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Veröffentlicht am 03.05.2023

Der Club der Schlaflosen

Nachts ist man am besten wach
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Seit dem Tod ihrer Mutter, die sie jahrelang gepflegt hat, liegt Sophia nachts wach. Ihr Mann hat sie vor einem Jahr für eine Jüngere verlassen, mit der er nun gern in die Villa einziehen würde, die Sophia ...

Seit dem Tod ihrer Mutter, die sie jahrelang gepflegt hat, liegt Sophia nachts wach. Ihr Mann hat sie vor einem Jahr für eine Jüngere verlassen, mit der er nun gern in die Villa einziehen würde, die Sophia bewohnt. Schließlich ist die Villa seiner Meinung nach für eine Person viel zu groß. Dass es sich dabei um Sophias Elternhaus handelt, tut nichts zur Sache. Sophia weiß nicht mehr ein noch aus, denn mit ihren Finanzen steht es auch nicht zum Besten.
Eines Nachts, als sie mal wieder schlaflos ist, fragt sie auf Twitter, ob es im Raum Hamburg noch mehr Schlaflose wie sie gibt. Die ersten, die sich melden, sind Margarete, Klara und Katharina, die alle ihre eigenen Probleme haben.
Zunächst treffen sich die Frauen jede Nacht auf Twitter, bald gehen sie zu Zoom-Meetings über. Obwohl alle vier grundverschieden sind und auch mit völlig unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben, verstehen sie sich hervorragend und unterstützen sich gegenseitig. Nach kurzer Zeit treffen sie sich auch persönlich und es entwickeln sich richtig schöne Freundschaften. Gemeinsam schaffen sie es, Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Was mir an diesem Hörbuch ganz hervorragend gefallen hat, ist die Sprecherin Katja Danowski. Ihre ruhige, bedächtige Sprechweise passt ganz hervorragend zu der vorsichtigen Sophia, die sich viele Dinge nicht traut, weil sie verlernt hat, auf eigenen Beinen zu stehen. Nachdem ich das Hörbuch fertig gehört hatte und es mich wirklich sehr gut unterhalten hat, habe ich die Autorin gegoogelt und festgestellt, dass sie hier unter einem Pseudonym schreibt. Ihre früheren Romane hätten mich von der Aufmachung her – typische Wohlfühl-Frauenromane mit Blümchen und verschnörkelter Schrift – mit Sicherheit abgeschreckt, so dass ich mir dieses Hörbuch erst gar nicht angehört hätte, was wirklich schade gewesen wäre. Mir hat das Hörbuch sehr vergnügliche Stunden bereitet.

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Veröffentlicht am 27.04.2023

Literaturfestival mit Überraschungen

Wenn Worte töten
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Der Schriftsteller Anthony Horowitz wird von seinem Verlag gebeten, an einem Literaturfestival auf der Kanalinsel Alderney teilzunehmen. Dabei soll ihn der Ex-Polizist und Privatdetektiv Daniel Hawthorne ...

Der Schriftsteller Anthony Horowitz wird von seinem Verlag gebeten, an einem Literaturfestival auf der Kanalinsel Alderney teilzunehmen. Dabei soll ihn der Ex-Polizist und Privatdetektiv Daniel Hawthorne begleiten, dessen Ermittlungserfolge Horowitz bereits in zwei Büchern beschrieben hat. Wie sich herausstellt, ist das Interesse der Leserschaft an Hawthorne weitaus größer als an Horowitz, was diesem natürlich missfällt, doch ein paar Tage Auszeit auf einer beschaulichen Insel können nicht schaden, also sagt Horowitz zu. Außerdem erhofft er sich, den sehr zurückhaltenden Detektiv etwas näher kennenzulernen.
Die anderen Teilnehmer des Festivals sind ein bunt gemischtes Grüppchen: ein lokaler Historiker, ein Fernsehkoch, eine französische Performancekünstlerin, die ihre Werke in einem Dialekt vorträgt, den keiner versteht, eine blinde Seherin und eine Kinderbuchautorin. Es verspricht, ein ziemlich ereignisloses Event zu werden, doch dann geschieht ein Mord. Der Mäzen des Festivals, ein schwerreicher Unternehmer, der auf der Insel ziemlich verhasst ist, weil er eine Stromtrasse quer durch Alderney führen will, wird tot aufgefunden. Kurz danach wird eine weitere Leiche gefunden. Die völlig überforderte örtliche Polizei, die noch niemals mit einer Mordermittlung zu tun hatte, bittet Hawthorne um Mithilfe. Natürlich ist auch Horowitz als Assistent bei den Ermittlungen dabei, schließlich besteht die Möglichkeit, einen Roman über die Morde zu schreiben, sofern es Hawthorne gelingt, sie zu lösen.
Ich habe mich sehr auf diesen dritten gemeinsamen Fall des Teams Hawthorne/Horowitz gefreut und wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht. Es ist herrlich, mit welcher Selbstironie Horowitz über sich selbst schreibt. Ich liebe seinen Humor und Schreibstil sowie die Art seiner Krimis, typisch britischer whodunits im Stil von Agatha Christie. Natürlich werden etliche „red herrings“, falsche Fährten, präsentiert, schließlich gibt es eine Vielzahl von Menschen auf der Insel, denen das Mordopfer ein Dorn im Auge war. Hawthorne ist ein Ermittler mit einer einzigartigen Beobachtungsgabe, es macht Spaß zu lesen, welche Schlüsse er aus den alltäglichsten Situationen zieht.
Mir hat auch dieser dritte Roman der Reihe sehr gut gefallen und mich hervorragend unterhalten.

