnt. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr, und ihr ursprünglicher Lebensplan zerplatzt wie eine Seifenblase.
Tochter Cass umgibt sich mit zwielichtigen Gestalten und kann es kaum erwarten, die irische Provinz zu verlassen, um ein neues Leben als Studentin am Trinity College in Dublin zu beginnen. Ihr jüngerer Bruder PJ verbringt seine Tage mit dem Spielen gewalttätiger und blutrünstiger Videospiele. Je schlechter es um das Autohaus steht, desto mehr geht es auch mit den einzelnen Familienmitgliedern bergab. Sie treffen Entscheidungen, bei denen man sie als Leser am liebsten schütteln möchte, um sie zur Besinnung zu bringen. Obwohl mich dies manchmal fast wahnsinnig gemacht hat, konnte ich das Buch kaum aus den Händen legen. Die Geschichte entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Ich muss dazu sagen, dass ich das Buch in einer Leserunde gelesen habe und die Meinungen dazu sehr auseinandergingen. Es scheint, als ob man es entweder faszinierend findet oder es hasst.
Die einzelnen Kapitel werden aus der Sicht der jeweiligen Familienmitglieder geschildert. Was mich zunächst sehr störte, ist, dass Paul Murray in Imeldas Kapiteln keinerlei Satzzeichen verwendet, lediglich die Satzanfänge sind großgeschrieben. Mir ist klar, dass er damit Imeldas Bewusstseinsstrom abbilden will, ein Gedanke geht in den anderen über, und es gelingt dem Autor so, Imeldas wirre Gedankenwelt anschaulich darzustellen. Trotzdem hat mich das sehr irritiert, zumal es um mehrere hundert Seiten ohne Interpunktion geht. Ich kann auch nicht behaupten, dass mich das Buch durchgehend gefesselt hätte, es gab zwischendurch Passagen, die mir viel zu ausführlich und detailverliebt waren. Gegen Ende spitzen sich die Geschehnisse jedoch dermaßen zu, dass ich das Buch nicht mehr weglegen konnte. Ich kann diesen Roman empfehlen, allerdings ist er sehr aufwühlend und nicht für Leser geeignet, die einen Feelgood-Familienroman erwarten.

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Veröffentlicht am 18.02.2024

Was geschah mit Marino und Lise?

Verborgen
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Ein junger Mann kommt bei einem Brand ums Leben, während seine Eltern und seine Schwester nicht zuhause sind. Bald stellt sich heraus, dass der Brand absichtlich gelegt wurde. Wer wollte Marino tot sehen? ...

Ein junger Mann kommt bei einem Brand ums Leben, während seine Eltern und seine Schwester nicht zuhause sind. Bald stellt sich heraus, dass der Brand absichtlich gelegt wurde. Wer wollte Marino tot sehen? Und gibt es einen Zusammenhang zwischen seinem Tod und dem Verschwinden eines holländischen Au-pair-Mädchens, das angeblich nach Hause fliegen wollte, die Insel laut Flugdaten jedoch nie verlassen hat? Kommissarin Elma und ihr Vorgesetzter Saelva ermitteln im Umfeld der jungen Leute.
Ich hatte bereits den ersten Roman aus der Reihe, „Verschwiegen“, gelesen, den ich als ziemlich zäh und unspannend empfand. Eigentlich wollte ich die Reihe gar nicht weiter verfolgen, aber dieser Band war sehr viel spannender und ausgefeilter als der erste. Die Autorin überrascht bis zuletzt mit unerwarteten Wendungen und punktet mit psychologischer Spannung.

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Die Büchse der Pandora

Wir werden jung sein
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An der Berliner Charité wird ein neues Herzmedikament entwickelt, das an vier Probanden getestet wird. Einer davon, ein älterer Unternehmer, hat mit seinem Leben bereits abgeschlossen und seine Nachfolge ...