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Veröffentlicht am 23.04.2023

Rückblick auf ein Leben innerhalb einer Sekunde

Die Sekunde zwischen dir und mir
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Jenn und Robbie scheinen das perfekte Paar zu sein, doch dann passierte etwas, was Jenn dazu veranlasst, Schottland von heute auf morgen zu verlassen und auf Reisen zu gehen, was für die junge, pflichtbewusste ...

Jenn und Robbie scheinen das perfekte Paar zu sein, doch dann passierte etwas, was Jenn dazu veranlasst, Schottland von heute auf morgen zu verlassen und auf Reisen zu gehen, was für die junge, pflichtbewusste Ärztin äußerst untypisch ist. Nach acht Monaten kehrt sie zurück. Eigentlich wollte sie nicht mehr mit Robbie zusammenkommen, doch die Anziehung ist immer noch da. Nach einer gemeinsamen Nacht sitzen sie zusammen im Auto. Plötzlich rast ein LKW auf sie zu, ein Entkommen scheint unmöglich. In diesem Moment hat Jenn eine Nahtoderfahrung: ihr Leben läuft wie ein Film vor ihrem inneren Auge ab. Dabei springen ihre Erinnerungen in der Zeit hin und her, was am Anfang sehr verwirrend ist.
So weit, so gut. Allerdings wird es jetzt wirklich seltsam, denn nicht nur Jenn sieht ihre Erinnerungen, sondern Robbie ist als stiller Gast in den Erinnerungen zugegen. Er spürt Jenns Gefühle: Freude, Kummer, Enttäuschung, die Liebe, die in den frühen Tagen ihrer Beziehung zwischen ihnen herrschte. Kurz vor der LKW auftauchte, wollte Jenn ihm etwas Wichtiges sagen, doch es kam nicht mehr dazu. Robbie ist sicher, wenn er herausfinden kann, um was es sich handelt, kann er den Unfall abwenden. Wie er auf diese Idee kommt und vor allem, wie er dadurch den Unfall verhindern will, war mir bis zum Schluss nicht klar. Sehr seltsam ist außerdem, dass Robbie sich sozusagen als Geist in Jenns Erinnerungen bewegt, er kann mit ihr sprechen, sie anfassen, er kann Dinge bewegen und eine Botschaft in den Sand schreiben, doch er ist unsichtbar.
Eigentlich ist die Geschichte gut erzählt und den Ansatz, eine Beziehung in Rückblicken zu erzählen, fand ich auch nicht schlecht. Allerdings ergibt es für mich absolut keinen Sinn, dass Jenn in der Sekunde zwischen dem Auftauchen des LKWs und dem Aufprall 400 Seiten an Erinnerungen sehen soll, darunter auch ziemlich unwichtige Situationen.
Alles in allem ist „Die Sekunde zwischen dir und mir“ kein schlechtes Buch, doch man darf nicht nach Logik fragen, und die vielen Wiederholungen und Beschreibungen von Alltagssituationen machen die Geschichte vor allem gegen Ende mühsam zu lesen. Es ist eines jener Bücher, die man zwischendurch mal lesen kann, die aber, zumindest bei mir, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

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Veröffentlicht am 15.04.2023

Tiefgründiger als zunächst angenommen

Seemann vom Siebener
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Ottersweiler ist ein kleines pfälzisches Dorf mit einem schönen Freibad. Dort treffen sich an diesem heißen Sommertag die unterschiedlichsten Leute. Dauerschwimmer, die jeden Tag dort anzutreffen sind ...