An der Berliner Charité wird ein neues Herzmedikament entwickelt, das an vier Probanden getestet wird. Einer davon, ein älterer Unternehmer, hat mit seinem Leben bereits abgeschlossen und seine Nachfolge geregelt, als er plötzlich wieder ungeahnte Energie verspürt. Eine junge Frau, die schon alles versucht hat, um schwanger zu werden, wird plötzlich schwanger. Ein Jugendlicher verspürt kein sexuelles Interesse an seiner Freundin mehr. Eine ehemalige Profischwimmerin stellt einen neuen Weltrekord auf. Wie ist das möglich?
Es stellt sich heraus, dass eine Nebenwirkung des Herzmedikaments die Verjüngung der Patienten ist. Was zunächst wie die Erfüllung eines Menschheitstraums erscheint, wirft viele moralische Fragen auf. Wer soll in den Genuss dieses Jungbrunnens kommen? Nur Wohlhabende, die sich das Medikament leisten können? Was ist mit den Einwohnern armer Länder, wie soll Gerechtigkeit hergestellt werden? Und wie soll die Frage der Überbevölkerung gelöst werden, denn wenn niemand stirbt, können doch nicht ständig neue Erdenbürger dazu kommen?
Maxim Leo ist mit „Wir werden jung sein“ ein faszinierendes Gedankenexperiment gelungen, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.02.2024

Abstruse und unausgegorene Geschichte

Zimmer 55
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Die junge Psychologin Anna erfährt von ihrer Freundin von einer freien Stelle in der renommierten Klinik für forensische Psychiatrie in Säter, in der Lina als Ärztin arbeitet. Anna ist überglücklich, als ...

Die junge Psychologin Anna erfährt von ihrer Freundin von einer freien Stelle in der renommierten Klinik für forensische Psychiatrie in Säter, in der Lina als Ärztin arbeitet. Anna ist überglücklich, als sie die Stelle bekommt. Von Anfang an geschehen merkwürdige Dinge. Sie erhält krypische Nachrichten über eine verschwundene Frau, auf dem Spiegel ihres Arbeitszimmers wird eine Botschaft hinterlassen und ein Polizist meldet sich bei ihr, sie könne sich jederzeit an ihn wenden. Angeblich gibt es in der Klinik ein „Zimmer 55“, doch niemand will davon gehört haben. Der Polizist gibt ihr einen Hinweis, wo sie danach suchen soll, und Anna, die erst seit ein paar Tagen in der Klinik arbeitet, findet dieses geheime Zimmer auf Anhieb.
Die Geschichte hörte sich durchaus spannend an, und von der Tatsache, dass die Autorin ausgebildete Psychologin ist, habe ich mir Einblicke in die Behandlung der Patienten, bei denen es sich allesamt um Schwerverbrecher handelt, versprochen. Leider wurde ich auf ganzer Linie enttäuscht. Die Geschichte dümpelt so vor sich hin und viele Seiten werden mit vollkommen unwichtigen Nebensächlichkeiten gefüllt, die keinen anderen Zweck haben, als Seiten zu generieren: „"Die Pfifferlinge köchtelten in der Pfanne und schwitzten alles Wasser in einem dichten Dampf aus, und Lina gab etwas Butter dazu, so dass sie gelbbraun wurden. Anna suchte nach einem Toaster, den sie irgendwo tief hinten in einem Schrank gesehen hatte. Dann kippte sie ihn über der Spüle aus, schüttelte alte Brotkrümel heraus und steckte zwei Scheiben Toastbrot hinein."
Über mehr als 250 Seiten geht es in diesem Stil weiter, erst kurz vor Schluss wird im Schnelldurchlauf geklärt, was es mit Zimmer 55 und den ominösen „Anderen“ auf sich hat, die von Anfang an immer wieder erwähnt werden. Der unbeholfene Schreibstil mutet zuweilen an wie dem Aufsatz eines Sechstklässlers entnommen: „Anna war sehr traurig, und ihr flossen sogar Tränen die Wange hinab.“ Die Wange? Weint Anna einseitig?
Das Buch lebt von vagen Andeutungen, doch irgendwann hatte ich diese immer gleichen Andeutungen und Fragen so satt, dass ich nur noch zum Ende kommen wollte. Wenn ich nicht Teil einer Leserunde gewesen wäre, hätte ich diesen unglaublich langweiligen und abstrusen „Thriller“ längst zur Seite gelegt.
Bei „Zimmer 55“ handelt es sich um den ersten Band einer geplanten Reihe um die Psychologin Anna Varga. Um weitere Bände werde ich mit Sicherheit einen großen Bogen machen.

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