Ottersweiler ist ein kleines pfälzisches Dorf mit einem schönen Freibad. Dort treffen sich an diesem heißen Sommertag die unterschiedlichsten Leute. Dauerschwimmer, die jeden Tag dort anzutreffen sind wie die ehemalige Lehrerin Frau Trautmann, und andere, die schon jahrelang nicht mehr dort waren wie der bekannte Fotograf Lennart, den es in die USA verschlagen hat und der nur deshalb in den Ort seiner Kindheit zurückgekehrt ist, weil sein ehemals bester Freund Max am Abend beerdigt wird. Dann ist da noch das namenlose Mädchen, dem das Buch seinen Titel verdankt, denn sie will an diesem Tag ein Trauma überwinden und einen Seemann, eine Art Kopfsprung, vom Sieben-Meter-Brett hinlegen. An der Kasse des Schwimmbads sitzt Renate, die sich die Zeit mit Kreuzworträtseln vertreibt und nicht zu vergessen das Urgestein des Schwimmbads, der Bademeister Kiontke, der mir im Lauf des Buchs immer sympathischer wurde.
„Seemann vom Siebener“ ist in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil werden die Personen vorgestellt, allerdings auf eine für mich sehr verwirrende Weise. Beispielsweise ist mal von Isobel die Rede, dann wieder von Frau Trautheimer. Zu Beginn weiß man nicht, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Es sind Puzzlestücke, die noch nicht zusammenpassen. Am Ende dieses Abschnitts war ich ziemlich enttäuscht und der Meinung, dass mir dieses Buch nicht gefallen wird. Doch schon im zweiten Abschnitt ändert sich das Bild. Man beginnt Zusammenhänge zu sehen oder zumindest zu erahnen. Im dritten Abschnitt steuern die Ereignisse auf einen dramatischen Höhepunkt zu, dessen Ausgang allerdings offenbleibt. Sicher ist jedoch, dass dieser Tag im Schwimmbad für jede der Hauptpersonen eine Veränderung herbeigeführt hat.
Sehr schön ist im Übrigen auch die Beschreibung der Atmosphäre des Schwimmbads: die Betonstufen, auf denen sich die Sonnenhungrigen tummeln, nach dem Motto „sehen und gesehen werden“, die jugendlichen Turmspringer, der Frittenduft, der vom Kiosk her über das Becken weht und natürlich die Trägheit eines heißen Sommertags.
Ein wirklich beeindruckendes Buch, in dem allerdings vieles nur angedeutet wird und somit Platz für Spekulation lässt. Wenn ich das Buch nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen hätte, wäre mir mit Sicherheit manche Andeutung und Interpretation entgangen. Ein Buch, bei dem sich das Durchhalten lohnt, denn der erste Eindruck täuscht. Es ist weitaus tiefgründiger als der Beginn vermuten lässt.

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Veröffentlicht am 11.04.2023

Was für ein langweiliges Buch

Und morgen ein neuer Tag
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Die Leseprobe klang ganz vielversprechend. Eine Frau, die seit drei Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat, sich aber ihren Weg ins Leben zurückerkämpfen will. Leider ist der Weg dorthin unglaublich ...

Die Leseprobe klang ganz vielversprechend. Eine Frau, die seit drei Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat, sich aber ihren Weg ins Leben zurückerkämpfen will. Leider ist der Weg dorthin unglaublich langatmig und langweilig. Wir erfahren, welche und wie viele Muffins Meredith bäckt, welche Puzzles mit wie vielen Teilen sie legt und der dramatische Höhepunkt besteht darin, dass ihr Kater für ein paar Tage verschwindet. Auf den Grund, weshalb sie sich in ihrer Wohnung verkriecht, muss man lange warten. Ihre Freundin Sadie scheint ganz nett zu sein und Tom, der sie einmal die Woche besucht, ebenfalls, aber warm wurde ich mit keiner der Personen, mit Meredith selbst am allerwenigsten. Die Mutter war Alkoholikerin, die ihre Töchter vernachlässigte. In Rückblicken erfährt man so manches unschöne Detail aus Merediths Kindheit. Trotzdem blieb mir Meredith fremd und ich konnte keinerlei Empathie zu ihr aufbauen.
Das erste Drittel des Buchs war noch ganz interessant, aber danach empfand ich die Lektüre als reine Zeitverschwendung. Den Schluss habe ich nur noch quergelesen. Leider für mich keineswegs der berührendste Roman des Jahres wie auf dem rückwärtigen Cover angekündigt, sondern der erste richtige Flop des Jahres.

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